Muskovit

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Muskovit
Muscovite-70800.jpg
Sternförmig verzwillingte Muskovitkristalle aus Minas Gerais, Brasilien (Größe: 5,9 x 5,1 x 3,6 cm)
Chemische Formel

KAl2[(OH,F)2|AlSi3O10]

Mineralklasse Schichtsilikate (Phyllosilikate) - Glimmergruppe - Seladonit-Muskovit-Reihe
9.EC.15 (8. Auflage: VIII/H.10) nach Strunz
71.02.02a.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin oder trigonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin siehe Modifikationen
Raumgruppe siehe Kristallstruktur
Farbe farblos, gelblich, bräunlich, selten rötlich, grünlich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 2,5 parallel [001]; parallel [001][1]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,77 bis 2,88; berechnet: 2,83[1]
Glanz Glasglanz, Perlmuttglanz, matt
Transparenz transparent bis durchscheinend
Spaltbarkeit sehr vollkommen nach {001}
Bruch uneben
Habitus tafelige, blättrige, schuppige Kristalle, massige Aggregate, pseudohexagonal
Häufige Kristallflächen {001}, {110}, seltener {010} und {111}[2]
Zwillingsbildung Zwillingsachse [310], Zwillingsebene (001) und Bildung von 6-zackigen Sternen[1]; Orientierte Verwachsungen mit Biotit und anderen Glimmern[2]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,552 bis 1.576; nβ = 1,582 bis 1,615; nγ = 1,587 bis 1,618[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,035 bis 0,042[3]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V =
2vx=30° bis 47°
Pleochroismus schwach, farblos oder bläulich-grünlichgelb-bläulichgrün
Weitere Eigenschaften
Schmelzpunkt ≈ 1320 °C
Chemisches Verhalten in HCl oder H2SO4 nicht löslich
Ähnliche Minerale Lepidolith, Paragonit, Talk
Radioaktivität kaum messbar
Besondere Kennzeichen seltene pleochroitische Höfe um Zirkon-Einschlüsse

Muskovit (auch Tonerdeglimmer) ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Glimmergruppe innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Er kristallisiert je nach Modifikation im monoklinen oder trigonalen Kristallsystem mit der allgemeinen chemischen Zusammensetzung KAl2[(OH,F)2|AlSi3O10]. Strukturell gehört er zu den Schichtsilikaten

Muskovit entwickelt meist tafelige, blättrige, schuppige Kristalle, aber auch massige Aggregate in gelblicher, bräunlicher, rötlicher oder grünlicher Farbe. Auch farblose Kristalle sind bekannt. Seltener, dafür aber in metergroßen Kristallen, tritt Muskovit auch pseudohexagonal auf, das heißt die Kristallform zeigt durch Zwillingsbildung eine scheinbar hexagonale Symmetrie.

Seine Spaltbarkeit ist sehr vollkommen und die Spaltblätter sind elastisch biegsam. Diese Eigenschaft, die er mit den Dunkelglimmern (Biotit) gemeinsam hat, kann Gesteinen eine schieferige Struktur verleihen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Muskovit bedeutet auf russisch so viel wie Moskauer Glas und wurde 1850 von James Dwight Dana so benannt, da es in Russland in großen, grobblättrigen Aggregaten vorkommt und früher zur Verglasung von Fenstern und Heiligenbildern verwendet wurde. Durch seine Hitzebeständigkeit eignet es sich auch sehr gut als Schutzglas für Ofenfenster.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Muskovit zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Seladonit die „Seladonit-Muskovit-Reihe (Phengite)“ mit der System-Nr. VIII/H.10 und den weiteren Mitgliedern Aluminoseladonit, Boromuskovit, Chromphyllit, Chromseladonit, Ferro-Aluminoseladonit, Ferroseladonit, Ganterit, Nanpingit, Paragonit, Roscoelith und Tobelith bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Muskovit ebenfalls in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen oder oktaedrischen Netzen“ zu finden ist, wo es alleiniger Namensgeber die „Muskovitgruppe“ mit der System-Nr. 9.EC.15 und den weiteren Mitgliedern Aluminoseladonit, Boromuskovit, Seladonit, Chernykhit, Chromseladonit, Chromphyllit, Ferro-Aluminoseladonit, Ferroseladonit, Ganterit, Montdorit, Nanpingit, Paragonit, Roscoelith, Tainiolith und Tobelith bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Muskovit in die Abteilung der „Schichtsilikatminerale“ ein. Hier ist er als Mitglied und Namensgeber der „Glimmergruppe (Muskovit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 71.02.02a innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Muskovit ist eine Sammelbezeichnung für die Modifikationen:

  • Muskovit-2M1 - monoklin-prismatisch - 2/m (C2h)
  • Muskovit-1M, auch Muskovit-2Md - monoklin
  • Muskovit-3T - trigonal
Roter Alurgit
Varietät Fuchsit, inkl. Glaukophan

Folgende Varietäten sind bisher bekannt

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Muskovit ist ein wichtiges gesteinsbildendes Mineral und bildet sich durch Metamorphose vor allem in Glimmerschiefer oder Gneis, aber auch magmatisch in Granit oder Pegmatit, wo es Kristalle von bis zu 5 Metern und 85 Tonnen bilden kann, wie sie unter anderem in der „Inikurti-Mine“ bei Nellore in Indien zutage traten.[6] Er kommt in vielen sauren Tiefengesteinen und kristallinen Schiefern vor, jedoch nicht in Ergussgesteinen. Verwittert er, so entsteht durch Abgabe von Kalium ein Tonmineral, das Illit oder Hydromuskovit genannt wird. Als Begleitminerale treten unter anderem Alkalifeldspate und Plagioklase, Biotit, Quarz, Topas und Turmalin auf.[1]

Muskovit ist weltweit an vielen Orten anzutreffen, wobei insgesamt bisher (Stand: 2013) rund 13.000 Fundorte als bekannt gelten.[7]

In Deutschland fand man das Mineral unter anderem an vielen Orten im Bayerischen Wald (Bodenmais, Drachselsried, Vilshofen), in der Eifel (Ettringen, Niedermendig, Niederzissen), im Eppsteiner Schiefer des Taunus#Vordertaunus[8][9], im Erzgebirge (Ehrenfriedersdorf, Freiberg, Oberlausitz), im Fichtelgebirge (Tröstau, Weißenstadt), im Harz (Bad Harzburg), in der Münchberger Gneismasse, im Oberpfälzer Wald (Waidhaus), im Odenwald (Reichelsheim), im Schwarzwald (Hornberg, Wittichen), im Siegerland, im Spessart, im Thüringer Wald (Gottlob, Henneberg) und im Vogtland (Lengenfeld).[10]

In Österreich konnte Muskovit bisher vor allem in Kärnten (Hüttenberg, Gurktaler Alpen, Hohe Tauern), Salzburg (Nassfeldtal, Habachtal, Untersulzbachtal), der Steiermark (Fischbacher Alpen, Koralpe) und Tirol(Kalstal, Zemmgrund, Zillertal) gefunden werden.[10]

In der Schweiz wurde das Mineral vor allem in den Kantonen Graubünden (Vorder- und Hinterrheintal), Tessin (Valle Maggia, Valle Leventina) und Wallis (Binntal) gefunden.[10]

Schön entwickelte Kristallstufen von bis zu 10 Zentimetern Größe kennt man auch aus den Alabashka-Pegmatiten bei Murzinka (Oblast Swerdlowsk) im Ural.[6]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Muskovit kristallisiert polytyp in monokliner Symmetrie, die als Muskovit-1M, Muskovit-2M1 und Muskovit-2M2 bezeichnet werden sowie in trigonaler Symmetrie mit der Bezeichnung Muskovit-3T und in trikliner Symmetrie mit der Bezeichnung Muskovit-2A.

Kristallographische Daten[11]
Polytyp Kristallsystem Raumgruppe Gitterparameter und Formeleinheiten pro Elementarzelle (Z)
Muskovit-1M monoklin C2/m a = 5,21 Å; b = 8,99 Å; c = 10,27 Å und β = 101,6° sowie Z = 2
Muskovit-2M1 C2/c a = 5,20 Å; b = 9,03 Å; c = 20,11 Å und β = 95,8° sowie Z = 4
Muskovit-2M2 C2/c a = 8,96 Å; b = 5,17 Å; c = 20,31 Å und β = 100,7° sowie Z = 4
Muskovit-3T trigonal P3112 oder P3121 a = 5,21 Å und c = 29,8 Å sowie Z = 3
Muskovit-2A triklin C1 a = 5,19 Å; b = 9,01 Å; c = 20,04 Å; α = 90,0°; β = 95,7° und γ = 90,0° sowie Z = 4

Verwendung[Bearbeiten]

Muskovit ist wegen seiner guten Wärme- und elektrischen Isolation ein wichtiger Rohstoff in der technischen Industrie. Früher wurde er auch oft für hitzebeständige Ofenfenster und in Russland für Verglasungen (Moskauer Glas) verwendet.

Fein vermahlen dient er (auch mit anderen Glimmerarten) als Füllstoff und zur inneren Verstärkung von Beschichtungssystemen. Füllstoffe auf Basis Muskovit-Glimmer haben einen weiten Bereich an Partikelgrößen, der von 0,001 mm bis zu 0,5 mm reicht.[12] In der Kosmetik findet der Muskovit zusammen mit dem Biotit Verwendung in Lippenstiften und anderen Kosmetika, um einen langanhaltenden Glanz zu gewähren.

Die Varietät Fuchsit (Chrom-Muskovit) diente in der Malerei als grünes Pigment und ist durch die Verwendung bei indianischen Kunstgegenständen aus Guatemala bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 814.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 250 (Dörfler Natur).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Muskovit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Fuchsit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Muscovite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 70,9 kB)
  2. a b  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 814.
  3. a b Mindat - Muscovite
  4.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 221.
  5. a b Udo Neumann: Mineralverwachsungen (Polymorphien, Para- und Pseudomorphosen, Epitaxien und Zwillingsbildungen). (Universität Tübingen).
  6. a b  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 250 (Dörfler Natur).
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Muskovit
  8. Michaela Winkelmann: Palynostratigraphische Untersuchungen am Südrand des Rheinischen Schiefergebirges (Südtaunus, Südhunsrück). Herbert Utz Verlag, 1997, Kapitel 1.5.1.2 Eppsteiner Schiefer-Folge, S. 9 PDF
  9. Natursteinwerk Fischbach
  10. a b c Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat
  11.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 664-665.
  12. Detlev Gysau, Füllstoffe, Technologie des Beschichtens. Vincentz, Hannover 2006 (§ 5.2.3 Glimmer)