Wolfsberg (Kärnten)

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Wolfsberg
Wappen von Wolfsberg
Wolfsberg (Kärnten) (Österreich)
Wolfsberg (Kärnten)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Wolfsberg
Kfz-Kennzeichen: WO
Fläche: 278,63 km²
Koordinaten: 46° 51′ N, 14° 50′ O46.84187777777814.840786111111463Koordinaten: 46° 50′ 31″ N, 14° 50′ 27″ O
Höhe: 463 m ü. A.
Einwohner: 24.993 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 9400
Vorwahl: 04352
Gemeindekennziffer: 2 09 23
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
9400 Wolfsberg
Website: www.wolfsberg.at
Politik
Bürgermeister: Hans-Peter Schlagholz (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(35 Mitglieder)
15 SPÖ, 14 FPK, 5 ÖVP,
1 Grüne
Lage der Stadt Wolfsberg im Bezirk Wolfsberg
Bad St. Leonhard im Lavanttal Frantschach-Sankt Gertraud Lavamünd Preitenegg Reichenfels Sankt Andrä Sankt Georgen im Lavanttal Wolfsberg Sankt Paul im LavanttalLage der Gemeinde Wolfsberg (Kärnten) im Bezirk Wolfsberg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Markuskirche

Wolfsberg (slow.: Volšperk[1], Volčji breg) ist eine Stadtgemeinde mit 24.993 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) und Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirks in Kärnten.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich in der Mitte des Lavanttales. Sie umfasst weite Teile der Saualpe. Auf die Koralpe reichen zwei Ausläufer des Gemeindegebietes, die die Gemeinde Frantschach-Sankt Gertraud weitgehend umschließen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

1973 entstand durch Gemeindezusammenlegungen die Großgemeinde Wolfsberg, die bis zur Ausgliederung von Frantschach-Sankt Gertraud im Jahr 1991 nach Sölden (Ötztal) und Wien die flächenmäßig drittgrößte Gemeinde Österreichs war und aktuell die viertgrößte ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet gibt es Funde aus der Bronze- und der Hallstattzeit sowie eine römerzeitliche Siedlung.

Anfang des 11. Jahrhunderts, wahrscheinlich schon 1007, gelangte das Gebiet an das Bistum Bamberg[2]. 1178 wurde die Burg als Wolfsperch erstmals urkundlich erwähnt. Um den unterhalb der Burg gelegenen Maierhof entwickelte sich ein Handelsort. 1289 galt die Siedlung bereits als Stadt. Der bambergische Bischof Werntho (reg. 1329–1335) machte Wolfsberg 1328 zum Sitz des bambergischen Vizedoms für die gesamten Kärntner Besitzungen (neben Wolfsberg u. a. St. Leonhard, Villach, Feldkirchen, Tarvis, Griffen), er verlieh Wolfsberg am 30. September 1331 auch die Stadtrechte. 1338 wurden die Juden aus der Stadt vertrieben. Die Streitigkeiten mit den jeweiligen Herren auf Burg Hartneidstein, dem Sitz des landesfürstlichen Gerichts, zogen sich über Jahrhunderte, bis Bamberg 1449 auch die Blutsgerichtsbarkeit erlangte. Die im Zuge dieser Auseinandersetzung erbauten starken Stadt- und Burgbefestigungen schützten auch gegen die Ungarn- und Türkeneinfälle 1475–1480. Wirtschaftlich bedeutend waren Handel, Handwerk, Wein- und Obstanbau.

Im 16. Jahrhundert wurde Wolfsberg ein Zentrum der Reformation, hier ist besonders die Kapelle von Schloss Bayerhofen zu erwähnen. In der nahe gelegenen Burg Waldenstein errichtete Hans Ungnad eine der ersten österreichischen Druckereien, in der v. a. Lutherbibeln und Flugschriften, auch in slowenischer Sprache, gedruckt wurden. Der Vizedom Georg von Stadion führte die Gegenreformation durch, ließ die Schlosskapelle abreißen und siedelte 1634 die Kapuziner an.

1716 wurden 170 Häuser bei einem Brand zerstört. 1759 gelangte Wolfsberg – wie die anderen bambergischen Besitzungen in Kärnten – durch Kauf an die Habsburger. Nach dem Rückgang des Weinbaues waren Eisenhandel und -verarbeitung zum wichtigsten Wirtschaftszweig aufgestiegen. 1780 gründete Franz Paul von Herbert eine Bleiweiß-Fabrik. 1846 erwarb der oberschlesische Graf Hugo Henckel von Donnersmarck die Herrschaft und baute die Burg zum heutigen Schloss im englischen Tudorstil um.

Flüchtlingsbarackenlager in Wolfsberg-Reding, 1915

1879 wurde die Lavanttalbahn nach Unterdrauburg eröffnet, 1900 deren nördliche Fortsetzung nach Zeltweg.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

1936 wurde die Straßenverbindung über die Pack nach Graz eröffnet.

Im Rahmen des Juliputsches 1934 gelang den Nationalsozialisten am 26. Juli nachmittags die Besetzung der Stadt. Deren Kreisleiter Keller rief sich zum Bezirkshauptmann aus. Durch Geiselnahmen erzwangen sie die Kapitulation der Heimwehren und der Gendarmerie. Am Abend kam es im Süden der Stadt, bei der Haltestelle Priel und am Friedhof zu schweren Kämpfen zwischen Bundesheer-Einheiten (1. Kompanie des Alpenjägerregimentes 11 aus Völkermarkt) und Heimwehreinheiten auf der einen und den Putschisten auf der anderen Seite. Unter den Toten waren auch der Kompaniekommandant, Major Smolle. Die Stadt wurde am 27. Juli um 18:30 Uhr von den Putschisten geräumt, als von Norden das Kraftfahrjägerbataillon 3 anrückte. Die Putschisten setzten sich mehrheitlich nach Jugoslawien ab. Im Bezirk Wolfsberg forderten die Kämpfe 22 Todesopfer.

Während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 befand sich in Priel ein Kriegsgefangenenlager, das Stalag XVIII A, mit bis zu 35 Mannschaftsbaracken und über 7000 Gefangenen – Polen, Franzosen, Niederländer, Belgier, Jugoslawen, Russen, Engländer, Kanadier und Italiener. Bei einem alliierten Bombenangriff kamen am 18. Dezember 1944 46 Lagerinsassen und 3 Zivilisten ums Leben. Dieses Lager diente nach Kriegsende der britischen Besatzungsmacht als das wichtigste Internierungslager, in dem schwer- und minderbelastete Nationalsozialisten aus der britischen Besatzungszone (Kärnten, Osttirol und Steiermark – ohne das Ausseerland) inhaftiert wurden. Im Zuge der Entnazifizierung und der Reeducation wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zirka 3000 bis 4000 Angehörige nationalsozialistischer Organisationen und mutmaßliche Kriegsverbrecher im Lager Wolfsberg unter Arrest gestellt. 1948 wurde dieses Lager den österreichischen Behörden übergeben.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Religion[Bearbeiten]

Die Stadtgemeinde hat 24.993 Einwohner (Stand 1. Jänner 2014). Bei der Volkszählung 2001 waren 95,8 % der Bevölkerung österreichische und 1,1 % bosnische Staatsbürger. Als Religionszugehörigkeit gaben 89,3 % römisch-katholisch, 2,0 % evangelisch, 2,1 % islamisch an. 5,2 % waren ohne religiöses Bekenntnis. Im religiösen Kontext ebenfalls erwähnenswert ist, dass sich eine Zweigstelle der religiösen Sekte Scientology in Wolfsberg befindet. [3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Stadtrat (Stadtregierung) von Wolfsberg hat neun Mitglieder. Direkt gewählter Bürgermeister war zuletzt Gerhard Seifried (SPÖ).[4] Gerhard Seifried trat am 17. März 2011 (zum 31. März 2011) vom Amt des Bürgermeisters zurück [5]

Mit 19. Juni 2011 ist Hans-Peter Schlagholz (SPÖ) gewählter Bürgermeister von Wolfsberg. [6]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 35 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 aus Mandataren der folgenden Parteien zusammen:[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Wolfsberg führte ursprünglich seit dem Ende des 13. Jahrhunderts das Wappen des Erzstifts Bamberg, einen mit Schrägrechtsfaden belegten steigenden Löwen, was durch die Kopie einer Urkunde vom 14. Juli 1295 belegt ist. Im ausgehenden Mittelalter wandelte sich das Wappentier, offenbar in Anspielung auf den Ortsnamen, in einen Wolf. Später wurde noch – im Sinne eines „redenden“ Wappens – ein grüner Berg beigefügt; diese Variante wurde von der Stadtgemeinde noch 1968 im Briefkopf verwendet. Anlässlich der Ausstellung einer Wappenbescheinigung (am 12. August 1969 ausgestellt) wurde der Berg aufgrund fehlender historischer Berechtigung weggelassen und die Figur des Wolfs mit einem Löwenzagel (Schweif) versehen, um die älteste bambergische Komponente zu berücksichtigen.

Die amtliche Blasonierung des Wappens lautet:
„Im goldenen Dreiecksschild ein rot bezungter, steigender schwarzer Wolf (mit Löwenzagel), von einem silbernen Schrägrechtsfaden überlegt.“[8]

Die Flagge von Wolfsberg ist Gelb-Schwarz mit eingearbeitetem Wappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wolfsberg

Ortsbildgestaltung[Bearbeiten]

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde das Bergdorf Theißenegg 2001 mit einer Silbermedaille in der Kategorie Dorf ausgezeichnet.[9]

Sport[Bearbeiten]

Sportliches Aushängeschild von Wolfsberg ist der Fußballverein Wolfsberger AC, der seit 2012 in der höchsten österreichischen Spielklasse, der tipico-Bundesliga, spielt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bei der Arbeitsstättenzählung der Statistik Austria wurden mit Stichtag 15. Mai 2001 1.180 Arbeitsstätten mit insgesamt 11.396 Beschäftigten gezählt. Das sind 25,8 % mehr Beschäftigte und 41,1 % mehr Arbeitgeber als 1991. Wolfsberg ist das Dienstleistungs- und Handelszentrum des Bezirks. Darüber hinaus ist insbesondere die metallverarbeitende Industrie mit vielen kleinen und mittleren Betrieben in Wolfsberg ansässig.

Erwähnenswerte Unternehmen sind unter anderem:

  • Schwing GmbH in St.Stefan
  • Tubex Tubenfabrik Gmbh in Kleinedling
  • Johann Offner Gruppe in Schwemmtratten
  • Mahle GmbH in Wolfsberg

Am Bahnhof Wolfsberg halten Nahverkehrszüge aus Klagenfurt und Bad St. Leonhard, die Züge verkehren in regelmäßigen Abständen über die Lavanttalbahn und Jauntalbahn nach Klagenfurt. Zwei Zugpaare verkehren, von Klagenfurt kommend, nach Bad St. Leonhard. Die Regionalzüge halten ebenfalls in der Haltestelle Wolfsberg-Reding. Am Busbahnhof hält ebenfalls der von Klagenfurt kommende ÖBB-Intercitybus Richtung Graz und umgekehrt.

Die ÖBB-Postbus GmbH betreibt im Stadtgebiet von Wolfsberg vier Stadtbuslinien:

  • Linie 1: Bahnhof - Altendorf - St. Michael - St. Jakob
  • Linie 2: Bahnhof - (Stadionbad - Grießkreuz -) St. Margarethen - Weißenbach Thermalbad
  • Linie 3: Bahnhof - Stadionbad - St. Johann - St. Stefan
  • Linie 4: Bahnhof - St. Thomas - St. Marein - Kleinedling

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

  • Die Band .sPout (1998–2012) wurde von Aaron Schüssler in Wolfsberg gegründet

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ortsnamenverzeichnis (PDF; 146 kB), abgerufen 21. August 2010.
  2. 1000 Jahre Wolfsberg - oder doch nicht?
  3. http://diepresse.com/home/leben/mensch/1263230/Scientology_Hubbards-heimische-Anhaenger
  4. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 1. März 2009
  5. Kleine Zeitung
  6. Kleine Zeitung
  7. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 1. März 2009
  8. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 302
  9. http://www.blumenbuero.or.at/

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfsberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien