PCK-Raffinerie

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Die PCK-Raffinerie ist ein Erdölverarbeitungswerk in Schwedt/Oder in der Uckermark (Brandenburg). Die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt zu 95 Prozent die Hauptstadt Berlin mit Kraftstoffen, also Benzin, Diesel, Flugturbinenkraftstoff und Heizöl. Der Marktanteil an der gesamtdeutschen Kraftstoffproduktion beträgt etwa zehn Prozent. Die Abkürzung PCK stand bis 1991 für Petrolchemisches Kombinat, 1991 bis 1996 für Petrolchemie und Kraftstoffe.

Betreiber

Die Raffinerie wird gehalten und betrieben von der PCK Raffinerie GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Ruhr Oel (BP/Rosneft) (37,5 %), Shell Deutschland Oil (37,5 %) und der AET-Raffineriebeteiligungsgesellschaft Schwedt (Eni, Total) (25 %), für die es als Lohnverarbeiter tätig ist.

Mitarbeiter

Für die PCK-Raffinerie arbeiten 1400 Mitarbeiter; 30 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Auf dem Gelände der Raffinerie sind 75 weitere Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern angesiedelt, von denen viele als Dienstleister für die PCK-Raffinerie arbeiten.

Verkehrsanbindung und Logistik

Das Rohöl aus dem westsibirischen Raum wird seit Dezember 1963 über die ca. 5000 km lange Erdölleitung Freundschaft („Druschba“) transportiert, die in Länge und Förderkapazität eine der größten der Welt ist. Rund drei Wochen benötigt das Rohöl, um die 5000 km lange Strecke zu bewältigen.

Gleichzeitig versorgt eine 202 km lange Erdölleitung Rostock–Schwedt (1969 in Betrieb genommen) die Raffinerie mit Rohöl. Über eine Produktleitung (1967, 78 km) werden jährlich drei Millionen Tonnen Kraftstoffe in die PETS nach Seefeld gepumpt. Von hier aus beliefern Tankkraftwagen (TKW) den kompletten Berliner Raum.

Sechs Millionen Tonnen Produkte verlassen im Jahr die Raffinerie per Bahn. Der Werkbahnhof ist über eine Zweigbahn an die Bahnstrecke Berlin–Szczecin angeschlossen. Die PCK beliefert den Flughafen Berlin-Schönefeld über Kesselwagen zu 80 Prozent mit Flugturbinenkraftstoff. Der Flughafen Berlin-Tegel wird zu 100 Prozent per TKW versorgt. In den letzten Jahren wurden die B 2 und die B 166 erheblich ausgebaut, sodass die Tanklastzüge aus Schwedt auf dem Weg zu den Autobahnen A 11 und A 20 nunmehr mit weniger Ortsdurchfahrten auskommen.

Produktion

Die PCK-Raffinerie verarbeitet hauptsächlich Rohöl aus Russland. Das Unternehmen verarbeitete 10,9 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr 2010. Der Umsatz betrug im Jahr 2010 2,1 Milliarden Euro.

Hergestellte Raffinerieprodukte sind u.a. Motorenbenzin (2010: 2,7 Mio t), Kerosin (Jet A1) (0,4 Mio t), Dieselkraftstoff (3,4 Mio t), Heizöl (extra leicht und schwer) (2,0 Mio t) und weitere Produkte (2,4 Mio t) (darunter Propan, Butan, Bitumen, Schwefel, Natriumsulfat, Propen, ETBE (aus Bioethanol), Benzol, Toluol, Xylole und Terephthalsäure).

PCK hat seit Anfang der 1980er Jahre den Bereich der Umwandlung von schweren Prozessrückständen in Kraftstoffkomponenten, die sogenannte Konversion, ausgebaut. In dem 1998 fertiggestellten Kraftwerk mit dreistufiger Rauchgasreinigung wird der schwere Rückstand verbrannt und in Dampf und Strom umgewandelt. Die Leistung des Kraftwerks beträgt rund 300 MW. Bis zu 130 MW werden in das Stromnetz eingespeist. Die Raffinerie versorgt die Stadt Schwedt außerdem mit Fernwärme.

2004 nahm PCK als erste Raffinerie in Deutschland die großtechnische Produktion eines Oktanzahlverbesserers auf Basis biogener Komponenten (ETBE-Anlage) auf, der dem Bereich Biokraftstoffe zugerechnet werden kann. Zwei Jahre später ging eine zweite Anlage ans Netz, mit der PCK ebenfalls Bioanteile chemisch in Benzinkomponenten einbindet – eine Leichtbenzinveretherungsanlage.

Geschichte

Das petrolchemische Kombinat im Dezember 1974

Die DDR-Führung beschloss 1958 den Ausbau ihrer Grundstoffindustrie und bestätigte Schwedt an der Oder als Standort für das Erdölwerk. Der Bau des Werkes erfolgte mit dem Bau einer gemeinsamen Erdölleitung durch die damaligen sozialistischen Staaten innerhalb des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der sogenannten „Erdölleitung der Freundschaft“ (heute: Mineralölverbundleitung). Noch heute ist die Leitung aus dem Gebiet Tjumen mit über 5000 km die längste Pipeline der Welt. Der Grundstein für den Betrieb wurde am 11. November 1960 gelegt. [1] Fünfeinhalb Jahre nach der Gründung 1958 wurde die Rohölverarbeitung der Raffinerie am 1. April 1964 unter dem Namen Erdölverarbeitungswerk (EVW Schwedt) in Betrieb genommen.

Das EVW wurde zum wichtigsten Kraftstofflieferanten der DDR. Im Zuge der Kombinatsbildung wurde das Werk am 30. Dezember 1970 Stammbetrieb des VEB Petrolchemisches Kombinat (PCK) und war neben den Leuna-Werken für die chemische Industrie auf Erdölbasis in der DDR zuständig. Seit Mitte der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre baute die PCK ihren petrolchemischen Bereich aus, um die Textilindustrie mit Faserrohstoffen zu versorgen, hochwertigen Stickstoffdünger für die Landwirtschaft zu produzieren und petrolchemische Komponenten für die Chemieindustrie zu erzeugen. Anfang der 1970er Jahre baute die Raffinerie eine Anlage, um Grundstoffe für die Waschmittelproduktion herzustellen. Später erfolgte der Bau einer Futtereiweißanlage, welche auf Basis von Dieselkraftstoff und Hefepilzen Eiweiß für die Tiermast produzierte. 1972 startete das PCK die Herstellung von Möbeln aus Polyurethan. Nach zehn Jahren wurde diese Produktionslinie eingestellt. 1983 wurde mit dem Aufbau einer Fertigungslinie für Haushaltschemikalien sowie Schuh- und Lederpflegemitteln (Vertrag mit der Salamander) begonnen.

In den 1970er Jahren explodierten die Rohölpreise, und die Raffinerie war gezwungen, mit weniger Rohöl mehr zu produzieren und zu erwirtschaften. Daraufhin wurde 1977 mit dem japanischen Konzern Toyo Engineering Corp. ein Importvertrag für den Bau eines Spalt- und Aromatenkomplexes (SAK) zur Spaltung langkettiger Kohlenwasserstoffe beschlossen. Das PCK stieg damit in die Konversionstechnologie ein und konnte den Anteil an „schwarzen Produkten“ (Schweröl, Bitumen) zugunsten von Diesel, leichtem Heizöl und Benzin („helle Produkte“) senken. Kraftstoffe und Aromaten (insbesondere Benzol) wurden vor allem zur Devisenerwirtschaftung in großen Mengen in das westliche Ausland exportiert. Die Kraftstoffe gelangten über eine Pipeline in das nahe Berlin gelegene Tanklager Seefeld. Von dort aus wurde der gesamte Berliner Raum (einschließlich West-Berlin) versorgt. Die auf Basis des katalytischen Crackverfahrens arbeitende Anlage galt damals als eine der modernsten Europas.

Das Petrolchemische Kombinat im April 1981

1978 stand das Petrolchemische Kombinat vor den Aufgaben, den Spalt- und Aromatenkomplex sowie die Futtereiweißanlage aufzubauen. Für den Bau der Anlagen wären ca. 2000 zusätzliche Arbeitskräfte vonnöten gewesen, die die Regierung jedoch nicht dafür bereitstellen wollte. Das PCK musste die Arbeitskräfte aus allen Bereichen der Belegschaft rekrutieren und freisetzen. Die „Rationalisierung in neuen Dimensionen“ – unter dem Schlagwort „Weniger produzieren mehr“ (Schwedter Initiative) – ging von Schwedt aus und wurde zur landesweiten Kampagne.

In den 1980er Jahren arbeitete die Raffinerie weiter an ihrem Konzept der Rückstandskonversion, um nahezu rückstandsfrei produzieren zu können. So kamen 1984 der Visbreaker und 1988 der HSC-Desus-Komplex zur weiteren Aufarbeitung von dunklen Rückstandsprodukten hinzu. Der Thermocracker HSC (High Conversion Soaker Cracker) ist die einzige Anlage ihrer Art weltweit. Ende der 1980er Jahre wurden im PCK mehr als 10 Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr verarbeitet. Die Gesamt-Beschäftigtenzahl belief sich auf über 8000. Wie viele Kombinate in der DDR, hatte auch die PCK ein werkseigenes Erholungsheim. In Penzlin wurde dafür das Hotel „Seehof“ direkt am Penzliner See genutzt.

Im Juni 1990 wurde das Petrolchemische Kombinat aufgelöst und im Zuge der deutschen Wiedervereinigung als Petrolchemie und Kraftstoffe AG in das Handelsregister eingetragen, um von der Treuhandanstalt privatisiert zu werden. Im Juli 1991 wurde PCK an die deutschen Mineralölgesellschaften VEBA und DEA sowie ein Konsortium aus Agip, elf und Total verkauft. 1996 wurde die AG in eine GmbH umgewandelt.

Literatur

  • Heike Knortz: Innovationsmanagement in der DDR 1973/79–1989. Der sozialistische Manager zwischen ökonomischen Herausforderungen und Systemblockaden, Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2004.
  • Gerd Bukowski, Heinz Limmer: Vom Vorzeigebetrieb zur Spitzenraffinerie: Die Geschichte der Erdölraffinerie in Schwedt/Oder. Steckovics Verlag, 2011, ISBN 978-3899232820.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit" Vor 50 Jahren legte die DDR den Grundstein für das Erdölverarbeitungswerk Schwedt, Kalenderblatt vom 11. November 1960 in Deutschlandradio Kultur

53.114.24Koordinaten: 53° 6′ 0″ N, 14° 14′ 24″ O