Hafen Rostock

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Dieser Artikel behandelt den Rostocker Hafen. Zu den Briefmarkenausgaben siehe Seehafen Rostock.

BW

Hafen Rostock
Logo des Hafen Rostock
Daten
UN/LOCODE DE RSK
Eigentümer Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock mbH (HERO)
Betreiber Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock mbH
Hafentyp Seehafen
Umschlagsmenge 23,2 Mio. t (2013 über alle Anlagen),
davon 21,4 Mio. t im Überseehafen
Website www.rostock-port.de
Geografische Informationen
Ort Rostock
Land Mecklenburg-Vorpommern
Staat Deutschland
Koordinaten 54° 8′ 52,4″ N, 12° 6′ 55,1″ O54.147912.1153055555560Koordinaten: 54° 8′ 52,4″ N, 12° 6′ 55,1″ O
Hafen Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)
Hafen Rostock
Lage Hafen Rostock
Der Rostocker Hafen im Februar 1985: Schlepper als Eisbrecher im Einsatz

Der Hafen Rostock (international auch Rostock Port) ist ein großer deutscher Hafen an der Ostsee, er liegt an der Unterwarnow auf dem Gebiet der Stadt Rostock. Eigentümer der Hafeninfrastruktur ist die Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock mbH, ein Gemeinschaftsunternehmen des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und der Hansestadt Rostock. Der Hafenbetrieb wird durch die Seehafen Rostock Umschlagsgesellschaft mbH, die sich in privatem Besitz befindet, und weitere Unternehmen durchgeführt. Mit einem Gesamtumschlag von 23,2 Millionen Tonnen (2013) liegt Rostock auf Platz 4 der größten deutschen Häfen (hinter Hamburg, Bremen/Bremerhaven und Wilhelmshaven).[1]

Zum Hafen Rostock gehören der Überseehafen, der Fracht- und Fischereihafen an der Westseite der Unterwarnow, der Kreuzfahrthafen in Warnemünde sowie weitere kleinere Anlagen.

Hafenanlagen[Bearbeiten]

Verladearbeiten 1983
Tag der Seeverkehrswirtschaft (9. Oktober 1981): Sowjetische Frachtschiffe

Am Ostufer der Unterwarnow und am Südufer des Breitlings befinden sich die ausgedehnten Anlagen des Rostocker Überseehafens. Dieser Hafen verfügt über vier Hafenbecken, die Warnowpier mit dem Fährterminal, von dem Fährschiffe nach Dänemark (Gedser), Schweden (Trelleborg), Finnland (Helsinki, Hanko), Estland (Tallinn) und Lettland (Ventspils) verkehren und einen Ölsteg für Tankschiffe sowie einem, der der Marine vorbehalten ist. Insgesamt stehen 47 Liegeplätze unterschiedlicher Abmessungen zur Verfügung. Hier können Schiffe mit bis zu 300 m Länge, 45 m Breite und 13,0 m Tiefgang anlegen. Es gibt einen eigenen Hafenbahnhof und einen direkten Autobahnanschluss an die A 19. Mit der PCK Raffinerie in Schwedt und dem mitteldeutschen Chemiestandort Böhlen ist der Hafen durch Pipelines verbunden.

Blick auf das Hafenbecken C des Rostocker Überseehafens

Am Neuen Strom / Seekanal in Warnemünde befindet sich der Passagierkai mit dem Kreuzfahrthafen Warnemünde Cruise Port. Dieser Hafen bietet acht Liegeplätze unterschiedlicher Größe und kann von Kreuzfahrtschiffen bis zu einer Länge von 355 m und einem Tiefgang von 8,53 m angelaufen werden.

Der Stadthafen, der in früheren Jahrhunderten der Haupthafen Rostocks war, spielt heute für den Hafenumschlag keine Rolle mehr, er wird hauptsächlich von Ausflugsschiffen, der Sportschifffahrt (City-Bootshafen Rostock und Museumshafen im Haedgehafen) und vom lokalen Schiffsverkehr genutzt. Den Stadthafen können Schiffe bis 6,4 m Tiefgang anlaufen. Auf der Silohalbinsel des Stadthafens befindet sich die Unternehmenszentrale der Deutschen Seereederei.

Im Stadtteil Marienehe liegt der Rostocker Fracht- und Fischereihafen, der von Schiffen bis 180 m Länge und 8,0 m Tiefgang angelaufen werden kann.

Am Südufer des Breitlings befindet sich der Werkshafen (Chemiehafen) von Yara International, der von Tankern bis 8,45 m Tiefgang genutzt werden kann. Von dort verläuft eine Pipeline zum YARA-Werk Rostock.

Am Westufer der Unterwarnow befinden sich zwischen Marienehe und Groß Klein die Hafenanlagen Müsingkai (max. 5,8 m Tiefgang, Schüttgutumschlag), MAB-Kai (max. 5,79 m Tiefgang, Schrottumschlag) und Maritimes Gewerbegebiet Groß Klein (max. 6,4 m Tiefgang).

In Warnemünde gibt es die Werfthäfen der Neptun- und Aker Warnowwerft sowie den traditionellen Hafen der Kutterfischer im Alten Strom.

Am Anleger Schmarl liegt das Traditionsschiff Typ Frieden. Dieses Schiff ist Heimstatt des Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums und selbst größtes Ausstellungsstück. Als MS Dresden 1956/57 auf der Warnowwerft Warnemünde gebaut, gehörte es zur ersten Serie von 10.000-tdw-Schiffen, die in der DDR auf Kiel gelegt wurden. Das Typschiff dieser Serie war das MS Frieden. Zum Museum gehören neben dem Traditionsschiff der Dampfschlepper Saturn, das Betonschiff Capella und der Schwimmkran Langer Heinrich.

Geschichte[Bearbeiten]

Die DDR-Sonderbriefmarke zur Inbetriebnahme des Hochseehafens zeigt ein 10.000-t-Frachtschiff vom Typ „Frieden“

Die Geschichte des Rostocker Hafens reicht bis ins Mittelalter zurück, vor allem zu Zeiten der Hanse war der Hafen ein wichtiger Drehpunkt des Handels mit Skandinavien und dem Baltikum. Der Hafen verlor mit dem Niedergang der Hanse an Bedeutung. Die mit der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien verbundene Verlagerung des (Welt-)Handels auf den Bereich des Mittelmeers und des Atlantiks führte zum Niedergang des Hafens. Nach einer kurzen Blüte bedingt durch Getreideexporte Mitte des 19. Jahrhunderts hatte er nur noch lokale Bedeutung.

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert setzte ein bescheidener Hafenausbau ein. Unter der Federführung des Stadt- und Hafenbaudirektors Kerner wurde der Hafen nach Westen erweitert, der Kohlenkai und der Haedgehafen gebaut. Der Hafen erhielt den ersten modernen Hafenkran und Kranbrücken für den Kohleumschlag. Gleichzeitig wurde im Zuge des Aufbaus der Eisenbahn-Fährverbindung von Warnemünde nach Gedser als Teil der Achse KopenhagenBerlin die Zufahrt zum Rostocker Hafen erheblich verbessert. In Warnemünde entstand der Neue Strom als breitere und vor allem besser befahrbare Einfahrt zum Rostocker Hafen. Die Fahrwasser im Hafen wurden auf 4,1 m bis 6,7 m vertieft, so dass die damals in der Ostseefahrt üblichen Schiffe den Hafen nun problemlos anlaufen konnten. In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg entstanden westlich des Haedgehafens die Kaianlagen an der Eschenbrücke und am Kehrwieder. Das Neue Land im Osten des Hafens wurde als Ausbaugebiet für den Holzhafen vorgesehen und auf dem östlichen Ufer der Unterwarnow das Erweiterungsgebiet Osthafen vorbereitet. Der Kriegsausbruch im August 1914 beendete zunächst alle Erweiterungpläne.

In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg brachte der Aufbau der Flugzeugindustrie auch dem Hafen einen, wenn auch kleinen Aufschwung. Im Zuge des Reichsspeicherprogramms der NS-Regierung wurden in den 1930er Jahren moderne Getreidesilos und eine neue Ölmühle auf der Silohalbinsel gebaut. Während des Krieges wurde bei den Luftangriffen der Alliierten, die primär der Flugzeugindustrie und den Wohngebieten der Stadt Rostock galten, auch der Hafen getroffen und beschädigt.

Durch die Teilung Deutschlands ergab sich die Notwendigkeit, an der Ostseeküste der DDR einen Hochseehafen zu bauen. Nach Prüfung mehrerer Varianten fiel die Entscheidung für den Überseehafen Rostock. Der neue Hafen wurde am 30. April 1960 eröffnet und vom VEB Seehafen Rostock betrieben. Der Hafen wurde Heimathafen der Schiffe der Deutschen Seereederei (DSR) und konnte bis zum Jahr 1989 ein stetiges Umschlagwachstum vorwiegend durch Massenschüttgüter verzeichnen.

Mit der deutschen Einheit war eine Neupositionierung des Hafens erforderlich. Es erfolgte der Ausbau des Fährschiffverkehrs, zunächst vor allem über die kurze Verbindung nach Gedser, Dänemark – später dann auch zunehmend mit Verbindungen nach Trelleborg, Schweden und Hanko, Finnland sowie ins Baltikum. Gewisse Bedeutung erhielten auch die sogenannten RoRo-Verkehre (Roll-on/Roll-off). Zunehmend wichtig ist darüber hinaus der kombinierte Ladungsverkehr (KLV), hier wird ein KLV-Terminal betrieben mit Zugverbindungen nach Verona, Basel und Duisburg.

Rasant an Bedeutung nahm in den letzten Jahren die Kreuzschifffahrt zu, die vorzugsweise am 2005 neu eröffneten Kreuzfahrt-Terminal Warnemünde Cruise Center in Warnemünde abgewickelt wird. Jährlich laufen regelmäßig deutlich über hundert Kreuzfahrtschiffe den Warnemünder und Rostocker Hafen an. Mit 181 angemeldeten Kreuzschifffahrtsanläufen wurde 2012 der bisherige Rekord von 2011 mit 158 Anläufen überboten (Platz 1 in Deutschland)[2]. 2013 wurde mit 198 Anläufen ein neuer deutschlandweiter Rekord aufgestellt. Auch für 2014 liegen schon 179 Anmeldungen vor. Der Hafen wird von einigen Reedereien als Start- und Zielhafen der Kreuzfahrten genutzt, so zum Beispiel von AIDA Cruises, Costa Crociere, Norwegian Cruise Line, Princess Cruises und ab 2014 auch MSC Kreuzfahrten mit der MSC POESIA (19 Anläufe). Viele Kreuzfahrttouristen nutzen Warnemünde als Ausgangspunkt für Ausflüge nach Rostock, Berlin, Hamburg oder Lübeck, das erklärt die lange Liegezeit der meisten Kreuzfahrtschiffe.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Zahl der Fährpassagiere lag im Jahr 2013 bei 1,9 Mio.[3] (2011: 2,01 Mio., 2010; 2,06 Mio.).

Der Güterumschlag im Überseehafen 1989 bis 2013 in Millionen Tonnen
Jahr 1960 1970 1975 1980 1985 1989 1991 1993 1995 1997 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Flüssiggut 3,1[4] 3,5 2,6 2,9 3,0 4,3 3,1 3,3 2,2 2,5 2,5 2,9 4,0 4,7 4,0 4,6 2,9 3,0 2,5
Schüttgut 9,5[4] 11,0 3,9 5,6 7,8 6,4 6,5 6,7 6,4 5,4 5,8 6,0 5,0 5,9 5,4 6,0 5,8 5,2 6
Getreide und Futtermittel 2,4[4]
Stückgut 7,0 6,3 1,3 1,7 1,5 1,2 0,9 0,7 0,7 0,6 0,7 1,0 1,1 0,6 0,4 0,4 0,6 0,55 0,493
Fähr-Güter 0,0 0,0 1,6 5,0 6,5 9,1 10,5 11,2 12,0 12,8 13,9 15,1 13,7 10,2 11,5 11,7 11,02
RoRo-Güter 0,96[4] 0,0 0,3 0,3 0,5 0,6 0,9 1,0 1,1 1,3 1,1 1,4 1,3 2,3 1,5 1,2 1,3 1,25
Gesamt 1[4] 10[4] 12[4] 15[4] 19,6[4] 20,8 8,1 12,1 17,8 19,0 20,5 22,2 21,6 21,8 22,9 25,2 26,5 27,2 21,5 23,7 22,3 21,2 21,4
Kreuzfahrtanläufe 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 62 76 93 97 138 93 115 113 114 158 181 198 178

Im Hafengebiet haben sich auch Industrieunternehmen angesiedelt. Auf dem Gebiet des Überseehafens befinden sich u.a. ein Werk des Kranherstellers Liebherr und eine Mälzerei von Malteurop Deutschland. 2008 hat ein Großrohrwerk einer Tochterfirma der Erndtebrücker Eisenwerke (EEW) die Produktion aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • 50 Jahre Seehafen Rostock – 20 Jahre Fährverkehr. In: Schiff & Hafen, Heft 5/2010, S. 39, Seehafen-Verlag, Hamburg 2010, ISSN 0938-1643
  • Ralf Witthohn: Rostock: Viel mehr als Berlins Kreuzlinerport. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 5/2010, S. 24–27, Storck-Verlag, Hamburg 2010, ISSN 0948-9002
  • Rostocker Hafen: Modernes Sicherheitskonzept. In: Schiff & Hafen, Heft 9/2012, S. 36–38, Seehafen-Verlag, Hamburg 2012, ISSN 0938-1643
  • Auch Seehafen Rostock kämpft gegen die Wirtschaftsflaute - Rückgang in fast allen Umschlag-Segmenten. In: Täglicher Hafenbericht vom 13. August 2013, S. 1/3, Seehafen-Verlag, Hamburg 2013, ISSN 2190-8753

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rostocker Häfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eckhard-Herbert Arndt: Umschlag im Nordosten steigt. In: Täglicher Hafenbericht vom 20. Januar 2014, S. 3
  2. http://www.rostock-heute.de/kreuzfahrtschiffe-warnemuende Anlaufkalender Kreuzfahrtschiffe
  3. Leichtes Umschlagwachstum in Rostock und Kiel. In: Schiff & Hafen, Heft 3/2014, S. 68–70
  4. a b c d e f g h i 45 Jahre Seehafen Rostock