Bundesautobahn 20

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Bundesautobahn 20 in Deutschland
Bundesautobahn 20
 European Road 22 number DE.svg European Road 251 number DE.svg
Karte
Verlauf der A 20
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Gesamtlänge: 541 km
  davon in Betrieb: 345 km
  davon in Planung: 196 km

Bundesland:

Ausbauzustand: vierstreifig
Bundesautobahn 20 bei Klempenow
Bundesautobahn 20 bei Klempenow

Die Bundesautobahn 20 (Abkürzung: BAB 20) – Kurzform: Autobahn 20 (Abkürzung: A 20), auch „Ostseeautobahn“ oder „Küstenautobahn“ genannt – ist eine Autobahn in Norddeutschland.

Die Autobahn 20 wird seit 1992 gebaut bzw. erweitert. Als Projekt 10 gehörte es zu den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit und sah eine bessere Anbindung des Ostseeküstenraumes und großer Bereiche des Landes Mecklenburg-Vorpommern an das westdeutsche und europäische Verkehrsnetz vor. Sie sollte auch die Bundesstraßen 96, 104 und 105 entlasten. Die 1992 für das Jahr 2010 prognostizierte durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) trat bei Weitem nicht ein; sie betrug auf dem Abschnitt Lübeck–Wismar rd. 28.000 (statt 40.000 prognostizierte) Kraftfahrzeuge, auf dem Abschnitt Wismar zur A 19 bei Rostock rd. 30.000 (statt 60.000) Kraftfahrzeuge und fällt dahinter bis auf unter 12.000 Kraftfahrzeuge ab.

Die A 20 ist bis heute der längste zusammenhängende Neubau einer Autobahn seit 1945 und löste die A 61 als längste „zweistellige“ Autobahn Deutschlands ab.

Verlauf[Bearbeiten]

A 20 bei Langsdorf in Richtung Rostock

Die Bundesautobahn 20 führt seit Dezember 2009 durchgängig von Bad Segeberg über das unmittelbare Hinterland der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns bis zum Autobahndreieck Kreuz Uckermark an der A 11, wo sie dann in die B 166 in Richtung Schwedt/Oder übergeht.

Von Lübeck über Rostock bis Greifswald verläuft die A 20 in östlicher Richtung, ab hier südlich in Richtung Neubrandenburg, dann weiter südöstlich bis Pasewalk und von dort in Richtung Süden bis zum Kreuz Uckermark. An der zum Autobahndreieck ausgebauten Anschlussstelle Stralsund mündet die als vierstreifige Kraftfahrstraße neu gebaute B 96 ein.

Von der Gesamtstrecke befinden sich 279,6 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern, 26,8 Kilometer in Brandenburg und 38,8 Kilometer in Schleswig-Holstein. Bestandteil der Strecke sind 105 Autobahnbrücken, vier Autobahnkreuze und -dreiecke sowie 35 Anschlussstellen.

Der Flughafen Lübeck-Blankensee erhielt 2007 im Zuge der neugebauten Bundesstraße 207 eine direkte eigene Anschlussstelle Lübeck-Süd.

Raststätten[Bearbeiten]

Für den A 20-Abschnitt in Mecklenburg-Vorpommern wurden fünf Raststätten geplant, von denen bis Dezember 2012 nur eine eröffnet wurde.[1] Für die vier verbleibenden wurden zwar die infrastrukturellen Vorbereitungen getroffen, allerdings fanden sich noch keine Investoren, die dort Raststätten bauen und eröffnen wollen, so dass die Flächen bisher wegen fehlender Sanitäranlagen lediglich eingeschränkt als Parkplatz genutzt werden können. So befindet sich auf den östlichen rund 240 Kilometern keine gastronomische Einrichtung direkt an der Autobahn. Grund ist laut Verkehrsministerium die zögerliche wirtschaftliche Entwicklung der Region, das geringe Verkehrsaufkommen und das damit verbundene hohe unternehmerische Risiko.[2] Für den schleswig-holsteinischen Abschnitt der A 20 wurde nur eine einzige Raststätte geplant.

Weiterbau und Planungen[Bearbeiten]

Nordwestumgehung Hamburgs[Bearbeiten]

geplanter Verlauf der A 20 durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen

Eine Weiterführung durch Schleswig-Holstein von Bad Segeberg über Bad Bramstedt zu einer Elbquerung westlich Hamburgs quer durch das nördliche Niedersachsen mit Weserquerung südlich Bremerhaven ist geplant. Die Autobahn erlangt nördlich von Hamburg eine besondere Bedeutung als Hamburger Nordring. Die A 20 wird hier zukünftig (von Ost nach West) die A 1, die A 21, die A 7 und die A 23 miteinander verbinden.

Aufgrund einer Baupanne zwischen Kreuz Lübeck und Geschendorf (s. u.) verzögerte sich die Freigabe dieses Teilstücks bis zum 28. Juli 2009. Der Abschnitt enthält 20 Brückenbauwerke inklusive einer umstrittenen Wildbrücke bei Strukdorf, die aus großen Stahlbetonbögen besteht und einem Tunnel ähnlich ist. Der anschließende Abschnitt bis Weede wurde am 21. Dezember 2009, sechs Monate früher als geplant, dem Verkehr übergeben.[3]

Der Planfeststellungsbeschluss für das Teilstück inklusive Querung der A 21 von Weede bis Wittenborn erfolgte am 30. April 2012.[4] Am 6. November 2013 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass der Planfeststellungsbeschluss für dieses Teilstück nicht vollziehbar ist. Das Gericht hat festgestellt, dass die Planung den bindenden europarechtlichen Anforderungen in Bezug auf den Schutz der FFH-Gebiete „Segeberger Kalkberghöhle" und „Travetal“ nicht hinreichend Rechnung trägt. Zum einen wurde die Methode zur Bestandserfassung der geschützten Fledermäuse als unzureichend erachtet. Zum anderen wurde die Alternativenprüfung in Bezug auf eine südliche Trassenvariante bemängelt. Die Planung muss entsprechend nachgearbeitet werden. Damit ist eine Verzögerung um 2-3 Jahre verbunden.

Für die restlichen Streckenabschnitte einschließlich der Elbquerung bei Glückstadt erfolgte die formelle Linienbestimmung am 28. Juli 2005. Sie sind derzeit in der Planfeststellung. Das größte Bauwerk dieser Strecke soll die Untertunnelung der Elbe bei Glückstadt werden. Es ist vorgesehen, sie von privaten Investoren bauen und über Mauteinnahmen finanzieren zu lassen, jedoch hat sich noch kein Investor gefunden. Geplant sind zwei etwa 5.200 Meter lange zweistreifige Röhren mit knapp zwölf Metern Innendurchmesser.

Auf dem Gebiet Niedersachsens soll die A 20 über das geplante Dreieck Drochtersen mit der A 26 Richtung Stade und Hamburg verbunden werden. In südwestlicher Richtung sollte ursprünglichen Planungen zufolge die geplante A 22 weiterführen.[5] Die geplante Strecke soll nun aber ebenfalls Teil der A 20 werden.

Verlängerung in Niedersachsen bis zur A 28[Bearbeiten]

Die A 20 soll durch den bestehenden Wesertunnel führen
Verlauf dieses Abschnitts (ehemals A 22)

Eine ursprünglich geplante Verlängerung vom Elbtunnel nach Süden bis zur A 1 bei Sittensen ist zugunsten der zunächst als A 22 geplanten Strecke in Richtung Westen („Küstenautobahn“) zurückgestellt worden. Am 25. Juni 2010 wurde bekannt gegeben, dass diese Strecke ebenfalls als Teil der A 20 realisiert werden soll.[6] Damit sollte deutlich werden, dass die Küstenautobahn die Ostseeautobahn verlängere.[7]

Dieser Abschnitt beginnt beim Autobahndreieck Drochtersen mit der ebenfalls geplanten A 26 und umfährt Engelschoff südöstlich. Des Weiteren wird die Autobahn nordwestlich Himmelpforten, nördlich Oldendorf und östlich Estorf verlaufen. Im weiteren Verlauf wird die Oste nördlich von Nieder-Ochtenhausen überbrückt, Bremervörde wird nordwestlich umfahren,[8] Hipstedt wird im Südosten berührt und am Nordrand von Lunestedt wird die Strecke weiter nach Westen abbiegen. Darüber hinaus wird die Trasse nördlich der Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven in südöstliche Richtung verlaufen, um dann Loxstedt nördlich fast in einem Halbkreis zu umfahren. Beim Dreieck Bremerhaven-Süd wird die Autobahn in die A 27 einmünden, dieser sieben Kilometer bis zum Dreieck Stotel folgen und dann in westlicher Richtung durch den bereits bestehenden Wesertunnel der Bundesstraße 437 führen. Danach wird die A 20 weiter nach Südosten verlaufen, die Schwei westlich sowie Neustadt östlich umgehen und in einem Bogen südöstlich um Jaderberg herum mit einer Querung der Jade bei Jade die A 29 auf dem Kreuz Jaderberg überqueren. Von dort wird die Autobahn nordwärts durch das Dringenburger Moor führen, ehe sie schließlich bei Westerstede in die A 28 münden wird.

Dieser Verlauf ging erstmals aus den am 18. Oktober 2007 veröffentlichten Unterlagen zum Raumordnungsverfahren[9] und der Landesplanerischen Feststellung vom Februar 2009[10] hervor. Im Raumordnungsverfahren wurden Baukosten um 1,1 Mrd. Euro genannt.[11]

Am 27. Februar 2012 erklärte der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister, dass er sich mit dem Bundesverkehrsministerium darauf geeinigt habe, Ende 2013 mit dem Weiterbau der Autobahn auf niedersächsischem Gebiet, zunächst zwischen Bremervörde und Elm, zu beginnen.[12] Das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Westerstede–Drochtersen wurde am 28. September 2012 eingeleitet.[13] Die Frage der Finanzierung des Elbtunnels ist noch offen.[14]

Diskussion[Bearbeiten]

Gefordert wurde der Bau der Küstenautobahn insbesondere von der (Hafen-)Wirtschaft in Nordwestdeutschland, nicht zuletzt aufgrund des erwarteten Zusatzverkehrs durch den Bau des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven. Die Autobahn würde vor allem eine kürzere Verbindung zwischen den Niederlanden bzw. dem Ruhrgebiet und 60 km an Hamburg vorbei (sowie weiter nach Skandinavien und Osteuropa) schaffen[15] und sollte die A 1 um zwei Prozent entlasten. Da der Bund die Planung noch nicht finanzieren wollte, wurden im Jahr 2006 – insbesondere von Unternehmen der Region – über 750.000 € Spendengelder gesammelt, um sich an den notwendigen Vorplanungskosten zu beteiligen, damit diese sofort beginnen könnten. Dieses Drittel der Vorplanungskosten wurde als private Spende deklariert, obwohl viele der Großspenden von Verbänden, Versorgern, Geldinstituten und anderen „halböffentlichen“ Firmen kamen. Für die laufende Planung sind im niedersächsischen Landeshaushalt über 40 Millionen Euro bereitgestellt.

Es gab erhebliche Widerstände der betroffenen Bevölkerung entlang der geplanten Trassen. Ein breites Bündnis aus Bürgerinitiativen, Umwelt- und Verkehrsverbänden wendet sich gegen die mit dem Bau verbundene Landschaftszerstörung, zweifelte die Wirtschaftlichkeit des Projektes an (Nutzen-Kosten-Verhältnis laut Bundesverkehrswegeplan: 1,9; laut Unterlagen Raumordnungsverfahren bis 4,2) und sah eine Vielzahl regionaler Arbeitsplätze gefährdet. Das Bündnis forderte als Alternative den Ausbau des Bahnnetzes, um noch mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

Nachdem der Name von „A 22“ in „A 20“ geändert worden war, hat die Initiative „A22-NIE“ darauf hingewiesen, dass die Landesregierung damit „einen Offenbarungseid ablegt. […] Offensichtlich sei die bisher propagierte Förderung der regionalen Wirtschaft nicht stichhaltig. Mit der Zustimmung zur Umbenennung macht auch die Bundesregierung deutlich, dass die A 22/20 vor allem dem internationalen Transitverkehr dienen soll.“[16]

Siehe auch: Bundesautobahn 22

Nummerierung der Anschlussstellen[Bearbeiten]

Bei der Nummerierung der Anschlussstellen wurde die westlich der A 1 liegende Trasse nicht berücksichtigt. Daher wird nach Fertigstellung der Gesamtstrecke ggf. eine neue Nummerierung der Anschlussstellen notwendig. Warum für diesen Teil kein Zahlenbereich, z. B. die Nummern 1 bis 30, freigehalten wurde, ist unklar.

Geschichte[Bearbeiten]

Brücke der A 20 über das Peenetal bei Jarmen
A-20-Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal bei Lübeck
Gedenkstein zur Öffnung des ersten Teilstücks der A 20

Archäologische Trassenuntersuchung[Bearbeiten]

Vor den Bauarbeiten wurde die gesamte Trasse durch die Archäologischen Landesämter untersucht. Als Basis für die Untersuchungen war ein neues, dreistufiges Verfahren erarbeitet worden. In der ersten Phase erfolgt die Ermittlung des im Trassenverlauf vorhandenen Denkmalbestandes, anhand von Archivunterlagen und Luftbildauswertungen. Zusätzlich wurde eine Begehung durchgeführt und die Ackeroberfläche abgesucht. Es zeigte sich, dass die wenigsten der im Trassenbereich vorhandenen Denkmale zuvor bekannt waren. Im 90 km langen Abschnitt zwischen Schönberg und Rostock wurden z. B. 161 Fundplätze ermittelt, von denen zuvor nur neun bekannt waren. Die Zahl der im Trassenverlauf ermittelten Bodendenkmale beträgt 594, von denen 495 in Mecklenburg-Vorpommern, 29 in Brandenburg und 70 in Schleswig-Holstein liegen. Zuvor waren davon nur etwa 100 bekannt.

Mit Abschluss der Prospektion und Auswertung der Bodengutachten waren nur quantitative Aussagen zum Fundplatzbestand möglich. Da bei der Auswahl von Grabungsobjekten der wissenschaftshistorische Mehrwert zu beurteilen war, wurden die Fundplätze einer Voruntersuchung unterzogen. Dazu wurden zwei Meter breite, meist 50–100 m lange Suchschnitte angelegt, die zeigten, ob der Zustand des Fundplatzes weitergehende Untersuchungen rechtfertigte.

Insgesamt wurden im Verlauf der A 20 zwischen 1994 und 2004 etwa 430 Bodendenkmale untersucht, wobei 138 Fundplätze flächig aufgedeckt wurden. Ihre zeitliche Tiefe umfasst mehr als 11.000 Jahre. Sehr breit ist das Spektrum der Befundgattungen. Neben Siedlungen, die den größten Teil stellen, konnten eine komplette slawische Burganlage mit zugehöriger Vorburgsiedlung, Grabanlagen unterschiedlicher Art, Opferplätze, Produktionsstätten, Wegeführungen, ein Wehrspeicher und saisonale Werkplätze dokumentiert werden. Viele Grabungsergebnisse sind von größter landesgeschichtlicher oder überregionaler Bedeutung. Beispiele für den Erfolg der Untersuchungen sind die Entdeckung des Feuerstellenplatzes von Jarmen, des Feuerstellenplatzes von Triwalk und der Fund des Feuersteinbeils von Wodarg.

Bauarbeiten[Bearbeiten]

Der erste Spatenstich zu dieser Autobahn wurde im Jahre 1992 vom damaligen Bundesminister für Verkehr, Günther Krause, an der Anschlussstelle Wismar-Mitte durchgeführt. Daher wurde diese Autobahn zeitweilig auch „Krauseautobahn” genannt. Ein Teil des Vorhabens wurde per Investitionsmaßnahmegesetz, ohne Planfeststellungsverfahren, genehmigt.

Hauptaugenmerk wurde zuerst auf Teilstücke gelegt, in deren Umgebung Bundesstraßen und Ortsdurchfahrten besonders belastet waren. So konnte seit November 1997 das 18 Kilometer lange Teilstück zwischen Grevesmühlen und dem Autobahnkreuz Wismar und seit Ende 2000 das gesamte 91,1 Kilometer lange Teilstück zwischen Schönberg über Wismar nach Rostock befahren werden. Am 7. Dezember 2005 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 14 Jahren Planungen und Bau die letzten Teilstücke bei Tribsees und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,9 Milliarden €.

Im Einzelnen erfolgten folgende Freigaben:

Monat Abschnitt Länge in km
November 1997 AS Grevesmühlen - AK Wismar 25,7
Mai 2000 AS Schönberg – AS Grevesmühlen 15,6
Dezember 2000 AK Wismar – AK Rostock 49,9
Dezember 2001 AK Lübeck - AS Lübeck-Genin 6,4
Dezember 2001 AK Uckermark - AS Pasewalk-Nord 31,4
Dezember 2001 AS Grimmen-West - AS Grimmen-Ost 7,4
August 2002 AS Gützkow – AS Jarmen 6,8
August 2002 AK Rostock – AS Sanitz 14,0
August 2002 AS Pasewalk-Nord - AS Friedland 25,1
Dezember 2002 AS Friedland - AS Neubrandenburg-Nord 21,4
September 2003 AS Tessin – Behelfsabfahrt Langsdorf 14,8
November 2003 AS Sanitz – AS Tessin 8,7
November 2004 AS Grimmen-Ost – AS Greifswald 8,6
Dezember 2004 AS Lübeck-Genin – AS Schönberg 24,6
Dezember 2004 AS Jarmen – AS Anklam 10,6
November 2005 AS Neubrandenburg-Nord - AS Anklam 16,5
Dezember 2005 Behelfsabfahrt Langsdorf – AS Grimmen-West 17,1
Dezember 2005 AS Greifswald - AS Gützkow 17,2

Wie das ARD-Fernsehmagazin Panorama bereits 1998 berichtete, wurden Bürgerinitiativen, die für die A 20 gekämpft haben, von der Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung, einem Lobbyverband der Straßenbauindustrie, auch finanziell unterstützt.[17]

Baupannen[Bearbeiten]

Das etwa 14 Kilometer lange Teilstück zwischen Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern und der schleswig-holsteinischen Landesgrenze wurde wegen einer Pannenserie bekannt. Die Mitte Dezember 2004 freigegebene Teilstrecke mit einer Betondecke, angeraut mit einem „Besenstrich quer“ – seit etwa 1990 im Autobahnbau als überholt geltend und von den Medien als „Brüllbeton“ tituliert – führte aufgrund erhöhter Reifen-Fahrbahn-Geräusche in einem halben Kilometer Entfernung zu einem Straßenverkehrslärm mit einem Schalldruckpegel von mehr als 100 Dezibel, statt der zulässigen 80 Dezibel. Deshalb wurde bis zur technischen bzw. baulichen Lösung des Problems die zugelassene Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt. Im August 2005 wurde der Beton mit einer Asphaltdecke überzogen. Bei den Arbeiten wurden durch bei Regen auf die Fahrbahn geratenen Bitumenbinder etwa 300 Fahrzeuge beschädigt. Im sehr heißen Monat Juli 2006 warf der neue Fahrbahnbelag erstmals bis zu 30 Zentimeter große Blasen, die auf Wassereinschlüsse zwischen Beton und Asphalt zurückgeführt und durch Aufbohren beseitigt wurden.[18] Auch in der Folgezeit kam und kommt es bei hohen Temperaturen zu Blasenbildungen im Asphalt. Eine endgültige Abhilfe ist noch nicht in Sicht.

Ähnliche Probleme stellten sich auf dem inzwischen unter Vorbehalt freigegebenen Teilstück vom Autobahnkreuz Lübeck nach Geschendorf ein.[19] Hier wurde die für den 6. Juli 2009 geplante Freigabe verzögert, weil sich auf dem gesamten Abschnitt zahlreiche zwei bis drei Zentimeter hohe Asphaltblasen zeigten. Die Blasen sollen, nachdem sie aufgemeißelt wurden, durch die Autofahrer plattgefahren werden.[20] Für Motorradfahrer galt deswegen ein Tempolimit von 120 km/h.

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen[Bearbeiten]

Zwischen Franzburg und Richtenberg entstand seit 2006 durch Wieder-Aufstauung der Richtenberger See, der als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die beim Bau der Autobahn entstandenen Umweltschäden vorgesehen war.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Landesamt für Bodendenkmalpflege: Die Autobahn A20 – Norddeutschlands längste Ausgrabung. Archäologische Forschungen auf der Trasse zwischen Lübeck und Stettin. 2005, ISBN 3-935770-11-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesautobahn 20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Bökelmann: Grevesmühlens heimliche A 20-Raststätte. (Nicht mehr online verfügbar.) Ostsee-Zeitung, 6. Februar 2011, ehemals im Original, abgerufen am 18. Juni 2011: „Erst diese Woche hat das Verkehrsministerium mitgeteilt, dass die geplante Raststätte „Schönberger Land“ an der A 20 voraussichtlich 2014 in Betrieb genommen werde.“
  2. NDR-Fernsehen, Beitrag im Nordmagazin vom 28. Dezember 2007
  3. NDR: Freigabe A 20-Abschnitt sechs Monate früher als geplant; 21. Dezember 2009 (Version vom 27. Januar 2010 im Internet Archive)
  4. schleswig-holstein.de: schleswig-holstein.de, Zugriff am 28. Juli 2012
  5. Gisela Schütt: Die Autobahn 20 mit Elbquerung zwischen Drochtersen und Glückstadt. mit Anschluss an die A 26. Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, 15. Juli 2010, abgerufen am 18. Juni 2011.
  6. Gisela Schütt: Die Küstenautobahn A 20. Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, 14. Juni 2011, abgerufen am 18. Juni 2011.
  7. Küstenautobahn A 20: Jetzt wird es ernst, Nordsee-Zeitung, 26. Juni 2010
  8. „Östlich der Weser weist die festgestellte Trasse eine zügigere Linienführung auf und bindet den Raum Bremervörde so in das Autobahnnetz ein, dass die bisher geplante Ortsumfahrung Bremervörde durch die A 20 entbehrlich wird“, heißt es in der Landesplanerischen Feststellung. kuestenautobahn.info und http://www.kuestenautobahn.info/77.0.0.1.0.0.phtml?PHPSESSID=4903741ac8a106c97c3d0414d7ccf4fc
  9. beteiligung.kuestenautobahn.info
  10. kuestenautobahn.info
  11. Erläuterungsbericht, S. 278, abgefragt am 9. Oktober 2008
  12. mobil.abendblatt.de In Niedersachsen wird ab 2013 gebaut
  13. Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr: Autobahn 20 von Westerstede bis Drochtersen. Aktueller Planungsstand
  14. abendblatt.de Autobahn 20: Handschlag für neuen Elbtunnel
  15. Karte der Initiative A22-jetzt (Version vom 24. März 2010 im Internet Archive)
  16. Presseinformation des Koordinationskreises der Bürgerinitiativen gegen die A22: Nach der Linienbestimmung ist vor der Linienbestimmung
  17. DasErste.de: Bürgerinitiativen für mehr Straßen – Asphaltlobby finanziert eigene Unterstützerszene, Panorama, NDR, 19. November 1998 (Version vom 19. September 2008 im Internet Archive)
  18. Bögen im Beton, Blasen im Asphalt: Hitzeschäden an A 20 und A 23. Hamburger Abendblatt, 14. Juni 2006, abgerufen am 18. Juni 2011.
  19. Lübecker Nachrichten: A 20: Nagelneu und schon kaputt, 30. Juni 2009
  20. Die Welt: Mit Akkubohrern im Einsatz gegen Asphaltblasen, 6. Juli 2009