Padanien
| Padanien Padania |
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| Fläche | 161.076 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 33.665.857 2009 | ||||
Bruttoinlandsprodukt
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2005
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Padanien (ital. Padania) ist einerseits ein geographischer Begriff und bezeichnet die Poebene,[1] die nach dem 2. Weltkrieg die am stärksten industrialisierte Großregion Italiens wurde. Ferner wurde der Begriff vereinzelt in der Linguistik verwendet, um das Gebiet der gallo-italischen Dialekte zu bezeichnen. Andererseits ist Padanien ein seit den 1990er Jahren von der Partei Lega Nord verwendeter Propagandabegriff, der keineswegs die Poebene meint, sondern den gesamten Bereich Oberitaliens einschließlich des Alpenanteils und Liguriens umfasst. Damit benennt die Lega Nord die (nach ihrer Meinung) eine Sezession anstrebenden Regionen Nord- und später auch Mittelitaliens.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Sprachgeschichte
Im ursprünglichen geographischen Sinn ist ital. padano ein Adjektiv und bedeutet zum Po gehörig. Pianura Padana oder Val Padana (Tal des Po) bezeichnet die Poebene.
Historisch fand ein ähnlicher Begriff 1796 erstmals Anwendung, als Napoleons französische Revolutionsheere die Cispadanische Republik gründeten. Sie und die ebenfalls gegründete Transpadanische Republik (Lombardische Republik) wurden jedoch schon 1797 als Cisalpinische Republik zusammengeschlossen, die ab 1802 als Italienische Republik bezeichnet wurde.
Vermutlich der erste, der den Begriff Padania in den sechziger Jahren poetisch verwendete, war der Mailänder Sportjournalist Gianni Brera, der damit ungefähr das cisalpine Gallien Catos meinte.[2]
In den sechziger und siebziger Jahren war Padania nur ein geographisches Synonym für pianura padana.[3] [4].
1975 benutzte der damalige Präsident der Region Emilia-Romagna Guido Fanti in der Tageszeitung La Stampa das Wort erstmals im Sinn eines regionalpolitischen Konzepts.[5][6] Dann verwendeten Giuseppe De Rita und der prominenteste Journalist der Nachkriegszeit, Indro Montanelli, den Begriff.[7] Alle diese Verwendungen, beschränkt auf die Poebene, entsprachen noch nicht der Bedeutung, die die Lega dem Schlagwort geben sollte.
[Bearbeiten] Wohlstandsseparatismus
In den 1990er Jahren wurde der Begriff Padanien von Gianfranco Miglio, dem Chef-Ideologen der damals sezessionistisch auftretenden Partei Lega Nord aufgegriffen, um den wirtschaftlich starken Norden Italiens zu bezeichnen und seine eigenständige Identität zu untermauern. Dazu gehört auch die Ausarbeitung einer Ideologie, deren Grundlage die Erfindung einer „padanischen Nation“ bildet, die sich u. a. auf das Keltentum beruft.[8]
Später wurde Padanien parteiintern auch auf die Regionen Mittelitaliens ausgedehnt, mit Ausnahme Latiums. Entsprechend den Vorstellungen der Lega Nord sollte Padanien folgende Regionen („Nationen“ genannt) umfassen:
| Region bzw. „Nation“ |
Einwohner 2009 |
Fläche (km²) |
|---|---|---|
| Lombardei | 9.781.682 | 23.863 |
| Venetien | 4.899.371 | 18.399 |
| Piemont | 4.440.226 | 25.402 |
| Toskana | 3.720.366 | 22.994 |
| Emilia | 3.261.959 | 17.354 |
| Ligurien | 1.615.441 | 5.422 |
| Marken | 1.573.445 | 9.366 |
| Friaul-Julisch Venetien | 1.232.291 | 7.858 |
| Romagna | 1.095.205 | 5.092 |
| Umbrien | 897.611 | 8.456 |
| Trentino | 519.800 | 6.207 |
| Südtirol | 500.030 | 7.400 |
| Aostatal | 127.430 | 3.263 |
| Padanien gesamt | 33.665.857 | 161.076 |
Zusammen kommen die Regionen Padaniens auf ein Bruttoinlandsprodukt von 930.245 Mio. €, das entspricht einem Pro-Kopf-Einkommen von 28.565 € (Jahr 2005; zum Vergleich Deutschland 27.219 € und Frankreich 27.348 €).
Am 15. September 1996 rief Umberto Bossi in Venedig „offiziell“ die „Unabhängigkeit der Bundesrepublik Padanien“ aus. Bald darauf entstand auch ein Parlament von Padanien, das aber weder von der italienischen noch von anderen Regierungen oder internationalen Organisation anerkannt wird.
[Bearbeiten] „Parlament“
Im Jahre 1997 organisierte die Lega Nord die „ersten Wahlen für ein padanisches Parlament“, an denen sich nach Parteiangaben beinahe 5 Millionen Norditaliener beteiligten. Die Stadt Mantua wurde zum Sitz des neuen Parlaments bestimmt.[9]
- Ergebnisse der „ersten Wahlen für ein padanisches Parlament“
Die Wähler konnten sich zwischen einer Vielzahl von padanischen Parteien entscheiden:
- Matteo Salvini war der Kandidat der Kommunistischen Partei Padaniens (5 von 210 Sitzen);
- Roberto Maroni, Marco Formentini, Giovanni Meo Zilio (ein ex-Sozialist und -Partisane), Franco Colleoni und Mariella Mazzetto gründeten die Europäischen Demokraten-Padanische Arbeiterpartei (52 Sitze);
- eine Gruppe venetischer Leghisti gründeten die venetischen Padanischen Löwen (14 Sitze);
- Giuseppe Leoni und Roberto Ronchi gründeten die christdemokratischen Padanischen Katholiken (20 Sitze);
- Giancarlo Pagliarini, Vito Gnutti, Roberto Cota und Massimo Zanello führten die liberal-konservative, nach dem Vorbild der Forza Italia gegründete Liberaldemokraten-Forza Padania (50 Sitze), die zu den Befürwortern der Zugehörigkeit zu Silvio Berlusconis Parteienbündnis Casa delle Libertà gehörte.
- Marco Pottino gründete die Partei Liberal-libertäres Padanien (12 Sitze);
- Erminio Boso führte die agrarisch-konservative Padanische Landwirtschaftsunion für Umwelt, Jagd und Fischfang (5 Sitze);
- Enzo Flego und Walter Gherardini gründeten die national-konservative Padanische Rechte (27 Sitze);
- auch der nicht-leghista und Politiker der italienischen Radikalen Benedetto Della Vedova wurde für eine libertär-wirtschaftsliberale Liste gewählt, während hingegen der grüne Kammerabgeordnete Nando Dalla Chiesa erfolglos in Mailand kandidierte.
Das Parlament verschwand sehr rasch in der Bedeutungslosigkeit. Es wurde jedoch im Jahre 2007 unter dem neuen Namen „Parlament des Nordens“ (Parlamento del Nord) reaktiviert und fungiert nun mehr als internes Organ der Lega Nord. Neuer Sitz ist Vicenza. [10]
[Bearbeiten] „Nationalhymne“
Die Lega Nord versucht, das Lied Va', pensiero, sull'ali dorate, den Gefangenenchor aus Giuseppe Verdis Oper Nabucco, als sogenannte „Nationalhymne Padaniens“ für sich zu vereinnahmen. Das Lied wird auch bei sämtlichen Veranstaltungen der Partei gespielt. Parteichef Umberto Bossi schlug mehrmals vor, Verdis Chor anstelle von Fratelli d'Italia zur neuen italienischen Nationalhymne zu machen, mit Verweis auf dessen (umstrittene) Bedeutung als Symbol der italienischen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert.
[Bearbeiten] Entwicklung
Die Abspaltung Padaniens von Süditalien wurde im Vorfeld der italienischen Parlamentswahlen 2001 auf Eis gelegt. Die Lega Nord arbeitet deshalb seither als regulärer Teil des italienischen Parteiensystems, von 2001 bis 2006 und wieder ab 2008 sogar als Regierungspartei, an der Verwirklichung einer föderalistischen Ordnung in Italien mit großer Macht für die einzelnen Regionen und damit indirekt auch für die Autonomie Padaniens. Offiziell bezeichnet sich die Partei nach wie vor als "Liga Nord für die Unabhängigkeit Padaniens". Im Dezember 2011 berief Lega Nord-Chef Umberto Bossi erneut eine Versammlung des "Parlaments des Nordens" in Vicenza ein. Bei diesem Treffen präsentierte Bossi eine Landkarte, die das Padanien seiner Vorstellungen illustrierte. Demnach soll Pandanien ein Vielvölker-Staat werden, dem sowohl Italiener, als auch Franzosen (Savoyen, das bis 1860 ein Teil des Königreiches Piemont-Sardinien war), Schweizer, Österreicher und Deutsche (Freistaat Bayern) angehören. Zudem fordere er von jedem Mitglied seiner Partei, sich dem wohlstandsseparartistischen Kampf anzuschließen. Italienischen Medien zufolge, sei Bossis Idee "folklorisch" und mehr Wunschdenken, dennoch spiegele seine Konstruktion eines Wohlstandsstaats, der den großen Euro-Ländern gleichwertig ist, Wünsche und Hoffnungen mancher Norditaliener wieder. Gerade angesichts der Euro-Krise und der unter Druck Deutschlands und anderer "Nord-Euro"-Länder zustandegekommenen Sparmaßnahmen der Regierung Monti zur Verbesserung der Haushaltssituation verspricht sich Bossi Chancen für seine Staatsneugründung. [11] Allerdings sind diese utopischen Forderungen auch innerhalb der Lega umstritten. Des Weiteren hege die Lega Nord nicht nur den Gedanken der staatlichen Abspaltung, sondern habe auch das Verlangen nach einer eigenen padanischen Währung anstelle des Euro. [12]
[Bearbeiten] Sonstiges
1999 war ein Computervirus namens „Padania“ im Umlauf, dessen Quelltext pro-padanische Nachrichten enthielt. Es hängt nicht mit dem älteren und weniger bedeutenden MS-DOS-Virus desselben Namens zusammen.
Die britische Wochenzeitschrift The Economist malte im April 2010 ihre eigene Europakarte, um die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Kontinents in Folge der Finanzkrise zu verdeutlichen. Darin wird Italien in Nord und Süd aufgeteilt. Hauptstadt des Nordstaates sollte Venedig, das Staatsoberhaupt ein Doge sein.[13] [14]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Sulla Enciclopedia Treccani
- ↑ Gianni Brera, Invectiva ad Patrem Padum, Guerin Sportivo, 28 ottobre 1963
- ↑ Stichwort "Italia", Enciclopedia Universo, De Agostini, 1965; Band VII, pp. 196-197
- ↑ Dizionario Devoto-Oli, Ausgabe 1971
- ↑ www.corriere.it
- ↑ articolo "Fanti spiega la sua proposta per una grande <<lega del Po>>, La Stampa, 6 novembre 1975, pagina 9
- ↑ Indro Montanelli e Mario Cervi, L'Italia dell'Ulivo (1995-1997)
- ↑ Vgl. Italiener#Separatismus
- ↑ Geschichte der Lega Nord, 1996-1998: Eine umfangreiche Dokumentation zum Projekt Padanien aus parteiinternen Quellen
- ↑ Internetpräsenz des Parlaments des Nordens
- ↑ [1]
- ↑ [2]
- ↑ Redrawing the map. The European map is outdated and illogical. Here's how it should look, The Economist, 29. April 2010
- ↑ Im Fantasie-Europa des Economist ist der Süden ein „Bordell“ und mit Griechenland zusammen, Corriere del Mezzogiorno, 5. Mai 2010