Trentino
| Autonome Provinz Trient Provincia Autonoma di Trento |
|
|---|---|
| Staat: | Italien |
| Region: | Trentino-Südtirol |
| Hauptstadt: | Trient |
| Fläche: | 6.206,90 km² (8.) |
| Einwohner: | 529.457 (31. Dez. 2010)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 85,3 Einwohner/km² |
| Anzahl Gemeinden: | 217 |
| Kfz-Kennzeichen: | TN |
| Präsident: | Lorenzo Dellai |
| Website: | www.provincia.tn.it |
Das Trentino, früher (vereinzelt auch noch heute) Welschtirol, amtlich Autonome Provinz Trient (italienisch Provincia Autonoma di Trento) ist eine Provinz im Norden Italiens und bildet zusammen mit Südtirol die Region Trentino-Südtirol. Hauptstadt ist Trient.
Das Trentino ist zudem Teilglied der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des Kronlandes Tirol der früheren Österreichisch-Ungarischen Monarchie entspricht.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Der Name
Der Name Trentino bezeichnet das Land um Trient. Die geschlossen ladinisch und italienisch besiedelten Gebiete Tirols, also im Wesentlichen das Trentino, wurden im 19. Jahrhundert als Welschtirol (auch Welsch-Tirol oder Welschsüdtirol) bezeichnet. Die Bezeichnung Tirol (italienisch Trentino tirolese) lebt heute in der Bezeichnung des Trentiner (Welschtiroler) Schützenbundes und im Namen des PATT (Partito Autonomista Trentino Tirolese) weiter. Der PATT ist eine auf Autonomie bedachte Regionalpartei, die im Landtag mit drei Abgeordneten vertreten ist und zwei Landesräte stellt.
Amtlich trägt das Gebiet heute den Namen Autonome Provinz Trient, umgangssprachlich ist jedoch fast immer nur von Trentino die Rede.
[Bearbeiten] Sprachen
Im Gegensatz zu Südtirol wird im Trentino fast ausschließlich italienisch gesprochen. Einen einheitlichen Trentiner Dialekt gibt es nicht. Im Westen sind lombardische Einflüsse bemerkbar, im Osten, insbesondere in der Region Primiero und im Unteren Suganertal, werden venetische Dialekte gesprochen. Dazwischen liegt ein sprachliches Übergangsgebiet, in dem auch Trient liegt; dieser Trentiner Dialekt wird ebenfalls am stärksten vom Venetischen beeinflusst.[2]
Deutsche Mundarten, die dem Bairischen zuzuordnen sind, werden in den Sprachinseln der Zimbern und Fersentaler gesprochen. Während das Zimbrische noch von fast der gesamten Dorfbevölkerung in Luserna/Lusern gesprochen wird, ist es in Lavarone/Lafraun/Lavróu und Folgaria/Vielgereuth/Folgrait in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben. Fersentalerisch wird in Fierozzo/Florutz/Vlarötz, Palù del Fersina/Palai im Fersental/Palae en Bersntol und Frassilongo/Gereut/Garait, einschließlich Roveda/Eichleit/Oachlait gesprochen.
In einigen Tälern, namentlich im Fassatal (lad. Val de Fascia), ist die ladinische Sprache in Gebrauch. Ladinisch sind die Gemeinden Campitello di Fassa/Ciampedel, Canazei/Cianacei, Mazzin/Mazin, Moena, Pozza di Fassa/Poza, Soraga/Sorèga, Vigo di Fassa/Vich.
Im Nonstal und im Val di Sole wird ein eigenständiges Idiom gesprochen, das Nones, das der Sprachforscher Graziadio Isaia Ascoli als rätoromanisch einstufte.
Seit der Volkszählung von 2001 können die Bürger des Trentino ihre Zugehörigkeit zu einer sprachlichen Minderheit - ladinische, fersentalerische oder zimbrische - angeben.[3]
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[Bearbeiten] Geographie
Das Trentino ist 6206 km² groß und hat 529.457 Einwohner (31. Dezember 2010).
Die Provinz grenzt nördlich an Südtirol, im Osten und Süden an Venetien, im Westen an die Lombardei.
Das Land ist sehr gebirgig und wird von der Etsch durchflossen. Es bildet einen Teil der Brennerlinie und reicht von der Salurner Klause im Norden bis ca. 15 km vor die Veroneser Klause bzw. bis zum Gardasee im Süden.
Es gliedert sich in sechs große Talschaften: In der Mitte von Nord nach Süd das Etschtal (südlich von Trient Lagertal (Vallagarina)), im Westen die Judikarien (Val Giudicarie) und das Sulzbergtal (Val di Sole), im Osten das Fleimstal (Val di Fiemme) – mit dem Fassatal und dem Suganertal (Valsugana) und schließlich im Südwesten zwischen Lagertal und Judikarien das untere Sarcatal mit dem Gardasee.
Das Lagertal und das untere Sarcatal sind die tiefstgelegenen Täler der Alpen.
Der höchste Berg des Trentino ist der Monte Cevedale (3.769 m s.l.m.) in der Ortlergruppe, weitere bedeutende Gipfel sind Palòn de la Mare (3.704 m s.l.m.), Punta San Matteo (3.684 m s.l.m.), Presanella (3.556 m s.l.m.), Monte Carè Alto (3.462 m s.l.m.), Marmolata (3.342 m s.l.m.), Cima Tosa (3.173 m s.l.m.), Cimone della Pala (3.185 m s.l.m.), Cima Brenta (3.150 m s.l.m.) und die Spitze Monte Baldo Altissimo (2.079 m s.l.m.).
Zur Autonomen Provinz Trient gehört auch der nördliche Teil des Gardasees, an dem die bekannten Ortschaften Riva del Garda (ehemals Reiff am Gartsee) und Torbole liegen.
[Bearbeiten] Talgemeinschaften
Ähnlich wie Südtirol ist das Trentino in Gemeinschaften unterteilt, die aber seit 2010 nicht mehr Bezirksgemeinschaften sondern Talgemeinschaften (ital. Comunità di valle) genannt werden. Im Zuge dieser Gebietsreform ist die Anzahl von 11 auf 15 Gemeinschaften gestiegen. Die vormalige Bezirksgemeinschaft Valle dell'Adige ist abgeschafft worden: Deren Funktionen übernimmt unmittelbar die Landeshauptstadt Trient und übt sie auch für die Gemeinden Aldeno, Garniga Terme und Cimone aus.
| Talgemeinschaft | Deutscher Name | Hauptort | Fläche | Bevölkerung |
|---|---|---|---|---|
| Alta Valsugana e Bersntol | Oberes Suganertal und Fersental | Pergine Valsugana | 394 km² | 49.833 |
| Alto Garda e Ledro | Oberer Gardasee und Ledertal | Riva del Garda | 353 km² | 46.315 |
| Altopiani Cimbri | Hochebene | Lavarone | 106 km² | 4.548 |
| Valle di Cembra | Zimmerstal | Faver | 135 km² | 11.315 |
| Fascia | Fassatal | Pozza di Fassa | 318 km² | 9.530 |
| Paganella | Andalo | 97 km² | 4.810 | |
| Primiero | Primör | Tonadico | 413 km² | 10.097 |
| Rotaliana-Königsberg | Mezzocorona | 95 km² | 27.799 | |
| Val di Fiemme | Fleimstal | Cavalese | 415 km² | 19.364 |
| Val di Non | Nonstal | Cles | 596 km² | 38.693 |
| Val di Sole | Sulzbergtal | Malè | 609 km² | 15.510 |
| Vallagarina | Lagertal | Rovereto | 694 km² | 85.025 |
| Valle dei Laghi | Sarchetal | Vezzano | 140 km² | 10.023 |
| Valli Giudicárie | Judikarien | Tione di Trento | 1.176 km² | 37.098 |
| Valsugana e Tesino | Suganertal und Tesin | Borgo Valsugana | 578 km² | 26.741 |
[Bearbeiten] Gemeinden
Die Autonome Provinz Trient zählt 217 Gemeinden. Die größten davon sind:
| Gemeinde | Bevölkerung |
|---|---|
| Trient | 112.142 |
| Rovereto | 35.858 |
| Pergine Valsugana | 19.200 |
| Arco | 16.023 |
| Riva del Garda | 15.246 |
| Mori | 8.918 |
| Lavis | 8.122 |
| Ala | 8.429 |
| Levico Terme | 6.973 |
[Bearbeiten] Geschichte
Das Trentino wurde 1027 von Kaiser Konrad II. dem Herzogtum Bayern unterstellt und somit Teil des deutschen Teils des in Heiliges Römisches Reich umbenannten ehemaligen Ostfrankenreiches. Neben Chiavenna und kurzzeitig Aquileia war es der einzige Teil Italiens, der im Laufe des Mittelalters formell in das Deutsche Reich eingegliedert wurde.
Lehensnehmer war der Bischof von Trient. Er konnte schon bald einen von Bayern unabhängigen Territorialstaat begründen. Dieser umfasste ursprünglich fast das ganze Trentino (abgesehen vom Fassatal, das zum Bistum Brixen gehörte, vom Etschtal südlich von Salurn, das zu Tirol gehörte und von einzelnen Enklaven wie den Lodronschen Besitzungen und Riva). 1518 eroberte Habsburg die „Welschen Confinen“, also Rovereto, die östliche Val Sugana und das Tal des Cismon (südlich der Pala). Das Gebiet des Fürstbistums Trient geriet seit etwa 1300 unter Einfluss der Grafen von Tirol.
1803 wurde das geistliche Fürstentum aufgehoben und das Trentino unterstand nunmehr offiziell dem Fürstenhaus der Habsburger. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde es Tirol angegliedert.
Auch nach dem Krieg von 1866, nach welchem die Habsburger ihre letzten Besitzungen in Italien räumen mussten, blieb das Trentino unter der Herrschaft der Habsburger (Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn). Der italienische Irredentismus bemühte sich, auch das Trentino mit seiner italienisch sprechenden Bevölkerung mit dem neu gegründeten Königreich Italien zu vereinen. Dies geschah 1918 nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti am Ende des Ersten Weltkriegs bzw. offiziell mit dem nachfolgenden Vertrag von Saint-Germain. Gleichzeitig wurde auch das überwiegend deutschsprachige Gebiet, welches das jetzige Südtirol umfasst, von Italien annektiert.
Im Ersten Weltkrieg kämpften rund 60.000 Trentiner in den Reihen der Österreich-Ungarischen Armee gegen Italien und an der Ostfront; 10.500 Soldaten verloren dabei ihr Leben.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Provinz Trient geschaffen und mit Südtirol zur statistischen Region Venezia-Tridentina zusammengeschlossen. Nach der Machtergreifung durch Mussolini richtete sich die Aufmerksamkeit des Regimes hauptsächlich in Richtung Bozen, während Trient auch wirtschaftlich vernachlässigt wurde.
1929 wurde Pedemonte von der Provinz Trient ausgegliedert und der Provinz Vicenza zugeschlagen. 1934 wurden dann die Welschtiroler Gemeinden Valvestino und Magasa der Provinz Brescia angegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dem Trentino, insbesondere der Stadt Trient, eine wichtige Rolle innerhalb der neugegründeten Region Trentino-Tiroler Etschland zu. Italiens Ministerpräsident Alcide De Gasperi, selbst ein Trentiner aus Pieve Tesino, sorgte dafür, dass seinen Landsleuten eine weitgehende Autonomie zuerkannt wurde, wie sie ursprünglich nur für Südtirol vorgesehen war.
Die Regionalregierung in Trient, wo die Italiener in der Mehrheit waren, war auch weitestgehend für die Belange der Südtiroler zuständig, was bei diesen für Unmut sorgte, weil damit die im Gruber-De-Gasperi-Abkommen versprochene Selbstverwaltung Südtirols umgangen wurde.
Nach dem Autonomiestatut von 1972 hat das Trentino seine Autonomie beibehalten und zum Teil sogar ausbauen können: Allerdings ist es von Südtirol fast vollständig abgekoppelt worden, und die Region hat nur mehr eine koordinierende Funktion zwischen den Provinzen.
Bei Tesero in Val di Stava brach am 19. Juli 1985 der Damm eines Absetzbeckens eines Bergwerks und verursachte eine Flutwelle, die 268 Todesopfer forderte. In der Ortschaft Cavalese ereigneten sich zwei schwere Unglücke der zum Monte Cermis führenden Luftseilbahn.
[Bearbeiten] Autonomie und Politik
Das Trentino ist eine Autonome Provinz und genießt dementsprechende Sonderrechte, die im Statut der Region Trentino-Südtirol verankert sind. Das Land hat weitgehende Kompetenzen in den Bereichen Raumordnung, Handwerk, Messen und Märkte, Jagd und Fischerei, Kommunikations- und Transportwesen, Fremdenverkehr und Gastgewerbe, Landwirtschaft, Kindergärten, Schulbau.
Etwa 90 % der vom Staat eingetriebenen Steuern fließen in die Landeskassen zurück, von der Mehrwertsteuer bis hin zur Einkommens- und Körperschaftssteuer. Dafür muss das Land Funktionen wahrnehmen, wie das Schul-, Gesundheits- und Verkehrswesen, die im übrigen Italien vom Staat ausgeübt werden, und diese auch finanzieren.
Wegen der effizienten Verwaltung und der finanziellen Vorzüge haben zahlreiche Gemeinden der Provinzen Belluno und Vicenza die Angliederung an das Trentino beantragt.
Nachdem über Jahrzehnte hinweg die italienischen Christdemokraten die Regierungsverantwortung hatten, hat es nach dem Politskandal Mani pulite ein Abwechseln verschiedener politischer Konstellationen gegeben. Zuerst haben die Autonomisten Bazzanella und Andreotti die Wahlen für sich entscheiden können, seit 1999 ist Lorenzo Dellai Landeshauptmann, unterstützt von einer Mitte-links-Koalition. Dellai ist Mitglied der von ihm gegründeten Autonomiebewegung Unione per il Trentino.
[Bearbeiten] Landeshauptleute des Trentino
- 1948–1952: Giuseppe Balista
- 1952–1956: Remo Albertini
- 1956–1960: Riccardo Rosa
- 1960–1974: Bruno Kessler
- 1974–1979: Giorgio Grigolli
- 1979–1985: Flavio Mengoni
- 1985–1989: Pierluigi Angeli
- 1989–1992: Mario Malossini
- 1992–1994: Gianni Bazzanella
- 1994–1999: Carlo Andreotti
- seit 1999: Lorenzo Dellai
[Bearbeiten] Landtag des Trentino
Nach den Landtagswahlen vom 9. November 2008 setzt sich der Trentiner Landtag wie folgt zusammen:
| Partei | Mandate |
|---|---|
| Partito Democratico | 8 |
| Unione per il Trentino | 7 |
| Partito Autonomista Trentino Tirolese | 3 |
| Italia dei Valori | 1 |
| Union Autonomista Ladina | 1 |
| Verdi e Democratici del Trentino | 1 |
| Regierungskoalition | 21 |
| Lega Nord | 6 |
| Popolo della Libertà | 5 |
| Civica per Divina Presidente | 2 |
| Amministrare il Trentino | 1 |
| Opposition | 14 |
[Bearbeiten] Wirtschaft
Landwirtschaft spielt im Trentino eine wichtige Rolle: insbesondere die Produktion von Äpfeln der Sorte Golden Delicious nimmt hier einen hohen Stellenwert ein. Die Weinproduktion ist auch bedeutend.
Die Industrie beschäftigt rund 33% der arbeitenden Bevölkerung. Viele Betriebe sind im Textil-, Holzverarbeitungs- und Druckereigewerbe tätig.
Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor. Jeder zehnte Trentiner ist überdies bei der Landesverwaltung angestellt. Herausragend ist die Rolle des Tourismus. Touristische Zentren sind zunächst Trient selbst, dann die Wintersportorte Madonna di Campiglio, Canazei und San Martino di Castrozza, das Klettererzentrum Arco und das Windsurf-Zentrum Riva del Garda.
Das nominale pro-Kopf-Einkommen lag 2004 bei 28.212 €, kaufkraftmäßig erreicht das Trentino einen Wert von 126,9 (EU-27 = 100).[4]
[Bearbeiten] Literatur
- Giovanni Francesio, Redaktion Rolf Eder: Südtirol & Trentino: Burgen – Nationalparks – Wein – Wanderungen – Bozen – Meran – Palazzi – Dolomiten – Törgellen – Gletscher. Dorling Kindersley, Starnberg 2003, aktualisierte Neuauflage 2008 / 2009 (übersetzt von Benjamin Schwarz), ISBN 978-3831005307.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelbelege
- ↑ Statistiche demografiche ISTAT. Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica vom 31. Dezember 2010.
- ↑ BONFADINI, Giovanni, 1983 Il confine linguistico veneto-lombardo In: Guida ai dialetti veneti / a cura di Manlio Cortelazzo. – Padova: CLEUP, 1983. – V. 5, S. 23–59
- ↑ Zugehörigkeit zur Bevölkerung ladinischer, fersentalerischer und zimbrischer Spracher, nach Gemeinde und Wohngebiet (Volkszählung 2001) Statistisches Jahrbuch (Annuario Statistico) 2006 der Autonomen Provinz Trient
- ↑ Regionales BIP je Einwohner in der EU27. In: 23/2007. Eurostat, 19. Februar 2007, S. 5, abgerufen am 16. Februar 2009 (Pressemitteilung, deutsch).
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