Trentino

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Autonome Provinz Trient
Provincia Autonoma di Trento
Wappen der Trentino Lage der Trentino innerhalb Italiens
Staat: Italien  Flag of Italy.svg
Region: Trentino-Südtirol
Hauptstadt: Trient
Fläche: 6.206,90 km² (8.)
Einwohner: 513.357
Bevölkerungsdichte: 82,7 Einwohner je km²
Anzahl Gemeinden: 223
Provinz-Kennzeichen: TN
Telefonvorwahl:
ISTAT-Nummer:
Präsident: Lorenzo Dellai
Website: www.provincia.tn.it
Trento mappa.png

Das Trentino, früher Welschtirol, amtlich Autonome Provinz Trient (italienisch Provincia Autonoma di Trento), bildet zusammen mit Südtirol die Region Trentino-Südtirol. Hauptstadt ist Trient.

Das Trentino ist zudem Teilglied der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des Kronlandes Tirol der früheren Österreichisch-Ungarischen Monarchie entspricht.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Name

Der Name Trentino bezeichnet das Land um Trient. Die geschlossen ladinisch und italienisch besiedelten Gebiete Tirols, also im wesentlichen das Trentino, wurden im 19. Jahrhundert als Welschtirol (auch Welsch-Tirol oder Welschsüdtirol) bezeichnet. Die Bezeichnung Tirol (italienisch Trentino tirolese) lebt heute in der Bezeichnung des Trentiner (Welschtiroler) Schützenbundes und im Namen des PATT (Partito Autonomista Trentino Tirolese, einer auf Autonomie bedachten Regionalpartei innerhalb des italienischen Links-Mitte-Bündnisses L'Unione, weiter.

Amtlich trägt das Gebiet heute den Namen Autonome Provinz Trient, umgangssprachlich ist jedoch fast immer nur von Trentino die Rede.

[Bearbeiten] Sprachen

Im Gegensatz zu Südtirol wird im Trentino zumeist Italienisch gesprochen. Einen einheitlichen Trentiner Dialekt gibt es nicht. Im Westen sind lombardische Einflüsse bemerkbar, im Osten, insbesondere in der Region Primiero und im Suganertal, werden venetische Dialekte gesprochen. Dazwischen liegt ein sprachliches Übergangsgebiet, in dem auch Trient liegt; dieser Trentiner Dialekt wird ebenfalls am stärksten vom Venetischen beeinflusst.[1].

Deutsche Mundarten, die dem Bairischen zuzuordnen sind, werden in den Sprachinseln der Zimbern und Fersentaler gesprochen. Während das Zimbrische noch von fast der gesamten Dorfbevölkerung in Luserna/Lusern gesprochen wird, ist es in Lavarone/Lafraun/Lavróu und Folgaria/Vielgereuth/Folgrait in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben. Fersentalerisch wird in Fierozzo/Florutz/Vlarotz, Palù del Fersina/Palai im Fersental/Palae en Bersntol und Frassilongo/Gereut/Garait, einschließlich Roveda/Eichleit/Oachlait gesprochen.

In einigen Tälern, namentlich im Fassatal (lad. Val de Fascia), ist die ladinische Sprache in Gebrauch. Ladinisch sind die Gemeinden Campitello di Fassa/Ciampedel, Canazei/Cianacei, Mazzin/Mazin, Moena, Pozza di Fassa/Poza, Soraga/Sorèga, Vigo di Fassa/Vich.

[Bearbeiten] Geographie

Gardasee, Blick auf das Nordufer
Seepromenade in Riva del Garda

Das Trentino ist 6.206 km² groß und hat rund 507.000 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2006).

Die Provinz grenzt nördlich an Südtirol, im Osten und Süden an Venetien, im Westen an die Lombardei.

Das Land ist sehr gebirgig und wird von der Etsch durchflossen. Es bildet einen Teil der Brennerlinie und reicht von der Salurner Klause im Norden bis ca. 15 km vor die Veroneser Klause bzw. bis zum Gardasee im Süden.

Es gliedert sich in sechs große Talschaften: In der Mitte von Nord nach Süd das Etschtal (südlich von Trient Lagertal (Vallagarina)), im Westen die Judikarien (Val Giudicarie) und das Sulzbergtal (Val di Sole), im Osten das Fleimstal (Val di Fiemme) – mit dem Fassatal und dem Suganertal (Valsugana) und schließlich im Südwesten zwischen Lagertal und Judikarien das untere Sarcatal mit dem Gardasee.

Das Lagertal und das untere Sarcatal sind die tiefstgelegenen Täler der Alpen.

Der höchste Berg des Trentino ist der Monte Cevedale (3.769 m s.l.m.) in der Ortlergruppe, weitere bedeutende Gipfel sind Palòn de la Mare (3.704 m s.l.m.), Punta San Matteo (3.684 m s.l.m.), Presanella (3.556 m s.l.m.), Monte Care Alto (3.462 m s.l.m.), Marmolata (3.342 m s.l.m.), Cima Tosa (3.173 m s.l.m.), Cimone della Pala (3.185 m s.l.m.), Cima Brenta (3.150 m s.l.m.) und die Spitze Monte Baldo Altissimo (2.079 m s.l.m.).

Zur Autonomen Provinz Trient gehört auch der nördliche Teil des Gardasees, an dem die bekannten Ortschaften Riva del Garda (ehemals Reif am Gartsee) und Torbole liegen.

[Bearbeiten] Talgemeinschaften

Ähnlich wie Südtirol ist das Trentino in Gemeinschaften unterteilt. Diese heißen aber seit der jüngsten Gebietsreform nicht mehr Bezirksgemeinschaften sondern Talgemeinschaften (ital. Comunità di valle). Im Zuge der Reform ist deren Anzahl von 11 auf 15 gestiegen. Die vormalige Bezirksgemeinschaft Valle dell'Adige wird gänzlich abgeschafft: Deren Funktionen übernimmt unmittelbar die Landeshauptstadt Trient und übt sie auch für die Gemeinden Aldeno, Garniga Terme und Cimone aus.

Talgemeinschaft Deutscher Name Hauptort Fläche Bevölkerung
Val di Fiemme Fleimstal Cavalese 415 km² 19.364
Primiero Primör Tonadico 413 km² 10.097
Valsugana e Tesino Suganertal und Tesino Borgo Valsugana 578 km² 26.741
Alta Valsugana e Bernstol Oberes Suganertal und Fersental Pergine Valsugana 394 km² 49.833
Val di Non Nonstal Cles 596 km² 38.693
Val di Sole Sulzbergtal Malè 609 km² 15.510
Valli Giudicárie Judikarien Tione di Trento 1.176 km² 37.098
Alto Garda e Ledro Riva del Garda 353 km² 46.315
Vallagarina Lagertal Rovereto 85.025
Altopiani Cimbri Lavarone 4.548
Ladino di Fassa Fassatal Vigo di Fassa 318 km² 9.530
Cembra Cembra 11.315
Rotaliana-Königsberg Mezzocorona 27.799
Valle dei Laghi Sarchetal Vezzano 10.023
Paganella Andalo 4.810

[Bearbeiten] Gemeinden

Die Autonome Provinz Trient zählt 223 Gemeinden. Die größten davon sind:

Gemeinde Bevölkerung
Trient 112.142
Rovereto 35.858
Pergine Valsugana 19.200
Arco 16.023
Riva del Garda 15.246
Mori 8.918
Lavis 8.122
Ala 8.429
Levico Terme 6.973

[Bearbeiten] Geschichte

Das Trentino wurde 1027 von Kaiser Konrad II. dem Herzogtum Bayern unterstellt und somit Teil des deutschen Teils des in Heiliges Römisches Reich umbenannten ehemaligen Ostfrankenreiches. Neben Chiavenna und kurzzeitig Aquileja war es der einzige Teil Italiens, der im Laufe des Mittelalters formell in das Deutsche Reich eingegliedert wurde.

Lehensnehmer war der Bischof von Trient. Er konnte schon bald einen von Bayern unabhängigen Territorialstaat begründen. Dieser umfasste ursprünglich fast das ganze Trentino (abgesehen vom Fassatal, das zum Bistum Brixen gehörte, vom Etschtal südlich von Salurn, das zu Tirol gehörte und von einzelnen Enklaven wie den Lodronschen Besitzungen und Riva). 1518 eroberte Habsburg die „Welschen Confinen“, also Rovereto, die östliche Val Sugana und das Tal des Cismon (südlich der Pala). Das Gebiet des Fürstbistums Trient geriet seit etwa 1300 unter Einfluss der Grafen von Tirol.

1803 wurde das geistliche Fürstentum aufgehoben und das Trentino unterstand nunmehr offiziell dem Fürstenhaus der Habsburger. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde es Tirol angegliedert.

Auch nach dem Krieg von 1866, nach welchem die Habsburger ihre letzten Besitzungen in Italien räumen mussten, blieb das Trentino unter der Herrschaft der Habsburger (Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn). Der italienische Irredentismus bemühte sich, auch das Trentino mit seiner italienisch sprechenden Bevölkerung mit dem neu gegründeten Königreich Italien zu vereinen. Dies geschah 1918 nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti am Ende des Ersten Weltkriegs bzw. offiziell mit dem nachfolgenden Vertrag von Saint-Germain. Gleichzeitig wurde auch das überwiegend deutschsprachige Gebiet, welches das jetzige Südtirol umfasst, von Italien annektiert.

Im Ersten Weltkrieg kämpften rund 60.000 Trentiner in den Reihen der Österreich-Ungarischen Armee gegen Italien und an der Ostfront; 10.500 Soldaten verloren dabei ihr Leben.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Provinz Trient geschaffen und mit Südtirol zur Region Venezia-Tridentina zusammengeschlossen. Nach der Machtergreifung durch Mussolini richtete sich die Aufmerksamkeit des Regimes hauptsächlich in Richtung Bozen, während Trient auch wirtschaftlich vernachlässigt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dem Trentino, insbesondere der Stadt Trient, eine wichtige Rolle innerhalb der neugegründeten Region Trentino-Tiroler Etschland zu. Italiens Ministerpräsident Alcide De Gasperi, selbst ein Trentiner aus Pieve Tesino, sorgte dafür, dass seinen Landsleuten eine weitgehende Autonomie zuerkannt wurde, wie sie ursprünglich nur für Südtirol vorgesehen war.

Die Regionalregierung in Trient, wo die Italiener in der Mehrheit waren, war auch weitestgehend für die Belange der Südtiroler zuständig, was bei diesen für Unmut sorgte, weil damit die im Gruber-De-Gasperi-Abkommen versprochene Selbstverwaltung Südtirols umgangen wurde.

Nach dem Autonomiestatut von 1972 hat das Trentino seine Autonomie beibehalten und zum Teil sogar ausbauen können: Allerdings ist es von Südtirol fast vollständig abgekoppelt worden, und die Region hat nur mehr eine koordinierende Funktion zwischen den Provinzen.

[Bearbeiten] Autonomie und Politik

Das Trentino ist eine Autonome Provinz und genießt dementsprechende Sonderrechte, die im Statut der Region Trentino-Südtirol verankert sind. Das Land hat weitgehende Kompetenzen in den Bereichen Raumordnung, Handwerk, Messen und Märkte, Jagd und Fischerei, Kommunikations- und Transportwesen, Fremdenverkehr und Gastgewerbe, Landwirtschaft, Kindergärten, Schulbau.

Etwa 90 % der vom Staat eingetriebenen Steuern fließen in die Landeskassen zurück, von der Mehrwertsteuer bis hin zur Einkommens- und Körperschaftssteuer. Dafür muss das Land Funktionen wahrnehmen, wie das Schul-, Gesundheits- und Verkehrswesen, die im übrigen Italien vom Staat ausgeübt werden, und diese auch finanzieren.

Wegen der effizienten Verwaltung und der finanziellen Vorzüge haben zahlreiche Gemeinden der Provinzen Belluno und Vicenza die Angliederung an das Trentino beantragt.

Nachdem über Jahrzehnte hinweg die italienischen Christdemokraten die Regierungsverantwortung hatten, hat es nach dem Politskandal Mani Pulite ein Abwechseln verschiedener politischer Konstellationen gegeben. Zuerst haben die Autonomisten Bazzanella und Andreotti die Wahlen für sich entscheiden können, seit 1999 ist Lorenzo Dellai Landeshauptmann, unterstützt von einer Mitte-Links-Koalition. Dellai ist Mitglied der von ihm gegründeten Autonomiebewegung Unione per il Trentino.

[Bearbeiten] Landeshauptleute des Trentino

[Bearbeiten] Landtag des Trentino

Nach den Landtagswahlen vom 9. November 2008 setzt sich der Trentiner Landtag wie folgt zusammen:

Partei Mandate
Partito Democratico 8
Unione per il Trentino 7
Partito Autonomista Trentino Tirolese 3
Italia dei Valori 1
Union Autonomista Ladina 1
Verdi e Democratici del Trentino 1
Regierungskoalition 21
Lega Nord 6
Popolo della Libertà 5
Civica per Divina Presidente 2
Amministrare il Trentino 1
Opposition 14

[Bearbeiten] Wirtschaft

Landwirtschaft spielt im Trentino eine wichtige Rolle: insbesondere die Produktion von Äpfeln der Sorte Golden Delicious nimmt hier einen hohen Stellenwert ein. Die Weinproduktion ist auch bedeutend: Marken wie die Cantine Ferrari haben es zu internationalem Ruhm gebracht.

Die Industrie beschäftigt rund 33% der arbeitenden Bevölkerung. Viele Betriebe sind im Textil-, Holzverarbeitungs- und Druckereigewerbe tätig.

Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor. Jeder zehnte Trentiner ist überdies bei der Landesverwaltung angestellt. Herausragend ist die Rolle des Tourismus. Touristische Zentren sind zunächst Trient selbst, dann die Wintersportorte Madonna di Campiglio, Canazei und San Martino di Castrozza, das Klettererzentrum Arco und das Windsurf-Zentrum Riva del Garda.

Das nominale pro-Kopf-Einkommen lag 2004 bei 28.212 €, kaufkraftmäßig erreicht das Trentino einen Wert von 126,9 (EU-27 = 100).[2]

[Bearbeiten] Einzelbelege

  1. BONFADINI, Giovanni, 1983 Il confine linguistico veneto-lombardo In: Guida ai dialetti veneti / a cura di Manlio Cortelazzo. – Padova: CLEUP, 1983. – V. 5, S. 23–59
  2. Regionales BIP je Einwohner in der EU27. In: 23/2007. Eurostat, 19. Februar 2007, S. 5, abgerufen am 16. Februar 2009 (Pressemitteilung, Deutsch).

[Bearbeiten] Literatur

  • Giovanni Francesio, Redaktion Rolf Eder: Südtirol & Trentino: Burgen – Nationalparks – Wein – Wanderungen – Bozen – Meran – Palazzi – Dolomiten – Törgellen – Gletscher. Dorling Kindersley, Starnberg 2003, aktualisierte Neuauflage 2008 / 2009 (übersetzt von Benjamin Schwarz), ISBN 978-3831005307.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Trentino – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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