Porzellanmanufaktur Nymphenburg

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Königliche Porzellan Manufaktur Nymphenburg GmbH & Co. KG
Porzellanmanufaktur Nymphenburg logo.svg
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1747
Sitz München
Leitung Anders Thomas
Branche Porzellan
Produkte PorzellanobjekteVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.nymphenburg.com

Die Porzellan Manufaktur Nymphenburg (veraltete Schreibweise Porzellanmanufaktur Nymphenburg) wurde 1747 gegründet und stellt künstlerisch hochwertiges Porzellan her.

Geschichte[Bearbeiten]

Serval, ca 1910. Hallwyl'sche Museum, Stockholm.
Nördliches Schlossrondell; Hauptgebäude der Porzellan Manufaktur Nymphenburg seit 1761

Der Kurfürst Maximilian III. Joseph förderte nach seinem Regierungsantritt 1745 die Gründung von Manufakturen, um damit die Staatsfinanzen zu sanieren. Seit 1747 versuchte man sich in der Porzellanherstellung und bekam Ende des Jahres das Schloss Neudeck in der Münchner Au zur Verfügung gestellt. Mit der Unterstützung des Kurfürsten gelang es schließlich dem Münchner Hafnermeister Johann Niedermayer eine Porzellanfigur herzustellen. Am 3. November 1754 wurde Franz Anton Bustelli als Figurist eingestellt, etwa zu der Zeit, als man endlich die Porzellanherstellung beherrschte. 1755 erhielt die Manufaktur ihren ersten Hofauftrag und 1756 gelang es erstmals, das Porzellan farbig zu bemalen. Mit dem Juristen und Unternehmer Sigmund Graf von Haimhausen wurde die Porzellan Manufaktur Nymphenburg ab 1758 unternehmerisch ausgerichtet und im Jahr 1761 in die von Joseph Effner gestalteten Gebäude am Nördlichen Schlossrondell vor dem Schloss Nymphenburg, in denen sich die Manufaktur auch heute noch befindet, verlegt. Der durch das Gelände der Manufaktur verlaufende Nymphenburg-Biedersteiner Kanal treibt seit dem und bis heute die mechanischen Geräte in den rückwärtigen Gebäuden, die meist aus späterer Zeit stammen, an.

Der Bildhauer Dominikus Auliczek wurde 1763 Nachfolger von Franz Anton Bustelli

Unter den folgenden großen Künstlern nach Bustelli sind unter anderem Dominik Auliczek der Ältere und Johann Peter Melchior zu nennen. Zwischenzeitlich sind über 600 der übrigen zahlreichen Porzellankünstler und -arbeiter aus allen Perioden bis nach 1945 namentlich erfasst, was weitere Forschungen unterstützen wird. 1765 arbeiteten 187 Personen in Nymphenburg: Die Produktion erreichte ihren höchsten Stand. Ein großer Förderer der Manufaktur war Ludwig I., der viele Aufträge vergab. Besonders beliebt waren Tafelservice mit Kopien berühmter Gemälde oder mit bayerischen Landschaften im antikisierenden Stil. 1810 wurde Anton Auer beauftragt, Gemälde der königlichen Bildergalerie auf ein Service zu übertragen.[1] Seine Nachfolge als Obermaler trat 1815 Christian Adler an; auch Auers Sohn Maximilian Joseph Auer war als Porzellanmaler tätig.[2] 1822 wurde Friedrich von Gärtner als künstlerischer Leiter der Manufaktur berufen.

Niedergang[Bearbeiten]

Mitte des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Manufaktur zusehends, so dass 1856 die künstlerische Produktion ganz eingestellt wurde und man beschloss, die Manufaktur zu privatisieren. Am 22. Februar 1862 wurde die Manufaktur erstmals verpachtet. Der Schwerpunkt verlagerte sich zur Produktion für den technischen, medizinischen und sanitären Bereich. Die Warenpalette für feines Geschirr blieb erhalten, um Nachbestellungen tätigen zu können. Ein neuer Absatzmarkt zur Belieferung von robustem Hotelporzellan für die unter Ludwig I. wieder eingesetzten Klöster wurde erschlossen. Auch Krankenhäuser, Gasthöfe, Hotels und verschiedene Militäreinheiten bestellten diese Waren. Seit Ende der 1870er Jahre stieg die Nachfrage für Bierkrugdeckel und Pfeifenköpfe. Eine heute fast vergessene Mode war das Anbringen von Porzellanmedaillons auf Grabsteinen im 19. Jahrhundert. Die Manufaktur belieferte mit ihrem reichen Sortiment den ganzen deutschen Sprachraum.

Zweite Blütezeit[Bearbeiten]

Die Nymphenburger Porzellanmanufaktur wurde von 1862 bis 1887 an Ferdinand Scotzniovsky und Karl Arendts verpachtet, nachdem sie vorher über viele Jahre defizitär gelaufen war. Ab Oktober desselben Jahres führte Ferdinand Scotzniovsky die Manufaktur alleine weiter. Albert Bäuml, ein aus Theusing nahe Karlsbad stammender Kaufmann, pachtete anschließend die Manufaktur im Jahre 1888 mit dem Vorhaben, die Porzellankunst des 18. Jahrhunderts wieder aufleben zu lassen. Zu diesem Zweck mussten spezialisierte Fachleute eingestellt werden. So musste die richtige Zusammensetzung einer zarten makellosen Rohmasse genauso gefunden werden wie eine exklusive Farbpalette. Bäuml war es auch, der Bustelli "wiederentdeckte". Die Suche und der Ankauf von altem Porzellan aus der Nymphenburger Produktion war die Grundvoraussetzung für die Rekonstruktion der einzelnen Modelle. Manche konnten erst nach Jahrzehnten aufgekauft werden: Die vier Jahreszeiten von Dominik Auliczek im Jahre 1909, der „gestörte Schläfer“ von Franz Anton Bustelli erst 1911. Ein Verdienst Albert Bäumls ist, dass er dem zu übermäßigem Pomp neigenden Publikumsgeschmack des ausgehenden 19. Jahrhunderts die echte Noblesse des 18. Jahrhunderts entgegensetzte. Um nicht ausschließlich nach alten Vorlagen zu produzieren wurden hervorragende aktuelle Künstler angeworben. Durch die Zusammenarbeit von Architekten und Dekorationskünstlern wurden in der Manufaktur Fassadenschmuck Beiträge zur Innenausstattung von Bauten gestaltet. Das meiste hat der 2. Weltkrieg zerstört, jedoch am ehemaligen Palais Arco-Zinneberg, Ecke Theatiner- und Maffeistraße finden sich immer noch farbige Majolika-Reliefs nach einem Entwurf von Joseph Wackerle aus dem Jahre 1909.

Jugendstil und Art Deco[Bearbeiten]

An der Wende zum 20. Jahrhundert war dieses Ziel erreicht und neben historischen Kopien wurden nun elegante Jugendstilgeschirre entwickelt. 1906 wurde der Bildhauer Joseph Wackerle künstlerischer Leiter der Manufaktur. Frostharte Produkte aus Majolika für den Außenbereich, wie z. B. für die Pergola des Münchner Ausstellungsparks, den Schmuckhof des Botanischen Gartens in München oder für den Haupteingang des Münchner Tierparks knüpften an die Gartenskulpturen des 18. Jahrhunderts an und erweiterten das Sortiment. Theodor Kärner schuf ebenso wie Willy Zügel den Ruhm der Nymphenburger Tierplastik. In den Jahren zwischen 1905 und 1920 wurde die Nymphenburger der königlichen Porzellanmanufaktur Kopenhagen mindestens ebenbürtig. Wolfgang von Wersin entwarf in den Jahren ab 1932 die Tafelserviceformen Adonis, Helios und Lotos.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Paul Ludwig Troost war bis zu seinem Tod 1934 bevorzugter Architekt von Adolf Hitler. Von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung für die Manufaktur waren seine Aufträge, für die er bereits vorhandene Modelle auswählte und den Dekor dafür entwarf. So wurde die erste Klasse von Ozeandampfern des Norddeutschen Lloyd mit Porzellan aus Nymphenburg ausgestattet. 1929 hatte Troost die innerstädtischen Verkaufsräume der Nymphenburger Porzellanmanufaktur am Odeonsplatz umgebaut. Seine Ehefrau, die Innenarchitektin Gerdy Troost, führte nach seinem Tod dessen Atelier weiter. Sie war maßgeblich an der Raumausstattung von Adolf Hitlers Wohnsitzen beteiligt. 1934 bis 1937 gab sie in der Manufaktur umfangreiche Servicebestellungen für die verschiedenen Wohnsitze Adolf Hitlers, etwa für den Berghof am Obersalzberg bei Berchtesgaden, in Auftrag. Ebenfalls aus Nymphenburg stammte das Geschirr für den Speisewaggon im Führersonderzug, für die Neue Reichskanzlei und für den Führerbau in München. Auch andere NS-Größen wie Gauleiter Adolf Wagner bezogen Waren aus der Manufaktur, die so zum Hoflieferanten der politischen Elite des Dritten Reichs avancierte.

Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach Kriegsbeginn produzierte man im Auftrag der Gummiindustrie Köpfe für Tauchermützen, Handformen für Gummihandschuhe, Modelle zur Kondomherstellung usw. Bereits Ende 1941 wurden zu fast 80 Prozent dieser als kriegswichtig eingestuften Gegenstände hergestellt. Als Kriegszulieferer war die Manufaktur ein Angriffsziel. In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1942 erfolgte die Hauptzerstörung, spätere Bombardements in den darauf folgenden Jahren bewirkten weitere Schäden. Hierbei wurde auch ein Großteil des alten Aktenbestands vernichtet. Auch das Stadtgeschäft im Eckhaus Odeonsplatz/Briennerstraße wurde stark zerstört.

Neubeginn 1945[Bearbeiten]

Vorausschauend waren die kostbarsten Modelle, Formen und alte Porzellane im Keller der Badenburg im Schlosspark Nymphenburg ausgelagert worden. Diese hatte zwar einen Bombentreffer erhalten, der Keller jedoch blieb unversehrt. Nach kurzer Zeit gelang es der Familie Bäuml die Produktion unter schwierigsten Bedingungen wieder aufzunehmen. Abnehmer waren anfangs hauptsächlich Mitglieder der amerikanischen Besatzungsarmee.

Neuzeit[Bearbeiten]

Heute sind international anerkannte Künstler und Designer für die Manufaktur Nymphenburg tätig. Es gibt zeitgenössisches Porzellan von Gustavo Lins, Ted Muehling, Barnaby Barford, Konstantin Grcic, Hella Jongerius, Reed Kram, Clemens Weisshaar, Khashayar Naimanan…

Familie Bäuml[Bearbeiten]

1888 pachtete Albert Bäuml (1855–1929) die Manufaktur mit dem Ziel, wieder ein ähnlich hohes künstlerisches Niveau wie zur Anfangszeit zu erreichen. Nach dem Tode Albert Bäumls im Jahre 1929 übernahmen dessen drei Söhne Fritz Bäuml (1887–1969), Alfred Bäuml (1892–1971) und Kurt Bäuml (1899–1979) die Leitung der Manufaktur. Nach dem Tode seiner beiden Brüder führte Kurt Bäuml das Unternehmen alleine weiter.

Weitere Besitzer[Bearbeiten]

Von 1975 bis 2011 war die Manufaktur vom Bayerischen Staat an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds verpachtet.

Am 1. Oktober 2011 übernahm die Schloß Kaltenberg – Königliche Holding und Lizenz KG mit ihrem geschäftsführenden Gesellschafter Luitpold Prinz von Bayern das Unternehmen[3]. Seit April 2012 lautet der offizielle Firmenname Königliche Porzellan Manufaktur Nymphenburg.GmbH & Co. KG[4].

Liebesgruppe „Der stürmische Galan“ von Franz Anton Bustelli, um 1756

Die Porzellan Manufaktur Nymphenburg verzichtet bewusst auf eine eigene Entwicklungsabteilung. Sie fertigt stattdessen nach Entwürfen von zeitgenössischen Designern und Künstlern. Im 21. Jahrhundert waren das bisher unter anderem Konstantin Grcic, Hella Jongerius, Kiki Smith, Joep van Lieshout, Olaf Nicolai und Carsten Höller.

Museum[Bearbeiten]

Im Obergeschoß des Marstallmuseums Nymphenburg kann das Museum Nymphenburger Porzellan – Sammlung Bäuml besichtigt werden.

Bekannte Künstler der Nymphenburger Porzellanmanufaktur[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Siehe auch Liste von Porzellanmanufakturen und -herstellern
  • Friedrich H. Hofmann: Geschichte der bayerischen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg. 3 Bände. Hiersemann, Leipzig 1921–1923 (Nachdruck: Scherer, Berlin 1991, ISBN 3-89433-009-0 (Edition Arkanum)).
  • Timo Nüsslein: Paul Ludwig Troost (1878 - 1934), in: Hitlers Architekten, Historisch kritische Monographien zur Regimearchitektur im Nationalsozialismus, Band I, herausgegeben von Winfried Nerdinger und Raphael Rosenberg, Wien/Köln/Weimar, 2012.
  • Timo Nüsslein: Der "Erste Baumeister des Dritten Reichs" und das Porzellan - Paul Ludwig Troost und die Staatliche Porzellanmanufaktur Nymphenburg, in: Keramos 220, Deggendorf 2013.
  • Arno Schönberger: Nymphenburger Porzellan. Prestel, München 1949 (Bilderhefte des Bayerischen Nationalmuseums München 4).
  • Rainer Schuster: Nymphenburger Porzellan. Kostbarkeiten aus der Sammlung Bäuml und dem Residenzmuseum München. Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 1997, ISBN 3-9805654-0-8.
  • Rosel Termolen: Nymphenburger Porzellan. 2. Auflage. Rosenheimer, Rosenheim 1992, ISBN 3-475-52504-6 (Rosenheimer Raritäten).
  • Hans Thoma: Porzellan-Manufaktur Nymphenburg. 1747–1947. Zweihundert Jahre Nymphenburg. Bruckmann, München 1947.
  • Alfred Ziffer: Nymphenburger Porzellan. Sammlung Bäuml. Stuttgart 1997, ISBN 3-925369-61-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Porzellanmanufaktur Nymphenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Adolf Schmidt: Auer, Anton. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 637.
  2. Hyacinth Holland: Auer, Maximilian Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 84.
  3. [1] Pressemitteilung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds vom 30. September 2011, abgerufen am 11. März 2014
  4. [2] www.unternehmensregister.de, abgerufen am 11. März 2014

48.16009211.507436Koordinaten: 48° 9′ 36″ N, 11° 30′ 27″ O