Prebendow (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen der von Prebendow

Prebendow historisch auch: Prebentow in Polen meist Przebendowski, wo bei auch häufig beide Namensformen kombiniert wurden als Prebendow–Przebendowski oder Prebendow von Przebendowski, ist der Name eines ursprünglich pommerellischen Adelsgeschlechts, das im Grafenstand in Polen und damit auch in Sachsen, in Galizien und damit in Österreich-Ungarn sowie letztlich auch in Preußen zu einigem Ansehen gelangte.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Geschlecht der Prebendow ist eines Stammes mit den Wilmsdorff und nannte sich nach seinem Stammgut Prebendow im lauenburgischen. Für die polnische Seite war Jan Przebendowski 1466 Mitunterzeichner des Frieden von Thorn. Die gesicherte Stammreihe Beginnt mit Joachim Prebendow († 1568), Erbherr auf Enzow und Predendow. Elzow lässt die Stammreihe bereits mit Liborius († 1493) beginnen. Im Jahre 1558 wurden Thomas und Joachim, Söhne des bereits verstorbenen Claus Prebentow, von Herzog Barnim mit einem Anteil an Prebendow belehnt. Letztmals wurde Carsten Prebbentow vom Großen Kurfürsten mit Prebendow im Jahre 1665 belehnt. Seine Söhne verkauften die bei der Familie verbliebenen Anteile am Gut, nach dem vorher schon die Stojentin anteilig Lehnsnachfolger wurden, an den Major Martin Döring von Goddentow.

Hans von Prebentow († 1608) soll das Gut Kaucken im Insterburgischen besessen haben, ist in Livland verstorben und hinterließ nur eine Tochter Lucretia († nach 1647), welche an Sebastian von Götzen († vor 1637), Erbherr auf Kumehlen, vermählt wurde und diesem Kaucken als Erbtochter zutrug.[1]

Als die Lande Lauenburg und Bütow brandenburgisches Erblehen wurden, stellten sich die Prebendow an die Spitze der der Polen zugeneigten Opposition. In Pommerellen, zählte die Familie fortan zu den einflussreichsten und wohlhabendsten. Am 6. Juli 1711 während des sächsischen Reichsvikariats wurde Joahnn Georg Przebendowski (* 1638; † 1729), zusammen mit seinen Vettern Peter Georg Przebendowski (* 1674; † 1755), Jakob Przebendowski († 1724), Johann Przebendowski (* nach 1676; † 1728) und Ernst Christoph Przebendowski († nach 1741) in den Reichsgrafenstand gehoben. Am 9. September 1783 erfolgte die Legitimation bei der galizischen Landtafel als Ritter von Przebendowo für Jakob Przebendowski (* vor 1724; † vor 1787). Letzterer erhielt am 22. Oktober 1789 in Wien den galizischen Grafenstand mit der Anrede Hoch- und Wohlgeboren. Er war Stifter der galizischen Linie des Geschlechts.

Joseph Anton von Prebendow (* 1719; † 1775) wurde Stifter der preußischen Linie des Geschlechts. Sämtliche Starosteien, die die Familie innehatte, fielen mit der preußischen Landnahme an die preußische Krone, was für die Familie einen erheblichen wirtschaftlichen Einschnitt darstellte. Die preußische Linie der Prebendow stellte mehrere Offiziere in der polnischen und preußischen Armee. Der Grafentitel wurde in Preußen unbeanstandet fortgeführt, jedoch nicht konfirmiert. Nach Hans-Jürgen Bömelburg bestätigte König Friedrich Wilhelm II. die Prebendows 1786 bei der Huldigung als Grafen.[2] In Neustadt befindet sich eine Erbbegräbnis der Familie.

Besitz[Bearbeiten]

  • In Pommern: Chinow, Dzechlin, Enzow, Fritzow, Gluschen, Hammer, Jassow, Jezow, Lischnitz, Prebendow, Schübben und Tadden
  • in Pomerellen: Blandzikau, Bohlschau, Brusdau, Brzinne, Celbau, Cissau, Czemanau, Czenstkau, Gloddaw, Gohra, Groß und Klein Gowin, Hochredlau, Kamelau, Karwenhof, Kielau, Koliebken mit dem Kruge Uhlenkrug und Chwarsnau mit der Pustkowie Halk, Kolkau, Kruschwitz, Lewinno, Lissnau, Luboczin, Nanitz, Neuhoff, Neustadt, Penskowitz, Prisau, Quarzau, Rechke, Rieben mit den Pustkowien Grabau und Prinkowo, Groß und Klein Schlatau, Schmechau, Smazin, Soppieschin, Tillau und Usterbau
  • in Galizien: Wadowice Górne, Łuszowce/Luszowicein
  • ohne reginonale Zuordnung: Chylonia, Cissów, Dutki, Gloskowo, Gnischau, Góra, Celbowo, Jackowo, Jeczewo, Karwia, Mierzyn, Niengkla, Obliwice, Orlanski, Pazermin, Praskowo, Ralzau, Rieszkowitz, Saluski, Stachowo, Stich, Szelstrau, Wilkty, Wrzosowa, Zenislawki und anteilig Zoppot

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Grafen von Prebendow

Die Prebendow führten das polnische Wappen Kuna.

Das gemeinsame Stammwappen mit den von Wilmsdorff zeigt in Gold einen aufspringenden natürlichen Marder mit einem roten Apfel im Fang. Auf dem Helm, mit rot-goldenen Decken der Marder mit dem Apfel wachsend.

Anlässlich der Hebung der Familie in den Reichsgrafenstand im Jahr 1711 wurde der Apfel im Wappen durch den Reichsapfel ersetzt, der mit den Vorderpfoten des Marders gehalten wird, über dem eine Blätterkrone schwebt.

Angehörige[Bearbeiten]

  • Johann von Prebendow (* vor 1576; † nach 1658), 1630 Landrichter von Lauenburg, ∞I. Priska von Pirch, ∞II. Katharina von Grumbkow
  • (ex I.) Peter von Prebendow (* ca. 1620; † 1700), 1654–1657 Landrichter von Lauenburg, 1645 Deputierter im Polnischen Sejm, ∞ ca. 1638 Anna Katharina von Krockow († nach 1647)
  • Henryka Dorota Przebendowska (* ca. 1682; † 1755), ∞I. 1703 Fürst Jan Mikołaj Radziwiłł h. Trąby (* 1681; † 1729), 1699–1708 Tafelvorschneider von Litauen, 1706–1707 Kastellan von Wilna, Senator, 1708 Woiwode von Nowogród, ∞II. 1730 Franciszek Bieliński h. Junosza (* 1683; † 1766), 1725–1732 Woiwode von Kulm, Senator, 1732–1742 Kronobermarschall, 1742–1766 Krongroßmarschall
  • Komtesse Anna Teresa Przebendowska (* 1721; † 1795), ∞ 1743 Fürst Aleksander Józef Sułkowski h. Sulima (* 1695; † 1762), polnisch-sächsischer Minister, General der Kronarmee, 1729 Jägermeister von Litauen
  • Komtesse Elzbieta Urszula Przebendowska († vor 1790), ∞I. nach 1737 Jerzy Marcin Ozarowski h. Rawicz († 1741), Kronlagermeister 1729, ∞II. 1745 Andrzej Moszczenski h. Nałęcz (* 1717; † 1783), Kastellan 1754 und Woiwode 1764 von Inowroclaw
  • Graf Franz Ignatz Przebendowski (* 1731; † 1791), 1772–1779 Woiwode von Pommerellen, polnischer Kammerherr, 1776 Generaldirektor der königlichen Post sowie Mitglied der Nationalen Erziehungskommission, ∞ Komtesse Felicja (Szczesna) Wielopolska h. Starykon
  • Komtesse Felicja Przebendowska, ∞ Graf Matuszewicz; Eltern des Graf Andrzej Matuszewicz (* 1796; † 1842), polnisch-russischer Diplomat, Teilnehmer der Londoner Konferenz (* 1796; † 1842), polnisch-russischer Diplomat, Teilnehmer der Londoner Konferenz
  • Komtesse Izabella Teresa Przebendowska († 1753), ∞ 1751 Michal Augustyn Hutten Czapski h. Leliwa (* 1702; † 1796), 1756 Woiwode von Marienburg
  • Graf Johann Nepomuk Michael von Prebendow (* 1744; † 1796), sächsischer Kapitän, preußischer Kammetherr
  • Graf August von Prebendow (* 1748; † 1808), polnischer Major, ∞I. Wilhelmine Rumpf († vor 1801), ∞III. Julia Sokołowska († 1831)
  • (ex I.) Graf Konstantin Przebendowski (* 1776; † 1831), polnischer Brigadegeneral, Ritter des Stanislaw-Ordens II. Klasse
  • (ex III.) Graf Alexander von Prebendow (* 1802; † 1858), preußischer Hauptmann, Erbherr auf Lichnitz und Zechlin → setzte den Stamm fort
  • (ex III.) Graf Franz Michael von Prebendow (* 1805), preußischer Hauptmann, Erbherr auf Schübben → setzte den Stamm fort
  • (ex III.) Graf Stanislaus Napoleon von Prebendow (* 1807; † 1850), Hauptmann im 13. schleswig-holsteinischen Bataillon, ⚔ vor Idstedt
  • Graf Jakob Przebendowski (* vor 1724; † vor 1787), 1772 Kastellan von Elbing, 1773 Ritter des Stanislaw-Ordens → setzte den Stamm fort
  • Graf Johann Przebendowski (* nach 1676; † 1728), Krontafelvorschneider, 1714 Gesandter in Wien
  • Graf Joachim Heinrich Przebendowski (* 1675; † 1721), 1716 Bischof von Luck
  • Graf Ernst Christoph Przebendowski († nach 1741), 1727 polnischer Generalleutnant bei den Dragonern

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. George Adalbert von Mülverstedt (bearb.): J. Siebmachers großes Wappenbuch. Neue Siebmacher. Bd. 6. Abt. 4. Ausgestorbener preussischer Adel. Provinz Preußen (Ost- und Westpreußen). Nürnberg 1874, S. 65, Tfl. 47
  2. Hans-Jürgen Bömelburg: Zwischen polnischer Ständegesellschaft und preußischem Obrigkeitsstaat: vom Königlichen Preußen zu Westpreußen (1756–1806), München: Oldenbourg, 1995, (=Schriften des Bundesinstituts für ostdeutsche Kultur und Geschichte; Bd. 5), p. 373. ISBN 3-486-56127-8.