Luzk

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Luzk
(Луцьк)
Wappen von Luzk Luzk in der Ukraine
Basisdaten
Oblast: Oblast Wolhynien
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 181 m
Fläche: 42,67 km²
Einwohner: 196.169 (2012)
Bevölkerungsdichte: 4.597 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 43000-43499
Vorwahl: +380 3322
Geographische Lage: 50° 45′ N, 25° 20′ O50.7525.333333333333181Koordinaten: 50° 45′ 0″ N, 25° 20′ 0″ O
KOATUU: 710100000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Mikola Romanjuk
Adresse: ул. Б. Хмельницького 19
43025 м. Луцьк
Website: www.lutsk.ua
Statistische Informationen
Luzk (Oblast Wolhynien)
Luzk
Luzk
i1

Luzk (ukrainisch Луцьк; russisch Луцк, polnisch Łuck; historisch Lutchesk) ist eine Stadt in der nordwestlichen Ukraine. Der am Fluss Styr gelegene Ort ist Zentrum der Oblast Wolhynien (Wolynska oblast).

Hinsichtlich der etymologischen Herkunft des Namens existieren drei Theorien:

  • der Name stammt von dem altslawischen Wort luka ab (Mäander (Flussschlinge) eines Flusses),
  • der Ort ist nach Luka benannt, Anführer des ostslawischen Stamms der Duleben, welcher in der Gegend lebte,
  • der Name leitet sich von den Luchanen her, einem alten Zweig des Stamms der Duleben.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wird erstmals 1085 in der Hypatiuschronik als Lutschesk in der Kiewer Rus urkundlich erwähnt. Bis zur Gründung von Wolodymyr-Wolynskyj war Luzk die Hauptstadt des russischen Teilfürstentums Wolhynien. Die Siedlung entstand um eine aus Holz errichtete Festung eines lokalen Zweigs der Rurikiden.

Im Mongolensturm 1240 wurde die Stadt von den Mongolen erobert, die aber die Festung nicht zerstörten. Im Jahr 1321 starb mit Georg, Sohn des Lew, der letzte Adlige der Gründungslinie in der Schlacht am Irpen gegen Gediminas, Großfürst von Litauen. Dieser verleibte Festung und Stadt seinem Reich ein. 1340 wird mit dem Bau der Liubartas-Burg begonnen. 1349 wurde die Stadt von Truppen des polnischen Königs Kasimirs des Großen für kurze Zeit erobert, sie fiel aber bereits kurze Zeit später wieder an Litauen.

Unter den Litauern nahm die Stadt einen Aufschwung. 1375 wurde das Bistum Luzk errichtet. Lubart, Sohn des Gediminas, errichtete am Ufer der Styr eine Burg aus Ziegeln. Witold warb Kolonisten für Luzk an (überwiegend Juden, Tataren, Armenier und Karaimer). 1427 verlegt er den katholischen Bischofssitz von Wolodymyr-Wolynskyj nach Luzk. Ende des 15. Jh. besaß Luzk bereits 19 orthodoxe und zwei römisch-katholische Kirchen. Neben dem katholischen Bischof hatte auch ein orthodoxer Bischof seinen Sitz in Luzk. Daher trug die Stadt damals auch den Spitznamen Wolhynisches Rom. In der Liste der Bischöfe von Luzk sind die römisch-katholischen Bischöfe aufgeführt.

1429 fand auf Einladung des polnischen Königs Władysław II. Jagiełło und Vytautas, Großfürst von Litauen, in der Stadt eine Versammlung europäischer Herrscher statt, welche die Bedrohung durch das Osmanische Reich zum Thema hatte. Unter den Eingeladenen befanden sich der deutsche Kaiser Sigismund, der russische Großfürst Wassili II., der dänische König Erich von Pommern, der Großmeister des Schwertbrüderordens Zisse von Rutenberg, der pommersche Herzog Kasimir V., Dan III., Herrscher der Walachei, zwei tatarische Chane und weitere deutsche Fürsten.

Nach dem Tod von Švitrigaila, dem jüngsten Bruder von Władysław Jagiełło, im Jahr 1452 wird Wolynien ein Lehnswesen der polnischen Krone. Die Stadt wird Sitz eines polnischen Gouverneurs, die sich später Marschalle des Landes Wolhynien nennen. Im gleichen Jahr erhält Luzk das Magdeburger Stadtrecht. 1569 kommt Luzk im Zuge der Union von Lublin unter direkte polnische Herrschaft und wurde Hauptstadt der Woiwodschaft Wolhynien und des Łucker Powiats. Gleichzeitig konvertierte der lokale orthodoxe Bischof zum griechischen Katholizismus.

Die Stadt wuchs weiter an und zählte in der Mitte des 17. Jahrhunderts etwa 50.000 Einwohner. Beim Kosaken-Aufstand unter Bohdan Chmelnyzkyj wurde die Stadt von Truppen des Obersten Kolodko geplündert und teilweise niedergebrannt. Hierbei wurden knapp 4.000 Menschen getötet, etwa 35.000 flohen. Von diesem Ereignis hat sich der Ort lange nicht erholen können. 1781 zerstörte ein Feuer 440 Häuser, beide Kathedralen und zahlreiche weitere Kirchen.

Im Zuge der Dritten Teilung Polens wurde Luzk 1795 von Russland annektiert. Die Woiwodschaft wurde aufgelöst. Luzk war nicht mehr Provinzhauptstadt, sondern wurde von Schytomyr aus regiert. Nach dem Novemberaufstand wurde die Russifizierungsbemühungen in der Stadt verstärkt, wodurch Russisch das Polnische als dominierende Verkehrssprache ablöste. Griechisch-katholische Kirchen wurden in russisch-orthodoxe umgewandelt. 1845 ereignete sich in der Stadt erneut ein Großbrand, der Abwanderungen zur Folge hatte.

1850 wurden drei große Festungen um Luzk gebaut und die Stadt wurde in Michailogorod umbenannt. Bei der ersten gesamtrussischen Volkszählung von 1897 wurde eine Einwohnerzahl von 15.804 festgestellt.[1] Während des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt am 29. August 1915 von der österreichisch-ungarischen Armee besetzt, wobei es zu leichten Zerstörungen kam. In der einjährigen Besatzungszeit hatte die 4. Armee unter dem Erzherzog Joseph Ferdinand hier ihr Hauptquartier. Aufgrund von Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung brach in dieser Zeit eine Typhusepidemie aus.

Am 7. Juni 1916 wurde Luzk im Verlauf der Brussilow-Offensive nach einem dreitägigen Artilleriebombardement von der russischen Armee zurückerobert. In der Folge des Friedens von Brest-Litowsk wurde Luzk am 7. Februar 1918 von den Deutschen besetzt, die es am 22. Februar 1918 an die Truppen von Symon Petljura übergaben. Am 5. Mai 1919 wurde Luzk von polnischen Truppen unter General Aleksander Karnicki erobert.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Luzk zu Polen und wurde erneut Hauptstadt einer Woiwodschaft Wolhynien. Der bereits seit 1890 bestehende Eisenbahnanschluss von Kiwerzi wurde um die Strecke nach Lemberg erweitert. Während der Zugehörigkeit zu Polen entwickelte sich die Industrie in der Stadt. Luzk wurde Garnison des 13. leichten Artillerieregiments. Am 1. Januar 1939 lebten in Luzk 39.000 Einwohner, darunter 17.500 Juden und 13.500 Polen. Die Umgebung war dagegen mehrheitlich von Ukrainern bewohnt. So wohnten im Powiat 316.970 Einwohner, wovon 59 % Ukrainer, 19,5 % Polen und 14 % Juden waren. Weiterhin lebten dort etwa 23.000 Tschechen sowie Wolhyniendeutsche in 42 Kolonien.

1939 wurde Luzk von der Roten Armee erobert. Viele Fabriken wurden abgebaut (inklusive einer seit 1938 in Bau befindlichen Radiostation) und in die Sowjetunion transferiert. Etwa 10.000 Einwohner, überwiegend Polen, wurden in Lager deportiert oder vom NKWD inhaftiert. Ende Juni 1941 – kurz nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges – nahm die deutsche Wehrmacht Luzk ein. Siehe hierzu Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Riwne.

In der Burg fanden die Deutschen Opfer eines Massakers des NKWD vor. Daraufhin kam es zu einem ersten, von den Deutschen begünstigten Pogrom ukrainischer Nationalisten gegen die jüdischen Einwohner der Stadt. Am 2. Juli 1941 erschoss dann das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C unter Führung von Paul Blobel und mit Tatbeteiligung eines Zuges Ordnungspolizei und eines Zuges Wehrmachts-Infanterie 1.160 Juden.[2] Die verbliebenen jüdischen Bewohner der Stadt wurden in ein Ghetto umgesiedelt und später beim in der Nähe der Stadt gelegenen Polankahügel ermordet.

1943 und 1944 verübten ukrainischen Nationalisten der OUN-UPA, zum Teil unter Beteiligung ukrainischer "Selbstschutzgruppen", an der polnischen Bevölkerung der Westukraine Massaker, mit dem Ziel, diese Gebiete "ethnisch rein" zu machen.[3] Im Zuge dieser wurde der überwiegende Teil der polnischen Einwohner ermordet oder vertrieben (vgl. dazu auch Polnisch-Ukrainischer Konflikt in Wolhynien und Ostgalizien).

Unter der 1944 wiedererrichteten sowjetischen Herrschaft wurde die Stadt zu einem Industriezentrum. Im Zuge der ukrainischen Unabhängigkeit wurde die Stadt 1991 Teil der Ukraine. Seit 1997 unterhält Luzk eine Städtepartnerschaft mit Olsztyn (Polen). 2001 wurde eine weitere mit der Stadt Rzeszów (Polen) vereinbart.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
1650 1897 1939 1979 1989 2001 2005 2011 2012
50.000 15.804[1] 39.000 137.344[4] 197.724[4] 208.816[4] 202.915[5] 211.783[4] 196.169[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Lutherkirche

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der industrielle Schwerpunkt der Stadt liegt auf dem Maschinenbau (u.a. Automobilbau) und der Leichtindustrie. An Hochschulen verfügt der Ort u.a. über eine staatliche Universität und eine industrielle Hochschule.

Luzk liegt am Schnittpunkt der Europastraße 85 (ukrainische Klassifizierung: M 19) mit der N 22 und an der Eisenbahnlinie Lemberg–Luzk–Kiwerzi. Im 14 km nordöstlich der Stadt gelegenen Kiwerzi besteht Anbindung an die Strecke Kowel–Riwne–Kiew. Täglich verkehrt ein durchgehender Schlafwagen zwischen Berlin und Kiew.

Unternehmen[Bearbeiten]

Im Jahr 1981 wurde am südlichen Stadtrand eine Wälzlagerfabrik gebaut und 1997 von SKF übernommen[6]. Dort werden, vorwiegend mit deutschen Maschinen, Wälzlager mit Außendurchmesser von 45 mm bis 320 mm gefertigt. Es besteht eine enge Kooperation zum Werk in Lüchow, außerdem wurde 2009 eine Fertigungslinie von Schweinfurt hierher verlagert.

Die deutsche Firma Kromberg & Schubert führt in der Nähe von Luzk seit 2006 ein Werk zur Montage von PKW-Kabelbäumen. Ebenfalls in der Automobilbranche arbeitet das Luzker Automobilwerk (LuAZ), das beispielsweise das Amphibienfahrzeug LuAZ 967 fertigte, sowie den Bus BOGDAN, der in der Ukraine zu den meist genutzten Bussen gehört.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Luzk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählungsergebnisse 1897 (russisch)
  2. VEJ 7/27.
  3. Franziska Bruder: Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben! Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948. Berlin: Metropol Verlag, 2007, S. 206ff.
  4. a b c d Bevölkerungsentwicklung auf Citypopulation.de
  5. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungszahlen auf World Gazetteer
  6. http://investors.skf.com/skf-a-global-story/9-the-era-of-globalization/eastern-europe-a-new-old-market.php