Wejherowo

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Wejherowo
Wappen von Wejherowo
Wejherowo (Polen)
Wejherowo
Wejherowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Wejherowo
Fläche: 25,65 km²
Geographische Lage: 54° 36′ N, 18° 15′ O54.618.25Koordinaten: 54° 36′ 0″ N, 18° 15′ 0″ O
Höhe: 24 m n.p.m
Einwohner: 50.340
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 84-200 bis 84-204
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GWE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 28 SłupskDanzig
Schienenweg: DanzigStettin
Nächster int. Flughafen: Flughafen Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 25,65 km²
Einwohner: 50.340
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1963 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2215031
Verwaltung (Stand: 2012)
Stadtpräsident: Krzysztof Hildebrandt
Adresse: pl. Wejhera 8
84-200 Wejherowo
Webpräsenz: www.wejherowo.pl

Wejherowo (deutsch Neustadt in Westpreußen, früher Weyersfrey; kaschubisch Wejrowò) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Pommern in Polen.

Die Gmina Wejherowo ist eine Landgemeinde, die ihren Sitz in Wejherowo hat, zu der die Stadt selbst aber nicht gehört.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt nahe der Ostsee unweit der Danziger Bucht. Nach Gdynia sind es etwa 20 km. Der nächste Flughafen ist der 40 km entfernte Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig.


Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Wejherowo besteht aus folgenden Stadtteilen:

polnischer Name kaschubischer Name deutscher Name
Dzielnica Zachodnia
Nanice Nańc Nanitz
Śmiechowo Smiechòwò Schmechau
Śródmieście Stadtmitte

Geschichte[Bearbeiten]

Jakob v.Weiher – Gründer der Stadt

Von 1308 bis 1466 gehörte die Landschaft zum Deutschordensland Preußen, und kam dann bei der Zweiteilung Preußens zum westlichen Teil, später auch als Polnisch-Preußen bekannt und unter den Schutz der polnischen Krone. 1576 kam die Siedlung Schmechau, nahe der späteren Stadt, unter die Herrschaft des Putziger Starosten Ernst v. Weiher (aus der seit 1234 bekannten adligen Familie von Weiher).

Am 28. Mai 1643 gründete der Woiwode der Marienburg Jakob von Weiher die nach ihm benannte Siedlung Weyersfrey, Weihersfrei nahe dem Dorf Schmechau und errichtete im selben Jahr die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. Während der Belagerung von Smolensk 1633/34 hatte Jakob v. Weiher gelobt, zwei Kirchen zu errichten, wenn er die Belagerung überleben sollte. Die zweite Kirche war die Kirche der Heiligen Anna, die 1648 bis 1651 erbaut wurde. Zudem ließ Weiher einen Kreuzweg und Kalvarienberg mit 19 Kapellen errichten, deren Zahl sich später auf 26 erhöhte. In diesen Jahren kamen hier auch Franziskaner (OFM). Weihersfrei wurde zu einem bekannten Wallfahrtsort.

Am 13. Januar 1650 erhielt die Stadt von Johann II. Kasimir das Stadtrecht nach preußischem Kulmer Recht. Sie war damit die einzige von einer Privatperson gegründete Stadt in Pommerellen, abgesehen von Topolno, das sein Stadtrecht bald wieder verlor. Im selben Jahr wurde das Rathaus errichtet, welches aber später mehrfach zerstört wurde. Ende des 17. Jahrhunderts war die Stadt Eigentum der Reichsfürsten-Familie Radziwill und nachfolgend der Sobieskis, unter ihnen auch König Johann III. Sobieski. Später wurde der Graf Przebendowski Eigentümer und nachfolgend der englische Konsul in Danzig, Alexander Gibson.

1723 wird der nach dem Gründer benannte Ort Weihersfrei, früher auch Weyersfrey[2] im Scriptorum Prutenicorum des preußischen Historikers David Braun aufgeführt.

Neustadt an der Rheda nordwestlich von Danzig (im Bild rechts, durch Anklicken vergrößerbar) und südwestlich von Putzig auf einer Landkarte von 1910.

1772 kam der Ort zur Zeit der Erste Polnische Teilung an das Königreich Preußen und erhielt dem Namen Neustadt. 1790 verkaufte der Konsul die Stadt an die Familie Keyserling.

1818 wurde Neustadt Sitz eines eigenen preußischen Landkreises Neustadt (Westpr.). Während dieser Zeit stieg der Anteil der deutschsprachigen Einwohner auf fast 50 % an (bei der preußischen Volkszählung von 1905 gaben 27.358 Bewohner Kaschubisch und 27.048 Deutsch als Muttersprache an). 1870 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt eine direkte Verbindung nach Danzig und Stettin.

Nachdem die von Franziskaner-Gegenreformaten 1651 zu Neustadt gegründete Klosterschule 1826 eingegangen war, wurde 1857 in der Stadt ein Progymnasium eröffnet, das 1861 zu einem vollständigen Gymnasium erweitert wurde.[3]

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Ort wie der größere Teil Westpreußens, durch den Vertrag von Versailles im Januar 1920 an Polen gegeben. Er wurde Wejherowo genannt. 1921 erschien dort die Zeitung „Gazeta Kaszubska“ (Zeitung Kaschubiens).

Im September 1939 wurde die Stadt von der Wehrmacht besetzt und als Neustadt wieder in das Deutsche Reich eingegliedert. In der Stadt waren ab 1940 mehrere Ersatztruppenteile der Wehrmacht untergebracht. Während der Zeit der Besetzung war die polnische Untergrundorganisation Gryf Pomorski in der Gegend aktiv.

Am 12. März 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt und gab sie in polnische Verwaltung. Bei einer Verwaltungsreform 1975 verlor die Stadt ihren Sitz als Powiat, erhielt ihn aber bei einer erneuten Reform 1999 wieder.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Anzahl Bemerkungen
1789 700 in 130 Wohnhäusern, evangelische und katholische Deutsche[4]
1831 1.690[5]
1845 1.800[6]
1853 2.500[7]
1865 3.200[8]
1875 4.506[9]
1880 4.715[9]
1890 5.546 darunter 2.336 Protestanten, 3.039 Katholiken und 160 Juden[10] (240 Polen[9])
1905 8.389 darunter 3.044 Protestanten, 5.171 Katholiken, 26 andere Christen und 148 Juden[11]
1921 8.786[11] darunter 1.800 Deutsche[12]
1943 16.490[11]
1948 13.400
1960 24.500
1980 42.400
2000 46.200
2012 50.258 Stand vom 30. Juni 2012[13]

Politik[Bearbeiten]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Neustadt um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Schloss der Familien Przebendowski und Keyserling. Heute ein kaschubisches Museum
Altes Krankenhaus und Obdachlosenheim

Wejherowo nennt sich selbst die "Geistige Hauptstadt der Kaschuben". Ziel der Pilger ist die Schutzheilige Wejherowos und seiner Umgebung, die Muttergottes, deren Heiligenbild 1999 von Johannes Paul II. gekrönt wurde.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • der Kalvarienberg
  • das Schloss der Familie Keyserling
  • das Rathaus, welches 1650 errichtet wurde, aber nach Zerstörungen seine heutige Architektur im Jahr 1908 erhielt
  • die Stiftskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, welche 1643 errichtet wurde und bis 1972 vielfach umgebaut wurde
  • die Klosterkirche St. Anna (17. Jahrhundert), deren Innenausstattung aus dem 18. Jahrhundert stammt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Jakob von Weiher, gründete 1643 die Stadt Weyersfrey (Weihersfrei)
  • Matthäus Prätorius (* um 1635 vermutlich in Memel; † um 1704 in Weyherststadt), evangelischer Pfarrer, später katholischer Geistlicher, Historiker und Ethnograph
  • Stanislaus Maronski (1825–1907), Historiker, arbeitete von 1857 bis 1872 als Gymnasiallehrer in Neustadt
  • Clara Quandt (1841–1919), deutsche Schriftstellerin, leitete ab 1869 in Neustadt eine private höhere Lehranstalt für Mädchen
  • Paul Gottlieb Nipkow (1860–1940), deutscher Techniker und Erfinder, besuchte von 1880 bis 1882 das Königliche Gymnasium in Neustadt und begann hier mit praktischen Experimenten der Telefonie
  • Ottomar Schreiber (1889–1955), deutscher Politiker und Landespräsident des Memellandes, wuchs in Neustadt auf

Gmina Wejherowo[Bearbeiten]

Ortschaften[Bearbeiten]

Zur Landgemeinde Wejherowo mit 23.039 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) gehören die folgenden Ortschaften:

polnischer Name kaschubischer Name deutscher Name
Biała Biôła Biala
Białasowizna
Bieszkowice Bieszkòjce Bieschkowitz (1942-45 Beschenfeld)
Bolszewo Bòlszéwò Bohlschau
Borowo Bòròwò Borrowo
Burch
Cierżnia Cérzniô Czersnia (1942-45 Schirsen)
Gacyny Gacynë
Głodówko Głodowkò Glodowken (1942-45 Gloden)
Gniewowo Gniéwòwò Gnewau (1942-45 Newau)
Góra Gòra Gohra (1942-45 Rhedaberg)
Gościcino Gòścëcëno Gossentin
Gwizdówka
Kąpino Kempinò Waldenburg (bis 1876 Kompino)
Kniewo Kniewò Kniewen
Krystkowo Kristkòwò Kristkowo
Łężyce Łãżëce Lensitz
Małe Gowino Môłé Gòwino Klein Gowin (1942-45 Kleinwarndorf)
Marianowo
Miga Mëga
Młynki Młënki
Nowiny Nowinë Nowinnen
Nowy Dwór Wejherowski Wejrowsczi Nowi Dwòr Neuhof
Orle Worle
Paradyż Paradëz Paradies
Pętkowice Pentkòwice Pentkowitz (1942-45 Paulinenhof)
Piecewo Piecewò Piecewo
Piekiełko Môłé Piékło Piekelken
Pińskie Piński Pinsk
Pnie Pnié
Prajsów
Pryśniewo Prësniéwò Prissnau
Reszki Reszki Reschke
Rogulewo Regùléwò Rogulewo
Sopieszyno Sopiészëno Soppieschin (1942-45 Sophienhof)
Sopieszyno-Wybudowanie
Ustarbowo Ùstôrbòwò Ustarbau (1942-45 Wusterbau)
Warszkowo Warszkòwò Warschkau
Warszkowski Młyn Warszkòwsczi Młën Warschkauermühle
Wielkie Gowino Wiôlgé Gòwino Groß Gowin (1942-45 Warndorf)
Wygoda Wëgòda Wigodda
Wyspowo Wëspòwò Wispau
Zamostne Zômòstné Zamosten (1942-45 Überbrück)
Zbychowo Zbëchòwò Sbichau (1942-45 Weihersfelde)
Zibertowo Zëbertòwo
Zielony Dwór Zélonë Dwòr Grünhof

Denkmal und Massengräber[Bearbeiten]

Ein zwölf Meter hohes Denkmal am nördlichen Gemeinderand in der Nähe von Wielka Piaśnica an der Hauptstraße zwischen Wejherowo und Krokowa erinnert an die Massaker von Piaśnica ab September 1939.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Bahr: Neustadt/Westpreußen. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 156-157.
  • H. Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen, 1872.
  • F. Schultz: Geschichte der Kreise Neustadt und Putzig, 1907.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Scriptorum Prutenicorum, David Braun 1723
  3. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 70-71
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 53–54, Nr. 4.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 411–412, Nr. 27.
  6. Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit (H. A. Pierer, ed.), 2nd edition, Vol. 19, Altenburg 1845, S. 407, Nr. 14.
  7. Conversations-Lexikon, 10. Auflage, Band 11, Brockhaus, Leipzig 1853, S. 163.
  8. Meyer's Konversations-Lexikon, 2. Auflage, Band 11, Hildburghausen 1865, S. 1085, Nr. 17.
  9. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Neustadt (2006).
  10. Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14. Auflage, Band 12, Berlin und Wien 1894, S. 289, Nr. 32
  11. a b c Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 157.
  12. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 13, Leipzig 1932, S. 329, Nr. 19.
  13. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf