Q-Fieber

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Klassifikation nach ICD-10
A78 Q-Fieber
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Q-Fieber ist eine durch das strikt intrazellulär lebende, gramnegative Bakterium Coxiella burnetii verursachte Zoonose (von Tieren auf Menschen übertragene Krankheit), die meist grippeähnliche Symptome hervorruft. Der Erreger kann als so genannte Dauerform (Sporen) z. B. in Staub, auf Heu oder auf Wolle jahrelang überleben und infektiös bleiben. In Deutschland sind vor allem Schafe (durch den Kot der Auwaldzecke) Träger des Erregers. Die Übertragung erfolgt meist durch Inhalation kontaminierten Staubs. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung kommt nur in Ausnahmefällen vor. Die Infektion erfolgt durch kontaminierte Partikel in der Atemluft. Die Inkubationszeit beträgt 9 bis 40 Tage. Q-Fieber ist eine in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung.

Coxiella burnetii

Synonyme[Bearbeiten]

Query-Fieber (daher: Q-Fieber), Queensland-Fieber, Balkangrippe, Balkanfieber, Euboea-Fieber, Kretafieber, Krim-Fieber, Pneumorickettsiose, Schlachthausfieber, Siebentagefieber, Wüstenfieber, Ziegengrippe.

Die im Englischen als „Australian tick typhus“ oder „Queensland tick typhus“ („Queensland-Zeckenstichfieber“) bezeichnete Erkrankung wird – anders als das Q-Fieber – durch Rickettsien (Rickettsia australis) verursacht.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Krankheit wurde zuerst 1937 von Edward Holbrook Derrick (1898–1976) bei Schlachthausarbeitern in Brisbane, Queensland, Australien als Erkrankung unbekannter Ursache wissenschaftlich beschrieben, was zu dem Namen Q-Fieber (von „query“ für „Frage“ im Sinne von „fraglich“, „zweifelhaft“) führte. Das Bakterium wurde ebenfalls 1937 von Frank MacFarlane Burnet und Freeman aus einem von Derricks Patienten isoliert und als Rickettsia-Spezies identifiziert. H.R. Cox and Davis isolierten den Erreger 1938 aus Zecken in Montana, USA, und beschrieben den Übertragungsweg; der Organismus wurde im gleichen Jahr offiziell als Coxiella burnetii anerkannt. Inzwischen wird Coxiella burnetii nicht mehr als naher Verwandter der Rickettsien betrachtet.

Vorkommen und Auftreten[Bearbeiten]

Der Erreger kommt weltweit vor, außer in Neuseeland und der Antarktis. Dabei wird er in Europa häufiger durch Auslösung einer Leberentzündung und in Nordamerika einer Lungenentzündung auffällig. Das Bakterium ist extrem überlebensfähig und äußerst ansteckend (infektiös): Ein einzelnes Bakterium kann bereits eine Infektion verursachen. Träger der Bakterien sind in Deutschland vor allem Schafe. Die Übertragung auf Menschen erfolgt insbesondere durch Inhalation des zu Staub zerfallenen Kots der zur Gattung Buntzecken (Dermacentor) gehörenden Zeckenarten wie beispielsweise der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), der durch erregerhaltige Teile kontaminiert ist. Darüber hinaus ist eine Übertragung durch Kontakt mit kontaminierten Produkten wie Wolle, Milch oder Fleisch möglich.

Zecken können den Erreger auch durch biologische Übertragung auf andere Tiere übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch scheint extrem selten zu sein und ist bisher nur wenige Male beschrieben worden.

Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen, was vermutlich mit der beruflichen Exposition von Personen, die in der Tierzucht, Milchverarbeitung, Schlachtung tätig sind, zusammenhängt.

Im Jahr 2009 erkrankten in den Niederlanden 2300 Menschen an Q-Fieber, 25 davon starben.[1] Zur Eindämmung der Ausbreitung wurden um die Jahreswende 2010/2011 mehrere zehntausend symptomfreie Ziegen gekeult.[2][3]

Klinische Erscheinungsformen[Bearbeiten]

Symptome beim Menschen[Bearbeiten]

Bild A: Ein normaler Röntgen-Thorax. Bild B: Q-Fieber Pneumonie.

In etwa der Hälfte der Fälle verläuft die Infektion unbemerkt oder mit nur milden Symptomen. Das meist grippeähnliche Erscheinungsbild kann mit abrupt einsetzendem Fieber, starker Abgeschlagenheit, starken Kopfschmerzen, Myalgie (Muskelschmerzen), Appetitverlust, trockenem Husten, Brustschmerz, Schüttelfrost, Verwirrtheit und – seltener – Magen-Darm-Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einhergehen. Das Fieber hält etwa 7 bis 14 Tage an.

Im Verlauf der Erkrankung kann eine Lungenentzündung (atypische Pneumonie) auftreten, welche in einem lebensbedrohlichen akuten Atemnot-Syndrom ARDS resultieren kann. Allerdings treten Atmungssymptome gewöhnlich früh auf (4–5 Tage nach Beginn der Erkrankung).

Etwas weniger häufig wird Q-Fieber als eine Leberentzündung (granulomatöse Hepatitis) auffällig durch generelle Abgeschlagenheit, Fieber, Lebervergrößerung, Schmerzen im rechten Oberbauch und Gelbsucht (Ikterus).

Die noch etwas seltenere chronische Form des Q-Fiebers ist praktisch identisch mit einer durch das Bakterium verursachten Entzündung der inneren Herzhaut (Endokarditis) und des Herzbeutels (Perikarditis), die unbehandelt meist tödlich verläuft. Die Letalität (Sterblichkeit) sinkt bei angemessener Behandlung auf etwa zehn Prozent.

Symptome bei Tieren[Bearbeiten]

Q-Fieber verläuft bei Rindern und Schafen meist ohne deutliche Symptome (subklinisch), häufigste Krankheitserscheinungen sind Fressunlust und Fehlgeburten in der späten Trächtigkeit. Darüber hinaus kann die Infektion Unfruchtbarkeit und Euterentzündungen auslösen.[4]

Bei Katzen treten nach experimenteller Infektion für mehrere Tage Fieber, Abgeschlagenheit und Fressunlust auf.[4]

Diagnose[Bearbeiten]

In einer Handreichung des Robert-Koch-Instituts für Ärzte heißt es:

„Eine klinische oder klinisch-epidemiologische Verdachtsdiagnose kann durch serodiagnostische Verfahren mittels Nachweis von Antikörpern (gegen Coxiellen-Ag Phase II sowie gegen Phase I) auch labordiagnostisch gesichert werden. Bei der akuten Erkrankung bilden sich in erster Linie Antikörper gegen das Phase-II-Antigen; anti-Phase-I-Antikörper in hohen Titern sind für einen chronischen Verlauf typisch. [...] In Speziallaboratorien kann auch ein Erregernachweis mittels Zellkultur oder Nukleinsäure-Nachweis (PCR) erfolgen. In Biopsiematerial kann der Erreger mittels der Immunfluoreszenz oder elektronenmikroskopisch nachgewiesen werden. C. burnetii ist als Erreger in die Sicherheitsstufe 3 eingestuft.“[5]

Therapie[Bearbeiten]

Die Therapie der akuten Form ist in aller Regel erfolgreich und erfolgt in Absprache mit Infektiologen durch Antibiotika. Zum Einsatz kommen intrazellulär wirksame Antibiotika, im Einzelnen Tetracycline, Makrolid-Antibiotika und Chinolone. Außerdem sind das Malariamittel Hydrochloroquin und das Chloramphenicol wirksam.

Zur Behandlung der chronischen Form wird für eine Dauer von – je nach Autor – einem bis vier Jahren eine Zweier- oder Dreier-Kombination der genannten Antibiotika verabreicht.

Da ein Impfstoff existiert, könnten besonders exponierte Personen wie zum Beispiel Tierärzte, Schlachthofpersonal oder Labormitarbeiter vorsorglich geimpft werden.[6] Der Impfstoff ist in Deutschland jedoch nicht zugelassen.

Verwendung als Waffe[Bearbeiten]

Bedingt durch den Infektionsweg und die Ausbildung von Dauerformen stellt Q-Fieber eine geeignete biologische Waffe dar, die bei militärischem Einsatz prognostizierte 23–77 % Ausfälle bei geringer Mortalität bewirkt und die Aktionsfähigkeit der betroffenen Einheit signifikant beeinflusst.[7]

Q-Fieber kann leicht produziert werden und wurde bei Untersuchungen in bis zu zwei Kilometern Entfernung vom Infektionsherd festgestellt. Für militärische Verwendung ist – auch angesichts der geschätzten Infektionsdosis von 1–10 Organismen – insbesondere die Verteilung als Aerosol wirksam.[8] Laut einer Schätzung würde ein solcher Einsatz von 50 Kilogramm C. burnetii als zwei Kilometer lange Linie in einer betroffenen Stadt mit 500.000 Einwohnern etwa 150 Tote und 125.000 Kampfunfähige bewirken, davon etwa 9.000 mit chronischen Folgen. Insbesondere diese chronischen Folgen, wie auch die Wirkung auf Nutztiere in Form von Fehlgeburten und Fehlbildungen und die daraus resultierende Angst vor Verzehr derselben machen den Erreger des Q-Fiebers durch die psychologische Wirkung der folgenden Erkrankung zu einer geeigneten bioterroristischen Substanz.[7]

Q-Fieber wurde im Waffenprogramm der USA, das ab 1942 in Fort Detrick durchgeführt wurde, als mögliches, waffenfähiges Pathogen gelistet. 1954 erfolgten Versuche an Freiwilligen im Rahmen des Project Whitecoat. Bis zum Ende des Biowaffenprogramms 1969/70 befand sich Q-Fieber vermutlich im aktiven Arsenal der USA. In der Zeit von 1950 bis 1965 infizierten sich 50 in Fort Detrick arbeitende Virologen, Bakteriologen und Techniker mit Q-Fieber – hierbei stammten nur fünf der Infektionen aus bekannten Laborunfällen.[7] Aber auch heute noch wird in den USA an Q-Fieber defensive Biowaffenforschung betrieben. Im Februar 2006 kam es zur Infektion einer Mitarbeiterin des Biowaffenforschungslabors der Texas A&M University.[9]

In Russland wurde C. burnetii bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als Waffe hergestellt, die Produktion dauerte bis zumindest 1990 an.[7]

Bioterroristisch wurde Q-Fieber von Ōmu Shinrikyō zunächst in Betracht gezogen. Ein möglicher Anschlag fand 1987 in Oxfordshire gegen die britische Post statt. Der Ursprung des Pathogens wurde nicht entdeckt, als Träger werden jedoch kontaminierte Briefe vermutet. Dieser Verteilungsweg stellt aufgrund der hohen Geschwindigkeit moderner Sortieranlagen und der resultierenden weiten Streuung des Agens ein besonderes Problem dar.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert-Koch-Institut: 'Q-Fieber. RKI-Ratgeber für Ärzte. vom 1. Mai 2012.
  • Falke, Dietrich: Das Blutbild bei mit Queensland-Fieber infizierten Meerschweinchen. Dissertation, Tübingen 1953.
  • M. Maurin,D. Raoult: Q Fever In: Clinical Microbiology Reviews. Bd. 12, Nr. 4, Oktober 1999, S. 518–583, Volltext online.
  • Coxiella burnetii - Erreger des Q- (query) Fiebers. In: Bundesgesundheitsblatt 2005. Juli 2005, S. 814 - 821.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Q-koorts. Auf: rivm.nl (niederländisch); zuletzt abgerufen am 31. August 2014.
  2. Ziegengrippe: Niederlande keulen 36.000 Ziegen. Auf: zeit.de vom 17. Dezember 2009, zuletzt abgerufen am 31. August 2014.
  3. Keulung von Ziegen in Holland gestartet. Auf: agrarheute.com vom 22. Dezember 2009, zuletzt abgerufen am 31. August 2014.
  4. a b Merck Veterinary Manual: Q Fever. Auf: merckmanuals.com vom März 2012 (letzte Revision) ; zuletzt abgerufen am 4. Juli 2014.
  5. RKI: Q-Fieber: RKI-Ratgeber für Ärzte. vom 1. Mai 2012, zuletzt abgerufen am 31. August 2014.
  6. About The Q Fever Vaccine. Auf: qfever.com.au Dump vom 5. Oktober 2012, zuletzt abgerufen am 31. August 2014.
  7. a b c d e M. G. Madariaga, K Rezai, G. M. Trenholme, R. A. Weinstein: Q fever: a biological weapon in your backyard. In: The Lancet. 2003, Bd. 3, Nr. 11, S. 709–721, doi:10.1016/S1473-3099(03)00804-1.
  8. S. R. Klee, D. Jacob, H. Nattermann, B. Appel: „Bioterroristisch relevante bakterielle Erreger“. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz.. Bd. 46, Nr. 11, 2003, S. 935–948. doi:10.1007/s00103-003-0724-0..
  9. Texas: Schlamperei in Biowaffen-Labor monatelang verschwiegen. Auf: spiegel.de vom 03. Juli 2007, zuletzt abgerufen am 31. August 2014.
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