Richard II. (Drama)

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Daten des Dramas
Titel: Richard II.
Originaltitel: The Tragedy of King Richard the Second
Gattung: Historie
Originalsprache: Englisch
Autor: William Shakespeare
Erscheinungsjahr: 1597
Uraufführung: 9. Dezember 1595
Ort und Zeit der Handlung: England, die letzten Jahre Richards II.
Personen

Richard II. (engl. The Tragedy of King Richard the Second) ist eines der Königsdramen von William Shakespeare. Das Datum seiner Erstaufführung ist nicht überliefert. Mehrere Indizien deuten darauf hin, dass das Stück im Jahre 1595 entstand. Erstmals gedruckt wurde es 1597 als Einzelausgabe (Quarto 1).

Originaldokumente aus dem behandelten Geschichtsabschnitt (1398–1400) standen Shakespeare nicht zur Verfügung. Umfangreiches Material über Richard II. und seine Regierungszeit boten ihm jedoch die Chroniken des 16. Jahrhunderts sowie literarische Werke (Dramen, ein Versepos, der Fürstenspiegel The Mirror for Magistrates) und die volkstümliche Überlieferung.

Wichtigste Quelle des für Richard II benutzten historischen Materials ist Raphael Holinsheds Chronicle of England, Scotland and Ireland in der zweiten (von nachfolgenden Herausgebern bearbeiteten) Fassung von 1587. Holinshed trug vorwiegend Berichte älterer Chronisten zusammen, ohne sie nach eindeutigen Kriterien in der Absetzungsfrage zu werten.

Das Stück, das Ereignisse aus Richards letzten Regierungsjahren 1398–1399 und seine Ermordung im Jahr 1400 darstellt, gehört zur Gattung der sogenannten history plays, englischen Historiendramen (kurz auch histories, Historien oder Königsdramen genannt), deren Gegenstand der englischen Geschichte nach 1066 entnommen ist. Die Blütezeit dieses Genres fällt in die zwei Jahrzehnte von 1590 bis 1610; die Dramen lassen sich nicht eindeutig der Komödie oder der Tragödie des klassischen Gattungsschemas zuordnen.

Richard II stellt als “Tragödie” das beklagenswerte Ende eines Herrschers dar (de casibus-Tragödie mit dem vereinfachten Handlungsmuster: Sturz und Tod Richards und, in einer Gegenbewegung, dem Aufstieg Bolingbrokes). In 1 Henry IV, dem Folgestück mit Falstaff in einer der Hauptrollen, sind dagegen die komödienhaften Handlungselemente sehr viel stärker ausgeprägt. Erst die Herausgeber der Sammelausgabe der shakespeareschen Dramen (Mr. William Shakespeares comedies, histories, & tragedies, die sogenannte First Folio von 1623) gruppieren seine zehn Historien unter der entsprechenden Gattungsbezeichnung. Richard II wird mit 1, 2 Henry IV und Henry V zur Lancaster-Tetralogie zusammengefasst; diese Vierergruppe von Dramen ist benannt nach der Dynastie, der ihre Titelhelden angehören, und präsentiert einen zusammenhängenden Geschichtsabschnitt.

Handlung[Bearbeiten]

Henry Bolingbroke, Herzog von Hereford, beschuldigt Thomas Mowbray mehrerer Delikte, u.a. der Teilnahme an dem Mord an dem Herzog von Gloucester. Da der als Richter angerufene König Richard II. beide nicht versöhnen kann, fordern sie einander schließlich zum Duell. Vergeblich versucht unterdessen die Witwe des Ermordeten, Bolingbrokes Vater John of Gaunt zu einer Rachetat gegen den Mörder zu bewegen - Gaunt möchte ganz nach mittelalterlicher Vorstellung das Strafen lieber Gott überlassen. Richard bricht indes das angeordnete Duell ab und verbannt lieber beide Kontrahenten. Als Bolingbroke England verlassen hat, entschließt sich Richard zu einem Feldzug gegen irische Rebellen, für den er angesichts leerer Kassen Geld von den Besitzenden seines Landes nehmen will. Da kommt die Nachricht, dass Gaunt im Sterben liege, gerade recht - Richard beschließt, dessen Vermögen für den Irlandkrieg zu beschlagnahmen.

Szene aus Richard II., Kupferstich nach einem Gemälde von James Northcote

An Gaunts Sterbebett muss sich Richard heftige Vorwürfe anhören, weil er das Land ruiniert habe und an dem Mord an Gloucester beteiligt gewesen sei; sobald aber Gaunt tot ist, erklärt er dessen Vermögen für beschlagnahmt. Kaum befindet sich der König auf seinem Irlandfeldzug, als Bolingbroke mit einer Armee im Nordosten Englands landet, er findet den Adel empört über das Vorgehen des schwachen, selbstgefälligen und genusssüchtigen Königs. Die wenigen Königstreuen vermögen keine Armee gegen Bolingbroke aufzustellen. Der Herzog von York, der das Land während Richards Abwesenheit regieren soll, begibt sich mit der Königin Isabel auf Schloss Berkeley in Gloucestershire, wo er dem mit seinem Heer erscheinenden Bolingbroke seine Neutralität bekundet. Unterdessen gibt es eine weitere schlechte Nachricht für den König: Ein walisisches Heer, das Richards Verstärkung nach seiner Rückkehr aus Irland bilden sollte, zerstreut sich wegen ungünstiger Vorzeichen.

In Schloss Bristol ergreift Bolingbroke die königstreuen Bushy und Greene und lässt sie hinrichten. Der auf die britische Insel zurückgekehrte Richard erkennt bald die Aussichtslosigkeit seiner Lage und begibt sich, auf einen Feldzug gegen den übermächtigen Bolingbroke verzichtend, nach Schloss Flint in Wales. Dort lässt ihm sein Gegner ausrichten, er komme als loyaler Untertan, wenn Richard Land und Titel, die er bei Gaunts Tod usurpiert habe, herausgebe. Richard gibt nach. - Von einem Gärtner erfährt die Königin, dass sich ihr Mann jetzt in Bolingbrokes Gewalt befindet.

Nach London gebracht, ist Richard bereit, Bolingbroke auch die Krone zu überlassen. Der Bischof von Carlisle warnt den Usurpator, sein Handeln werde Leiden und Blutvergießen künftiger Generationen zur Folge haben, und wird prompt abgeführt. Nach der förmlichen Übergabe der Krone beordert Bolingbroke Richard in den Tower.

Auf dem Weg zum Tower trifft Richard Isabel, der er rät, nach Frankreich zu gehen und ihn als tot zu betrachten. Der beim Volk beliebte Bolingbroke wird gekrönt und ist fortan König Heinrich IV. Als der Herzog von York entdeckt, dass sein Sohn Rutland an einer Verschwörung gegen den neuen König beteiligt ist, reitet er zum König; Rutland kommt noch vor seinem Vater an und bittet Heinrich um Gnade. Heinrich verschont ihn, lässt aber die übrigen Verschwörer hinrichten. - Richard, der nach Schloss Pomfret in Nordengland gebracht wurde, ergibt sich widerstandslos in die Gefangenschaft und ergeht sich fortan in Reflexionen seines Schicksals. Erst jetzt, nach dem Verlust der Macht, kommt er zu sich, sieht die ganze Schönheit seines - vergangenen - Reiches und seine Gedanken gewinnen philosophische Tiefe: "I have been studying how I may compare / This prison where I live unto the world" (V.5.1f). Bei seiner Ermordung durch einen Handlanger Heinrichs sind seine letzten Worte: "Mount, mount, my soul, thy seat is up on high, / Whilst my gross flesh sinks downward, here to die" (V.5.111f). Auf die Todesnachricht weiß der neue König pragmatisch zu reagieren: durch Distanzierung von der Tat und die Verkündung eines geplanten Kreuzzugs zu Ehren Richards.

Literatur[Bearbeiten]

  • King Richard II, ed. by Charles R. Forker (Arden Shakespeare, London 2002) (The Arden Shakespeare, third series).
  • William Shakespeare, König Richard II. – King Richard II. Englisch-Deutsch / neu übers. von Frank Günther ; mit e. Essay u. Literaturhinw. v. Joachim Frenk (ars vivendi Verl., Cadolzburg, 2000).
  • Shakespeare-Handbuch. Die Zeit – Der Mensch – Das Werk – Die Nachwelt / hrsg. von Ina Schabert (Kröner Verl., 4. Aufl. Stuttgart 2000).
  • William Shakespeare, "King Richard II". Englisch-Deutsche Studienausgabe. Deutsche Prosafassung, Anmerkungen, Einleitung und Kommentar von Wilfried Braun (Stauffenburg, Tübingen 1980), ISBN 978-3-86057-545-1.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]