Timon von Athen (Shakespeare)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten des Dramas
Titel: Timon von Athen
Originaltitel: The Life of Timon of Athens
Gattung: Tragödie
Originalsprache: Englisch
Autor: William Shakespeare
Erscheinungsjahr: 1623
Personen
  • Timon, ein edler Athenienser.
  • Lucius, Lucullus, Sempronius und Ventidius, Schmeichler und falsche Freunde des Timon.
  • Alcibiades, ein General der Athenienser.
  • Apemanthus, ein zynischer Philosoph.
  • Flavius, Timons Verwalter.
  • Flaminius, Lucilius und Servilius, Bediente des Timon.
  • Caphis, Varro, Philo, Titus, Lucius und Hortensius, Bediente von den Gläubigern des Timon.
  • Ein Poet.
  • Ein Maler.
  • Ein Juweelen-Händler.
  • Ein Galanterien-Krämer.
  • Ein Kauffmann.
  • Drei Diebe.
  • Etliche Senatoren.
  • Cupido und Masken.
  • Phrynia und Timandra, Maitressen des Alcibiades.
  • Verschiedne Bediente, Soldaten, und Andere als stumme Personen

Die wohl zwischen 1606 und 1609 entstandene Tragödie Timon von Athen (engl. The Life of Timon of Athens) ist eines der am wenigsten bekannten und gespielten Stücke von William Shakespeare.

Handlung[Bearbeiten]

Als Timon, ein wohlhabender und angesehener Bürger Athens, erfährt, dass sein Freund Ventidius von Gläubigern ins Gefängnis gebracht worden ist, entschließt er sich, dessen Schuld zu begleichen, damit er freikomme. Seinem Sklaven Lucilius gibt er Geld, damit der seine Angebetete heiraten kann. Er akzeptiert das Gedicht eines Dichters, das Gemälde eines Malers und bewundert den Schmuckstein eines Juweliers, die ihn umschmeicheln. Auf einem seiner Feste erscheinen seine zahlreichen Gäste, die sich von Timon beschenken lassen; anwesend ist auch Apenmantus, der aber nur die Schmeichler bei der Arbeit sehen will. Timon missachtet seinen Verwalter Flavius, der ihn angesichts seiner bedenklichen finanziellen Lage warnen will, und verschwendet letztlich sein gesamtes Vermögen, ist verschuldet, seine Ländereien sind verpfändet.

Schon erscheinen die Diener dreier Gläubiger in seinem Haus und verlangen Zahlung. Deshalb schickt Timon drei Diener zu seinen "Freunden" und bittet sie um Hilfe, doch werden seine Diener - für Timon völlig überraschend - abgewiesen. Auch Ventidius ist nicht bereit, ihm Geld zu leihen. Darauf beschließt Timon, noch ein letztes Fest zu geben. - Im Senatshaus beraten einige Senatoren das Schicksal eines Mannes und verurteilen ihn zum Tode; dagegen protestiert Alkibiades und wird verbannt. Auf Timons Einladung erscheinen viele seiner „Freunde“ bei ihm; als sie aber speisen wollen, müssen sie erkennen, dass ihnen nur dampfendes Wasser und Steine serviert wurden. Timon beschimpft seine Gäste, schlägt auf sie ein und erklärt, dass er fortan alle Menschen hasse.

Daraufhin zieht er sich verbittert in den Wald zurück. Nach Wurzeln grabend findet er dort durch Zufall Gold. Gegenüber dem mit zwei Prostituierten im Wald auftauchenden Alkibiades bezeichnet sich Timon als Misanthropen, Alkibiades' Freundschaftsangebot weist er dementsprechend zurück. Als Timon aber von Alkibiades' geplantem Feldzug gegen Athen erfährt, gibt er ihm Gold. Den gleichfalls mit Gold beschenkten Prostituierten trägt er auf, mit ihrem Beruf fortzufahren und Krankheiten zu verbreiten. Dann sucht ihn Apemantus auf, beide liefern sich ein die Grenze zur Beleidigung bisweilen überschreitendes Wortgefecht. Zwei Dieben gibt er wiederum Gold und den Auftrag, in Athens Geschäfte einzubrechen und soviel zu stehlen, wie er ihnen gegeben hat. Schließlich kommt Flavius zu Timon und will ihm Geld geben; Timon räumt ein, es gebe jedenfalls einen anständigen Menschen unter den Schurken der Welt.

Von der Kunde von Timons Gold angelockt erscheinen der Dichter und der Maler, um sich wieder einzuschmeicheln, werden aber von Timon durchschaut. Vergeblich ist auch der Versuch zweier Senatoren, Timon zur Rückkehr nach Athen zu bewegen, offenbar damit er der Stadt gegen Alkibiades helfe. Unterdessen beginnt Alkibiades eine Belagerung Athens. Letztlich stirbt Timon, während Alkibiades die Stadt kampflos erobert mit der Zusage, niemandem zu schaden außer seinen und Timons Feinden.

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Als historische Anregung dürfte die Gestalt des griechischen Misanthropen Timon von Athen gedient haben. Die zentralen, bis heute aktuellen Themen des Werkes – vor allem Einsamkeit, Opportunismus und die Launenhaftigkeit des Schicksals – werden in allegorischer Klarheit präsentiert. Die simplen Handlungsstränge und die nur wenig ausgeformten Charaktere lassen vermuten, dass es sich bei dem Stück nur um eine Rohfassung handelt. Trotz dieser Tatsache ist die an Metaphern reiche Verssprache des Stückes, das immer zwischen Tragödie und Satire schwankt, von hoher Qualität.

Adaptationen[Bearbeiten]

Henry Purcell komponierte im Jahre 1695 eine Oper mit dem gleichnamigen Titel, die Shakespeares Tragödie als Grundlage hat.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]