Ringier

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Dieser Artikel beschreibt das Medienunternehmen. Weitere Bedeutungen siehe Ringier (Begriffsklärung).
Ringier Holding AG[1]
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1833
Sitz Zofingen, Schweiz
Leitung Marc Walder [2]
(CEO / Vorsitzender der Konzernleitung)
Michael Ringier
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 7.427 (2013)[3]
Umsatz 1,026 Mrd. CHF (2013)[3]
Branche Medien
Produkte Zeitungen
Zeitschriften
OnlineplattformenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.ringier.com

Die Ringier Holding AG mit Sitz in Zofingen ist das grösste private Medienunternehmen der Schweiz.

Printpublikationen[Bearbeiten]

Ringier verlegt zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften.

Deutschschweiz[Bearbeiten]

Zeitungen und Zeitschriften sowie Onlineplattformen
Radiosender

Romandie[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

  • Cicero (politisches Magazin, seit 2004)
  • Monopol (Kunstmagazin, seit 2006)

Rest der Welt[Bearbeiten]

Ringier verlegt zahlreiche Tageszeitungen, Boulevard-Zeitungen und Zeitschriften auch in China, Rumänien, Deutschland, Serbien, in der Slowakei, in Tschechien, Ungarn und Vietnam. Bereits 1990 expandierte Ringier nach Osteuropa.

Elektronische Medien[Bearbeiten]

Ringier ist mit 50 % an Sat.1 Schweiz und mit 30 % an PresseTV beteiligt. Sat.1 Schweiz strahlt ein Programmfenster mit den Sendungen Move-in und Super Single aus. PresseTV besitzt eine eigene Sendebewilligung für Programmfenster auf den öffentlich-rechtlichen Sendern SF zwei und SF info. Ringier liefert unter anderem die Sendungen Cash-TV, Cash-Talk und Gesundheit Sprechstunde an PresseTV.

Schwerpunkt der Ringier-Aktivitäten im Online-Bereich bildet das als eigenständiges Produkt geführte Medienportal Blick.ch. Ferner bietet Ringier im Internet neben dem Wirtschaftsportal Cash.ch auch weitere Websites der eigenen Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendungen an. Mit dem Kauf der media swiss group, Geschenkidee.ch und Foto Nekretnine in Kroatien hat Ringier die Onlinepräsenz stark ausgebaut. Der Schwerpunkt wird auch zunehmend auf reine Verkaufsplattformen gelegt. So ist Ringier bei qualipet.ch und etrips.ch an Joint Ventures beteiligt, welche Tierbedarf, respektive Reisen verkaufen.

Ringier Journalistenschule[Bearbeiten]

Ringier betreibt seit 1974 eine hauseigene Journalistenschule, getragen durch die Hans-Ringier Stiftung. Präsident des Stiftungsrates ist Frank A. Meyer, seit Januar 2011 ist Hannes Britschgi Leiter der Schule.[4] Frühere Leiter waren Werner Meier (1974–1978), Franz C. Widmer (1979–1986), Manuel Isler (1987–1997), Fridolin Luchsinger (ab 1998) und Jürg Lehmann (ab 2009).[5][6] Die Schule befindet sich in der Villa Römerhalde in Zofingen. Die Dauer der Ausbildung beträgt 16 Monate. Ein Drittel der Ausbildung findet in Zofingen statt, zwei Drittel auf diversen Redaktionen von Tageszeitung bis Fernsehen. Aufgrund der schlechten Situation auf dem Arbeitsmarkt wird die Schule bis auf weiteres nur noch für die interne Ausbildung verwendet. Die Kurse werden derzeit nur alle zwei bis drei Jahre ausgeschrieben.[7]

Weitere Aktivitäten[Bearbeiten]

Das Unternehmen besitzt Druckereien in der Schweiz, in Osteuropa und in Asien.

An ER Publishing, die 89,4 % an Le Temps hält, ist Ringier ebenfalls mit 50 % beteiligt. Die anderen 50 % gehören der Edipresse Gruppe.

Ringier hält unter anderem Minderheitsbeteiligungen am Tourveranstalter Good News Productions (48 %), am Schweizer Bezahlfernsehen Teleclub (33 %), an der Schweizerischen Mediendatenbank SMD (33 %), am Direktmarketing-Unternehmen Schober Direct Media (20 %).

Seit Januar 2006 berät der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder das Unternehmen. Dies gab Verwaltungsratspräsident Michael Ringier am 24. November 2005 bekannt.

Zum Jahresanfang 2012 gründete Ringier ein Gemeinschaftsunternehmen mit der bank zweiplus unter der bestehenden Dachmarke cash, das Online-Finanz- und Wirtschaftsinformationen, Online-Finanzdienstleistungen und Online-Banking anbietet. In dieses Unternehmen wurde das komplette Direktkundengeschäft der bank zweiplus ausgelagert.[8]

Unternehmenszahlen[Bearbeiten]

Die Ringier Gruppe erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von 1,296 Milliarden Schweizer Franken, davon 825,3 Millionen Franken (61 Prozent) in der Schweiz, 418,8 Millionen Franken (34 Prozent) in Mittel- und Osteuropa und 52,0 Millionen Franken (5 Prozent) in Asien. Insgesamt beschäftigt die Gruppe 7448 Mitarbeiter, davon 3082 in der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Eingang Ringier-Pressehaus in Zürich

Die Geschichte begann 1833, als Johann Rudolf Ringier eine Buchdruckerei in Zofingen gründete. Nach rund 69 Jahren fusionierte sich Ringier mit Francke & Co zur Vereinigten Buch- und Steindruckerei Ringier & Co. 11 Jahre nach der Fusion wurde die Schweizer Illustrierte gegründet, 1921 L'illustré und 1922 Ringiers Unterhaltungs-Blätter. Auf der Welle des Erfolges des Globi schuf Ringier die Comicfiguren Ringgi und Zofi und brachte bis 1994 eine Kinderbuchserie heraus. Die erste Schweizer Boulevardzeitung Blick wurde 1959 lanciert. Nach 10 Jahren kam sogar die erste Sonntagszeitung der Schweiz auf den Markt. Das Ringier Pressehaus in Zürich wurde 1978 eröffnet.

Neun Jahre später, im Jahr 1987, wurde die Druckerei Times-Ringier in Hongkong gegründet und eröffnet. Im Jahre 1989 und 1990 begannen Aktivitäten in Tschechien und in Rumänien. Die Sendungen Cash-TV, Spotlights, MotorShow und Gesundheit-SprechStunde starteten 1993, zwei Jahre vor der Sendung PresseTV. Im selben Jahr begannen Aktivitäten in Bulgarien, Polen, Ungarn und Vietnam. Die Aktivitäten in Polen und Bulgarien wurden nach 3 Jahren Erfolg eingestellt. 1999 erfolgte die 50 %-Beteiligung an dem Fernsehsender Sat.1 Schweiz.

Die Hälfte der Aktien von Betty Bossi wurden an den Grosskonzern Coop im Jahre 2001 verkauft. Die ersten in dem Staat Serbien begannen erst im Jahre 2004, aber im Jahre 2008 übernimmt Ringier zu 100 % das Verlagsgeschäft. Am 15. Mai 2006 lancierte das Unternehmen nach langer Zeit die erste Abendzeitung der Schweiz, das Gratisblatt Heute, welches ab 16 Uhr in den drei Grosstädten Basel, Bern und Zürich in Boxen bereit liegt. Am 2. Juni 2008 erschien die neue Gratiszeitung Blick am Abend, anstelle von heute. Im Juni 2007 wurde die Wirtschaftszeitung Cash nach 18 Jahren eingestellt. Die ukrainische Tageszeitung Blik wurde vor einem Jahr verkauft. Im selben Jahr feierte Ringier das 175-jährige Jubiläum. Per 21. Dezember 2012 übernimmt Coop den 50 Prozentanteil der Ringier an der Betty Bossi AG und hält somit neu 100 Prozent.

Sein physisches Bildarchiv hat Ringier 2009 dem Staatsarchiv Aargau übergeben.

In den nächsten Jahren will Ringier sein Geschäft von den Printmedien immer mehr auf Unterhaltungsangebote verlagern. Den Anfang macht ab dem Frühjahr 2010 der Ticketverkauf.[9]

Gemeinschaftsunternehmen mit Axel Springer in Osteuropa[Bearbeiten]

Am 23. März 2010 gaben die Ringier AG und das drittgrösste deutsche Medienhaus Axel Springer AG ihre Absicht zur Gründung einer gemeinsamen Holding-Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich bekannt, an der beide Unternehmen zu je 50 Prozent beteiligt sind. Die Axel Springer AG leistet in das Joint Venture eine Bareinlage in Höhe von 50 Mio. Euro und zahlt zudem rund 125 Mio. Euro Ausgleich an Ringier.[10] In dieser Holding, die in drei bis fünf Jahren an die Börse gehen soll, werden künftig die Osteuropa-Aktivitäten der beiden Konzerne gebündelt. Die Axel Springer AG bringt das Geschäft seiner Tochtergesellschaften in Polen, Tschechien und Ungarn ein, Ringier sein Geschäft in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die beiden Unternehmen haben in Osteuropa zusammen bereits über 100 Printtitel (34 Zeitungen, 73 Zeitschriften) und über 70 Online-Angebote auf dem Markt (Stand März 2010). Mit dem Gemeinschaftsunternehmen entsteht somit auf einen Schlag eines der grössten Medienunternehmen in Osteuropa, das auf das Gesamtgebiet gesehen deutlicher Marktführer bei Boulevardzeitungen und einer der grössten Anbieter im Zeitschriftensegment sein wird. Es käme auf Basis der Geschäftszahlen von 2009 auf einen Umsatz von etwa 601 Mio. Schweizer Franken (414 Mio. Euro) und ein EBITDA von 89 Mio. SFr (62 Mio. Euro) und eine Zahl von rund 4.800 Mitarbeitern. CEO der Holding wird Florian Fels, der erst zum Jahresanfang 2010 von seinem Posten als CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung von Axel Springer Polska zu Ringier gewechselt war und in der Konzernleitung CEO des neuen Konzernbereichs Mitteleuropa wurde.[11] [12] Vorsitzender des paritätisch besetzten Verwaltungsrats wird Ralph Büchi, Präsident von Axel Springer International.[13] [14] [15] 2002 war der Axel Springer AG ein Interesse am Kauf der Ringier AG nachgesagt worden.[16] Zum 1. Juli 2007 hatte Springer über die Schweizer Tochtergesellschaft Jean Frey AG die deutschsprachigen TV-Programmzeitschriften TELE, TV4 und TV2 von Ringier erworben.[17]

Ringier Deutschland GmbH[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren versuchte Ringier, in Deutschland Fuss zu fassen. Die Schweizer Ringier AG kaufte den Münchner Heering-Verlag und nannte die neue Firma „Ringier Deutschland GmbH“. Mit dem Verlag Heering, der vor allem in der Foto-Szene mit Büchern und Magazinen aktiv war, erwarb Ringier unter anderem die Titel fotoMAGAZIN und das Händlermagazin Fotowirtschaft. Vom Münchner Luftfahrtverlag Walter Zuerl kaufte Ringier zusätzlich die Titel Fliegermagazin und Drachenfliegermagazin. Hinzu kamen die Titel Alpin sowie später Natur, das Magazin von Horst Stern. Geschäftsführer wurde Wolf Prüter, den der Verleger Michael Ringier in seiner Zeit als Praktikant bei Gruner + Jahr in Hamburg kennengelernt hatte. Neuentwicklungen von Ringier Deutschland waren das 1995 gegründete Reisemagazin GLOBO sowie das unter dem Auto- und Luftfahrtjournalisten Peter Groschupf entwickelte Kundenmagazin BMW Magazin. Ringier Deutschland beschäftigte zuletzt knapp 100 Mitarbeiter und produzierte insgesamt acht monatlich erscheinende Magazine plus Sonderhefte. 1988 zog die Firma in neue Räume nach Neuperlach, das ehemaligen Heering-Verlagshaus in der Ortlerstraße ist heute ein Wohnhaus.

2001, zwei Jahre nach dem Tod Prüters und unter der Führung seines Nachfolgers, des vormaligen Verlagsleiters Bodo Meinsen, gab Ringier seine Geschäftstätigkeit in Deutschland auf. Das Unternehmen Ringier Deutschland GmbH wurde aufgelöst. Die meisten Titel (Fliegermagazin, Drachenfliegermagazin, Fotomagazin und weitere) wurden an den Hamburger Top-Special-Verlag verkauft, einer Springer-Tochter, aus dem nach einer Fusion mit dem Jahr-Verlag der Jahr Top Special Verlag wurde. Die Titel Alpin und Natur wurden von Redakteuren übernommen und weitergeführt, GLOBO wurde eingestellt, Natur erscheint heute als Natur Kosmos bei der Südwestdeutschen Verlagsanstalt Stuttgart.

Der Auftrag für das BMW Magazin ist 1996 nach einem Pitch, den die Creative Publishing GmbH gewonnen hatte (gegründet vom damaligen Chefredakteur Peter Groschupf und Ringier-Deutschland-Verlagsleiter Günter Forster), nach einer juristischen Auseinandersetzung, bei der BMW-Chef Bernd Pischetsrieder den unterschriebenen Vertrag für ungültig erklärt hatte, an die Corporate Publishing-Abteilung des Hamburger Verlagshauses Hoffmann und Campe gegangen. Das Drachenfliegermagazin heisst heute Fly and glide und erscheint wie das Fliegermagazin im Jahr Top Special Verlag.

Ringier Publishing Berlin, Herausgeber des Magazins Cicero, ist zwar ebenfalls eine Ringier-Tochter, hat aber mit der ausgelösten Ringier Deutschland GmbH in München nichts zu tun.

Dokumentation[Bearbeiten]

  • Spuren der Zeit 175 Jahre Ringier – Patriarchen, Presse und Profit. Von Christian Kolbe in: DOK des Schweizer Fernsehens vom 5. Mai 2008 [18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Lüönd: Ringier bei den Leuten. Die bewegte Geschichte eines ungewöhnlichen Familienunternehmens. NZZ Libro, Zürich 2008, ISBN 978-3-03823-400-5.
  • Peter Meier, Thomas Häusler: Zwischen Masse, Markt und Macht. Das Medienunternehmen Ringier im Wandel (1833–2008). Chronos, Zürich Februar 2010. ISBN 978-3-0340-0952-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Handelsregister des Kantons Aargau
  2. Konzernleitung Ringier AG
  3. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRingier AG: Geschäftsbericht 2013. Abgerufen am 25. Juni 2014 (PDF).
  4. Eigendarstellung, abgerufen am 4. Januar 2014
  5. Verein Qualität im Journalismus. Medienaward 2003. Geradezu idealtypisch. Die Ringier-Journalistenschule S. 10
  6. Klein Report: Ringier Journalistenschule: Lehmann folgt auf Luchsinger, abgerufen am 4. Januar 2014
  7. A. Fischer, A. Heuss: Ringier-Schule, Schweizer Klub für Wissenschaftsjournalismus, abgerufen am 4. Januar 2014
  8. bankzweiplus.ch
  9. Ringier wird Unterhaltungskonzern. In: Handelszeitung, 23. Dezember 2009
  10. DGAP-Adhoc: Axel Springer und die Ringier AG bündeln Aktivitäten in Osteuropa
  11. Ringier beruft Florian Fels in die Konzernleitung. Medienmitteilung der Ringier AG, 4. Januar 2010
  12. Ringier-CEO Unger: «Ein Verkauf ist nicht geplant». Klein-Report, 4. Januar 2010
  13. Medienmitteilung der Axel Springer AG, 23. März 2010
  14. Medienmitteilung der Axel Springer AG, 24. März 2010
  15. Medienmitteilung der Ringier AG, 23. März 2010
  16. Springer will offenbar Ringier kaufen. In: Spiegel Online, 19. September 2002
  17. Axel Springer kauft Schweizer Programmzeitschriften von Ringier. Medienmitteilung der Axel Springer AG, 21. Juni 2007
  18. Spuren der Zeit 175 Jahre Ringier - Patriarchen, Presse und Profit (Version vom 17. Juni 2012 im Internet Archive)