Robert Viktor von Puttkamer

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Bundesarchiv Bild 146-2008-0291, Robert Viktor von Puttkamer.jpg

Robert Viktor von Puttkamer (* 5. Mai 1828 in Frankfurt (Oder); † 15. März 1900 auf Gut Karzin bei Stolp in Pommern) war ein preußischer Staatsmann, der vor allem wegen der von ihm als Innenminister in den 1880er Jahren verantworteten politischen „Säuberung“ der preußischen Richter- und Beamtenschaft von erheblicher Bedeutung für die weitere Verwaltungsgeschichte Preußens bzw. des Reiches war. Eckart Kehr hat 1929 zuerst darauf hingewiesen, dass die flächendeckende und dauerhafte Durchdringung des preußischen Staatsapparats mit konservativen „Gesinnungsbeamten“ wesentlich mit dem lange wenig beachteten Wirken Puttkamers in Verbindung gebracht werden müsse.[1] Die neuere regionalgeschichtliche Forschung konnte etwa mit Blick auf Ostpreußen zeigen, „dass Puttkamer politische Konformität bis hinab zur Ebene der Amtsvorsteher zu erzwingen trachtete.“[2] Unter ihm brach die „seit den Reformen der Jahre nach 1807 nie verlorengegangene“[3] liberale Beamtentradition ab.

Leben[Bearbeiten]

Robert Viktor von Puttkamer

Puttkamer, der dem pommerschen Adelsgeschlecht der Puttkamers angehörte, studierte Rechtswissenschaften und trat nach Abschluss des Studiums 1854 in den Staatsdienst. Von 1860 bis 1866 war er Landrat im Landkreis Demmin. In dieser Funktion erwarb er das persönliche Vertrauen des mit einer Puttkamer vermählten Otto von Bismarck, der ihn 1866 als Vortragenden Rat in das neu geschaffene Bundeskanzleramt berief, bevor er 1871 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Gumbinnen wurde. 1874 wurde er Bezirkspräsident im Bezirk Lothringen des Reichslands Elsaß-Lothringen.

Von 1873 bis 1891 war Puttkamer Mitglied des Reichstags, wo er sich den Deutschkonservativen anschloss.

1877 übernahm er die Funktion des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, bevor er am 14. Juli 1879 preußischer Kultusminister wurde. In dieser Funktion trug er zur Entschärfung des Kulturkampfs zwischen dem Reich und der katholischen Kirche bei. Mit Erlass vom 21. Januar 1880 führte er in den Schulen Preußens die vereinfachte deutsche Rechtschreibung ein. Am 18. Juni 1881 wurde Puttkamer preußischer Innenminister. Mit dem 11. Oktober 1881 wurde er Vizepräsident des Preußischen Staatsministeriums. In diesen Funktionen bemühte er sich vor allem, liberale Beamte aus dem Staatsdienst zu entfernen und durch konservative zu ersetzen. Zudem setzte er die Sozialistengesetze streng um, was ihm die Gegnerschaft linker und liberaler Kräfte einbrachte. Hier ist vor allem sein "Streikerlass" vom 11. April 1886 zu nennen.[4]

Unter Kaiser Friedrich III. erfolgte am 8. Juni 1888 seine Entlassung. Puttkamer wurde dann Domherr zu Merseburg und ab 1889 Mitglied des Preußischen Herrenhauses. 1891 wurde er unter Kaiser Wilhelm II. zum Oberpräsidenten der Provinz Pommern berufen; dieses Amt bekleidete er bis 1899.

Robert von Puttkammer war der Urgroßvater des Politikwissenschaftlers und Schriftstellers Christian Graf von Krockow.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eckart Kehr: Das soziale System der Reaktion unter dem Ministerium Puttkamer. In: Die Gesellschaft. Jg. 6 (1929), Nr. 2, S. 253–274.
  2. Patrick Wagner: Bauern, Junker und Beamte. Lokale Herrschaft und Partizipation im Ostelbien des 19. Jahrhunderts. (= Moderne Zeiten. Bd. 9), Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-946-1, S. 512.
  3. Werner Conze (Hrsg: Ulrich Engelhardt, Reinhart Koselleck und Wolfgang Schieder): Gesellschaft-Staat-Nation. Gesammelte Aufsätze. Stuttgart 1992, S. 291.
  4. Abgedruckt in: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881-1890), 4. Band: Arbeiterrecht, bearbeitet von Wilfried Rudloff, Darmstadt 2008, Nr. 39