Friedrich III. (Deutsches Reich)

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Kronprinz Friedrich Wilhelm (1874), Gemälde von Heinrich von Angeli

Friedrich III., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen (* 18. Oktober 1831 im Neuen Palais in Potsdam; † 15. Juni 1888 ebenda), entstammt dem Adelshaus der Hohenzollern und war 99 Tage lang Deutscher Kaiser und König von Preußen. Er war preußischer Feldherr im Deutschen und im Deutsch-Französischen Krieg.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm, um 1841

Friedrich Wilhelm war der Sohn des preußischen Prinzen und späteren Deutschen Kaisers Wilhelm I. (1797–1888) und der Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811–1890). Er stand als ältester Neffe des kinderlosen preußischen Thronfolgers Friedrich Wilhelm an dritter Stelle der preußischen Thronfolge.

Sein Lehrer, dem er zeitlebens verbunden blieb, war der Althistoriker und Archäologe Ernst Curtius. Prinz Friedrich Wilhelm studierte von 1849 bis 1852 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Rechtswissenschaften. Im Januar 1851 war er für wenige Tage anlässlich der 150-Jahr-Feier der Erlangung der Königswürde durch Preußen mit der Eisenbahn nach Berlin gefahren und befand sich am 21. Januar 1851 auf der Rückfahrt nach Bonn. Der Prinz reiste in einem für ihn und seine Begleitung reservierten Abteil. Kurz vor Gütersloh kam die Lokomotive bei etwa 60–80 km/h ins Schlingern, entgleiste und stürzte den etwa 5 Meter hohen Bahndamm hinab. Es war der bis dahin schwerste Eisenbahnunfall in Deutschland, drei Menschen starben. Auch der Wagen, in dem der Prinz reiste, entgleiste, kam aber auf dem Bahndamm zum Stehen. Prinz Friedrich Wilhelm erlitt „nur“ eine stark blutende Verletzung am Hinterkopf. Aus Dankbarkeit, dass er den Unfall überlebt hatte, schenkte Friedrich Wilhelm der evangelischen Kirchengemeinde von Gütersloh zur Einweihung der Martin-Luther-Kirche 1861 einen Taufengel.

Friedrich-Wilhelm und Viktoria
ca. 1858

Am 25. Januar 1858 heiratete Prinz Friedrich Wilhelm die älteste Tochter der britischen Königin Victoria, Prinzessin Victoria. Ihr Vater war Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der zu den Liberalen des Vormärzes zählte und ein Anhänger des sogenannten Coburger Plans war. Er glaubte an eine Einigung Deutschlands unter einem liberalisierten Preußen mit einer konstitutionellen Monarchie und bereitete seine Tochter in diesem Sinne auf ihre Rolle als preußische Prinzessin vor.

Preußischer Kronprinz[Bearbeiten]

Als Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen unterschrieb er am 20. Juni 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg diesen Armeebefehl

Mit der Thronbesteigung seines Vaters Wilhelm I. avancierte Friedrich Wilhelm 1861 zum preußischen Kronprinzen. Von eingeschränkt liberaler politischer Gesinnung, die seine Mutter und seine Gattin förderten und unterstützten, galt er in den Folgejahren als Gegner der Innenpolitik seines Vaters und des Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, zeigte sich allerdings in dieser Oppositionsrolle aufgrund seiner Loyalität zum Vater und Monarchen sowie aufgrund der außenpolitisch-militärischen Erfolge Bismarcks immer wieder gespalten und schwankend. Dies zeigte sich insbesondere 1863, als er sich in einer Rede vor dem Magistrat und den Stadtverordneten Danzigs von der repressiven Pressepolitik Bismarcks distanzierte, gleichzeitig aber sein Vertrauen in seinen Vater, König Wilhelm I., der den Ministerpräsidenten berufen hatte, zum Ausdruck brachte.

Preußisch-Österreichischer Krieg[Bearbeiten]

Nachdem Preußen am 9. Juni 1866 in das von Österreich verwaltete Holstein einmarschiert war, beantragte Österreich in Frankfurt die Mobilisierung des nichtpreußischen Bundesheeres, dem am 14. Juni stattgegeben wurde. Preußen reagierte darauf mit dem Einmarsch in Sachsen, Hannover und Kurhessen – der Beginn des sogenannten Deutschen Krieges. Danach drangen preußische Verbände immer weiter nach Süden vor, bis sich die österreichische Armee am 3. Juli bei Königgrätz der preußischen stellte. Generalstabschef Helmuth von Moltke, ein alter Freund des Kronprinzen, hatte sich entschieden, das preußische Heer in drei getrennten Armeen marschieren zu lassen. Zunächst eröffneten die Elbarmee unter Leitung von Herwarth von Bittenfeld und die erste Armee unter Leitung von Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen die Kampfhandlungen gegen die österreichische Armee, die nördlich der Festung Königgrätz Stellung bezogen hatte. Die preußischen Angriffe konnten trotz hoher Verluste zunächst keine nennenswerten Erfolge erzielen, so dass die schlachtentscheidende Rolle der 2. preußischen Armee unter Leitung des Kronprinzen zufiel, die sich in Gewaltmärschen dem Schlachtfeld näherte. Kronprinz Friedrich Wilhelm entschied sich für einen Flankenangriff auf die kaiserlichen Streitmächte, um die zwei anderen preußischen Armeen zu entlasten. Dabei gelang es ihm, die Höhe von Chlum zu besetzen, von der aus seine Artillerie ein verheerendes Flankenfeuer gegen die österreichische Armee eröffnen konnte. Die Niederlage von Königgrätz zwang Österreich letztlich zur Kapitulation. Im Friedensschluss vom 23. August in Prag schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus. Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt wurden von Preußen annektiert.

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg befehligte der Kronprinz die 3. Armee. In den Anfangstagen des Krieges gewannen die vom Kronprinzen geführten Truppen die Schlacht bei Weißenburg und die Schlacht bei Wörth. In der Schlacht von Sedan kam seiner Truppe erneut eine entscheidende Rolle zu. Bis zum Ende des Krieges befehligte er mit seiner Armee einen Teil der Belagerung von Paris. Seither galt er in Deutschland als Kriegsheld und wurde zum Generalfeldmarschall ernannt. 1871 unterstützte er Bismarck bei der Erhebung seines Vaters zum „Deutschen Kaiser“, nachdem dieser sich aufgrund innenpolitischer Erwägungen zunächst widersetzt hatte. An der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 nahm er teil.[1][2]

Kaiserlicher Kronprinz[Bearbeiten]

Kaiser Friedrich als Kronprinz auf dem Hofball 1878, Gemälde von Anton von Werner, 1895

Seit 1871 in der Doppelrolle als „Deutscher Kronprinz und Kronprinz von Preußen“, wurde Friedrich Wilhelm durch die Langlebigkeit seines Vaters und die Dauer-Herrschaft Bismarcks politisch immer stärker zermürbt. Lediglich nach einem Attentat auf Wilhelm I. führte der Kronprinz 1878 vorübergehend die Regierungsgeschäfte, wurde von Bismarck aber so geschickt ausmanövriert, dass er auf dessen Politik keinerlei Einfluss nehmen konnte. Nach diesem Stellvertretungs-Semester wurde er schließlich wieder in einen machtlosen Wartestand zurückgestuft.

Den Maler Anton von Werner verband mit Friedrich seit dem Deutsch-Französischen Krieg ein persönliches Verhältnis. Werner erinnerte später an die Verbindung des Kronprinzen Friedrich mit den Köpfen der Opposition gegen Bismarck in dem nebenstehenden Gemälde Kaiser Friedrich als Kronprinz auf dem Hofball 1878, dem Jahr der Regentschaft. Das Bild zeigt den Kronprinzen im Mittelpunkt einer abgesonderten Gruppe auf dem Hofball im Berliner Schloss. Ganz links lauscht dem Gespräch der nationalliberale Abgeordnete Robert von Benda, 1878 noch ein Gegner der bismarckschen Schutzzollpolitik, rechts daneben Ernst Curtius, der liberal-humanistische Lehrer und Freund des Kronprinzen. Im Vordergrund der Gruppe diskutiert Max von Forckenbeck, an der Amtskette erkennbar als frisch gewählter Oberbürgermeister von Berlin, ein Revolutionär von 1848 und Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei. Deren Programm hatte 1878 eine stärkere Parlamentarisierung der Reichsverfassung und eine dem Parlament verantwortliche Regierung gefordert. Forckenbeck galt bereits 1866 als Friedrichs Favorit in der Nachfolge Bismarcks. Zwischen Forckenbeck und dem Kronprinzen steht im roten Talar des Dekans der Medizinischen Fakultät Rudolf von Virchow, ein Fortschrittler und persönlicher Feind Bismarcks. „Forchow und Wirckenbeck“, wie Bismarck die beiden spöttisch nannte, galten ihm als liberale Einflüsterer des Kronprinzen. In den Folgejahren entfernte er sie aus dem Umfeld des Thronfolgers.[3] Zwischen diesen und dem Kronprinzen steht der politisch liberale Physiker Hermann Helmholtz. Rechts am Fenster registriert der von Werner hoch verehrte Adolph Menzel, beobachtet vom Maler Ludwig Knaus, die Szene. Werner selbst hat sich im Hintergrund rechts neben Virchow porträtiert.

Im Laufe des Jahres 1887 litt Kronprinz Friedrich Wilhelm, ein starker Raucher, zunehmend an Heiserkeit. Der vom Leibarzt Dr. Wegner hinzugezogene Spezialist Carl Gerhardt entdeckte schließlich Knötchen am linken Stimmband, die man in einer quälenden Prozedur zunächst zu entfernen suchte. Am Stimmband tauchte allerdings bald erneut eine Geschwulst auf. Der ebenfalls hinzugezogene Chirurg Ernst von Bergmann diagnostizierte ein Karzinom und empfahl eine Entfernung des befallenen Gewebes durch eine Spaltung des Kehlkopfes. Otto von Bismarck intervenierte zu diesem Zeitpunkt und sorgte dafür, dass man den englischen Laryngologen Morell Mackenzie hinzuzog.[4] Die Gewebeprobe, die der englische Arzt dem Kronprinzen entnahm und die von Rudolf Virchow untersucht wurde, wies jedoch auf keine Krebserkrankung hin.[5] Das Kronprinzenpaar reiste nach England, wo mit Einverständnis des deutschen Ärztekollegiums Morell Mackenzie seine Behandlung fortsetzen sollte.[6]Am 12. November 1887 reiste der Kronprinz nach Sanremo; von dem dort herrschenden milderen Klima erhoffte er sich eine Linderung seiner Beschwerden. In der Villa Zirio fand er Quartier. Dass er den Thron überhaupt besteigen konnte, verdankte er Friedrich Gustav von Bramann. Mit einem Tracheostoma hatte er ihn in San Remo vor dem Erstickungstod bewahrt. Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Wilhelm I., wurde er zurückgerufen und traf zwei Tage danach in Berlin ein.

Deutscher Kaiser[Bearbeiten]

20-Mark-Goldmünze mit Konterfei Friedrichs III.

Als Friedrich Wilhelm durch den Tod seines Vaters am 9. März 1888 Deutscher Kaiser und König von Preußen wurde, war er bereits so schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt, dass er nicht mehr sprechen konnte. Seine nur dreimonatige Regentschaft („99-Tage-Kaiser“) endete bereits im Jahr der Thronbesteigung und machte mit der Thronbesteigung seines Sohnes Wilhelm II. (1888–1918) das Jahr 1888 zum Dreikaiserjahr. Volkstümlich wurde ihm der Spruch „Lerne leiden, ohne zu klagen!“ zugeschrieben.

Mit der Zählung als Friedrich III. knüpfte er übrigens nicht an die Tradition des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an, innerhalb deren die Zählung als Friedrich IV. (vgl. Friedrich III. des Heiligen Römischen Reichs) richtig gewesen wäre, sondern übernahm auch als Kaiser die Zählung der preußischen Könige. Er selbst wollte sich ursprünglich in der Tradition des Heiligen Römischen Reiches Friedrich IV. nennen, aber Bismarck riet ihm davon aus verfassungsrechtlichen Gründen ab.[7]

Aufgrund seiner schweren Erkrankung konnte Friedrichs Plan, die Macht des Monarchen und des Reichskanzlers stärker an die Verfassung zu binden,[8] nicht in die Tat umgesetzt werden. Unterdessen war Friedrichs wichtigste Entscheidung als preußischer König die Entlassung des konservativen preußischen Innenministers Robert von Puttkamer infolge der Affäre um dessen unbotmäßige Einmischung bei der Preußischen Landtagswahl 1885.[9]

Krankheit, Tod und Bestattung[Bearbeiten]

Friedrich III. empfing am 13. Juni 1888 noch Oskar von Schweden.[10] Zwei Tage später starb er im Neuen Palais in Potsdam. Seine Leiche wurde am 18. Juni zunächst in der Sakristei der Friedenskirche beigesetzt. Nach der Fertigstellung des Mausoleums, die feierliche Einweihung fand am 18. Oktober 1890 statt, wurde der Verstorbene in die Gruft des Mausoleums umgebettet. Der Berliner Bildhauer Reinhold Begas schuf das Sarkophagdenkmal mit der Liegefigur des Kaisers, das in der Rotunde des Mausoleums aufgestellt wurde.

Dr. Morell Mackenzie, ein englischer Kehlkopfspezialist, behandelte Friedrich von März 1887 bis zu dessen Tod. Damals und später sind Mackenzie schwere Vorwürfe gemacht worden, Friedrich nicht rechtzeitig operiert zu haben. Mackenzies Biograph, R. Scott Stevenson, erfuhr 1947, dass Mackenzie wusste, dass Friedrich neben Kehlkopfkrebs auch Syphilis hatte (infiziert hatte er sich 1869). Mackenzie habe aus "Loyalität" gegenüber der Queen (damals Victoria) und ihrer Tochter Victoria (der späteren Ehefrau Friedrichs) sein Wissen für sich behalten.[11]

Freimaurerei[Bearbeiten]

Friedrich III. in Freimaurerkleidung

Kronprinz Friedrich wurde 1853 durch seinen Vater in die Freimaurerei eingeführt und in die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland aufgenommen. Gleichzeitig wurde er Ehrenmitglied der beiden anderen altpreußischen Großlogen Große National-Mutterloge „Zu den 3 Weltkugeln“ und Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“. Am 18. Juni 1860 wurde er Ordensmeister der Großen Landesloge und übernahm ab 1861 von seinem Vater das Protektorat über die drei Großlogen in Berlin. Zugleich wurde er Vorsitzender des Großmeistervereins. Der Kronprinz wirkte intensiv auf eine Vereinigung aller freimaurerischen Körperschaften in Deutschland hin und strebte eine umfangreiche Reform der Großen Landesloge an, in der nicht haltbare Verbindungen zum Templerorden aus Symbolik und Ritual entfernt werden sollten, die zu diesem Zeitpunkt noch als historische Fakten angenommen wurden. Die Reform sollte zur Streichung aller rituellen Inhalte führen, die nicht historisch durch Dokumente belegbar waren. Außerdem sollte der Orden in seinen höheren Graden deutlich umstrukturiert werden, um ihn den anderen deutschen Großlogen anzupassen. Mit den konservativen Brüdern in der Ordensleitung kam es zum Streit, so dass er am 7. März 1874 sein Amt niederlegte. Die Templerlegende als historische Tatsache wurde gestrichen, die rituellen und symbolischen Inhalte aber größtenteils behalten. Er blieb aber Protektor der altpreußischen Großlogen.[12]

Rezeption[Bearbeiten]

Friedrich III. galt als die „liberale Hoffnung“ Preußens und des Deutschen Kaiserreiches nach 1871, die durch seine späte Thronbesteigung und seinen frühen Tod zunichtegemacht worden sei („Kaiser-Friedrich-Legende“, vergleiche Kaiserin Friedrich, Deutsche Freisinnige Partei und Franz August von Stauffenberg). Es ist jedoch unklar, wie liberal die Politik dieses zwischen preußischer Militärtradition und liberalen Ansichten schwankenden Monarchen tatsächlich gewesen wäre. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes des Kaisers und der sich daraus ergebenden Rücksichtnahmen fanden Personalveränderungen, bis auf die Entlassung Puttkamers, kaum statt.

Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass es zu keiner weitergehenden Liberalisierung des Reiches gekommen wäre, auch wenn Friedrich eine längere Lebenszeit vergönnt gewesen wäre.[13] Weder war er ein Anhänger des Parlamentarismus, noch vom liberalen Glauben an den politischen Fortschritt erfüllt. Bereits als Kronprinz hatte er sich als konservativer Konstitutionalist erwiesen, dem nicht an einer Weiterentwicklung der Reichsverfassung – etwa hin zu einem stärkeren Parlament – gelegen war.[14] Liberale Hoffnungen knüpften sich vor allem an eine 1862 in Danzig gehaltene Ansprache Friedrichs, in der er sich von beschlossenen Restriktionen die (liberale) Presse betreffend distanzierte, jedoch tat er dies wohl weniger aus prinzipieller Sorge um die Pressefreiheit, sondern weil er das mit einer Brüskierung des Parlaments verbundene Zustandekommen dieser Beschlüsse verurteilte und eine Entfremdung zwischen Herrscherhaus und Bevölkerung befürchtete. (Sein Vater untersagte ihm daraufhin weitere derartige Äußerungen.) Als er 1878 Stellvertreter seines beim zweiten Attentat verwundeten Vaters war, war er von der Notwendigkeit des in diesem Jahr verabschiedeten Sozialistengesetzes überzeugt, achtete aber darauf, dass es dabei zu keinem Verfassungsbruch kam. Friedrich bezeichnete den im 19. Jahrhundert auch in Deutschland aufkommenden Antisemitismus als „Schmach für Deutschland“. Nach seinem Tod stilisierten die Regierung und die Liberalen den Kaiser zu einem Vertreter des Liberalismus, mit dem das Deutsche Reich ein liberaler Parlamentarismus nach britischem Vorbild hätte werden können – was heute als Mythos gilt.[15]

Friedrich glaubte, dass ein Herrscher niemals gegen die Volksmeinung regieren sollte.[16]

Friedrich Wilhelm wurde – auch entsprechend seiner langen Kronprinzenzeit – gemeinsam mit seiner Frau Victoria als Förderer von Wissenschaft, Kunst und Kultur rezipiert. Unter anderem war er mit dem Aufbau der Museen auf der Berliner Museumsinsel betraut. Zu Ehren Friedrichs III. wurde denn auch das 1904 eröffnete Kaiser-Friedrich-Museum nach ihm benannt. Am 1. März 1956 benannte der DDR-Kulturminister Johannes R. Becher das Museum dann allerdings nach seinem Gründer und ersten Direktor Wilhelm von Bode in Bode-Museum um.[17]

Kronprinz Friedrich mit seinem Sohn Wilhelm, dem letzten Deutschen Kaiser, 1863 auf Schloss Balmoral

Nachkommen[Bearbeiten]

Friedrich III. war verheiratet mit Victoria von Großbritannien und Irland, Prinzessin von Großbritannien und Irland.

Ahnentafel[Bearbeiten]

Ahnentafel Friedrich III. (Deutsches Reich)
Ururgroßeltern

Karl zu Mecklenburg (1708–1752)
∞ 1735
Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen (1713–1761)

Prinz
Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt (1722–1782)
∞ 1748
Maria Luise Albertine zu Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (1729–1818)

Prinz
August Wilhelm von Preußen (1722–1758)
∞ 1742
Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722–1780)

Landgraf
Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt (1719–1790)
∞ 1741
Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken (1721–1774)

Herzog
Ernst August II. von Sachsen-Weimar-Eisenach (1737–1758)
∞ 1756
Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel (1739–1807)

Landgraf
Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt (1719–1790)
∞ 1741
Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken (1721–1774)

Zar
Peter III. von Rußland (1728–1762)
∞ 1745
Zarin
Katharina II. von Rußland (1729–1796)

Herzog
Friedrich Eugen (Württemberg) (1732–1797)
∞ 1753
Friederike Dorothea Sophia von Brandenburg-Schwedt (1736–1798)

Urgroßeltern

Großherzog
Karl II. von Mecklenburg-Strelitz (1741–1816)
∞ 1768
Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt (1752–1782)

König
Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1744–1797)
∞ 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt (1751–1805)

Großherzog
Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757–1828)
∞ 1775
Luise von Hessen-Darmstadt (1757–1830)

Zar
Paul I. von Rußland (1754–1801)
∞ 1776
Sophie Dorothee von Württemberg (1759–1828)

Großeltern

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840)
∞ 1793
Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)

Großherzog Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1783–1853)
∞ 1804
Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa (1786–1859)

Eltern

Kaiser Wilhelm I. (1797–1888)
∞ 1829
Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (1811–1890)

Kaiser Friedrich III. (Deutsches Reich) (1831–1888)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nachleben[Bearbeiten]

Die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, die zur Erinnerung an Kaiser Friedrich III. errichtete Berliner Votivkirche, wurde am 21. Oktober 1895 geweiht. Weiterhin wurde das heute unter dem Namen Bode-Museum bekannte Kaiser-Friedrich-Museum 1904 nach Friedrich III. benannt. Die Kaiser-Friedrich-Halle, ein Theater- und Konzerthaus in Mönchengladbach, wurde zwischen 1901 und 1903 errichtet. Thomas Mann schuf ihm ein zweifelhaftes Denkmal im Zauberberg, in dem stillen, mehr reagierenden als agierenden Joachim Ziemßen, dem Vetter des Protagonisten Hans Castorp (er benannte Joachim nach dem Kaiser-Biografen Ludwig Ziemssen). 1970 strahlte das ZDF das Biopic „Friedrich III. 'gestorben als Kaiser'“ von Rudolf Nussgruber aus.

Denkmäler[Bearbeiten]

Friedrich-III.-Statue in Bremen

Auf dem Aachener Kaiserplatz findet sich ein bronzenes Reiterstandbild Kaiser Friedrich III., geschaffen von dem Berliner Bildhauer Hugo Lederer. Es wurde am 18. Oktober 1911 eingeweiht. Die Neuaufstellung erfolgte 1960. Der Steinsockel ist neu, die Seitensockelwände wurden in den Aachener Kennedy-Park transloziert. Zwei schlafende Steinlöwen gehörten zu dem Sockel. In unmittelbarer Nähe findet sich die Darstellung eines schlafenden Löwen, wohl eine Symbolisierung der nach damaliger Anschauung nicht erwachten nationalen Stärke. Der zweite schmückt den Eingang zum Burtscheider Ferberpark. Das Denkmal wurde 1977 vom Landeskonservator Rheinland in die Denkmälerliste aufgenommen.[20]

In Düsseldorf-Kaiserswerth befindet sich ein Denkmal auf dem Gelände der Kaiserswerther Diakonie, das ihn noch als Kronprinz zeigt.

In Essen-Werden befindet sich mitten auf dem Platz Rondell ein Standbild Friedrichs III., umgeben von einem Viertel aus Wohngebäuden der wilhelminischen Zeit (Bereich Forstmannstraße/Rondell).

In Köln befindet sich ein Reiterstandbild Friedrichs III. an der Nordseite des linksrheinischen Brückenkopfes der Hohenzollernbrücke. Der unterhalb des Denkmals beginnende Teil der Rheinuferstraße hieß bis 1967 Kaiser-Friedrich-Ufer, wurde dann aber in Konrad-Adenauer-Ufer umbenannt.

In Bremen steht ein gegossenes Friedrich-III.-Denkmal auf einem Platz in der Hermann-Böse-Straße.

In Braunfels befindet sich im Schlosspark eine Bildnisbüste Kaiser Friedrichs III. Es handelt sich dabei um das erste im Deutschen Reich enthüllte Denkmal, das diesem Kaiser gewidmet wurde.

In Kronberg im Taunus steht ein Denkmal von Kaiser Friedrich III. im Victoria-Park.

Im Kurpark Bad Homburg an der Kaiser-Friedrich-Promenade stehen zwei Büsten von Friedrich III. und seiner Gattin Victoria.

In Wiesbaden befindet sich ein Denkmal für Kaiser Friedrich III auf der Wilhelmstraße gegenüber dem Kurhaus. Kaiser Friedrich III. schätzte (wie auch viele andere Kaiser und Kronprinzen) den Aufenthalt im Wiesbadener Kurhaus. Aus diesem Grunde unterstützte der Kronprinz den Umbau vom alten Kurhaus zum neuen Kurhaus und nannte dies das schönste Kurhaus der Welt. Ebenfalls ist in Wiesbaden die Kaiser-Friedrich-Therme, die ebenfalls nach ihm benannt worden ist.

Im Hagener Stadtteil Haspe steht ein Aussichtsturm, der Kaiser-Friedrich-Turm. Im Stadtteil Eilpe steht ein Standbild aus Bronze auf einem Granitsockel.

In Mönchengladbach ist die Festhalle noch immer nach Kaiser Friedrich III. benannt.

In Wanne-Eickel (heute Herne) wurde 1871 das Steinkohlenbergwerk Zeche Unser Fritz nach Friedrich III. benannt.

In Bremerhaven befindet sich an der Außenfassade des Hauses Rickmersstraße 30 ein etwa einen Meter großes Standbild des Kaisers Friedrich III.

In Edewecht Ecke Odenburger-Straße / Holljestraße befindet sich ein Denkmal von Kaiser Friedrich III.

In Bad Pyrmont befindet sich vor dem Hotel Sennhütte in der Nähe des Spelunkenturms ein Standbild Friedrichs III.

In Hachenburg: Friedrichstraße, Abzweig Borngasse: Denkmal für Kaiser Friedrich III. mit Porträtbüste, 1888.

Schriften[Bearbeiten]

  • Heinrich Otto Meisner (Hrsg.): Kaiser Friedrich III. Tagebücher von 1848–1866. Leipzig 1929.
  • Heinrich Otto Meisner (Hrsg.): Kaiser Friedrich III. Das Kriegstagebuch von 1870/71. Berlin/Leipzig 1926.
  • Hans Rothfels (Hrsg.): Tagebuch meiner Reise nach dem Morgenlande 1869. Bericht des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm über seine Reise zur Einweihung des Suez-Kanals. Frankfurt am Main 1971.
  • Winfried Baumgart (Hrsg.): Kaiser Friedrich III. Tagebücher 1866–1888. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2012. ISBN 978-3-506-77384-5

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Freund: Das Drama der 99 Tage. Krankheit und Tod Friedrichs III. Kiepenheuer u. Witsch, Köln/Berlin 1966.
  • Franz Herre: Kaiser Friedrich III. Deutschlands liberale Hoffnung. Eine Biographie. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1987, ISBN 3-421-06370-2.
  • Hans-Christof Kraus: Friedrich III. In: Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-46711-3, S. 265–289.
  • Heinrich Otto Meisner: Friedrich III. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 487–489 (Digitalisat).
  • Frank Lorenz Müller: Der 99-Tage-Kaiser. Friedrich III. von Preußen - Prinz, Monarch, Mythos. Siedler, München 2013, ISBN 978-3-827500-17-5.
  • Hermann Müller-Bohn: Friedrich III. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 1–93.
  • Heinz Ohff: Preußens Könige. Piper, München 1999, ISBN 3-492-04055-1.
  • Werner Richter: Friedrich III. Leben und Tragik des zweiten Hohenzollern-Kaisers, 2. Aufl., Bruckmann, München 1981, ISBN 3765417947
  • Katrin Wehry: Kaiser Friedrich III. (1831-1888) als Protektor der Königlichen Museen. Skizze einer neuen Kulturpolitik. Jahrbuch der Berliner Museen N.F., Beiheft zu 54.2012. Mann, Berlin 2013, ISBN 978-3-7861-2701-7.
  • Hans-Joachim Wolf: Die Krankheit Friedrichs III. und ihre Wirkung auf die englische und deutsche Öffentlichkeit, Berlin 1958.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich III. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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Die Quellen sind verkürzt angegeben, ohne dass sie im Artikel aufgelöst wurden. Eine Vervollständigung sollte erfolgen. --Leonhardt 20:20, 17. Apr. 2014 (CEST)
  1. Dr. Theodor Toeche-Mittler: Die Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 mit einem Verzeichniß der Festtheilnehmer, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896
  2. H. Schnaebeli: Fotoaufnahmen der Kaiserproklamation in Versailles, Berlin 1871
  3. So Ernst Engelberg: Bismarck. Das Reich in der Mitte Europas, Siedler Verlag, ISBN 3-88680-385-6, Berlin 1990, S. 518, dort auch das Zitat mit Nachweis
  4. Sinclair, S. 285
  5. Herre, S. 243
  6. Pakula, S. 480
  7. John C. G. Röhl: Wilhelm II. S. 784/85.
  8. Kollander, S. 147.
  9. Karl Erich Born: Preußen im deutschen Kaiserreich 1871–1918. Führungsmacht des Reiches und Aufgehen im Reich. In: Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preussischen Geschichte. Bd. III: Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens. de Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-014092-6, S. 111.
  10. Hermann Müller-Bohn: Friedrich III. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 1–93.
  11. Der Spiegel 19/1947: Dr. Mackenzies Geheimnis
  12. Lennhoff/Posner S. 711
  13. Frank Lorenz Müller: Our Fritz. Emperor Frederick III and the Political Culture of Imperial Germany. Cambridge/London 2011.
  14. Vgl. dazu die Magisterarbeit von Martin Henniger: Kronprinz Friedrich Wilhelm, Bismarck und die innenpolitische Wende des Jahres 1878, Potsdam 2011.
  15. Frank Lorenz Müller: Our Fritz. Emperor Frederick III and the Political Culture of Imperial Germany. Cambridge/London 2011.
  16. Andreas Dorpalen: Emperor Frederick III and the German Liberal Movement. In: American Historical Association (Hrsg.): The American Historical Review. 54, Nr. 1, Oktober 1948, S. 11. doi:10.2307/1841754.
  17. Hans J. Reichardt u. a.; Landesarchiv Berlin (Bearb.): Berlin. Chronik der Jahre 1955–1956. Spitzing, Berlin 1971, S. 438.
  18. Anton Frans Karl Anjou: Riddare af Konung Carl XIII:s orden 1811–1900. Biografiska anteckningar. Eskjö 1900, S. 176.
  19. Rudolf von Kramer und Otto Freiherr von Waldenfels: VIRTUTI PRO PATRIA – Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden Kriegstaten und Ehrenbuch 1914–1918, Selbstverlag des königlich bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens, München 1966, S.444
  20. Landeskonservator Rheinland: Denkmälerverzeichnis. 1.1 Aachen Innenstadt mit Frankenberger Viertel. Unter Mitwirkung von Hans Königs, bearb. v. Volker Osteneck. Rheinland Verlag Köln, 1977, S. 32.
Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm I. König von Preußen
1888
Wilhelm II.
Wilhelm I. Deutscher Kaiser
1888
Wilhelm II.