SIX Swiss Exchange

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SIX Swiss Exchange AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 17. Mai 1995
Sitz Zürich, Schweiz
Leitung Christian Katz
(CEO)
Urs Rüegsegger
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 262 (31. Dezember 2013)[1]
Umsatz 198,5 Mio. CHF (2013)[1]
Branche Börsen
Website www.six-swiss-exchange.com

Die SIX Swiss Exchange (bis September 2008 SWX Swiss Exchange) ist die grösste Schweizer Börse und entstand im Mai 1995 durch den Zusammenschluss der drei Börsen Genf, Basel und Zürich im Verein Schweizerische Effektenbörse, der öffentlich unter den vier offiziellen Bezeichnungen Schweizer Börse (deutsch), Bourse suisse (französisch), Borsa svizzera (italienisch) und Swiss exchange (englisch) auftrat. Auf Beschluss der Generalversammlung vom 23. April 2002 wurde der Verein im Mai 2002 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im selben Jahr wurde der neue Sitz in Zürich an der Selnaustrasse, am Sihlufer, bezogen. Der bedeutendste Aktienindex der SIX Swiss Exchange ist der Swiss Market Index (SMI). Die SIX Swiss Exchange ist eine Tochtergesellschaft der SIX Group.

Geschichte der Schweizer Börse[Bearbeiten]

Erste Schweizer Börsen (1850–1945)[Bearbeiten]

Börse in Basel
Börse an der Börsenstrasse in Zürich (um 1890)
Vormalige «Neue Börse» Zürich (um 1930)

Die erste Börse wurde in der Schweiz 1850 in Genf unter dem Namen Société des agents de change réunis gegründet. In den folgenden 60 Jahren kamen weitere Börsen hinzu: 1855 in Zürich, 1866 in Basel, 1873 in Lausanne, 1884 in Bern, 1888 in St. Gallen und 1905 in Neuenburg. Gestoppt wurde diese Entwicklung durch die beiden Weltkriege.

Während des Ersten Weltkriegs waren die Schweizer Börsen, mit Ausnahme des Obligationenhandels in Genf, längere Zeit geschlossen. Auf die Nachkriegsdepression folgte die Hochstimmung der 1920er-Jahre. In Zürich wird in dieser Zeit am Bleicherweg 5 ein neues Börsengebäude (47,36864° N, 8,53799° O47.368648.53799) gebaut, welches heute noch steht, jedoch nicht mehr als Börse verwendet wird.

Die Bankenkrise in den 1930er-Jahren führte zum Eidgenössischen Bankengesetz und in der Politik wurde ein Börsengesetz diskutiert, jedoch noch nicht eingeführt. Die Schweizer Börsen mussten sich zur Schweizerischen Effektenbörse (VSE) zusammenschliessen um eine Zulassungsstelle einzurichten. Somit hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) sowie das Finanzdepartement den gewünschten Einfluss.

Nachkriegszeit (1946–1980)[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Courtagekonvention, welche die Bankgebühren für Börsengeschäfte vereinheitlichte. Mitte der 1950er-Jahren erreichten die Börsen wieder Rekordumsätze wie in den vor bzw. Zwischenkriegsjahren um 1929. Diese Entwicklung hielt an bis zum grossen Crash von 1962, ausgelöst durch Konjunkturdämpfungsmassnahmen, dem New Yorker Crash und der Kuba-Krise.

1962 wurde in Basel und Zürich mit dem Börsenfernsehen eine Weltneuheit eingeführt. In den Banken hat der Computer bereits Einzug gehalten, die Börse folgte nur zögerlich. 1964 bekam die Telekurs von der Zürcher Börse den Auftrag, die Möglichkeiten der Informatik für den Einsatz an der Börse zu prüfen. Es dauerte aber noch bis in die 1980er-Jahre bis der Computer wirklich in der Börse Einzug hielt. Am 8. Dezember 1995 wurde der elektronische Handel mit ausländischen Aktien eingeführt, ab 2. August 1996 Elektronischer Handel in Schweizer Aktien und Optionen, in Obligationen ab 16. August, womit auch der Ringhandel eingestellt wurde.[2] 1991 wurde noch ein neues, grösseres Gebäude der Zürcher Börse an der Selnaustrasse 32 eingeweiht, das trotz des sich bereits klar abgezeichneten baldigen Einzugs des elektronischen Handels mit weitaus geringerem Platzanspruch als der Ringhandel hat.

In den 1970er Jahren begann mit der Deregulierung ein grundlegender Wandel der Wirtschaft und somit der Börsenlandschaft die bis heute andauert. Eingeleitet 1971 durch die Kündigung des Bretton-Woods-Abkommen (fixe Devisenkurse) durch die Amerikaner. Die schwankenden Wechselkurse bargen neue Risiken für die Wirtschaft und der Bedarf nach Absicherungsmöglichkeiten folgte darauf. Als Antwort wurden Finanzderivate eingeführt. 1973 entstand der Chicago Board Options Exchange (CBOE), eine Börse die ausschliesslich Finanzderivate handelte. Mit der Erdölkrise 1974 erfuhr die Wirtschaft die grösste Nachkriegs-Rezession seit 1931. Der Ölschock löste in der Schweiz einen derartigen Run auf Anlagegelder, dass von einer Schliessung der Börsen die Rede war.

Neue Wirtschaft (1981–2003)[Bearbeiten]

Im Jahr 1995 schlossen sich die drei Schweizer Börsen Genf, Basel und Zürich zur SWX Swiss Exchange zusammen. Am 15. August 1996 läuteten die Börsenschreiber zum letzten Mal den Ringhandel ab und beendeten damit eine Epoche, die über ein Jahrhundert angedauert hatte.

Nachdem die internationalen Finanzmärkte im Herbst/Winter 1997/1998 die Asienkrise und im August/September 1998 die Russlandkrise überwunden hatten, setzte ab Anfang Oktober 1998 eine knapp zwei Jahre andauernde Hausse ein. Diese wurde vorwiegend durch den damaligen New-Economy-Boom getrieben. Die Schweizer Börsenindizes profitierten allerdings nur bedingt von diesem Boom, da diese durch die Schwergewichte der Pharma-, Nahrungsmittel- und Finanzbranche geprägt sind, während Internet- und Technologie-Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle spielen. So erreichte der Swiss Performance Index (SPI) erst im Mai 2000 wieder den vor dem Ausbruch der Russlandkrise erreichten Höchststand von 5237 Punkten. Seinen vorläufigen Höchststand erreichte der SPI am 23. August 2000 mit 5770 Punkten. Das Platzen der Dotcom-Blase zog weltweit die Börsenkurse in die Tiefe, wovon auch die Schweizer Aktienindizes nicht verschont blieben. Von seinem Höhepunkt verlor der SPI bis zu seinem vorläufigen Tiefpunkt am 22. März 2001 über 20 Prozent.

Nach einer kurz andauernden Erholungsphase begann der SPI bereits ab Ende Mai 2001 wieder kontinuierlich abzubröckeln. Die Terroranschläge am 11. September 2001 beschleunigten diese bereits mit dem Platzen der Internet-Blase begonnenen Entwicklung noch zusätzlich. Seinen Tiefpunkt von 2603 Punkten erreichte der SPI allerdings erst eineinhalb Jahre später, nämlich am 12. März 2003 auf dem Höhepunkt der SARS-Epidemie und der Irakkrise.

Die SWX Swiss Exchange errichtete im Jahr 2000 die von der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA (Financial Services Authority) regulierte Aktienhandelsplattform Virt-x für den Handel mit 32 Schweizer Blue-Chip-Aktien in London.[3] Am 25. Juni 2001 wurde die Plattform eröffnet.[4] Die Hauptziele bestanden einerseits im Aufbau einer paneuropäischen Börse und andererseits in der Verringerung der Abwanderung des Handelsvolumens mit SMI-Titeln an die Londoner Börse.[5]

Gebäude der «Neuen Börse» Zürich

Den börsenkotierten Unternehmen wurden zwei verschiedene Börsensegmente für die SMI-Titel geboten: das EU Regulated Market-Segment und das UK Exchange Regulated-Segment. Beide Segmente unterlagen den Regulierungen der britischen Finanzmarktaufsicht (FSA), das EU-Segment zusätzlich EU-Bestimmungen.[6]

Kürzliche Vergangenheit (ab 2004)[Bearbeiten]

Am 30. April 2007 kaufte die Schweizer Börse gemeinsam mit der Deutschen Börse die US-Optionsbörse ISE. Durch die Übernahme der International Securities Exchange Holdings (ISE) entsteht einer der grössten Handelsplätze für Finanzderivate.

Der Preis für die Optionsbörse ISE betrug 2,8 Milliarden Dollar. Die Deutsche Börse übernahm 85 Prozent und die Schweizer Börse 15 Prozent des Kaufpreises. Die Transaktion soll im vierten Quartal 2007 abgeschlossen sein. Der Umsatz der ISE lag im Jahr 2006 bei zirka 178 Millionen Dollar, der Gewinn bei zirka 55 Millionen Dollar. Die ISE bleibt eigenständig und behält ihre Struktur und Marke.

Die im Mai 2007 angekündigte Fusion zwischen der SWX Group, der SIS Group und der Telekurs Group zu einer Finanzplatzholding wurde Anfang 2008 mit der Gründung der SIX Group AG (anfänglich noch Swiss Financial Market Services AG) vollzogen. Hintergrund dieser Fusion war der zunehmende internationale Wettbewerb unter den Finanzplätzen, die steigenden Anforderungen an die technische Infrastruktur, die schnell ändernde Kundenbedürfnisse sowie die zunehmende Komplexität der regulatorischen Anforderungen. Im September 2008 wurde die Einheitsmarke SIX eingeführt und die SWX Swiss Exchange in SIX Swiss Exchange umfirmiert.[7]

Im Rahmen der Fusion wurde die virt-x Exchange Limited, die in London domizilierte Tochtergesellschaft der SWX Swiss Exchange, umbenannt in SWX Europe Limited.[8] Ab 30. April 2009 wurde der Handel an SWX Europe beendet und an die SIX Swiss Exchange übertragen.[9]

Am 4. Mai 2009 wurde die Börsenplattform in London bzw. der Handel mit 32 Blue-Chip-Aktien an die SIX Swiss Exchange in Zürich zurückverlagert. Die SIX Group erklärte diesen Schritt hauptsächlich mit Kostenüberlegungen, einer verbesserten Positionierung im Börsenwettbewerb sowie mit der Komplexitätsreduktion der Strukturen für die Emittenten.[10]

Der SMI-Handel unterliegt seither nur noch der Schweizer Regulierung und Überwachung durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) . Die Preisbildung für Standardwerte erfolgt im Swiss Blue-Chip-Segment.[11]

Die neue Regulierungsregelung (basierend auf Schweizer Recht) ist seit dem 4. Mai 2009 gültig und im «Transitional Rule Book for Blue Chip Trading» festgehalten. Börsenteilnehmer der SIX Swiss Exchange, die ausserhalb der Schweiz domiziliert sind, müssen für «Off order book»-Transaktionen einen Trade Report auf einem Data Monitor der FSA oder von entsprechenden regulatorischen Behörden eines EU-Mitgliedstaates erstellen.[12]

Eigentümerstruktur[Bearbeiten]

Die SIX befindet sich in fester Hand von rund 160 Banken die gegenseitig durch ein Aktionärsbindungsvertrag aneinander gebunden sind.[13] Für grundlegende Entscheidungen müssen die Aktionäre mit einer 80 %-Mehrheit votieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Richard T. Meier, Tobias Sigrist: Der helvetische Big Bang. Die Geschichte der SWX Swiss Exchange. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2006, ISBN 3-03823-251-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SIX Swiss Exchange – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschäftsbericht 2013 der SIX Group AG
  2. http://www.six-swiss-exchange.com/about_us/company/review/milestones_de.html
  3. Feller, Urs: "Fragwürdiger Rückzug der SIX aus London“, Neue Zürcher Zeitung Nr. 278/2008, 27. November 2008, S. 33.
  4. http://www.six-swiss-exchange.com/about_us/company/review/milestones_de.html
  5. Benz, Matthias: "Gewagter Rückzug der Schweizer Börse aus London", NZZ Nr. 265/2008, 12. November 2008, S. 28.
  6. Aebersold Szalay, Claudia: "SMI-Titel bevorzugen in London EU-Segment", NZZ Nr. 119/2008, 24. Mai 2008, S. 35.
  7. SWX Swiss Exchange wird SIX Swiss Exchange – EXFEED heisst neu SIX Exfeed. Medienmitteilung vom 30. September 2008 (PDF; 30 kB)
  8. virt-x heisst neu SWX Europe (3. März 2008)
  9. http://www.swxeurope.com/index.html
  10. http://www.six-swiss-exchange.com/about_us/company/review/milestones_de.html
  11. Rasch, Michael: "Der Handel von SMI-Titeln ist wieder in Zürich". NZZ Nr. 102/2009, 5. Mai 2009, S. 29.
  12. http://www.six-swiss-exchange.com/download/marketpulse/news/newsboard/trader_readiness/factsheet_en.pdf
  13. PRESSESCHAU vom Wochenende 29 (24./25. Juli)

47.371148.53183Koordinaten: 47° 22′ 16,1″ N, 8° 31′ 54,59″ O; CH1903: 682568 / 247275