Saalbau Essen

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Saalbau Essen

Der Saalbau im Essener Südviertel ist ein Konzerthaus und heute Sitz der Philharmonie Essen mit angegliederten Gastronomie- und Veranstaltungsbereichen. Das Gebäude befindet sich in zentraler Innenstadtlage am Rand des Stadtgartens und nahe dem Aalto-Theater. Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker war Stefan Soltesz; sein Nachfolger seit der Spielzeit 2013/2014 ist Tomáš Netopil. Hein Mulders hat in der Nachfolge von Johannes Bultmann die Intendanz zum Beginn der Spielzeit 2013/14 angetreten.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Ein erstes Konzert- und Veranstaltungshaus an gleicher Stelle wurde bereits im Jahr 1864 fertiggestellt. Die Initiative zur Errichtung eines solchen Bauwerks, der Grundstückserwerb und die Finanzierung beruhte auf privatem bürgerschaftlichen Engagement. In einem Fachwerkgebäude war ein großer Festsaal untergebracht, der durch ein schlichtes Restaurationsgebäude in Massivbauweise ergänzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt sprach man noch nicht vom „Saalbau“, sondern vom „Stadtgartensaal“.

Im Jahr 1901 wurde der Stadtgartensaal abgebrochen und auf dem gleichen Grundstück ein deutlich großzügigeres und repräsentativeres Konzerthaus errichtet – der erste Saalbau. Das Gebäude entstand nach einem zweistufigen Architekturwettbewerb, aus dem heraus der gemeinsame Entwurf der Architekten Skjøld Neckelmann (Stuttgart) und Carl Nordmann (Essen) zur Ausführung bestimmt wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte am 9. Juni 1902. Bei der feierlichen Einweihung am 24. September 1904 dirigierte Richard Strauss. Bei diesem zweiten Konzert- und Festgebäude in Essen handelte es sich um ein Bauwerk, dessen Architektur deutlich vom Jugendstil beeinflusst war.

Der Saalbau war wiederholt Schauplatz bemerkenswerter musikalischer Darbietungen, beispielsweise dirigierte Gustav Mahler hier im Jahre 1906 im Rahmen des 42. Tonkünstlerfestes der Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen deutschen Musikvereins die Uraufführung seiner 6. Sinfonie, worauf 1913 Max Reger mit der Uraufführung seiner Böcklin-Suite folgte. Der Saalbau bestand bis zum 26. Juli 1943, als bei einem Bombenangriff nahezu die gesamte Essener Innenstadt einschließlich des Saalbaus schwerste Schäden erlitt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in den Jahren 1949 bis 1954, entstand ein modernisierter Wiederaufbau unter Einbeziehung der noch verwendungsfähigen Bausubstanz, der im schlichten Stil der 1950er Jahre gehalten war. Bedeutendstes äußeres Merkmal war und ist das mit Kupfer verkleidete Mansarddach. Der Weiße Saal enthält eine einzigartige Keramikwand von Charles Crodel.[2]

Philharmonie heute[Bearbeiten]

In den Jahren 2003 bis 2004 wurde der Saalbau als Sitz der Philharmonie Essen vollständig renoviert und mit neuer technischer Ausstattung versehen. Schließlich fand am 4. Juni 2004 die Wiedereröffnung des neuen Konzert- und Veranstaltungsortes statt.

Alfried-Krupp-Saal[Bearbeiten]

Der Alfried-Krupp-Saal ist der zentrale und größte Veranstaltungssaal. Er besitzt Holzvertäfelung und bietet auf 680 Quadratmetern von 360 Plätzen an Rundtischen bis zu 1.906 Plätze in Reihenbestuhlung.

RWE-Pavillon[Bearbeiten]

Der RWE-Pavillon wurde zwischen den beiden Treppenhäuserns des Saalbaus zusätzlich zum historischen Grundstück errichtet. Mit 412 Quadratmetern besteht die Möglichkeit mit Rundtischen 252 und in Reihenbestuhlung 400 Sitzplätze zu ermöglichen.

Festsaal[Bearbeiten]

Der Festsaal bietet auf 205 Quadratmetern zwischen 54 Plätze in Bestuhlung in U-Form und bis zu 238 Plätze in Reihenbestuhlung. Dieser Saal ist nicht klimatisiert.

Bunte Säle[Bearbeiten]

Als bunte Säle bieten je ein weißer, ein gelber und ein grüner Saal Raum zwischen 75 Quadratmetern und 24 Plätzen und 139 Quadratmetern und 137 Plätzen.

Clubräume[Bearbeiten]

Die drei Clubräume Richard Strauss, Gustav Mahler und Max Reger bieten bieten Raum von 17 Quadratmetern und zehn Plätzen bis zu 42 Quadratmetern und 44 Plätzen.

Kuhn-Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel im Konzertsaal der Philharmonie wurde 2004 von der Orgelbaufirma Kuhn erbaut. Das sinfonische Instrument hat 62 Register (4502 Pfeifen, Schleifladen) auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind wahlweise mechanisch und elektrisch, die Registertrakturen elektrisch.[3]

I Hauptwerk C–c4
Principal 16'
Principal 8'
Flauto major 8'
Bourdon 8'
Gambe 8'
Dolce 8'
Octave 4'
Offenflöte 4'
Quinte 22/3'
Superoctave 2'
Mixtur IV 2'
Zimbel III 1'
Cornett V 8'
Trompete 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
Tuba (en chamade) 8'
II Schwell-Positiv C–c4
Lieblich Gedackt 16'
Principal 8'
Bourdon 8'
Salicional 8'
Concertflöte 8'
Octave 4'
Rohrflöte 4'
Viola 4'
Quinte 22/3'
Waldflöte 2'
Terz 13/5'
Quinte 11/3'
Mixtur IV 11/3'
Trompete 8'
Clarinette 8'
Tremulant
III Schwellwerk C–c4
Salicional 16'
Flûte harmonique 8'
Cor de nuit 8'
Viole de Gambe 8'
Unda maris 8'
Fugara 4'
Flûte traversière 4'
Cornet d’écho IV 4'
Octavin 2'
Piccolo 1'
Plein jeu IV 2'
Basson 16'
Trompette harmonique 8'
Basson-Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Clairon 4'
Tremulant
Pedal C–g1
Untersatz 32'
Principalbass 16'
Subbass 16'
Violonbass 16'
Octave 8'
Bassflöte 8'
Violoncello 8'
Kornettbass IV 51/3'
Octave 4'
Hintersatz III 22/3'
Kontraposaune 32'
Posaune 16'
Trompete 8'
Schalmei 4'
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, III 16'/I, I/P, II/P, III/P, III 4'/P
  • Spielhilfen: 11x500-fache elektronische Setzeranlage, Diskettenlaufwerk, mobiler Zweitspieltisch.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hein Mulders wird Intendant für Aalto-Theater und Philharmonie in Essen. In: Der Westen. 9. Mai 2011.
  2. C. Steckner, Charles Crodel's monumentale Bildkeramik, Keramos, Heft 164, April 1999, S. 59 ff.
  3. Nähere Informationen über die Kuhn-Orgel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saalbau Essen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.4463888888897.0105555555556Koordinaten: 51° 26′ 47″ N, 7° 0′ 38″ O