Sarawak

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Bundesstaat von Malaysia. Zur singapurischen Entertainerin siehe Anita Sarawak.
Sarawak
Flagge von Sarawak Wappen von Sarawak
Flagge Wappen
Bersatu, Berusaha, Berbakti
(Malaiisch: Vereinigt, Fleißig, Engagiert)
Sarawak Labuan Sabah Johor Malakka Negeri Sembilan Putrajaya Kuala Lumpur Selangor Pahang Terengganu Kelantan Perak Perlis Kedah Thailand Singapur Brunei Indonesien Indonesien Indonesien Indonesien Indonesien Indonesien Indonesien Philippinen PhilippinenKarte
Über dieses Bild
Hauptstadt Kuching
Gouverneur Abdul Taib Mahmud
Ministerpräsident Adenan Satem
Fläche 124.450 km2
Bevölkerung 2.420.000 Einwohner (2010)
Sprachen Iban, Malaiisch und weitere
Höchste Erhebung Gunung Murud (2423 m)
Längster Fluss Rajang (563 km)
Die früheren 5 Verwaltungsdivisionen Sarawaks
Die heutigen 11 Verwaltungsdivisionen Sarawaks

Sarawak (Jawi: ‏سراوق‎) ist ein Bundesstaat von Malaysia. Es liegt im Nordwesten der Insel Borneo und grenzt an das Sultanat Brunei, an Indonesien sowie an den benachbarten Bundesstaat Sabah, mit dem zusammen es den östlichen Teil von Malaysia bildet. Sarawak ist der flächenmäßig größte Bundesstaat Malaysias. Er ist die Heimat zahlreicher unterschiedlicher Volksgruppen, die anders als die Malaien, die im Rest des Landes politisch und kulturell dominieren, weder dem Islam angehören noch die malaysische Sprache als Erstsprache sprechen. Bekannt ist Sarawak als Bumi Kenyalang („Land der Nashornvögel“), der Rhinozerosvogel ist auch das Wappentier des Staates. Er spielt in der animistischen Religion einiger Volksgruppen Sarawaks eine große Rolle.

Benannt ist Sarawak nach dem durch die Hauptstadt Kuching fließenden Fluss Sarawak.[1][2][3][4][5]

Geographie[Bearbeiten]

Sarawak befindet sich am Südchinesischen Meer auf der Insel Borneo und bildet zusammen mit Sabah, an das es im Nordosten grenzt, den Osten von Malaysia. Die Hauptstadt ist Kuching. Im Norden umschließt Sarawak das kleine Sultanat Brunei vollständig, während es im Süden und Westen eine lange Grenze mit Indonesien hat.

Topografisch kann Sarawak in drei Regionen unterschieden werden: die Küstenregion, das bergige Landesinnere und ein hügeliges Gebiet zwischen Küste und Bergen. Sarawak besteht zum Großteil aus bis zu knapp 2500 m aufsteigenden Regenwaldbergen, die an der Küste in Sumpfland übergehen. Um den zweithöchsten Berg von Sarawak, dem im Norden liegendem Gunung Mulu mit seinem bedeutendem Höhlensystem, ist ein National Park eingerichtet worden.

Das tropisch feuchtheiße Klima hat im Jahresmittel Temperaturen von 27 °C.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sarawak hat etwa 2.357.000 Einwohner (Stand 2006). Es zeichnet sich durch eine sehr starke ethnische Heterogenität aus. Die zahlenmäßig größte Ethnie ist die indigene Volksgruppe der Iban, die mit knapp 680.000 Angehörigen etwa 29 % der Bevölkerung Sarawaks ausmachen. Weitere größere Gruppen sind Chinesen (23 %), Malaien (23 %) und zwei weitere indigene Völker, die Bidayuh (8 %) und die Melanau (5 %). Anders als in Westmalaysia machen Inder nur einen sehr geringen Teil der Bevölkerung aus. Der Rest der Bevölkerung in Sarawak wird abgesehen von ausländischen Einwanderern von kleineren indigenen Völkern (6 %) gebildet.[6] Insgesamt werden im Artikel 161A 3(7) der malaysischen Verfassung 21 Volksgruppen genannt, teilweise noch mit mehreren Untergruppen, die als Einheimische Sarawaks (malay.: anak negeri, wörtl. „Kinder des Landes“) gelten. Viele dieser Gruppen haben nur wenige Tausend oder sogar nur einige Hundert Mitglieder.[7] Insgesamt werden genannt:

Bukitan · Bisayah · Dusun · Dayak · Iban · Bidayuh · Kedayan · Kelabit · Kayan · Kenyah (inkl. Sabup & Sipeng) · Kajang (inkl. Sekapan, Kejaman, Lahanan, Punan, Tanjong & Kanowit) · Lugat · Lisum · Malaien · Melanau · Lun Bawang · Penan · Sihan · Tagal · Tabun · Ukit

Die am stärksten praktizierte Religion ist das Christentum mit einem Anteil von 42,6 % an der Gesamtbevölkerung. Allerdings sind durch Konversionen, Zuwanderung und der Bumiputra-Politik mittlerweile 32,2 % der Einwohner Muslime. Ferner sind 13,5 % der Einwohner Buddhisten sowie zusammen 6,0 % Anhänger des Daoismus, Konfuzianismus und chinesischer Volksreligionen. Nur noch 1,0 % sind offiziell Anhänger einer einheimischen Stammesreligion. 0,2 % sind Hinduisten und 2,6 % sind konfessionslos.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert erreichte der Islam über Sumatra, Java und die Malaiische Halbinsel auch die Küsten Borneos. Das Sultanat Brunei entstand, welches das heutige Gebiet von Sarawak ehedem beanspruchte.

FIAV historical.svg Flagge des Königreiches Sarawak (um 1870)

1838 bereiste der englische Abenteurer James Brooke die Nordküste von Borneo, in einer Zeit, in der der Sultan von Brunei erhebliche Probleme mit dem Dayakvolk der Bidayuh hatte. Brooke half dem Sultan, die Streitigkeiten zu befrieden. Der Sultan machte ihn 1841 zum Lehnsmann, und drei Generationen der Brookes verwalteten ein Jahrhundert lang eigenständig das riesige Gebiet des heutigen Sarawak als persönliches Lehen, auch nachdem es seit 1888 formal ein britisches Protektorat war.[9] Die Brookes wurden die Weißen Rajas von Borneo genannt. Charles Vyner Brooke, der dritte weiße Raja, wurde durch die Japanische Invasion Borneos im Zweiten Weltkrieg 1942 vertrieben. Er kehrte 1945 nach Sarawak zurück, übergab aber 1946 die Herrschaft offiziell an die Briten, wodurch Sarawak Kronkolonie des Vereinigten Königreichs wurde.

Im Jahre 1963 wurde Sarawak zum Bundesstaat des neu entstandenen Malaysias. Das flächenmäßig kleine Sultanat Brunei blieb selbständig. Heute umschließt Sarawak die zwei kleinen, durch ein Flusstal getrennten Gebiete des Sultanates Brunei vollständig.

Wirtschaft und Umweltzerstörung[Bearbeiten]

Sarawak hat Vorkommen an Erdöl und Erdgas, die hauptsächlich im Umfeld der Stadt Miri im Norden des Landes gefördert werden. Darüber hinaus werden Pfeffer und Kautschuk angebaut sowie Tropenholz exportiert. Zudem spielen in der Wirtschaft der Fischfang sowie Bauxit-Vorkommen eine Rolle. Der Regenwald wird für Plantagen, auf denen Palmöl hergestellt wird, zerstört.

Der Staat Malaysia plant ein riesiges Wasserkraftwerk (Bakun-Projekt) in Sarawak zu errichten. Weil der Strom auf der gesamten Insel Borneo nicht genügend Abnahme fände, ist geplant, den Strom über ca. 600 km Seekabel mit Kryotechnik auf die Malaiische Halbinsel zu verbringen. Wegen verschiedener Finanzierungsprobleme der privaten Generalunternehmen sind die zwei bislang hierfür getätigten Anläufe jeweils auf Eis gelegt worden. Der erste Projektanlauf hatte um 1995 ein Volumen von zehn Milliarden malaysischen Ringgit, nach damaligem Wert ca. vier Milliarden US-Dollar. Allein ein Drittel dieser Summe hätte sich gemäß den Planungen aus dem Holzeinschlag des zu flutenden Tales finanzieren lassen. Dieser Plan ist niemals gänzlich fallengelassen worden: das Tal soll, nach dem chinesischen Dreischluchtendamm, die zweitergiebigste Stromgewinnungschance der Erde bieten. Jedoch widersetzen sich die indigene Bevölkerung einer Umsiedlung; die Diskussionen um Vor- und Nachteile dieses Dammes sind phasenweise heftig in der malaysischen Öffentlichkeit (Stichwort Technikethik). Auch international wurde dieses Projekt kritisiert.

Im Rahmen des industriellen Entwicklungsprogramms SCORE (Sarawak Corridor of Renewable Energy) laufen seit 2008 erneute Planungen zum Bau von mehreren Wasserkraft-Talsperren, die insgesamt 28.000 Megawatt Energie produzieren sollen.[10] Verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen warnen vor den Folgen für Umwelt und Bevölkerung, wie der Überflutung von Wald- und Ackerflächen oder Zwangsumsiedlungen.

Der Holzeinschlag der Äquatorial-Regenwälder in Sarawak steht ebenso im Fokus der Öffentlichkeit: Wenn auch die malaysische Gesetzgebung heute ein abgestimmtes Vorgehen zur Holz-Erschließung vorsieht, so ist doch erkennbar, dass die (von chinesisch-stämmigen Firmenpatronen dominierten) Holzfirmen einen erheblichen ökologischen Schaden anrichten, weil oftmals die staatliche Überwachung gezielt beeinflusst und ausmanövriert wird, und die Methoden der Unternehmen allgemein mit „ruppig“ nur unzureichend beschrieben sind. Abdul Taib Mahmud, von 1981 bis zum Februar 2014 Ministerpräsident von Sarawak und seither dessen Gouverneur, und seine Familie häuften durch das Einschlagen von Edelhölzern ein Milliardenvermögen an.[11] Als der Basler Umweltaktivist Bruno Manser die Abholzung des Regenwaldes und die Zerstörung des Lebensraumes der Penan öffentlich machte, setzte die Regierung von Sarawak unter Abdul Taib Mahmud ein Kopfgeld auf ihn aus. Im Jahre 2000 verschwand Bruno Manser spurlos in den Wäldern von Sarawak. Der Regenwald ist der Lebensraum bedrohter Tiere, darunter der Borneo-Zwergelefant, der Nasenaffe, der Orang-Utan und das Nashorn.[12] [13] [14] [15] [16] Der Tourismus stellt in Sarawak einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Der größte Flughafen ist der Kuching International Airport, der sich in Kuching befindet. Sehenswert sind die Höhlen von Niah, in denen von den hohen Decken in gefährlicher Turnerei auf Leitern und an Stricken die Nester der Salangane geerntet werden, die berühmten Schwalbennester für die gleichnamige Suppe.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sarawak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. United Nations Treaty Registered No. 10760, Agreement relating to Malaysia between United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, Federation of Malaya, North Borneo, Sarawak and Singapore
  2. United Nations Treaty No. 8029, Manila Accord between Philippnes, Federation of Malaya and Iindonesia (31 July 1963)
  3. United Nations Treaty Series No. 8809, agreement relating to the implementation of the Manila Accord
  4. United Nations list of Non-Self-Governing Territories, North Borneo and Sarawak
  5. United Nations Member States
  6. Negeri: Sarawak: Total population by ethnic group, sub-district and state, Malaysia, 2010 (PDF; 400 kB) Statistics.gov.my. Abgerufen am 14. November 2012.
  7. Gemäß Volkszählung aus dem Jahr 2006, vergleiche hier, 27. November 2008.
  8. 2010 Population and Housing Census of Malaysia (PDF; 7,1 MB) Department of Statistics, Malaysia. Abgerufen am 17. Juni 2012. S. 13
  9. Hansard's Parliamentary Debates, Bd. CXVIII, Seite 498. London 1851 (englisch), abgefragt am 21. September 2011
  10. Sarawak SCORE: What is SCORE?
  11. Wolfgang Koydl: Moderne Schurken. Lukas Straumann schildert die malaysische Edelholzmafia: Ihre Verbrechen an den Wäldern der Erde übertreffen die schlimmsten Annahmen. In: Süddeutsche Zeitung, 11. März 2014, Literatur-Beilage, S. 13. (Rezension von: Lukas Straumann: Raubzug auf den Regenwald. Salis Verlag, Zürich 2014.)
  12. http://www.telegraph.co.uk/earth/earthpicturegalleries/8296131/Rainforest-is-destroyed-for-palm-oil-plantations-on-Malaysias-island-state-of-Sarawak.html?image=5
  13. http://www.telegraph.co.uk/earth/earthpicturegalleries/8296131/Rainforest-is-destroyed-for-palm-oil-plantations-on-Malaysias-island-state-of-Sarawak.html?image=6
  14. http://www.telegraph.co.uk/earth/earthpicturegalleries/8296131/Rainforest-is-destroyed-for-palm-oil-plantations-on-Malaysias-island-state-of-Sarawak.html?image=8
  15. http://www.theborneopost.com/2013/05/05/sumatran-orangutans-rainforest-home-faces-new-threat/
  16. Vorlage:IUCN2008