Südchinesisches Meer
Das Südchinesische Meer (chinesisch 南海 Nán Hǎi ‚Südmeer‘, vietnamesisch Biển Đông, „Ostmeer“) ist ein Teil des Chinesischen Meeres und Randmeer des Pazifischen Ozeans in Asien, zu dem der Golf von Thailand und der Golf von Tonkin gehören.
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Geografie [Bearbeiten]
Das Südchinesische Meer erstreckt sich über eine Fläche von 3.685.000 km². Bei einer mittleren Tiefe von 1.060 Metern ergibt das ein Wasservolumen von 3.907.000 km³. Die größte Tiefe liegt im China Sea Basin und beträgt 5.016 Meter.[1]
Es liegt zwischen China, der Indochinesischen- und der Malaiischen Halbinsel sowie den Inseln Taiwan, Luzon, Palawan und Borneo. Anrainerstaaten sind die Volksrepublik China, Republik China (Taiwan), die Philippinen, Malaysia, Brunei, Indonesien, Singapur, Thailand, Kambodscha und Vietnam.
Das Südchinesische Meer wird im Nordosten durch Taiwan vom Ostchinesischen Meer, im Südosten durch die philippinische Insel Palawan von der Sulusee getrennt, im Osten über die 320 km breite Luzonstraße mit der Philippinensee und im Süden über die Karimata-Straße mit der Javasee verbunden. Im Südwesten schließt sich die Straße von Malakka an.
Inseln in dem Meer sind:
- Dongsha-Inseln / Pratas-Inseln: weitgehend untergegangenes Riff im Norden, unter Kontrolle der Republik China;
- Hainan: größte Insel im Norden, gehört zur Volksrepublik China;
- Zhongsha-Inseln / Macclesfield Bank: weitgehend untergegangenes Riff östlich der Paracel-Inseln, unter Kontrolle der Volksrepublik China;
- Scarborough-Riff: einige Felsen im Osten, nicht weit von Luzon, von der Volksrepublik China kontrolliert, von den Philippinen beansprucht;
- Paracel-Inseln: Atolle zwischen Vietnam und Hainan, von der Volksrepublik China kontrolliert, von Vietnam beansprucht;
- Spratly-Inseln: eine Vielzahl kleiner Inselchen im Südosten, von verschiedenen Staaten kontrolliert und beansprucht;
- Côn Đảo: im Südwesten vor der Küste, gehört zu Vietnam;
- Natuna-Inseln und Anambas-Inseln: im Südwesten, gehören zu Indonesien.
Erwähnt werden können auch einige Untiefen, auf die ebenfalls Ansprüche erhoben werden:
- Luconia-Untiefen (auch -Riffe): werden manchmal auch zu den Spratly-Inseln gezählt, nördlich der James-Untiefe
- James-Untiefe (James Shoal): vor Borneo im Süden
- Truro-Untiefe: nördlich des Scarborough-Riffs
Gebietsstreitigkeiten [Bearbeiten]
Die Zugehörigkeit vieler der im südchinesischen Meer gelegenen Inseln ist zwischen den Anrainerstaaten umstritten. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, insbesondere bei den Spratly-Inseln (zwischen der Volksrepublik China und Vietnam) und Paracel-Inseln, aber auch beim Scarborough-Riff (zwischen den Philippinen und der Volksrepublik China).
Grund dafür ist die strategische Bedeutung als Versorgungsstraße Ostasiens. Neben vermuteten Energieressourcen und Fischvorkommen konzentrieren sich hier einige der international und regional wichtigsten Schifffahrtswege.
Im April 2012 kam es beim Scarborough-Riff zu einem Scharmützel zwischen philippinischen und chinesischen Schiffen, das sich zu einer Krise zwischen den beiden beteiligten Staaten ausweitete. Im Juni 2012 erließ Vietnam ein neues Schifffahrtsgesetz, dessen Gültigkeit auch umstrittenes Gebiet um die Spratley- und Paracel-Inseln umfasst [2].
Im Jahr 2009 legte die Volksrepublik China bei den Vereinten Nationen eine Landkarte mit der sogenannten "Neun-Striche-Linie" vor und wollte damit historische Ansprüche auf weite Teile des südchinesischen Meeres begründen.
Diese Ansprüche stehen allerdings im Gegensatz zum im Rahmen der UN ausgehandelten Seerechtsübereinkommen, dem China 1996 beigetreten war. Dies regelt die Grenzziehung der ausschließlichen Wirtschaftszone und berücksichtigt bewohnte und bewohnbare Inseln, nicht jedoch unbewohnbare Riffe und Felsen. Eine Klärung der unterschiedlichen Ansprüche wäre durch ein Schiedsverfahren des Internationalen Gerichtshofs möglich. Das wird jedoch von China abgelehnt [3].
Geostrategische Bedeutung [Bearbeiten]
Etwa 80 Prozent der Öl-Lieferungen in den Nordosten Asiens passieren das Südchinesische Meer und China vermutet unter dem Meeresboden rund 213 Milliarden Barrel Öl sowie 900 Billionen Kubikmeter Erdgas.[4] Neben China haben somit Taiwan, Japan und Südkorea sowie die USA als deren Verbündeter unmittelbare geostrategische Interessen im Südchinesischen Meer. Gleichzeitig entsteht rund um das Meer mit ASEAN ein neues wirtschaftliches Kraftzentrum, dessen "kombiniertes Bruttoinlandsprodukt (BIP) (...) schon heute jenes von Indien übersteigt".[5] Da sich auch Indien immer stärker strategisch und politisch Richtung Südostasien orientiert,[6] wird das Südchinesische Meer zunehmend zum Schauplatz geopolitischer/-strategischer Auseinandersetzungen, da hier die Interessen der USA und Indiens mit denen Chinas kollidieren.[7] Durch die Progonosen für den weiteren wirtschaftlichen Aufstieg Asiens einhergehend mit dem Wachstum der regionalen Militärausgaben ist es wahrscheinlich, dass dieser Konflikte begünstigende Trend anhält.[8] Chinas Ausbau der Marinebasis Sanya im Norden des Südchinesischen Meeres ist ein Beispiel für diese Entwicklungen.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Donald G. Groves und Lee M. Hunt: Ocean World Encyclopedia, McGraw Hill 1980. ISBN 0-07-025010-3. South China Sea (Seite 356-358)
- ↑ Stephanie Kleine-Ahlbrandt: Chinas Expansion ins Meer; in: Le Monde Diplomatique November 2012; Online Abfrage am 18. Dezember 2012
- ↑ Nils Kadritzke: Anmerkung zum Seerecht; als Infokasten zu: Stephanie Kleine-Ahlbrandt: Chinas Expansion ins Meer; in: Le Monde Diplomatique November 2012
- ↑ China.org.cn: South China Sea issue explained. Abgerufen am 1. Februar 2013.
- ↑ Urs Wälterlin: Südostasiens neues Selbstbewusstsein. Der Standard, abgerufen am 1. Februar 2013.
- ↑ Anjana Pasricha: India, ASEAN Upgrade Strategic Partnership. Voice of America, abgerufen am 1. Februar 2013.
- ↑ Felix F. Seidler: Maritime Machtverschiebungen im Indo-Pazifischen Raum: Geopolitische und strategische Trends, S. 7. Institut für Sicherheitspolitik CAU Kiel, abgerufen am 1. Februar 2013 (PDF; 590 kB).
- ↑ Robert D. Kaplan: The South China Sea Is the Future of Conflict. Foreign Policy, abgerufen am 1. Februar 2013.
Weblinks [Bearbeiten]
12.188333333333113.22638888889-5016Koordinaten: 12° N, 113° O