Sid und Nancy

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Filmdaten
Deutscher Titel Sid und Nancy
Originaltitel Sid and Nancy
Produktionsland Großbritannien, USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1986
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Alex Cox
Drehbuch Alex Cox,
Abbe Wool
Produktion Eric Fellner
Musik Joe Strummer u. a.[1]
Kamera Roger Deakins
Schnitt David Martin
Besetzung

Sid und Nancy ist ein biographischer[2] Spielfilm aus dem Jahr 1986. Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen Nancy Spungen und dem Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious. Regie führte der Brite Alex Cox.

Handlung[Bearbeiten]

Sid Vicious sitzt auf seinem Bett im Zimmer des Chelsea Hotels und wird von der Polizei zu der Frau befragt, die blutüberströmt und leblos im Badezimmer liegt. Er wird verhaftet, auf eine New Yorker Polizeistation gebracht und verhört. Hier beginnt die Rückblende, in der Sid seine Beziehung zu Nancy Spungen Revue passieren lässt.

Sid und Johnny Rotten randalieren betrunken durch Londons Straßen und schlagen das Fenster eines Rolls Royce ein, um einen darin sitzenden Hund mit Farbe zu besprühen. Anschließend besuchen sie die extravagante Prostituierte Linda, bei der sie weiter trinken. Hier trifft Sid zum ersten Mal auf Nancy. Er ist von ihr zunächst unbeeindruckt, lädt sie aber zu einem Konzert der Sex Pistols ein.

Die beiden treffen sich anderntags zufällig wieder. Sid beobachtet, wie Nancy von ihrem Drogendealer abgewiesen wird und läuft ihr nach. Er hat bisher keine harten Drogen konsumiert, bittet Nancy aber, welche für ihn zu besorgen. Sie nimmt sein Geld und verschwindet. Sid wartet bei strömendem Regen auf der Straße vergeblich auf ihre Rückkehr. Tage später findet er zusammen mit einem Kumpel Nancys Kleidersack auf der Straße. Als sie die Kleidung durchstöbern, erscheint Nancy. Sie ist in eine Drogenrazzia geraten und auf der Flucht. Sids Freund nimmt die beiden mit zu sich nach Hause, dort spritzen sich Nancy und Sid Heroin und verbringen die Nacht zusammen. Die beiden sind von da an unzertrennlich.

Nancy und Sid, inzwischen beide Junkies, versinken in einer Welt aus Drogen. Ständig berauscht, leben sie ihre Gefühlswelten aus Lust und Frust, Leidenschaft und Aggression aufgeputscht aus und entfernen sich immer mehr von der Realität. Sid wird immer unberechenbarer und zeigt gegenüber Nancy eine Hörigkeit, die den Manager der Sex Pistols zum Eingreifen veranlasst. Er überredet Sid zur Teilnahme an einer zweimonatigen Amerikatournee, ohne Nancys Begleitung. Nancy stimmt diesem Vorhaben erst zu, als Sid dafür ein Haus versprochen bekommt. In der Band treten erste Unzufriedenheiten bezüglich des eingeschränkten musikalischen Repertoires auf, deren Ursache von Johnny und den anderen Bandmitgliedern in Sids ungenügendem Bassspiel gesehen wird, doch Malcolm McLaren hält an Sid als Aushängeschild der Sex Pistols und personifizierte Ikone der Punk-Bewegung fest.

Die Tour der Sex Pistols durch die USA ist kein Erfolg. Die Spannungen in der Band werden immer größer und Sid, der sich ohne Nancy verloren fühlt, reagiert mit Selbstverletzungen und zunehmenden Aggressionen. Die Band löst sich schließlich auf. Sid, orientierungslos ob seiner Zukunft, fliegt zurück nach London. Während des Flugs betrinkt er sich und nimmt so viele Drogen, dass er direkt nach der Landung in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss. Nach der Krankenhausentlassung reisen Sid und Nancy zuerst nach Paris und anschließend in die USA. Dort besuchen sie Nancys Großeltern, die dem vollkommen in eine Scheinwelt aus Größenwahn und Selbstüberschätzung, Depression und Aggression abgeglittenen Paar hilflos gegenüberstehen.

Nancy versucht sich als Managerin. Es gelingt ihr drei Konzerte für Sid zu organisieren. Diese enden desaströs, da sich Sid nicht mehr konzentrieren und auf der Bühne kaum noch auf den Beinen halten kann.

Der Drogenkonsum nimmt zu, Albträume und surreale Gedankengänge verstärken sich bei beiden. Das Paar verbringt die Tage verbarrikadiert in ihrem Zimmer des Chelsea Hotels vor dem Fernseher. Nach einem Zimmerbrand, den Nancy durch eine brennende Zigarette verursacht hat, werden sie ins Zimmer Nr. 100 umquartiert. Hier geht die Abwärtsspirale weiter und es kommt zunehmend zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Sid, der Nancy erklärt, nach London zurückgehen und clean werden zu wollen, wird von einer völlig hysterischen Nancy, die sich durch seine Worte bedroht fühlt, angegriffen. Im Laufe des Gerangels verletzt er Nancy mit einem Messer erheblich. Die beiden legen sich anschließend engumschlungen schlafen. Später erwacht Nancy blutüberströmt, geht ins Badezimmer und bricht dort tot zusammen.

Sid, der in der Haft einen kalten Entzug durchgestanden hat, wird auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen. Er geht Pizza essen und trifft anschließend am Hudson River in einer surrealen Szene Nancy, die ihn in einem Taxi abholen kommt. Der Film endet mit der Einblendung: „Sid Vicious died of a heroin overdose on February 2nd 1979. Nancy & Sid R.I.P.“

Filmmusik[Bearbeiten]

Nr. Titel Interpret
1. Love Kills (Titel Track) Joe Strummer
2. Haunted The Pogues
3. Pleasure and Pain Steve Jones
4. Chinese Choppers Pray for Rain
5. Love Kills Circle Jerks
6. Off the Boat Pray for Rain
7. Dum Dum Club Joe Strummer
8. Burning Room Pray for Rain
9. She Never Took No for an Answer John Cale
10. Junk The Pogues
11. I Wanna Be Your Dog Gary Oldman
11. My Way Gary Oldman
11. Taxi to Heaven Pray for Rain

Kritik[Bearbeiten]

„Die sozialen Hintergründe werden einer meist oberflächlichen Milieuschilderung geopfert, die letztlich der Legendenbildung Vorschub leistet. Die Zwiespältigkeit der für den Massengeschmack geglätteten Inszenierung zeigt sich auch in der teilweise unkonzentrierten Schauspielerführung.“

Lexikon des Internationalen Films[3]

„Kultregisseur Alex Cox ("Repo Man") inszenierte diese moderne, kaputte Romeo-und-Julia-Version im Stil eines Dokudramas von hoher Authentizität. Mit der Amerikanerin Chloe Webb und dem Briten Gary Oldman standen ihm zwei brillante Darsteller für die Hauptrollen zur Verfügung.“

ZDFkultur[4]

„Der Brite Alex Cox erzählt in seinem morbiden Porträt «Sid & Nancy» (1986), das nur sehr lose biografischen Fakten folgt, von den beiden letzten Jahren des Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious in schrillen Farben und Tönen [...] Dabei hält der Blick des damals 32-jährigen Briten [...] nur beobachtend und recht eklektisch die äusseren Ereignisse fest, während wir über die psychologischen Zusammenhänge kaum Vermutungen anstellen können.“

Neue Zürcher Zeitung[5]

„Cox und seinen Schauspielern gelingt das Bravourstück, in einem Film voller Lärm und Wut eine präzise Geschichte zu erzählen [...] Das erstaunliche an «Sid und Nancy» sind die vielen subtilen Einblicke, die uns der Film in die Beziehung gewährt [...] Unter all ihrem Leder und ihren Ketten, unter den zerrissenen T-Shirts und stahlbeschlagenen Stiefeln wird eine zutiefst konventionelle Beziehung zwischen einer ehrgeizigen Frau und einem Mann, der noch ein Kind war, sichtbar.“

Roger Ebert: Ebert Digital LLC[6]

Hintergrund[Bearbeiten]

In Sid und Nancy spielt Courtney Love ihre erste Filmrolle als Nancys Freundin Gretchen.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Zeitschrift Rolling Stone führt den Film in ihrer Liste The 25 Best and Worst Biopics in der Kategorie best.[7] Die britische Zeitschrift Shortlist wählte den Film auf Platz neun der 10 besten Musikerbiografien.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sid & Nancy. In: Allmusic. Abgerufen am 15. Oktober 2014. (englisch)
  2. "The 'Sid and Nancy' film is not factual… it's sadly sickeningly depressing." Offizielle Website John Lydon. Abgerufen am 15. Oktober 2014. (englisch)
  3. Sid und Nancy. Lexikon des Internationalen Films. Abgerufen am 4. Mai 2007.
  4. Sid and Nancy. ZDFkultur. 12. Oktober 2013. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  5. Sex Pistols. Neue Zürcher Zeitung. 2. November 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  6. Roger Ebert: Sid and Nancy. (englisch) Ebert Digital LLC. 25. Oktober 1986. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  7. David Fear: "BEST: 'Sid and Nancy' (1986)." In: Rolling Stone. Abgerufen am 15. Oktober 2014. (englisch)
  8. 10 Best Music Biopics. In: Shortlist (englisch). Abgerufen am 15. Oktober 2014.