Słubice

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die Gemeinde im Powiat Płocki der Woiwodschaft Masowien siehe Słubice (Powiat Płocki).
Słubice
Wappen von Słubice
Słubice (Polen)
Słubice
Słubice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Landkreis: Słubice
Fläche: 19,20 km²
Geographische Lage: 52° 21′ N, 14° 34′ O52.3514.566666666667Koordinaten: 52° 21′ 0″ N, 14° 34′ 0″ O
Höhe: 41 m n.p.m
Einwohner: 16.880
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 69-100 bis 69-103
Telefonvorwahl: (+48) 95
Kfz-Kennzeichen: FSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Słubice – Zielona Góra
Schienenweg: BerlinWarschau
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Berlin-Schönefeld
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 11[2] Schulzenämter
Fläche: 185,00 km²
Einwohner: 19.902
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0805053
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Tomasz Ciszewicz
Adresse: ul. Akademicka 1
69-100 Słubice
Webpräsenz: www.slubice.pl
Blick von der Oderbrücke aus Deutschland kommend
Słubice vom Oderturm Frankfurt aus gesehen
Blick von der Insel Ziegenwerder in Frankfurt über die Oder nach Słubice
Bahnstation

Słubice [swuˈbiʦɛ] (Dammvorstadt) ist eine Stadt an der Oder im äußersten Westen Polens mit 16.986 Einwohnern. Bis 1945 war das heutige Stadtgebiet als Dammvorstadt bzw. Gartenstadt ein Stadtteil von Frankfurt (Oder). Heute befinden sich hier die wichtigsten Grenzübergänge zwischen Deutschland und Polen – für den Straßenverkehr die Autobahnbrücke der Bundesautobahn 12/Autostrada A2 und die sogenannte Stadtbrücke über die Oder sowie für den Eisenbahnverkehr der Grenzbahnhof Kunowice im nahegelegenen gleichnamigen Ort. Słubice ist Standort des polnisch-deutschen Wissenschaftszentrums Collegium Polonicum.

Name[Bearbeiten]

Schon vor mehr als 750 Jahren gab es am östlichen Oderufer eine slawische Siedlung mit dem Namen Zliwice (Zliwitz). Der Ortsname Słubice ist vermutlich von diesem älteren slawischen Namen abgeleitet.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1945 gehörte das heutige Słubice als Dammvorstadt zur Stadt Frankfurt (Oder). Die Trennung begann mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundenen Besetzung der Stadt durch die Rote Armee. Am 19. April 1945 um 05:29 Uhr wurde die Stadtbrücke von den abziehenden deutschen Truppen gesprengt. Damit waren auch die Telefon-, Gas- und Wasserleitungen in die Dammvorstadt durchtrennt. Die 129. Schützendivision der 33. sowjetischen Armee konnte die Dammvorstadt nach dem Rückzug der Wehrmacht kampflos besetzen.

Nach den Wünschen Polens sollte ganz Frankfurt polnisch werden, da man eine Teilung der Stadt für unsinnig hielt. Daher wurde Słubice von der polnischen Verwaltung zunächst als polnischer Name für die ganze Stadt Frankfurt angesehen. 17 Verwaltungsmitarbeiter, 5 Handwerker und 28 bewaffnete Polizisten erreichten am 2. Mai 1945 den Ort und sollten eine polnische Verwaltung aufbauen.[4] Als Verwaltungsgebäude wurde das Haus in der Friedrichstr. 10 (später ul. Armii Czerwonej, ab 1950 ul. Jedności Robotniczej 12) ausgewählt.

Am 4. Mai errichtete die Sowjetarmee eine provisorische Brücke von der Lebuser Mauerstraße zum Prinzenufer. Ab dem 8. Mai kehrten die ersten deutschen Zivilisten in die Dammvorstadt zurück. Am 15. Mai 1945 wurde das erste Mal eine polnische Bescheinigung mit dem Stempel „Słubice“ ausgestellt, allerdings gibt es auch eine polnische Meldebescheinigung vom selben Tag, die als Ortsbezeichnung „Frankfurt“ ausweist. Am 20. Mai brannte der Gasthof „Goldener Löwe“, der bis dahin das älteste Gebäude der Dammvorstadt war. Das Gebäude aus dem Jahre 1601 befand sich an der Stelle des heutigen Collegium Polonicum. Das erste Rathaus der neu gegründeten Stadt Słubice wurde am 28. Mai 1945 in der Straße Neuer Markt 5 (heute pl. Wolności 5) eingerichtet.

Am 15. Juni lebten einem polnischen Bericht zufolge 8.000 Deutsche und nur 80 Polen „im Bereich Słubice“, wobei unklar ist, welches Gebiet damit gemeint war (ganz Frankfurt oder nur die östlich der Oder gelegenen Stadtviertel). Der seit dem 24. Mai als Starost amtierende Henryk Jastrzębski verfügte, die Ausweisung der Deutschen aus der Dammvorstadt bis zum 15./16. Juni abzuschließen. Insgesamt wurden dabei 3.640 Deutsche vertrieben.[4] Nach offiziellen Angaben blieben fünf Deutsche und sieben Juden zurück, die tatsächliche Zahl liegt aber vermutlich höher.

Ab dem 30. Juni wurde Słubice, also die frühere Dammvorstadt, wieder mit Strom versorgt, was durch ein neu verlegtes Kabel möglich wurde. Im Juli erfolgten umfangreiche Demontagen durch die sowjetischen Truppen in Betrieben Słubices. Am 2. August 1945 wurde die Teilung der Stadt in ein deutsches Frankfurt links und ein polnisches Słubice rechts der Oder durch die Potsdamer Konferenz offiziell besiegelt. Ab dem 28. August ermöglichte eine Wasserleitung über die Oder die Wasserversorgung Słubices. Am 10. Oktober erhielten die Straßen und Plätze Słubices anstelle der bisherigen deutschen Bezeichnungen polnische Namen (die allerdings in der Folgezeit des Öfteren und zum Teil mehrfach wieder geändert wurden). Ab dem 12. Oktober begann das Schuljahr für 120 polnische Schüler von Słubice. Schuldirektor wurde der Pole Józef Mager.

Ende 1945 lebten in Słubice 685 Menschen, von denen die meisten Militärs waren.[5] Am 13. März 1946 verließen die sowjetischen Kampfverbände die Stadt. Das erste neue Wohngebäude, das nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde, bot Platz für 58 Familien und entstand am pl. Wolności (übersetzt „Platz der Freiheit“, der frühere deutsche Name lautete Neuer Markt). In den 1970er Jahren wurden vor allem Plattenbauten errichtet, und es entstanden die Vorstadtsiedlungen Słowiańskie und Paderewskiego.[5] Seit 1999 gehört die Stadt zur Woiwodschaft Lebus. 2002 begannen Bauarbeiten für eine Bahnstation in Słubice, die 2003 in Betrieb genommen wurde.

Viele deutsche Tagestouristen besuchen den so genannten „Basar“ der Stadt (auf Deutsch umgangssprachlich auch „Polenmarkt“ genannt) und die umgangssprachlich „Zigarettenstraße“ genannte ul. Jedności Robotniczej.[6] In der Nacht vom 10./11. Januar 2007 brannte der Basar vollständig ab, ohne dass dabei Personenschäden zu verzeichnen waren. Bei der Brandbekämpfung wurde die polnische Feuerwehr von deutschen Kollegen unterstützt. Ein Wiederaufbau des Marktes wurde umgehend beschlossen.[7] 2011 wurde ein neues Gebäude für den Basar eröffnet, zuvor waren provisorische Zelte genutzt worden.[8]

Verkehr[Bearbeiten]

Słubice liegt an der Autobahn A2 aus Richtung Posen, Łódź und Warschau, die am Grenzübergang zur Bundesautobahn A12 in Richtung Berliner Ring wird. An der Autobahn fanden umfangreiche Bauarbeiten in Vorbereitung auf die Fußball-EM 2012 statt. Darüber hinaus enden in der Stadt die Landesstraßen DK 29 und DK 31. Über einen eigenen Bahnhof verfügt Słubice erst seit einigen Jahren, als ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Frankfurt (Oder) – Poznań eröffnet wurde. Allerdings ist dessen Bedeutung mit nur zwei Regionalzug-Halten der Przewozy Regionalne pro Tag bis heute eher gering. Vom Busbahnhof (Dworzec Autobusowy) an der ul. Wojska Polskiego gibt es Busverbindungen von Transhand unter anderem nach Rzepin und Küstrin.

Innerstädtischen öffentlichen Personennahverkehr gibt es in der Stadt erst wieder seit 2012. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die damalige Dammvorstadt an das Netz der Straßenbahn Frankfurt (Oder) angeschlossen. Die Linie 2 verkehrte von der Stadtbrücke entlang des Oderdeichs (heute ul. 1 Maja) bis zum Stadion an den Kleisthöhen. Dazu kam die Autobuslinie B, die den nördlichen Teil der Dammvorstadt erschloss.

Seit dem 9. Dezember 2012 verkehrt die Buslinie 983 im Stundentakt bzw. Halbstundentakt vom Frankfurter Bahnhof über die Aleja Niepodlegosci zum Plac Bohaterów. Betrieben wird diese von der Stadtverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder) im Tarif des VBB. Diese Linie hat sich seit ihrer Einführung zu einer der nachfragestärksten Buslinien im Frankfurter Stadtverkehr entwickelt.

Ausgehend vom Erfolg der neuen Buslinie richtete man im März 2013 einen eigenen Stadtbusverkehr mit 6 Linien ein. Vom Grundsatz her handelt es sich um drei Buslinien, die pro Richtung jeweils eine neue Nummer erhalten. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Verbindungen:

  • Linie 1/2: Osiedle Grzybowe – KSSSE Kohl
  • Linie 3/4: Dworzec Autobusowy – KSSSE Kohl
  • Linie 5/6: Osiedle Grzybowe – Dworzec Autobusowy über Rzepińską

Betreiber der Busse ist die ortsansässige Firma Transhand. Einen festen Takt gibt es nicht und eine Einzelfahrt kostet 2,00 Złoty.

Die Diskussion über eine Anbindung von Słubice an die Straßenbahn Frankfurt (Oder) ist allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Bogusław Wontor, (*1967), polnischer Politiker, seit 2001 Abgeordneter des Sejm

Partnerstädte[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten]

Der erste Stolperstein zum Gedenken an Karl Gustav Wilhelm Ritter erinnert seit dem 11. November 2009 an Verfolgte des Nationalsozialismus.[9]

Bauwerke[Bearbeiten]

Kino Piast

Das Kino Piast wurde am 15. Januar 1925 als „Film-Palast Friedrichstraße“ mit dem Stummfilm Carlos und Elisabeth nach Schillers Don Karlos in der damaligen Friedrichstraße 8 eröffnet. Das Kino, das auch eine kleine Bühne für Tanz und Theateraufführungen besaß, wurde nach den Plänen des Charlottenburger Architekten A. Rebiger errichtet und bot damals etwa 500 bis 525 Personen Platz.[10] Bereits fünf Jahre später wurde das Kino geschlossen und die Gaststätte Elyseum eröffnete in dem Gebäude. Nach Umbauarbeiten und Modernisierungen erfolgte die Wiedereröffnung am 3. Dezember 1937 mit dem Film Patrioten. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Bildung Słubices wurde das Kino verstaatlicht. Das Kinogebäude, heute in der ul. Jedności Robotniczej 10 gelegen, wurde im März 2005 geschlossen, nachdem zuvor die ehemalige Kassenhalle des Gebäudes neben dem Kinobetrieb auch als Blumen- und Gemüseladen genutzt worden war. Inzwischen ist nur noch der vordere Bereich des Kinos vorhanden, der komplette hintere Bereich (Kinosaal und Verwaltung) wurde abgerissen.[11]

SMOK[Bearbeiten]

Das städtische Kulturzentrum SMOK (Słubicki Miejski Ośrodek Kultury), das mit seiner kleinen Galerie und zahlreichen Veranstaltungen auch von Studenten gern besucht wird, richtet gemeinsam mit Frankfurt (Oder) die TransVOCALE aus, das internationale Festival für Lied und Weltmusik.

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Słubice (Gmina miejsko-wiejska) umfasst ein Territorium von 185 km² mit etwa 20.000 Einwohnern. Dazu zählen folgende Ortschaften:

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Jedności-Robotniczej-Straße (Straße der Arbeitereinheit)
  • Monika Kilian, Ulrich Knefelkamp (Hrsg.): Frankfurt, Oder-Słubice. Sieben Spaziergänge durch die Stadtgeschichte. Scrîpvaz, Berlin 2003, ISBN 3-931278-06-9.
  • Eckhard Reiß: Das Ende der Frankfurter Dammvorstadt und das Entstehen von Słubice. In: Historischer Verein zu Frankfurt (Oder) e.V. – Mitteilungen. Heft 2, 2003, S. 26–40.
  • Słubice. Historia – topografia – rozwój. Geschichte – Topografie – Entwicklung Bearbeitet v. Collegium Polonicum, Studiengang „European Cultural Heritage“. Scrîpvaz, Słubice u. a. 2003, ISBN 3-931278-22-0 (Deutsch und Polnisch).
  • Walter Hausdorf, Siegrid Noack: Słubice (Frankfurter Dammvorstadt) – Straßen, Wege und Plätze in ihrer historischen Entwicklung. In: Frankfurter Jahrbuch. 2005, ISBN 3-933416-61-2, S. 95–191, (polnisch und deutsch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Słubice – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 3. Juli 2014.
  2. Website der Gmina Słubice, Sołectwa, abgerufen am 14. Juli 2014
  3. Einleitung des Viadrina-Museums, Słubice.
  4. a b Reiß, Eckhard, 2003
  5. a b Hausdorf/Noack, Frankfurter Jahrbuch 2005, S. 97
  6. Märkische Oderzeitung, Spaziergang im Spiegel der Zeit, 21. Februar 2011
  7. Welt Online, Slubice will seinen Basar wieder aufbauen, 15. Februar 2007
  8. Frankfurter Rundschau, Shopping in Polen: Basar in Slubice wiedereröffnet, 21. Oktober 2011
  9. Erster Slubicer Stolperstein für Karl Ritter
  10. Frankfurter Oderzeitung, 11. Januar 1925.
  11. Märkische Oderzeitung/Frankfurter Stadtbote, 24./25. Mai 2006, S. 17.