Straßenbahn Frankfurt (Oder)

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Straßenbahn
Straßenbahn Frankfurt (Oder)
Bild
Niederflurwagen GT6M auf der Linie 4 in der Lindenstraße
Basisinformationen
Staat Deutschland
Stadt Frankfurt (Oder)
Eröffnung 22. Januar 1898
Betreiber Stadtverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder)
Verkehrsverbund VBB
Infrastruktur
Streckenlänge 19,5 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 Volt DC Oberleitung
Haltestellen 42
Betriebshöfe 1, kombiniert Bus und Straßenbahn
Betrieb
Linien 5
Linienlänge 43 km
Takt in der HVZ 20-Minuten-Takt
Takt in der SVZ 30-Minuten-Takt
Fahrzeuge 18 Tatra KT4D, 8 Adtranz GT6M
Statistik
Bezugsjahr 2010
Fahrgäste 9,9 Mio. pro Jahr
Einwohner im
Einzugsgebiet
61 Tsd.
Fahrleistung 1,010 Mio. kmdep1
Mitarbeiter 172
Netzplan
Netzplan der Straßenbahn Frankfurt (Oder)

Die Straßenbahn Frankfurt (Oder) verkehrt seit 1896 als elektrische Straßenbahn in der brandenburgischen Stadt Frankfurt (Oder). Auf einem meterspurigen Streckennetz von etwa 19,5 Kilometern Länge verkehren drei Haupt- und zwei Verstärkungslinien.

Die Straßenbahn wird von der Stadtverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder) betrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1894 diskutierte man in der Stadt die Schaffung eines Pferdebahnnetzes von vier Linien. Diese sollten den Markt mit dem Bahnhof, dem Stadtteil Beresinchen, dem Schützenhaus und der Küstriner Straße verbinden. Die Pferdebahn war zu dieser Zeit aber bereits eine veraltete Technologie - andernorts bewährten sich elektrische Straßenbahnen bereits, weswegen man auch in Frankfurt (Oder) den Bau einer solchen beschloss. Ein entsprechender Vertrag mit der AEG wurde am 22. April 1896 vom Bürgermeister Johann Paul Walther Adolph unterschrieben. 1897 begannen die Bauarbeiten und am 22. Januar 1898 erfolgte die offizielle Eröffnungsfahrt. Einen Tag darauf wurde auf zwei Linien der Regelbetrieb eröffnet:

  • Buschmühlenweg - Wilhelmsplatz - Magazinplatz,
  • Neuer Friedhof - Wilhelmsplatz - Schützenhaus.
Straßenbahn nahe der St.-Gertraud-Kirche, 1907

Bis Ende 1899 gingen auch die Strecken zum Bahnhof und zum Paulinenhof sowie die Streckenverlängerung zum Schlachthof in Betrieb. Es fuhren nun vier farblich unterschiedene Linien. 1908 kam es zur nächsten Streckenerweiterung, diesmal vom Paulinenhof zum Hellweg. Im Jahr 1924 wurde mit dem Umbau des Frankfurter Bahnhofes und des Bahnhofsvorplatzes die neue Endhaltestelle am Bahnhof errichtet. 1925 wurde der Straßenbahnverkehr reformiert, es wurden Zahlen als Linienkennzeichnung eingeführt und die Takte verdichtet. Die Linie 2 wurde 1927 in der Dammvorstadt vom Schützenhaus zum Stadion verlängert, zwei Jahre später wurden als Ergänzung zum Straßenbahnnetz die beiden ersten Buslinien eingerichtet. Das Straßenbahnnetz wuchs 1936 erneut, diesmal vom Hellweg bis zum Westkreuz. Im gleichen Jahr folgten zwei weitere Autobuslinien. Am 22. April 1945 endete der Straßenbahnverkehr infolge der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges.

Tw 43 in der Wilhelm-Pieck-Straße im Jahr 1953

Nach dem Krieg nahm man den Verkehr schrittweise ab Juli 1945 wieder auf. Die Strecke in die Dammvorstadt ging nicht mehr in Betrieb, denn der östlich der Oder gelegene Stadtteil gehörte nun zu Polen und hieß fortan Słubice. Mitte der 1950er Jahre kamen die ersten Neubaufahrzeuge und die Innenstadtstrecken wurden 1957 den neu geschaffenen Straßenverläufen angepasst. Am Westkreuz wurde 1966 die erste Wendeschleife im damaligen Netz errichtet, der weitere Schleifen folgten. Da die Straßenbahn mittelfristig durch Busse ersetzt werden sollte, stellte man ab 1970 zunächst den Verkehr auf der Strecke in den Buschmühlenweg ein. Durch die Ölkrise wurden diese Pläne jedoch aufgegeben und wieder Streckenerweiterungen durchgeführt. Als erstes ging 1976 die Verlängerung vom Hauptfriedhof zum Südring in Betrieb. Vier Jahre später wurde die Strecke in der Leipziger Straße (Wilhelm-Pieck-Straße) durch eine Neubaustrecke über den Bahnhof ersetzt. Ein Jahr später folgte der erste Abschnitt nach Neuberesinchen und 1982 wurde der Rest dieser Strecke fertiggestellt. Ab Mitte der 1980er Jahre fuhren sechs Straßenbahnlinien durch die Stadt.

Die Gotha-Zweiachser waren auch in Frankfurt (Oder) bis 1995 unverzichtbar. Tw 57 in der Karl-Marx-Straße, 1990
ATw 3 vor dem Bahnhofstunnel, 1991
  • Linie 1: Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik (heute Zentrum) - Lebuser Vorstadt
  • Linie 2: Westkreuz (heute Messegelände) - Platz der Republik - Stadion
  • Linie 3: Kopernikusstr. - Bahnhof - Platz der Republik - Lebuser Vorstadt
  • Linie 4: Kopernikusstr. - Bahnhof - Platz der Republik - Große Oderstraße (heute Europa-Universität)
  • Linie 5: Neuberesinchen - Bahnhof - Westkreuz
  • Linie 6: Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik - Große Oderstraße

Ab 1987 begann dann ein neues Zeitalter bei der Frankfurter Straßenbahn. Insgesamt 22 neue Fahrzeuge vom Typ KT4D kamen aus der Tschechoslowakei. Ein Jahr später fand die mit 5,6 km Länge größte Netzerweiterung in der Geschichte der Frankfurter Straßenbahn statt. Bis zum Halbleiterwerk in Markendorf wurde die Strecke von der Kopernikusstraße verlängert. Zusammen mit den verlängerten Linien 3 und 4 fuhr eine neue Linie 7 von Markendorf nach Neuberesinchen. Eine weitere Neubaustrecke ins Hansa-Viertel war bereits im Gespräch. Diese Pläne konnten jedoch durch die Wende und den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Region nicht mehr verwirklicht werden. Allerdings wurde das vorhandene Netz modernisiert. Neue Niederflurbahnen vom Typ GT6M ersetzten ab 1993 die letzten - bis zu 40 Jahre alten - zweiachsigen Fahrzeuge aus DDR-Produktion. Darüber hinaus modernisierte man die Tatra-Gelenkwagen. Der 100 Jahre alte Betriebshof in der Bachgasse wurde 1998 endgültig durch einen Neubau in Neuberesinchen ersetzt.

Ehemaliger Betriebshof Bachgasse, 1991
KT4Dm in Frankfurt (Oder)
GT6M in Frankfurt (Oder)

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss am 3. Februar 2005 mit knapper Mehrheit den Weiterbau der Straßenbahn über den Grenzfluss Oder hinweg nach Słubice. Der Bau der Strecke wurde jedoch durch eine unverbindliche Volksbefragung Anfang 2006 mit einer großen Mehrheit abgelehnt. Daraufhin wurden die Erweiterungspläne zunächst fallen gelassen. Im Dezember 2012 wurde aber zumindest die lange geplante Buslinie 983 vom Frankfurter Bahnhof nach Słubice eröffnet.

2010 besaß die Stadt ein Straßenbahn-Liniennetz von 43 km mit 73 Haltestellen, von denen 29 barrierefrei waren. Bei 8 der 27 Straßenbahnen, die jeweils rund 45.000 km pro Jahr zurücklegen, handelt es sich um Niederflurbahnen. Der öffentliche Nahverkehr beförderte 2010 in der Stadt etwa 10,9 Millionen Fahrgäste.

Betrieb 2013[Bearbeiten]

Linie Linienweg Länge Halte Fahrzeit Reisege-
schwindigkeit
1 Neuberesinchen ↔ Lebuser Vorstadt 6,3 km 15 21 min 18 km/h
2 Messegelände ↔ Europa-Universität 4 km 13 15 min 16 km/h
3 Europa-Universität ↔ Kopernikusstr./Markendorf 10 km 18 26 min 23,1 km/h
4 Stadion ↔ Markendorf Ort 10,5 km 17 26 min 24,2 km/h
5 Messegelände ↔ Neuberesinchen 6,8 km 16 20 min 20,4 km/h

Die drei Hauptlinien 1, 2, 4 der Straßenbahn verkehren täglich von 4.00 bis 23.30 im

  • 20-Minuten-Takt: Montag bis Freitag von 6.00 bis 19.00 Uhr, Sonnabend von 8.30 bis 15.00 Uhr,
  • 30-Minuten-Takt: Sonn- und Feiertag ganztägig (ab 6.00), Montag-Sonnabend vor und nach dem 20-Minuten-Takt.

Linie 1 verkehrt vom Neubaugebiet Neuberesinchen über das Zentrum in Frankfurts Norden, der Lebuser Vorstadt. Jedes zweite Fahrzeug ist ein Niederflurwagen. Diskutiert wird derzeit die Einstellung des nördlichen Abschnitts zwischen einer neu zu errichtenden Wendeschleife an der Berliner Straße und der Lebuser Vorstadt.

Linie 2 verbindet die Universitätsstandorte, also das Hauptgebäude, das Audimax und das Marion Gräfin Dönhoff-Gebäude mit dem Sprachenzentrum in der Witzlebenstraße bis hin zum Messegelände. Werktags wird mit Solofahrzeugen vom Typ KT4Dm und Niederflurwagen vom Typ GT6M gefahren. Am Wochenende kommen ausschließlich niederflurige GT6M zum Einsatz.

Linie 3 gilt als Verstärkerlinie zur Linie 4. Sie verkehrt Montag bis Freitag von der Europa-Universität über den Südring zur Kopernikusstraße und in der HVZ weiter über den Technologiepark und das Klinikum in den Vorort Markendorf (Ort) im 20 min Takt. Betrieben wird diese mit GT6M sowie KT4Dm.

Linie 4, eine Hauptlinie, fährt vom Stadion über den Bahnhof und den Südring, vorbei an den neuen Solarfabriken, nach Markendorf (Ort). Es kommen wie bei der Linie 3 KT4Dm und GT6M zum Einsatz, am Wochenende aber hauptsächlich die Niederflurwagen.

Linie 5 ist eine Tangentiallinie - sie fährt am Zentrum "vorbei", vom Neubaugebiet Neuberesinchen über den Bahnhof zum Messegelände. Man hat allerdings Anschluss am Dresdener Platz oder Bahnhof aus bzw. in Richtung Zentrum. Alle 20 Minuten trifft man dort an Werktagen KT4Dm Tatrawagen oder GT6M Niederflurwagen an.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf-Rüdiger et al.: 100 Jahre Strom und Straßenbahn für Frankfurt (Oder). Stadtwerke Frankfurt (Oder) 1998 (1500 Exemplare).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trams in Frankfurt (Oder) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien