Southern Baptist Convention

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Die Southern Baptist Convention (SBC) (im deutschen Sprachraum meist Südliche Baptisten in den USA genannt) ist ein Verband baptistischer Gemeinden und Kirchen mit Sitz in den Vereinigten Staaten, der baptistische Kirchen in aller Welt unterstützt. Die Bezeichnung Southern Baptist Convention bezieht sich sowohl auf die Denomination als auch auf die jährliche Delegiertenversammlung.

Die SBC ist die größte baptistische Gruppe und die größte protestantische Konfession in den USA. Sie umfasste im Jahr 2012 mehr als 45.000 Gemeinden mit mehr als 16 Millionen Mitgliedern[1] in allen fünfzig amerikanischen Bundesstaaten und unterhält weltweit mehr als 10.000 Missionare. Seit 1990 geht der prozentuale Anteil der Southern Baptists an der amerikanischen Gesamtbevölkerung zurück.

Die meisten Gemeinden hat die SBC in den Südstaaten, wo sie in der Vergangenheit beträchtlichen Einfluss ausübten. Bis heute gibt es in einigen Südstaaten wenig oder gar kein legales Glücksspiel, und in zahlreichen dortigen Landkreisen ist der Handel mit Alkohol oder das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit – teilweise aufgrund des Wirkens der Southern Baptists – untersagt.

Da Baptisten vom Prinzip der Unabhängigkeit der Ortsgemeinde überzeugt sind, ist die SBC eher eine Kooperative, in der die Kirchen ihre Ressourcen bündeln, als eine Körperschaft mit administrativer Kontrolle über die Ortsgemeinden. Sie unterhält eine Verwaltungszentrale in Nashville, die aber keinerlei Autorität über die angeschlossenen Verbände, Gemeinden oder Mitglieder hat. Auch an ihr „Glaubensbekenntnis“, Baptist Faith and Message, sind die Kirchen und Mitglieder nicht gebunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Baptisten kamen gegen Ende des 17. Jahrhunderts in die Südstaaten. Die erste baptistische Kirche des Südens wurde in Charleston (South Carolina) gegründet. Leiter war William Screven, ein Prediger und Schiffbauer, der 1669 aus Maine dorthin gekommen war. Den Hauptbeitrag zur Verbreitung des Baptismus in den südlichen USA erbrachten die eifrig evangelisierenden Separate Baptists. Die ersten im Süden gegründeten Verbände waren die Charleston Association (1751) und die Sandy Creek Association (1758). Baptisten des Südens beteiligten sich an der Gründung der ersten nationalen baptistischen Vereinigung 1814, der General Missionary Convention of the Baptist Denomination in the United States of America for Foreign Missions (besser bekannt als Baptist Board of Foreign Missions oder die Triennial Convention, da sie sich alle drei Jahre versammelte).

Die Southern Baptist Convention wurde am 8. bis 12. Mai 1845 in Augusta (Georgia) gegründet, um die Sklaverei zu verteidigen.[2] Ihr erster Präsident war William Bullein Johnson (1782–1862), der 1841 auch die Triennial Convention geleitet hatte. Der unmittelbare (wenn auch nicht einzige) Anlass waren die Meinungsverschiedenheiten über die Sklaverei zwischen Nord- und Südstaatlern in der Triennial Convention von 1841 und der Home Mission Society. Trotz der theoretischen Neutralität beider Organisationen waren einige Baptisten des Südens nicht davon überzeugt. Sie wussten, dass einige der Leiter Abolitionisten waren. Um sich hierüber Klarheit zu verschaffen, empfahlen Baptisten aus Georgia der Home Mission Society James E. Reeve (der Sklaven hielt) als Missionar für den Süden einzusetzen. Die Gesellschaft beauftragte Reeve nicht, wahrscheinlich aber nicht deshalb, weil er Sklavenhalter war, sondern weil die Baptisten aus Georgia ihn speziell aus diesem Grund einzusetzen wünschten. Daraufhin lösten sich Baptisten des Südens aus der Organisation und schlossen sich zu dem neuen Konvent zusammen.

Ein weiterer Anlass zur Unzufriedenheit war für die Kirchen des Südens der Vereinigten Staaten, dass die American Baptist Home Mission Society (gegr. 1832) ihrer Ansicht nach keine angemessene Zahl von Missionaren in den Südteil der USA entsandten.

Offensichtlich strebten die Baptisten des Nordens und des Südens auch unterschiedliche Organisationsweisen an. Die Baptisten des Nordens bevorzugten lose strukturierte Gesellschaften von Individuen, die Jahresbeiträge entrichteten, wobei jede Gesellschaft sich auf einen bestimmten Dienst ausrichtete. Die Baptisten des Südens bevorzugten dagegen einen Zusammenschluss von Kirchen, gegliedert in die verschiedenen Verbände unter dem Dach einer gemeinsamem Denomination.

1991 trennte sich die Cooperative Baptist Fellowship (CBF) von der Southern Baptist Convention. Ursache war die Übernahme der Kirchenleitung durch konservative Theologen.[3] Konservative Theologen erlangten infolge ihrer Strategie in mehreren Wahlen in der SBC die Mehrheit, um ihren Kandidaten durchzusetzen. Diese Präsidenten ernannten dann konservative theologische Vertreter für Entscheidungsstellen innerhalb der SBC.[4] Frustrierte moderate und liberale baptistische Theologen trafen sich 1990 in Atlanta, Georgia und organisierten die Cooperative Baptist Fellowship.[5]

Im Oktober 2004 vollzog die SBC aufgrund von Meinungsverschiedenheiten den Austritt aus der Baptist World Alliance (Baptistischer Weltbund, BWA).

Im Sommer 2012 haben die rund 7.700 SBC-Delegierten Fred Luter zum Präsidenten gewählt. Damit ist erstmals ein Farbiger Vorsitzender des Kirchenbundes. Im Mai erklärten in einer Umfrage 86 Prozent der Pastoren, dass es gut wäre, wenn ein Schwarzer an der Spitze wäre. Luter fand als 21-Jähriger nach einem schweren Motorradunfall zum Glauben an Jesus Christus.[6]

Die SBC ist Ursprung des Keuschheitsprojektes Wahre Liebe Wartet („True Love Waits“, TLW).[7][8][9]

Abkehr vom Rassismus[Bearbeiten]

Im Juni 1995, zum 150 Jahrestag der Verbandsgründung, verabschiedete die Southern Baptist Convention eine „Entschließung zur Versöhnung der Rassen“. Die Southern Baptists erklären darin, dass Rassismus evangeliumswidrig und Sünde ist, sie beklagen das begangene Unrecht und seine schlimmen Folgen, sie bekennen ihre Schuld und bitten die Afroamerikaner um Vergebung.[10]

Glaubensinhalte der SBC[Bearbeiten]

Die allgemeine theologische Ausrichtung der Kirchen in der Southern Baptist Convention ist in dem Dokument Baptist Faith and Message (BF&M) dargestellt. Dieses Dokument wurde 1925 entworfen, 1963 und dann 2000 stark überarbeitet, wobei die Revision von 2000 zu beträchtlichen Meinungsverschiedenheiten Anlass gab.

BF&M wird nicht als „Glaubensbekenntnis“ im Sinne etwa des Bekenntnisses von Nicäa verstanden – die Mitglieder und die angeschlossenen Kirchen sind nicht daran gebunden. Einzig Angestellte der Organe der SBC, das heißt die Professoren an den sechs Theologieseminaren und die Missionare der beiden Missionsorgane International Mission Board (IMB) und North American Mission Board (NAMB) müssen diese Glaubensartikel unterzeichnen. Dennoch haben viele der Kirchen der SBC als ihr Statement of Faith oder Statement of Doctrine das BF&M übernommen, anstatt ein eigenes zu formulieren. Obwohl das BF&M kein „Glaubensbekenntnis“ ist, wird von Missionaren, die in den Dienst einer der Missionsgesellschaften der SBC treten, eine Erklärung erwartet, dass ihr Handeln, ihre Lehre und Predigt mit dem BF&M übereinstimmen. Auch diese Erklärung ist Gegenstand von Kontroversen gewesen.

Am 14. Juni 2000 stimmten die Repräsentanten der SBC in einer Abstimmung im Rahmen des Dokuments BF&M dafür, dass die Rolle des Pastors nach der Bibelauslegung nur für Männer vorgesehen sei und lehnten eine Frauenordination ab. Jedoch ist diese Abstimmung in dieser Glaubensfrage nur Ausdruck der Mehrheitsmeinung in der SBC und einzelne Kongregationen innerhalb der SBC dürfen Frauen als Pastoren einstellen, wenn sie es wollen. Eine Studie belegte, dass innerhalb der SBC weniger als 0,1 % der Kirchen (35 von 40.000 Kongregrationen) einen weiblichen Pastor hatten.

Politisch steht die SBC konservativen Positionen nahe und unterstützt meistens die Kandidaten der republikanischen Partei in Wahlen.

Im Herbst 2002 befürwortete die SBC den Irakkrieg. Richard Land, Vorsitzender der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit, verfasste den sogenannten Land Letter, einen offenen Brief an Präsident Bush, der eine Militäroperation gemäß der Lehre des gerechten Krieges des Kirchenvaters Augustinus rechtfertigte. Diesem Brief schlossen sich andere evangelikale Persönlichkeiten an.[11] Nach der Invasion sandte sie mehrere amerikanische und irakische Missionare in das Land im nahen Osten, von denen im Mai 2004 mehrere nach Mitarbeit in einem Wasserbauprojekt von Terroristen nahe Mossul ermordet wurden.

Bedeutende Persönlichkeiten der Southern Baptists[Bearbeiten]

  • Al Gore (US-Vizepräsident 1993–2001), ehemaliges Mitglied
  • Bill Clinton (US-Präsident 1993–2001), ehemaliges Mitglied
  • Jimmy Carter (US-Präsident 1977–1981), ehemaliges Mitglied
  • Pat Robertson, ehemaliges Mitglied

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.sbc.net/aboutus/default.asp (abgerufen am: 28. Juni 2012).
  2. Barry Hankins, Thomas Kidd, "Southern Baptists cleanse past" USA Today, 24.Juni 2012 (zugegriffen am 21.August 2012)
  3. [Kell, Carl L. Exiled: Voices of the Southern Baptist Convention Holy War. Univ Tennessee Press, 2006.]
  4. Kell, Carl L., In the Name of the Father: The Rhetoric of the New Southern Baptist Convention. Southern Illinois University press, 2001
  5. [Hankins, Barry. Uneasy in Babylon: Southern Baptist Conservatives and American Culture. Tuscaloosa: University of Alabama Press, 2002.]
  6. http://www.livenet.ch/themen/gesellschaft/international/amerika/218894-ein_schwarzer_fuehrt_die_suedlichen_baptisten.html (abgerufen am: 3. Juli 2012).
  7. Geschichte von True Love Waits bei Lifeway, gesehen 25. August 2008.
  8. Lifeway gehört zur SBC: About, gesehen 25. August 2008.
  9. True Love Waits Timeline, gesehen 25. August 2008. .
  10. Resolution On Racial Reconciliation On The 150th Anniversary Of The Southern Baptist Convention, June 1995 [1]
  11. http://hpd.de/node/5409 Der Land Letter

Weblinks[Bearbeiten]