Pat Robertson

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Marion Gordon „Pat“ Robertson (* 22. März 1930 in Lexington, Virginia) ist ein US-amerikanischer Prediger und Politiker. Er gilt als eine der einflussreichsten Personen der konservativen Rechten in den Vereinigten Staaten. Er ist einer der Gründer der Christian Coalition of America sowie Gründer und Präsident der evangelikalen Regent University.[1]

Pat Robertson 2006

Herkunft[Bearbeiten]

Robertsons Vorfahren gehörten zu den ersten europäischen Einwanderern in Amerika. Einer seiner Vorfahren beteiligte sich an der Boston Tea Party.[2] Pat ist Sohn von Absalom Willis Robertson, dem ehemaligen Vertreters Virginias im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.[3]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Religiöse Aktivitäten[Bearbeiten]

Robertson moderiert die Fernsehsendung The 700 Club, die von vielen säkularen und religiösen Kanälen ausgestrahlt wird. Er ist ordinierter Geistlicher der Southern Baptists, sympathisiert aber auch mit theologischen Auffassungen der Pfingstbewegung. Seine christlich-fundamentalistischen Ansichten sind sehr umstritten, besonders seine Forderungen nach Aufhebung der Grenze zwischen Kirche und Staat und seine strikte Ablehnung von Homosexualität und Feminismus. Robertson predigt einen nicht vergebenden, sondern strafenden Gott; er vertritt die Ansicht, dass Gott die Menschen regelmäßig für moralische Verfehlungen bestrafe, und hat daher wiederholt auch Naturkatastrophen als göttliche Rache erklärt (siehe unten).

Politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Robertson ist Gründer und Präsident des American Center for Law and Justice, einer Anwaltskanzlei und Lobby-Gruppe, die die Rechte religiöser US-Amerikaner verteidigt und die Ansicht vertritt, die Trennung von Staat und Kirche könne durch die individuelle Entscheidung des Einzelnen zum Glauben wieder aufgehoben werden. Sie setzt sich in Gerichtsverhandlungen immer wieder gegen ein Recht auf Abtreibung und für das traditionelle christliche Familienbild ein.

In den 1970er und 1980er Jahren war seine politische Bedeutung in den USA zunächst gering. Der Niedergang der evangelikalen Moral Majority und das absehbare Ende der Amtszeit Ronald Reagans bewogen ihn, sich 1988 in der Republikanischen Partei um die Kandidatur für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten zu bewerben.[4] Bei den Vorwahlen setzte sich aber George Bush durch.

Robertson ist christlicher Zionist und setzt sich in der Öffentlichkeit für die Interessen Israels ein. Für seine Aktivitäten wurde ihm von der Zionist Organization of America die Friends of the State of Israel-Auszeichnung verliehen. Allerdings wird ihm wie vielen konservativen Evangelikalen vorgeworfen, seine Unterstützung des jüdischen Staates beruhe nur auf einer religiösen Bindung an das Heilige Land, nicht auf einer Sympathie für die dort lebenden Juden. Den schweren Schlaganfall des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon im Januar 2006 bezeichnete Roberton öffentlich als göttliche Strafe für die Räumung des Gaza-Streifens, da Scharon „Gottes Land zerteilt“ hätte („he divided God's Land“). Auch die Ermordung Jitzchak Rabins 1995 sah Robertson als gerechte göttliche Strafe für dessen Friedenspolitik gegenüber den Palästinensern an. Robertson gilt als Sympathisant und Verfechter des Dominionismus,[5] er tritt also dafür ein, christlichen Fundamentalismus zur dominanten Strömung innerhalb der US-Politik zu machen.

Geschäftliche Aktivitäten[Bearbeiten]

1960 kaufte Robertson das Christian Broadcasting Network in Virginia. Es sendet heute in 180 Ländern und 71 Sprachen. Robertson soll über ein Vermögen zwischen 200 Millionen und einer Milliarde Dollar verfügen. Der Autorin Bethany Moreton zufolge unterstützte das Christian Broadcasting Network den später wegen Völkermordes verurteilten guatemaltekischen Diktator José Efraín Ríos Montt[6]. Im Jahr 1999 wurden Pläne für ein Joint Venture zwischen Robertson und der Bank of Scotland entworfen, welche eine Expansion der Bank auf den amerikanischen Markt vorbereiten sollte. Die Bank musste sich allerdings von Robertson distanzieren, nachdem dieser Schottland öffentlich als „dunkles Land“ bezeichnet hatte, „welches von Schwulen überrannt ist“ und zu Gebeten gegen die drohende Macht der Homosexuellen aufrief.[7]

Über seine 1998 gegründete Firma Freedom Gold Ltd. stand Robertson in engem Geschäftskontakt mit dem Kriegsverbrecher Charles Taylor, der ebenfalls 10 % Anteile an der Freedom Gold hielt. Robertson sicherte sich Abbaurechte für Rohstoffe in Liberia, mittels derer Taylor seinen Krieg in Liberia und Sierra Leone finanzieren konnte.[8]

Ansichten[Bearbeiten]

Verschwörungstheorie[Bearbeiten]

1991 veröffentlichte Robertson sein Buch The New World Order.[9] Darin verbreitete er die Verschwörungstheorie, dass verschiedene Gruppen, darunter die Vereinten Nationen, die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und das Federal Reserve System insgeheim daran arbeiten würden, eine „Neue Weltordnung“ zu etablieren, die mit einem erheblichen Souveränitätsverlust der Nationalstaaten einhergehen und in eine totalitäre Weltregierung münden würde. Die Politik der USA werde bereits von einer „unsichtbaren Hand“ gesteuert. Den kommenden Weltherrscher identifizierte Robertson als den Antichrist der Offenbarung des Johannes. Robertson mahnte seine Leser, wachsam zu sein und sich auf diese endzeitlichen Entwicklungen vorzubereiten, die der Wiederkunft Jesu Christi vorausgehen würden.[10] Diese Theorien fanden ein großes Echo auf Seiten der religiösen Rechten in den USA, so insbesondere in den Reihen der rechtsradikalen John Birch Society, die schon länger ähnliche Ansichten vertrat.

Weil Robertson in die Reihe der angeblichen Verschwörer auch jüdische Bankiers wie die Rothschilds aufgenommen und sich dabei auf Autoren wie die britische Faschistin Nesta Webster gestützt hatte, wurde sein Buch in der New York Review of Books als antisemitisch kritisiert. Zu seiner Verteidigung verwies Robertson auf seine lange Unterstützung für Israel; die Bezüge auf Webster würden nicht von ihm, sondern von einem seiner Hilfskräfte stammen.[11] Laut dem Politikwissenschaftler Daniel Pipes stehen im Zentrum von Robertsons Verschwörungsdenken in der Tat nicht die Juden, sondern Geheimgesellschaften wie Freimaurer und Illuminaten.[12] Als Instrumente dieser angeblichen Verschwörer identifizieren Robertson und seine Anhänger die „liberalen Medien“, die Demokratische Partei und die amerikanischen Hochschulen.

Christlicher Fundamentalismus[Bearbeiten]

Robertson vertritt die Ansicht, dass Gebete unmittelbare physische Wirkung (etwa gegen Naturkatastrophen und Krankheiten) entfalten können. Er greift Linke, Liberale, Homosexuelle, Muslime und Frauenrechtlerinnen regelmäßig scharf an. In einem Spendenaufruf zur Bekämpfung des Equal Rights Amendment in Iowa bezeichnete er Feminismus und Emanzipation als „eine sozialistische, antifamiliäre Bewegung, die Frauen dazu veranlasst, ihre Männer zu verlassen, ihre Kinder zu töten, Hexerei zu praktizieren, den Kapitalismus zu zerstören und Lesben zu werden.“[13] Die Terroranschläge am 11. September 2001 bezeichnete er kurz darauf als Strafe für Abtreibung, Homosexualität und Gottlosigkeit in der amerikanischen Bevölkerung, relativierte diese Aussage später allerdings nach heftigen Protesten. Dennoch bezeichnete er auch den katastrophalen Hurrikan Katrina 2005 als gerechte Strafe Gottes für die Sünden der Einwohner von New Orleans.[14]

Nach dem schweren Erdbeben von Haiti 2010 machte er die Bevölkerung Haitis für dieses Beben verantwortlich. Seiner Ansicht nach habe Haiti „vor langer Zeit“ (a long time ago, gemeint ist das ausgehende 18. Jahrhundert) „einen Pakt mit dem Teufel geschlossen“ (swore a pact to the devil), um sich der französischen Kolonialherrschaft zu entledigen, und sei daher seitdem (ever since) verflucht (cursed).[15][16] Robertson wurde daraufhin nicht zuletzt mangelhafte Kenntnis der historischen Tatsachen attestiert, da sich die Haitianer ihm zufolge gegen „Napoleon III.“ aufgelehnt haben sollten. Napoleon III. erlangte die politische Macht 1848, wogegen die Haitianer schon 1804 ihre Unabhängigkeit errangen; gemeint war Napoleon I.[17]

Im August 2005 brachte Robertson in seiner Talkshow „The 700 Club“ seinen Wunsch nach der Ermordung des damaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zum Ausdruck,[18] was zu diplomatischen Konflikten und starken Protesten führte.

Pat Robertson unterstützte die beiden Diktatoren in Guatemala und Liberia, Efrain Ríos Montt und Charles Taylor, die selbst evangelikalen Kirchen in ihren Ländern angehören. Als Letzterer von den Vereinigten Staaten gestürzt wurde, kritisierte Robertson Präsident Bush deshalb stark und behauptete, dass nun der Islam in Liberia die Macht an sich reißen werde.

Haltung zu anderen Religionen und Überzeugungen[Bearbeiten]

Am 23. März 1995 äußerte sich Robertson über Hindus und nannte ihre Religion „dämonisch“.[19] Er betonte, ginge es nach ihm, dürften nur Christen und Juden an der Regierung der Vereinigten Staaten beteiligt werden, da sie dazu besser geeignet seien als Hindus, Muslime oder Atheisten.[20]

David Cantor, Senior Research Analyst der Anti-Defamation League, sagte daraufhin, dass die Einstellung nach religiösem Glauben verfassungswidrig sei. Hierbei handele es sich daher nicht um ein rein religiöse Äußerung, sondern um eine politische.

1995 bezeichnete Robertson während seiner Sendung The 700 Club die islamische Religion als christliche Häresie.[21]

Infolge von muslimischen Protesten gegen Mohammed-Karikaturen in Europa bezeichnete er islamische Radikale als „dämonisch“.[22] Angesichts der Wutausbrüche, die die Karikaturen bei vielen Muslimen auslösten, bedauerte er, dass die Ideologie der Political Correctness es nicht zulasse, angemessen gegen den Islam vorzugehen, dessen Ziel die Weltherrschaft sein: „Der Islam ist keine Religion des Friedens“. [23] Reverend Barry W. Lynn, Direktor der Organisation Americans United for Separation of Church and State, nannte diese Äußerungen unverantwortlich. Robertson würde in einer Zeit der Spannungen weiteres Benzin ins Feuer gießen.[24]

Im September 2006 warf Robertson den Muslimen vor, nicht zu verstehen, wie ein vernünftiger Dialog funktioniere, da sie sich Fragen von Geschichte und Wahrheit gewalttätig nähern würden.[25]

Prophezeiungen[Bearbeiten]

Als millenaristischer Christ ist Robertson davon überzeugt, dass die Menschheitsgeschichte bereits die Endzeit erreicht habe und die Wiederkunft Jesu Christi kurz bevorstehe. Etliche Male behauptete er, Gott selbst habe mit ihm gesprochen, und machte mehrmals Prophezeiungen: Ende 1976 sagte er den Tag des Jüngsten Gerichts für 1982 voraus. Demnach hätte die Erde zwischen Oktober und November 1982 untergehen müssen.[26]

Am 2. Januar 2007 teilte Robertson mit, dass Gott ihm offenbart habe, dass die USA noch 2007 von einem schweren Terroranschlag, vermutlich mit nuklearen Waffen, betroffen sein würden.[27]

Anfang 2008 prophezeite Robertson ein Überschwappen des Nahostkonflikts auf den Weltfrieden und sagte für dieses Jahr nukleare Attacken auf Küstenstädte in den USA voraus. Diese würden während oder unmittelbar nach der US-Präsidentschaftswahl Anfang November 2008 erfolgen.[28]

Am 1. Januar 2009 sagte Robertson, dass Gott ihm Informationen über den künftigen Gold- und Ölpreis vermittelt habe.[29]

Im September 2011 wurde Robertson zusammen mit anderen Endzeitpropheten mit dem Spottpreis Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.[30][31] Am 4. Januar 2012 berichtete Robertson, dass Gott erneut mit ihm gesprochen und ihm gezeigt habe, wer die Präsidentenwahl 2012 gewinnen werde. Robertson wollte der Presse aber nicht mitteilen, was Gott ihm genau gesagt hatte.[32][33]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Regent University:Pat Robertson
  2. Victor und Victoria Trimondi: Krieg der Religionen, 2006, S. 42.
  3. David John Marley. Pat Robertson: An American Life. ISBN 978-0-7425-5295-1
  4. Martin Durham: Robertson, Pat. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 2, S. 620.
  5. http://www.yuricareport.com/Dominionism/TheDespoilingOfAmerica.htm Yurica Report News Intelligence Analysis der Yurica & Associates, Bellingham WA 2004 (abgerufen am: 7. März 2012).
  6. Bethany Moreton: To serve God and Walmart. The making of Christian free enterprise, Harvard 2009, S. 224
  7. BBC News, Bank drops evangelist
  8. Washington Post, Pat Robertson's Gold
  9. Pat Robertson: The New World Order. Word Publishing, Dallas 1991.
  10. Michael Scott Lupo: Milleniarism. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 2, S. 477.
  11. Martin Durham: Robertson, Pat. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 2, S. 620 f.
  12. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 224 f.
  13. Michele Swenson: Democracy Under Assault: TheoPolitics, Incivility and Violence on the Right. Sol Venture Press, Denver 2004, ISBN 978-0-9766788-0-9, S. 172f.
  14. Religious conservatives claim Katrina was God's omen, punishment for the United States Media Matters for America, 13. September 2005, abgerufen 16. Januar 2010
  15. US evangelist says quake-hit Haiti made 'devil' pact. Foxnews.com. 13. Januar 2009. Abgerufen am 13. Januar 2010.
  16. Voodoo-Erklärung für Erdbeben. Telepolis-Artikel vom 14. Januar 2010
  17. Pat Robertson's Racist Blaming of Haitian Victims and the Televangelist Misuse of History. Artikel von Juan Cole, Präsident des Global Americana Institute, 13. Januar 2010. (engl.)
  18. Robertson called for the assassination of Venezuela's president Media Matters for America, 22. August 2005, abgerufen 16. Januar 2010
  19. Valli J. Rajan: Christian Pat Robertson Denounces Hinduism as "Demonic". In: Hinduism Today, Juli 1995. 
  20. Pat Robertson: The New World Order. Word Publishing, Dallas 1991, S. 218.
  21. "Part 26: Dick Cheney, numbers and the metaphysics of 9/11", B.J. Sabri, January 28, 2005, Online Journal.
  22. "Robertson says Islam isn't a faith of peace: Televangelist calls radicals 'demonic'", Sonja Barisic, 14. März 2006, Associated Press.
  23. http://www.sullivan-county.com/identity/pat_islam.htm
  24. "700 Club website scrubbed Robertson's controversial comments calling Muslims 'satanic'", J.M., 14. März 2006, Media Matters for America.
  25. "Robertson: "Muslims deal with history and the truth with violence. They don't understand what reasoned dialogue is."", K.D., 25. September 2006, Media Matters for America.
  26. Doomsday: 1971–1997. Abhota.info. Abgerufen am 26. Juli 2009.
  27. "Pat Robertson warns of terrorist attack in 2007", 2. Januar 2007, MSNBC.com.
  28. Robertson predicts Mideast disaster and nuclear strikes on America during or shortly after American Election. Patrobertson.com. Abgerufen am 26. Juli 2009.
  29. Pat Robertson: God says U.S. will accept socialism. Wnd.com. Abgerufen am 6. August 2010.
  30. Winners of the 2011 Ig Nobel Awards, Boston Globe. 29. September 2011. 
  31. Wasabi alarm, beetle sex win Ig Nobel spoof prizes, Baltimore Sun. September 29, 2011. 
  32. Pat Robertson: God Has Shown Me Who Will Win Election. newsmax.com. Abgerufen am 4. Januar 2012.
  33. Barry W. Lynn: I predict Pat Robertson is wrong, The Washington Post. 4. Januar 2012. Abgerufen am 11. März 2012. 

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Pat Robertson – Zitate (Englisch)