Chuck Norris

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Chuck Norris im November 2006

Chuck Norris (* 10. März 1940 in Ryan, Oklahoma; eigentlich Carlos Ray Norris Jr.) ist ein US-amerikanischer Kampfkünstler und Action-Schauspieler.

Größere Berühmtheit erlangte er als Filmgegner von Bruce Lee in Die Todeskralle schlägt wieder zu (1972) sowie durch die dreiteilige Kinofilmreihe Missing in Action (1982–1988) und die Fernsehserie Walker, Texas Ranger (1993–2001), bei der er auch als ausführender Produzent agierte. Nachdem er seit 2004 nicht mehr im Kino zu sehen war, feierte er 2012 im Film The Expendables 2 ein Comeback.

Leben

Chuck Norris (1976)

Chuck Norris ist der Sohn von Ray und Wilma Norris, beide Elternteile sind jeweils halb Cherokee, halb irischer Abstammung.[1] Er ist das älteste von insgesamt drei Kindern. Sein Bruder Wieland wurde im Juli 1943 geboren, Bruder Aaron folgte 1951. Sein Vater war Alkoholiker und verließ die Familie immer mal wieder für unbestimmte Zeit. Zudem zog die Familie mehrmals um, u. a. nach Kalifornien und Arizona. Die Ehe der Eltern wurde schließlich 1956 geschieden. Noch im August des gleichen Jahres heiratete die Mutter erneut.[2]

Nach seinem High-School-Abschluss trat er 1958 in die United States Air Force ein. Eigentlich war es sein Ziel, eine Laufbahn als Polizist einzuschlagen. Die Ausbildung bei der Air Force erfolgte in Texas. Am 29. Dezember 1958 heiratete er Dianne Holechek, mit der er bereits in der High School zusammen gewesen war.[3]

1960 wurde Norris bei der Militärpolizei in Korea eingesetzt und wurde in der Basis Osan stationiert.[4] Während der Koreazeit wandte er sich dem Kampfsport zu und trainierte die koreanische Kampfkunst Tang Soo Do.[5] Von seinen Kameraden erhielt er den Spitznamen „Chuck“.

Erst 1962 kehrte er nach vierzehn Monaten Dienstzeit wieder in die USA zurück. Zunächst wurde er in Kalifornien stationiert; nach dem Ende der vierjährigen Dienstzeit schied er aus der Air Force aus. Neben einem Job bei einem Rüstungsunternehmen unterrichtete er Tang Soo Do und beschloss auf Grund seines Erfolges, eine eigene Kampfsportschule zu eröffnen. Im Oktober 1963 kam der Sohn Mike zur Welt. Im gleichen Jahr bestritt Norris in Salt Lake City sein erstes Kampfsporttunier.[6] In den kommenden Jahren folgte weitere Turniere, von denen Norris mehr als 30 für sich entscheiden konnte. Er trat u. a. mehrmals gegen Joe Lewis an und lernte zudem bei einem Turnier im Jahr 1967 Bruce Lee kennen.[7]

Bruce Lee war es auch, der Norris zu seinem ersten Filmauftritt verhalf. Als Choreograph für die Kämpfe in dem Film Rollkommando im Jahr 1968 verpflichtete er Norris für eine kleine Rolle als Bodyguard.[8]

1967 war er zum ersten Mal Mittelgewichtsweltmeister im Karate. Im gleichen Jahr wurde er vom Magazin „Black Belt“ zum „Fighter of the Year“ auserkoren.[9] Außerdem war Norris der erste westliche Mann, der im Taekwondo mit dem 8. Dan ausgezeichnet wurde.

Im Juni 1970 verstarb Norris' Bruder Wieland im Vietnamkrieg. Im Jahr darauf wurde der Vater bei einem Verkehrsunfall getötet.[10]

In dieser Zeit betrieben Norris und ein Partner drei Kampfsportschulen und 1970 bekamen sie das Angebot, eine ganze Kette von Schulen unter ihrem Namen betreiben zu lassen, an deren Einnahmen sie beteiligt werden sollten. Sie nahmen den Vorschlag an.[11]

Mit Die Todeskralle schlägt wieder zu übernahm Norris 1972 seine zweite Rolle in einem Film, erneut auf Initiative von Bruce Lee, der bei diesem Projekt sowohl die Regie übernahm wie auch für Drehbuch sowie die Produktion verantwortlich war.[12] Der Film wurde in den Vereinigten Staaten erst 1974 aufgeführt, und Norris war zunächst nicht daran interessiert, eine Karriere als Schauspieler einzuschlagen.

In den Jahren 1972 und 1973 konnte er bei den World Professional Karate Championships seine letzten sportlichen Titel erringen. In dieser Zeit kam er in Kontakt zu verschiedenen prominenten Schülern, die er als Kampfsportlehrer unterrichtete. Den Auftakt machte Dan Blocker, der ihn für den Unterricht seines Sohnes engagierte. Es folgten u. a. Michael Landon und Steve McQueen, mit dem sich eine Freundschaft entwickelte. 1973 wirkte Norris zusammen mit einigen seiner Schülern in der Roger-Corman-Produktion The Student Teacher mit. Die Regie führte Jonathan Kaplan.[13] 1974 beendete Norris seine Karriere im Kampfsport.[14]

Währenddessen war die Kette von Kampfsportschulen, die im Namen von Norris betrieben wurde, zu einem Spekulationsobjekt geworden, und es drohte der Bankrott. Norris entschied sich, einzugreifen; er kaufte sieben Filialen zurück und verschuldete sich hierfür. Aus diesem Grund nahm er eine tragende Rolle als Bösewicht in dem Streifen Der Boß von San Francisco an, dessen Auswertung in den Vereinigten Staaten erst 1981 erfolgte.[15]

Steve McQueen war es, der Norris dazu überredete, eine Laufbahn als Schauspieler einzuschlagen und Schauspielunterricht zu nehmen.[16] 1977 wurde ihm für rund 10.000 Dollar Gage die Hauptrolle in dem Low-Budget-Film Breaker Breaker angeboten, und Norris nahm an.[17] Im Jahr darauf folgte Black Tiger, bei dem Ted Post die Regie übernahm. An diesem war auch erstmals sein Bruder Aaron beteiligt, der ihn in einigen Szenen doubelte. Diese Zusammenarbeit intensivierte sich im Laufe der Jahre, und später inszenierte Aaron sieben Filme mit Chuck Norris in der Hauptrolle.

Black Tiger und die folgenden Filme Der Bulldozer (1979) und Octagon (1980) spielten in den USA rund 100 Millionen US-Dollar ein.[18] Nach zwei weiteren Filmen wurde Norris von Metro-Goldwyn-Mayer für Kalte Wut (1982) engagiert und gleich für zwei weitere Produktionen verpflichtet,[19] die jedoch auf beiderseitiges Verlangen hin nicht realisiert wurden.[20] Daher wurde das Folgeprojekt McQuade, der Wolf (1983) mit Hilfe privater Investoren sowie der von Chuck Norris und seinem Bruder gegründeten Produktionsfirma Topkick Productions realisiert.[21]

Für die Filmproduktionsgesellschaft Cannon Films, geführt von Menahem Golan und Yoram Globus, drehte Norris im Anschluss die Kriegsfilme Missing in Action (1984) und Missing in Action 2 – Die Rückkehr (1985). Aufgrund deren Erfolg an den Kinokassen wurde Norris ein Exklusivvertrag bei Cannon Films angeboten, der ihm eine Million Dollar einbrachte und für jeden Film die gleiche Summe versprach.[22] Mit Ausnahmen von Cusack – Der Schweigsame, der 1985 entstand und bei Kritikern im Gegensatz zu den anderen Filmen durchaus positiv aufgenommen wurde,[23] entstanden die folgenden Filme allesamt für Cannon Films.

1993 wandte sich Norris mit der Hauptrolle in Walker, Texas Ranger dem Fernsehen zu; die Serie wurde bis 2001 ausgestrahlt. Ebenfalls 1993 entstand mit Wind in the Wire eine einstündige Fernsehproduktion, bei der Norris in einem kleinen Auftritt an der Seite von Lou Diamond Phillips und Burt Reynolds zu sehen war.[24]

Der bereits 1992 gedrehte Film Hellbound wurde erst 1995 auf dem Video-Markt ausgewertet.[25] Der 1995 entstandene Film Top Dog bedeutete die letzte Kinohauptrolle für Norris.[26] Im Anschluss entstand Forest Warrior, der seine Premiere auf dem Video-Markt erlebte.[27] Bei den Produktionen der folgenden Jahre handelt es sich – mit Ausnahme der Direct-to-DVD-Produktion Bells of Innocence, in der Norris in einer kleineren Rolle einen Engel darstellt[28] – um Fernsehfilme.

In Voll auf die Nüsse aus dem Jahr 2004 absolvierte Norris einen Cameo-Auftritt auf der großen Leinwand. Die Hauptrollen in den Fernsehproduktionen The Cutter sowie Walker, Texas Ranger: Feuertaufe, die beide 2005 entstanden, waren für sieben Jahre seine letzten Auftritte als Schauspieler. Erst 2012 kehrte er mit einem Gastauftritt in dem Actionfilm The Expendables 2 zurück.

Religion, Familie und Politik

Chuck Norris (2000)

Chuck Norris gehört der evangelikal geprägten christlichen Rechten in den USA an. Er ist Anhänger des Kreationismus und hält die Evolutionstheorie für falsch. Norris ist überzeugter Unterstützer der Republikanischen Partei und erstellte 2008 mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee einen Wahlwerbespot, in dem auf die „Chuck Norris Facts“ angespielt wird. 2012 warnten er und seine Frau Gena in einem Wahlkampfvideo vor einer Wiederwahl von Barack Obama, da diese ihrer Meinung nach die USA in den Untergang führen würde. Sie mahnten an, dass 30 Millionen evangelikale Christen 2008 nicht gewählt und so Obamas Wahlsieg ermöglicht hätten.[29]

Norris veröffentlichte eine Autobiografie mit dem Titel The Secret of Inner Strength (dt. „Geheimnis der inneren Stärke“) und gründete die Hilfsorganisation Kickstart, um Gewalt und Drogenhandel an Schulen entgegenzuwirken. Im Dezember 2010 wurde er zum Ehrenmitglied der texanischen Eliteeinheit Texas Rangers erklärt – er spielte unter anderem die Hauptrolle in der Serie Walker, Texas Ranger – und erhielt den offiziellen Texas-Ranger-Stern.

Er hat fünf Kinder: zwei Söhne aus erster Ehe (1958) mit Dianne Holechek und Zwillinge aus der zweiten Ehe (1998) mit Gena O’Kelley sowie eine weitere Tochter.[30]

Sein Sohn Mike ist als Stuntman, Regisseur, Produzent sowie Schauspieler aktiv. Sein Schauspieldebüt gab er 1979 in dem Film Der Bulldozer, bei dem sein Vater die Hauptrolle übernahm. In den 1980er und 1990er Jahren folgten Rollen in diversen B-Actionfilmen. Später inszenierte er einige Folgen von Walker, Texas Ranger und gründete mit seiner Ehefrau eine eigene Produktionsfirma, die sich auf religiöse Filme spezialisiert hat.[31]

Auch Norris' jüngster, 1965 geborener Sohn Eric ist als Stuntman und Stunt-Koordinator tätig und war beginnend mit Invasion U.S.A. (1985) auch an mehreren Produktionen seines Vaters beteiligt. Zudem führte er bei mehreren Folgen der Serie Walker, Texas Ranger Regie.[32]

Weiterhin spielte Norris sich selbst in einem Fernseh-Werbespot für das Online-Rollenspiel World of Warcraft, der 2011 einige Wochen im deutschen Fernsehen zu sehen war. 2012 wirkte er an der Werbung der polnischen Bank BZ WBK mit und war darin als Texas Ranger zu sehen.[33]

Filme

Während seiner Zeit als Schauspieler war Norris vor allem auf die Darstellung schweigsamer Einzelgänger abonniert, die teilweise eine recht patriotisch-reaktionäre Gesinnung zur Schau stellten und ihre Kämpfe gegen amerikanische Feindbilder ausfochten. So kämpfte er beispielsweise in Invasion U.S.A. (1985) gegen Invasoren aus dem damaligen Ostblock, in Delta Force (1986) gegen arabische Terroristen und in Missing in Action (1984) gegen den Vietcong. Seine zweite Paraderolle war die des Gesetzeshüters, der zur Erfüllung seiner Aufgabe auch auf nicht immer legale Methoden zurückgreift; als solcher war er in McQuade, der Wolf (1982) und Cusack, der Schweigsame (1985) zu sehen.

Filmografie

Kampfkunst

Chuck Norris ist Tang-Soo-Do- und Taekwondo-Meister (8. Dan). 1968 gewann er die erste World Professional Karate Championship, die allerdings nicht von einem offiziellen Verband ausgerichtet wurde. An den seit 1970 stattfindenden offiziellen Weltmeisterschaften der World Union of Karate Do Organisations nahm Norris nie teil. Es gibt keine gesicherten Informationen darüber, ob Norris jemals an Vollkontaktkämpfen teilnahm. 1974 zog er sich vom Wettkampfsport zurück.

Zwischenzeitlich beschäftigte er sich auch mit anderen Kampfkünsten, wie dem Brazilian Jiu-Jitsu, das er bei Carlos Machado erlernte. Eine Kampfsporttechnik, die mittlerweile schon fest mit seinem Namen verbunden wird, ist der Roundhouse-Kick.

Deutsche Synchronstimmen

Norris ist für die deutschen Fassungen seiner Filme im Laufe der Jahre von mehreren Sprechern synchronisiert worden.[34] Am häufigsten war in den letzten Jahren Jürgen Kluckert Norris' deutsche Stimme, z. B. in Delta Force und in der TV-Serie Walker, Texas Ranger.

Werke

  •  Chuck Norris: Winning Tournament Karate. Valencia 1975, ISBN 0-89750-016-4.
  •  Chuck Norris: Toughen Up! the Chuck Norris Fitness System. New York 1983, ISBN 0-553-01465-X.
  •  Chuck Norris, Joe Hyams: The Secret of Inner Strength. Boston 1987.
  •  Chuck Norris: The Secret Power Within. Boston 1996, ISBN 0-553-06908-X.
  •  Chuck Norris: Against All Odds: My Story. Nashville 2004, ISBN 0-8054-3161-6.
  •  Chuck Norris: Black Belt Patriotism: How to Reawaken America. Washington 2008, ISBN 1-59698-558-5.

Literatur

  •  Byron Coley: Chuck Norris. New York 1986, ISBN 0-312-90098-8.
  •  Suzanne Weyn, Ellen Steiber: From Chuck Norris to the Karate Kid: Martial Arts in the Movies. New York 1986, ISBN 0-938753-00-2.
  •  Melanie Cole: Chuck Norris (Real-Life Reader Biography). Hockessin 1998, ISBN 1-883845-91-2.
  •  Günter Sippert: Chuck Norris und seine Filme. Kaufbeuren 2000, ISBN 3-928871-02-1.
  •  Dave Smeds: Chuck Norris (Martial Arts Masters). New York 2001, ISBN 0-8239-3516-7.
  •  Correna F. Wilson Pickens, Farah Bazzrea: Sheltered in His Arms – A Mother's Faith in God Sustained Chuck, Wieland, and Aaron Norris: Wilma Norris Knight. Wilson 2008, ISBN 0-9818611-0-5.
  •  Al Hemingway: Chuck Norris (Overcoming Adversity: Sharing the American Dream). Broomall 2009, ISBN 1-4222-0591-6.

Trivia

Aufgrund seiner stereotypen Rollen als unbesiegbarer, gesetzestreuer Actionheld erfreuen sich die „Chuck Norris Facts“ (Chuck-Norris-Tatsachen) großer Beliebtheit; Kurzwitze, die seine Überlegenheit parodieren. Beispiel: „Chuck Norris isst keinen Honig. Er kaut Bienen.

Weblinks

 Commons: Chuck Norris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Tobias Hohmann: Norris, Hille 2013, S. 9.
  2. Tobias Hohmann: Norris, S. 11ff.
  3. Tobias Hohmann: Norris, S. 15.
  4. Tobias Hohmann: Norris, S. 15f.
  5. Tobias Hohmann: Norris, S. 17ff.
  6. Tobias Hohmann: Norris, S. 19f.
  7. Tobias Hohmann: Norris, S. 21f.
  8. Tobias Hohmann: Norris, S. 25ff.
  9. Tobias Hohmann: Norris, S. 22.
  10. Tobias Hohmann: Norris, S. 29f.
  11. Tobias Hohmann: Norris, S. 30.
  12. Tobias Hohmann: Norris, S. 33f.
  13. Tobias Hohmann: Norris, S. 46f.
  14. Tobias Hohmann: Norris, S. 56.
  15. Tobias Hohmann: Norris, S. 47-51.
  16. Tobias Hohmann: Norris, S.61ff.
  17. Tobias Hohmann: Norris, S.64.
  18. Tobias Hohmann: Norris, S.101.
  19. Tobias Hohmann: Norris, S. 122.
  20. Tobias Hohmann: Norris, S. 133f.
  21. Tobias Hohmann: Norris, S. 135.
  22. Tobias Hohmann: Norris, S. 148.
  23. Tobias Hohmann: Norris, S. 179.
  24. Tobias Hohmann: Norris, S. 297.
  25. Tobias Hohmann: Norris, S. 297.
  26. Tobias Hohmann: Norris, S. 303.
  27. Tobias Hohmann: Norris, S. 304.
  28. Tobias Hohmann: Norris, S. 315f.
  29. Nicolai Kwasniewski: Tausend Jahre Dunkelheit. In: Spiegel Online, 2. September 2012.
  30. Biography and Profile of Chuck Norris. In: about.com, abgerufen am 12. März 2012 (englisch)
  31. Tobias Hohmann: Norris, S. 292
  32. Tobias Hohmann: Norris, S. 313
  33. Tobias Hohmann: Norris, S. 327
  34. Chuck Norris. In: synchronkartei.de, abgerufen am 14. September 2010.