Tutzing
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Starnberg | |
| Höhe: | 611 m ü. NN | |
| Fläche: | 35,63 km² | |
| Einwohner: |
9466 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 266 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 82327 | |
| Vorwahl: | 08158 | |
| Kfz-Kennzeichen: | STA | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 88 141 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Gemeinde Tutzing Kirchenstr. 9 82327 Tutzing |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Stephan Wanner (parteifrei) | |
| Lage der Gemeinde Tutzing im Landkreis Starnberg | ||
Tutzing ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg und liegt am Westufer des Starnberger Sees.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Grabhügel aus Bronze- und Eisenzeit belegen, das die Gegend um Tutzing bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Hinweise auf die Anwesenheit von Römern geben Reste eines Gutshofes am Deixlfurter See. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 742 durch eine Schenkung an das Kloster Benediktbeuern. Der Name Tutzing stammt von der Familie Tozzi und Tuzzo aus dem Adelsgeschlecht der Huosi. Das deutet darauf hin, dass der Ort bereits im 6. Jahrhundert bestand. Nachdem das Geschlecht der Tuzzinger ausgestorben war, erwarb das Münchner Patriziergeschlecht der Dichtl um 1480 den Ort. Bernhard dem Älteren Dichtl wurde 1519 vom Herzog von Bayern die Hofmarksgerechtigkeit über Tutzing verliehen. Damit durfte er als Tutzinger Schlossherr von seinen Untertanen Steuern erheben und die niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Der Ort war bis ins 19. Jahrhundert ein einfaches Fischerdorf, in dem es ab dem 16. Jahrhundert immer wieder Auseinandersetzungen um die Fischrechte zwischen Hoffischern und der Herrschaft der Hofmark Tutzing gab.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Hofmark Tutzing von schwedischen und kaiserlich-spanischen Truppen schwer heimgesucht. Zwischen 1632 und 1634 brannten Schloss, Pfarrkirche, Brauerei, Hoftaverne und einige Anwesen ab. Kaum hatte sich die Bevölkerung von dem Schrecken des Krieges erholt, traten auch schon die ersten Fälle von Pest auf. Die Krankheit wütete in der gesamten Hofmark.
1650 wurde die Hofmark von Hans Albrecht Viehbeck von und zu Haimbhausen ersteigert. Seine Tochter heiratete den Reichsfreiherrn Maximilian Ernst von Götzengrien. Er ließ am Seeufer ein Schloss mit Barockfassade bauen. Der Park wurde im französischen Stil angelegt und mit Fontänen sowie Vasen ausgestattet.
Von 1731 bis 1869 gehörte Tutzing den Viereggs, einer aus Mecklenburg stammenden Grafenfamilie. Insbesondere Graf Friedrich von Vieregg verdankt das Tutzinger Schloss eine großzügige Umgestaltung, die in den Jahren 1802 bis 1816 erfolgte. 1866 wurde die Eisenbahn München – Starnberg nach Tutzing verlängert. Danach ging das Schloss durch mehrere Hände.(Hallberg, Landberg, Stadt Stuttgart, Schön von Wildenegg.) Erst der Besitzer (von 1921 bis 1930) Marzell von Nemes, Edler von Janoshalma, königlicher Rat und Kunstmaler, hat das Schloss einer architektonischen Umgestaltung und einer gründlichen Rennovation unterzogen, sodass es vom architektonischen, künstlerischen und kunsthistorischen Standpunkte aus als eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bezeichnet werden kann. Marzell von Nemes war auch ein großzügiger Gönner Tutzings. Seine Reithalle wurde dem Sportverein Tutzing (jetzige Turnhalle) geschenkt, gespendet wurde der prächtige Hochaltar in der Kirche St. Josef und der Johannishügel wurde durch Baron von Nemes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Von 1936 bis 1940 war der Industrielle und Reichstagsabgeordnete des Zentrums Albert Hackelsberger Schloßbesitzer. Im September 1938 wurde er von der Gestapo am Schloss abgeholt und in Einzelhaft verbracht. Den Prozess vor dem Volksgerichtshof 1940 erlebte Hackelsberger nicht mehr - er verstarb noch während der Haftzeit. Angeklagt wurde er wegen Hochverrats und "Devisenvergehen" - damals gängige Anklage gegen unliebsame Männer der katholischen Kirche, die nicht in wenigen Fällen zum Todesurteil führten. Seine Frau geborene Weck ("Weck-Gläser") verkaufte im Jahr 1940 das Schloss an Ida Kaselowsky, deren Mann Richard Kaselowsky Mitbegründer der Firma Oetker in Bielefeld war. In erster Ehe war Ida Kaselowsky mit Rudolf Oetker verheiratet, der im Ersten Weltkrieg 1916 in der Schlacht um Verdun gefallen war. Von 1947 bis 1949 war die evangelische Landeskirche mit ihrer evangelischen Akademie Mieter bei Rudolf August Oetker, dem Erben Kaselowskys. Für 350.000 Mark erstand die evangelische Kirche im Frühjahr 1949 das Tutzinger Schloss mit zwei Dritteln des Grundbesitzes, während der Maler Anton Leidl das Restgrundstück mit seiner Viola-Burg bekam.
An der Stirnseite eines Hauses in der Marienstraße - direkt am See - befindet sich die lateinische Inschrift: EXTRA BAVARIAM NULLA VITA ET - SI EST NON EST ITA. Die Übersetzung lautet etwa:
- Außerhalb Bayerns gibt es kein Leben, wenn ja dann kein solches. Vgl. Estinger Schloßkapelle.
Eingemeindungen [Bearbeiten]
Am 1. Januar 1978 wurden größere Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Traubing eingegliedert.[2]
Ortsteile [Bearbeiten]
- Diemendorf
- Kampberg
- Monatshausen
- Neuseeheim
- Oberzeismering
- Unterzeismering
- Rößlsberg
- Traubing
- Obertraubing
- Deixlfurt
Politik [Bearbeiten]
| Jahr | CSU | SPD | Grüne | FDP | FW | BfT | ÖDP | UWG | pf | gesamt | Wahlbeteiligung in % |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2008 | 7 | 3 | 1 | 1 | 3 | 1 | 2 | 1 | 1 | 20 | 66,7 |
| 2002 | 10 | 1 | 1 | 0 | 4 | 2 | 1 | 1 | 0 | 20 | 66,7 |
BfT = Bürger für Tutzing
UWG = Unabhängige Wählergemeinschaft Traubing
pf = parteifrei
Baudenkmäler [Bearbeiten]
→ Liste der Baudenkmäler in Tutzing
Tutzings ältestes Gebäude, das denkmalgeschützte Vetterlhaus, entstand im 17. Jahrhundert als Hirtenhäusl. Es hat ein gemauertes Erdgeschoss, sein Obergeschoss wurde in Blockbauweise erstellt. 1901 zog die sechsköpfige Familie Vetterl ein. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte die Gemeinde das Haus sozial Schwachen zur Verfügung. Das ehemalige „Hütlhaus" ist eines der letzten erhaltenen Überreste des alten Dorfes Tutzing und vermittelt einen guten Eindruck von der Bauweise der einfachen Bauern- und Fischeranwesen. Es verdeutlicht den Wandel vom bescheidenen, kleinbäuerlichen Dorf zum Villenort und zur Fremdenverkehrsgemeinde der späteren Jahre. Heute beherbergt das Vetterlhaus das Gäste- und Informationsbüro des Tutzinger Fördervereins für Tourismus.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft [Bearbeiten]
Nach der amtlichen Statistik gab es 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 32, im produzierenden Gewerbe 941 und im Bereich Handel und Verkehr 245 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1050 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2682. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sechs Betriebe, im Bauhauptgewerbe neun Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 43 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1086 ha, davon waren 151 ha Ackerfläche und 925 ha Dauergrünfläche.
Verkehr [Bearbeiten]
Der Bahnhof Tutzing liegt an der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen und ist angeschlossen an das S-Bahn-Netz des MVV, an den Regionalverkehr der Bahn in Richtung München und Innsbruck, sowie freitags, samstags und sonntags an ICE-Züge nach Innsbruck, Garmisch-Partenkirchen, Berlin, Hamburg und Dortmund.[3] Gleichzeitig zweigt hier die Kochelseebahn ab. In den Sommermonaten wird Tutzing durch die Bayerische Seenschifffahrt angefahren. Das Gesamtstraßennetz beträgt 66,8 km.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Gemeinde [Bearbeiten]
- Kurt Jung-Alsen (* 18. Juni 1915 in Tutzing; † 17. Dezember 1976 in Berlin), Film- und Fernsehregisseur, Schauspieler
- Markus (Simon) Metzger (* 26. Januar 1879 in Monatshausen; † 3. August 1949 im Gefängnis Oksadok, Nordkorea), Missionsbenediktiner, Märtyrer von Tokwon [4]
- Johann Schwarzhuber (29. August 1904, † 3. Mai 1947 in Hameln), SS Obersturmführer und Schutzhaftlagerführer im KZ Auschwitz-Birkenau
- Michael Schanze (* 15. Januar 1947), Schauspieler, Moderator und Entertainer
Persönlichkeiten mit Bezug zu Tutzing [Bearbeiten]
- Georg Ebers, Ägyptologe
- Jürgen Fliege, Pfarrer und Talkshowmoderator
- Georg von Habsburg, Erzherzog von Österreich, EU Botschafter in Ungarn
- Eduard von Hallberger, Verleger
- Ludwig Hoelscher, Cellist
- Marianne Koch, Schauspielerin und Ärztin
- Gitta Lind, Musikerin
- Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Politikerin (Abgeordnetenbüro in Tutzing, lebt in Feldafing)
- Erich Ludendorff, General und seine Frau Mathilde
- Peter Maffay, Musiker
- Leslie Mandoki, Musiker und Musikproduzent
- Christof Mauch, Historiker
- Elly Ney, Pianistin
- Hans-Jürgen Papier, bis März 2010 Präsident des Bundesverfassungsgerichts
- Waldemar von Preußen, in Tutzing gestorben und beerdigt
- Edgar von Schmidt-Pauli (Schriftsteller)
- Friedrich von Prittwitz und Gaffron, Diplomat
- Michael Roll, Synchronsprecher, Theater- und Fernsehschauspieler
- Jörg-Werner Schmidt, Installationskünstler und Maler
- Heide Schmidt-Lippe, Malerin
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung [Bearbeiten]
- Ilkahöhe
- Evangelische Akademie Tutzing
- Akademie für Politische Bildung
- Starnberger See
- Roseninsel
- Buchheim-Museum in (Bernried)
- Kloster Bernried
- Kloster Andechs
- Ammersee
- Museumsschiff Tutzing
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 591.
- ↑ Tutzing wird erstmalig ICE-Halt (PDF; 113 kB). Informationsblatt der Fahrgastinitiative ProBahn.
- ↑ Die Märtyrer von Tokwon, Bruder Markus (Simon) Metzger – (Missionsbenediktiner)
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Homepage der Gemeinde
- Tutzing: Wappengeschichte vom HdBG
- Tutzing: Amtliche Statistik des LStDV
