Susanne Albrecht

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Susanne Albrecht (* 1. März 1951 in Hamburg) war Ende der 1970er Jahre Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF) und an der Ermordung Jürgen Pontos beteiligt. 1980 tauchte sie in der DDR unter und wurde nach ihrer Enttarnung 1991 zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Als Freigängerin begann sie 1993 mit der Arbeit für eine Stadtteilschule und arbeitet seitdem unter anderem Namen als Lehrerin.

Leben[Bearbeiten]

Susanne Albrechts Vater Hans-Christian Albrecht war ein renommierter Rechtsanwalt in Hamburg. Nach dem Abitur im Mai 1971 am Landschulheim am Solling in Holzminden begann sie ein Studium der Pädagogik, Soziologie und Psychologie an der Universität Hamburg. In ihrer Studienzeit verkehrte sie in der Hamburger Hausbesetzerszene. Sie war zudem in den „Komitees gegen Folter“ aktiv, die als Teil der Sympathisantenszene der RAF galten.[1]

Am 30. Oktober 1974 beteiligte sie sich an der Besetzung des Büros von Amnesty International in Hamburg.[2] An derselben Aktion beteiligten sich auch Ralf Baptist Friedrich und Christian Klar. Wie andere Teilnehmer der Besetzung schloss sich auch Albrecht 1976 der RAF an. Sie hatte zuvor noch ihr erstes Staatsexamen für das Grund- und Realschullehramt abgelegt.[1]

Albrecht war maßgeblich an der Ermordung des Vorstandssprechers der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, am 30. Juli 1977 in Oberursel (bei Frankfurt am Main) beteiligt. Von ihren Eltern, einem mit den Pontos befreundeten Ehepaar, wurde Susanne Albrecht zu einem Besuch angemeldet. Ohne zu ahnen, wer die Gäste waren, ließ Jürgen Ponto mit Susanne Albrecht auch Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar in die Villa. Die RAF hatte eine Entführung Pontos geplant. Im Zuge der geplanten Entführung schossen jedoch Klar und Mohnhaupt auf Ponto, der seinen Verletzungen später erlag.[3][4]

1978/1979 hielt sich Albrecht in einem palästinensischen Ausbildungslager im Jemen auf.

Am 25. Juni 1979 verübte sie, zusammen mit Werner Lotze und Rolf Clemens Wagner, im belgischen Obourg einen Sprengstoffanschlag auf den Wagen des damaligen NATO-Oberbefehlshabers General Alexander Haig, den dieser unverletzt überstand.

Das Haus, in dem Albrecht in Cottbus lebte.

1980 verließ Albrecht mit anderen RAF-Aussteigern die Bundesrepublik via Prag und ging in die DDR, wo sie von der Staatssicherheit unter falschem Namen (Ingrid Jäger) mit einem fiktiven Lebenslauf in Cottbus angesiedelt wurde. Hier arbeitete sie an der Ingenieurhochschule als Englischübersetzerin. Sie heiratete einen Wissenschaftler, der später angab, nichts von ihrer Vergangenheit gewusst zu haben. Sie hatte ein Kind und arbeitete als Chemielaborantin. In ihrem neuen Wohnort Köthen (Anhalt) flog ihre Tarnung auf, nachdem das ZDF 1986 über die im Westen gesuchte Terroristin berichtet hatte. DDR-Bürger erkannten sie wieder, und die Staatssicherheit siedelte sie nach Berlin um. Da sie für die DDR immer mehr zu einem „ständigen und hohen Sicherheitsrisiko“ wurde, ging sie mit ihrem Mann nach Dubna in der Nähe von Moskau.[5]

Am 7. Juni 1990 wurde Susanne Albrecht in Berlin-Marzahn von der Volkspolizei verhaftet. Im nachfolgenden Strafprozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart in Stuttgart-Stammheim legte sie ein umfassendes Geständnis ab. Am 3. Juni 1991 wurde sie u.a. wegen der Beteiligung am Mord an Jürgen Ponto zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, obwohl die Staatsanwaltschaft zuletzt nur noch von „versuchter Entführung mit Todesfolge“ gesprochen hatte.[6] 1992 wurde ihr Strafvollzug nach Bremen verlegt, 1996 wurde sie auf Bewährung aus der Haft entlassen. Als Freigängerin begann sie 1993 mit der Arbeit für eine Stadtteilschule und arbeitet seitdem unter anderem Namen als Deutschlehrerin für Migrantenkinder für einen freien Träger der Stadt Bremen.[7] Dies wurde im Mai 2007 von der CDU zum Thema des Landtagswahlkampfes in Bremen gemacht.[8][9] Nachdem die Bremer CDU die Anstellung Albrechts als „untragbar“ bezeichnete, sprach sich der Elternbeirat der Grundschule in einer schriftlichen Erklärung für ihre Lehrtätigkeit aus.[10][11]

Im Jahr 2011 veröffentlichten Julia Albrecht, Schwester von Susanne, und Corinna Ponto, Tochter von Jürgen Ponto, unter dem Titel Patentöchter ein gemeinsames Buch, das sich mit dem Trauma der Familien Albrecht und Ponto durch die Ermordung von Ponto und die Beteiligung von Susanne Albrecht beschäftigt.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Julia Albrecht und Corinna Ponto: Patentöchter: Im Schatten der RAF – ein Dialog. Kiepenheuer & Witsch, 2011, ISBN 978-3462042771.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff: Aufstieg und Fall der zweiten RAF-Generation. In: Die Welt, 12. Februar 2007
  2. Kurzbiografie Susanne Albrecht auf rafinfo.de
  3.  Für jeden eine Nummer. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1990, S. 103–105 (Interview mit Peter-Jürgen Boock, online).
  4. FOCUS, 30. Juli 2007
  5. Michael Sontheimer: Natürlich kann geschossen werden, DVA, 2010, S. 115 f., online bei Google Books
  6. Maximilian Schönherr: 03.06.1991: Urteil in Stammheim - 12 Jahre für Susanne Albrecht, SWR2 Archivradio, 9. August 2012
  7. Björn Hengst: Eine Frau, die durch die Hölle gegangen ist. In: Spiegel Online, 3. Mai 2007 (Interview mit Henning Scherf)
  8. Johannes Feest: Wahlkampf und Wiedereingliederung – Zum Fall Susanne Albrecht, Strafvollzugsarchiv e. V. an der Universität Bremen, 4. Mai 2007
  9. Ralf Wiegand: Streit über Ex-Terroristin Albrecht, Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2010
  10. Bremer Elternbeirat: Ex-RAF-Terroristin soll Lehrerin bleiben, Sueddeutsche Zeitung, 11. Mai 2010
  11. Eltern setzen sich für Ex-RAF-Terroristin ein (Version vom 24. Februar 2011 im Internet Archive), netzeitung.de, 9. Mai 2007
  12. Zu diesem Buch nahm Stefan Ponto, der Sohn von Jürgen Ponto, in einem Spiegel-Interview sehr kritisch Stellung. Er nennt es ein „unerträgliches Buch“. (Die wahre Tragödie meines Lebens, In: Der Spiegel 25 / 16. Juni 2014, S. 118-121)