Sven Giegold

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Sven Giegold 2010

Sven Giegold (* 17. November 1969 in Las Palmas de Gran Canaria, Spanien) ist ein deutscher Globalisierungskritiker und Politiker (Bündnis 90/Die Grünen).

Giegold ist Mitbegründer von Attac-Deutschland und war beim Aufbau wie auch bei der europäischen Koordination des Netzwerkes einer der prägenden Aktivisten. Von 2001 bis 2007 war er mit kurzer Unterbrechung Mitglied im bundesweiten Attac-Koordinierungskreis, bis 2008 zusätzlich auch im Attac-Rat. Er ist Mitbegründer des Tax Justice Network, in dessen Vorstand er ab 2005 einige Jahre tätig war.

Im September 2008 wurde er Mitglied der Grünen. Seit Juni 2009 ist er Abgeordneter im Europäischen Parlament. Dort ist er Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung sowie in der Delegation für die Beziehungen zu den Ländern der Andengemeinschaft und in der Delegation in der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika. Am 8. Februar 2014 wurde er auf Listenplatz 2 der Europaliste gewählt worden und wurde damit als männlicher Spitzenkandidat für Bündnis 90/Die Grünen zur Europawahl 2014 wieder gewählt.

Stellvertretendes Mitglied ist Giegold im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten und in der Delegation für die Beziehungen zu den Ländern des Mercosur.[1]

Leben[Bearbeiten]

Sven Giegold wuchs mit seiner Mutter, einer Fotolaborantin, und ihrem Partner, einem Schlosser, in Hannover auf.[2] Dort besuchte er die Herschelschule, an der er auch das Abitur ablegte.[3] Er studierte von 1991 bis 1996 Wirtschaftswissenschaften, Politik und Erwachsenenbildung in Lüneburg, Bremen und Birmingham. 1996 schloss er ab mit dem Abschluss Master in Wirtschaftsentwicklung und -politik in Birmingham. Es folgte ab 1999 ein Studium an der Universität in Bremen zu verschiedenen Aspekten der Globalisierung, insbesondere internationaler Makroökonomie.[4]

Politische Entwicklung[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Sven Giegold engagierte sich als Schüler in der Ökologiebewegung. Er war Mitglied des Landesvorstandes der BUNDjugend in Niedersachsen und langjähriger Aktiver beim Jugendumweltnetzwerk sowie am Aufbau des ökologischen Zentrums in Verden mit 40 Arbeitsplätzen und der Ökologischen Wohnungsgenossenschaft „AllerWohnen eG“ beteiligt, wo er weiterhin wohnt.[5]

Attac (2000–2008)[Bearbeiten]

Als 2000 Attac Deutschland gegründet wurde, gehörte er zu den etwa 200 Gründungsmitgliedern. Er war Mitgründer von Share e.V., dem Verein in Verden/Aller, der bis zur Gründung des Attac-Trägervereins Ende 2004 für die Attac-Finanzen zuständig war.[6] Von 2001 bis Ende 2002 betreute er gemeinsam mit anderen das ehrenamtliche Verdener Attac-Büro. Von 2001 bis 2004 und nach einjähriger Unterbrechung wieder von Oktober 2005 bis November 2007 war Sven Giegold im Attac-Koordinierungskreis, zuerst als einer von mehreren Vertretern des ersten Attac-Büros in Verden, seit 2003 als Vertreter der BUND-Mitgliedsorganisation. Bis Oktober 2008 vertrat er weiterhin den BUND im Attac-Rat. Er war ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzmärkte und Steuerflucht von Attac Deutschland. 2002 war er Mitbegründer der europäischen Attac-Koordination der nationalen Attacs. Hierbei hielt er insbesondere den Kontakt zu Attac Frankreich.[7] Des Weiteren brachte er sich in die Initiierung und Koordination mehrerer großer Kongresse (McPlanet.com 2002, Gesteuerte Demokratie 2004, Solidarische Ökonomie 2006, Kapitalismuskongress 2009) ein. 2006 arbeitete er an den „10 Prinzipien für einen demokratischen EU-Vertrag“ mit. Im Jahr 2006 initiierte er das Projekt Europäische Attac-Sommeruniversität,[8] die im August 2008 in Saarbrücken stattfand. Häufig wurde er als (ein) Sprecher von Attac in deutsche Fernsehsendungen eingeladen.[9]

Giegold wurde von September 2002 bis zu seinem Parteieintritt im September 2008 durch die Bewegungsstiftung als Bewegungsarbeiter unterstützt.[10] Ab Januar 2005 war er jahrelang im internationalen Vorstand des Tax Justice Network (TJN), das er 2003 mitbegründete.[4]

Weiteres außerparlamentarisches Engagement (seit 2004)[Bearbeiten]

Seit 2004 ist er im Beraterkreis von Campact. Außerdem wurde er 2007 für sechs Jahre in die Präsidialversammlung des Evangelischen Kirchentags gewählt. Dort wirkt er in der Projektleitung für den Ökumenischen Kirchentag 2010 mit und initiierte das Netzwerk „Ökumenischer Kirchentag“.

Giegold ist einer der Begründer des Institut Solidarische Moderne ISM[11] und einer der Sprecher des Vorstands.

Bündnis 90/Die Grünen (seit 2008)[Bearbeiten]

Giegold bei der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen NRW in Hagen, März 2009

2008 wurde Giegold durch die NRW-Grünen als Kandidat für das Europäische Parlament ins Gespräch gebracht. Im September trat Giegold der Partei bei.[12] Gleichzeitig beendete er sein Engagement bei Attac, „um die parteipolitische Neutralität von Attac nicht zu gefährden.“[13] Innerhalb von Bündnis 90 / Die Grünen engagierte er sich neben Claudia Roth als Co-Vorsitzende der Demokratiekommission [14] und arbeitete u.a. zum Themen Soziale und Solidarische Ökonomie. Giegold schrieb seitdem an allen Beschlüssen und Programmen der Bündnisgrünen zur Eurokrise mit.

2008 wurde er als Wirtschaftsexperte der Grünen von vielen Medien zur Wirtschafts- und Finanzkrise befragt und in etliche TV-Sendungen eingeladen. Auf dem Bundesparteitag der Grünen im November 2008 war er maßgeblich an der Ausarbeitung des Antrags „Green New Deal“ zur Finanzkrise beteiligt, welcher auf dem Parteitag der Grünen Januar 2009 verabschiedet wurde.[15] Er besteht aus 3 Teilen: einem sozial-ökologischen Investitionsprogramm, einem Programm zur Regulierung der Finanzmärkte und einem Programm zum Ausgleich zwischen armen und reichen Ländern. Auf dem Europa-Parteitag der Grünen im Januar 2009 in Dortmund wurde Giegold auf Platz 4 der grünen Europaliste gewählt.[16] Bei der Europawahl am 7. Juni 2009 erreichten die Grünen 14 Sitze im Parlament, sodass Giegold ins Parlament einzog, wo er der Fraktion Grüne/Efa angehört.

Als Abgeordneter ist er Koordinator der Grünen/EFA-Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON) sowie stellv. Mitglied im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (EMPL). Zudem war er Mitglied im temporären Sonderausschuss zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise (CRIS). [17] Giegold gehört der Intergroup Social Economy an.

Giegold war auf Vorschlag der Grünen Nordrhein-Westfalen Mitglied der 14. Bundesversammlung, die am 30. Juni 2010 den Bundespräsidenten wählte.

Am 16. Juni 2012 wurde Sven Giegold in den Landesvorstand der Grünen Nordrhein-Westfalen gewählt.

Bibliografie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sven Giegold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Europäischen Parlaments
  2. Alexander Marguier: Der Weltverbesserer In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 24. Mai 2009, S. 51
  3. 50 Jahre Herschelschule - Besuch bei meiner alten Schule. 3. November 2010, abgerufen am 12. Februar 2012.
  4. a b Taz: Biografie über Sven Giegold beim tazkongress
  5. Homepage von Sven Giegold - Kurze (politische) Biographie
  6. Attac Deutschland: Was ist der attac-Trägerverein e.V. ?
  7. Arbeitsgruppen des Attac-Rats - hier: AG Internationales
  8. Europäische Sommeruniversität - European Summer University: Aufruf mit europäischer Vorbereitungsgruppe
  9. „Konfrontation an der Ostsee - Vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm“, Phoenix, 24. Mai 2007, mit Video der Diskussion
  10. „Attac-Gründer wird Grüner“, taz-Interview vom 26. August 2008
  11. Gründungsmitglieder des ISM
  12. „Sven Giegold seit heute bei den Grünen“, Grüne NRW
  13. Sven Giegold über seine derzeitigen Projekte, hier: zu Attac auf bewegungswerkstatt.org, abgerufen am 7. Juni 2009: „Mein Engagement in den Gremien habe ich mit dem Parteieintritt beendet, um die parteipolitische Neutralität von Attac nicht zu gefährden. Das ändert aber natürlich nichts an meiner Mitgliedschaft und Verwurzelung in der Globalisierungsbewegung und Attac.“
  14. Grüne Demokratieoffensive
  15. Die Grünen setzen auf den „Green New Deal“, NRZ, 26. Januar 2009
  16. Handelsblatt: Sven Giegold: Grün hinter den Ohren vom 1. Juni 2009
  17. Verzeichnis der Ausschüsse des Europäischen Parlaments