Tadeusz Rydzyk

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Tadeusz Rydzyk (* 3. Mai 1945 in Olkusz) ist ein polnischer Redemptoristen-Pater und Medienunternehmer. Er gründete und leitet den national-katholischen Rundfunksender Radio Maryja.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Pater Rydzyk studierte am Höheren Priesterseminar der Redemptoristen in Tuchów bei Tarnów, es folgte ein Aufbaustudium der biblischen Theologie an der Akademia Teologii Katolickiej in Warschau. 1971 legte er sein Ordensgelübde ab und wurde zum Priester geweiht. Anschließend arbeitete er als Katechet in Thorn, Szczecinek und Krakau. In Krakau war er auch als Hochschulseelsorger tätig. Von 1986 bis 1991 lebte er in verschiedenen Klöstern in Deutschland.

Radio Maryja[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr nach Polen gründete er 1991 den Rundfunksender „Radio Maryja“. Der große Erfolg bewog ihn in den folgenden Jahren zur Gründung weiterer Unternehmungen, u. a. der „Hochschule für Sozial- und Medienkultur“ (Wyższa Szkoła Kultury Społecznej i Medialnej) in Toruń/Thorn, [1] [2] [3] deren Rektor er ist, des katholischen Fernsehsenders „TV Trwam“ und der Tageszeitung „Nasz Dziennik“.

Die von Pater Rydzyk gegründeten Unternehmen befassen sich inhaltlich in erster Linie mit der Lehre der katholischen Kirche sowie gesellschaftspolitischen Themen. Offizielles Ziel ist dabei die Evangelisierung. Kritiker werfen ihm vor, er propagiere Nationalismus sowie „traditionellen“ Katholizismus und stelle die Lehre der katholischen Kirche verzerrt dar. Auch aufgrund von antisemitischen Aussagen und politischer Meinungsmache stehen sie in der Kritik. Befürworter und Freunde von Radio Maryja und TV Trwam schätzen dagegen Pater Rydzyk als charismatische Persönlichkeit, der die Eintönigkeit der Medien aufbreche und gegen den moralischen Verfall sowie für katholische Werte kämpfe. Sein Einfluss auf die politische Szene wird als immens angesehen.

Der Vatikan hat während des Pontifikats Johannes Pauls II. Distanz zu Rydzyk gehalten, der polnische Papst hat ihm keine Audienz gewährt.[4] Die Kurie in Rom legte ihm vorübergehend ein Schweigegebot auf, als er seine Anhänger gegen den Beitritt Polens zur Europäischen Union mobilisieren wollte.[5] Der langjährige Primas der katholischen Kirche Polens, Kardinal Józef Glemp[6] sowie der Krakauer Erzbischof Stanisław Dziwisz, der frühere Privatsekretär Johannes Pauls. II., stellten sich offen gegen Rydzyk, konnten sich mit dieser Linie aber nicht durchsetzen.[7]

Im Präsidentschaftswahlkampf 2005 dürfte sein Plädoyer für Lech Kaczyński mit ausschlaggebend für dessen Wahlerfolg gewesen sein.[8] Ursprünglich stand er der Partei Liga Polskich Rodzin nahe, unterstützte dann jedoch eher die Zwillingsbrüder Jarosław und Lech Kaczyński und deren Partei PiS, besonders im Wahlkampf zu den Parlamentswahlen 2007. Aufgrund seiner Positionen kam es zu Konflikten mit einigen polnischen Bischöfen, die in der Haltung zu den Rydzyk-Medien jedoch keine einheitliche Linie vertreten. Darüber hinaus untersteht der Radiosender Radio Maryja nicht dem polnischen Episkopat, sondern der Warschauer Provinz des Redemptoristen-Ordens. Einige werfen ihm vor, dass auch bestimmte Fragen der Finanzierung seines sog. „Imperiums“ bis zum heutigen Tage ungeklärt seien. Konkrete Beweise für Rechtsverstöße konnten bisher jedoch nicht erbracht werden.

Anfang Juli 2007 ließ der Pater durch eine verbale Entgleisung während einer Vorlesung an der Hochschule für Sozial- und Medienkultur aufhorchen: Er warf Präsident Kaczyński »Ergebenheit gegenüber dem Judentum« vor und bezeichnete dessen Frau buchstäblich als »Hexe«, die man der Euthanasie zuführen sollte.[9] Diese Äußerungen wurden durch einen (von einem Studenten erstellten) Mitschnitt in der Öffentlichkeit bekannt und lösten massive Kontroversen aus.

Ende Juli 2007 wurde bekannt, dass Israel von der polnischen Regierung und der katholischen Kirche in Polen mit großem Nachdruck die Untersuchung erst jetzt bekannt gewordener Äußerungen Rydzyks aus dem Frühjahr 2007 fordert, in denen er Juden als habgierig bezeichnet und erklärt haben soll, der polnische Staatspräsident Lech Kaczyński sei den Juden unterwürfig und dienstbar. Der israelische Botschafter in Polen, David Peleg, nannte dies "einen der schlimmsten antisemitischen Ausfälle seit Jahrzehnten".[10] Am 10. Juli 2007 forderte das Simon Wiesenthal Zentrum von Papst Benedikt XVI., dass Tadeusz Rydzyk wegen seiner antisemitischen Äußerungen von seinen Funktionen entbunden wird.[11] Doch wenig später kam es erstmals zu einer Begegnung Rydzyks mit Papst Benedikt XVI.[12]

Nach Mitteilung der polnischen Staatsanwaltschaft vom 21. August 2007 werden die wegen der o. g. Vorwürfe gegen Rydzyk aufgenommenen Ermittlungen wegen »Beleidigung des Staatsoberhauptes und der jüdischen Nation« eingestellt.[13]

Aufsehen erregte ein weiterer rassistisches Sager 2009, als er einen aus der westafrikanischen Republik Togo stammenden Franziskaner im Juli bei einer Pilgermesse in Tschenstochau mit den Worten begrüßte: «Noch ein Schwarzer. Oh Gott, der hat sich noch nie gewaschen». Die Bemerkung fiel vor mehr als 100.000 Gläubigen und wurde von Radio Maryja und Rydzyks Fernsehsender TV Trwam übertragen. Der togolesische Ordensmann besitzt die polnische Staatsbürgerschaft und lebt seit 15 Jahren in Polen. Später stellte Rydzyk den Spruch als Scherz dar und entschuldigte sich dafür[14].

Eine weitere antisemitische Entgleisung hatte im Juni 2011 eine offizielle Beschwerde des polnischen Außenministeriums beim Heiligen Stuhl zur Folge. Rydzyk hatte Polen als "totalitären Staat" bezeichnet, und behauptet, es sei "seit 1939 nicht mehr von Polen regiert" worden. Dies wurde weithin als Anspielung auf eine vermeintliche jüdische Verschwörung gedeutet. [15]

Medienberichten von Ende September 2007 zufolge wird Rydzyk von ihm für seine „Hochschule für Gesellschafts- und Medienkultur“ in Toruń bei der EU beantragte Fördergelder in Höhe von 15 Millionen Euro voraussichtlich nicht erhalten.[16] Polens Premierminister Donald Tusk kündigte 2011 an, Rydzyks "unverdiente Privilegien" zu streichen[15].

Nachweise[Bearbeiten]

  1. http://eu.thenews.pl/3/25/Artykul/118498,%E2%80%9ERadio-Maryja%E2%80%9C-einflussreicher-als-der-Ministerpr%C3%A4sident-
  2. http://www.medientage.org/a119,radio_maryja.html
  3. http://derstandard.at/3292896
  4. Süddeutsche Zeitung, 10. August 1998, S. 4. [1]
  5. Ein Volk bekennt sich zu Europa. Süddeutsche Zeitung, 10. Juni 2003, S. 8.
  6. Kardinal Glemp gegen 'Radio Maryja'-Chef. kath.net, 1. Juni 2010
  7. Regierungswechsel in Warschau – Die wichtigsten polnischen Politiker. Süddeutsche Zeitung online, 22. Oktober 2007
  8. Es wird eng für Pater Rydzyk.
  9. „Die Graue Eminenz: Wie das erzkatholische Medienimperium des polnischen Redemptoristen „Vater Rydzyk“ Politik macht“, Telepolis, 8. August 2007
  10. „Hetze eines Geistlichen: Israel verlangt von Polen Einschreiten gegen antisemitische Äußerungen“, Spiegel Online, 30. Juli 2007
  11. „Wiesenthal Center Calls On Pope Benedict XVI To Dismiss Polish Priest For His Outrageous Antisemitic Remarks“
  12. Papst Benedikt schockt Juden, in: Focus online, 9. August 2007 [2]
  13. „Polens Königsmacher“, junge Welt, 23. August 2007
  14. Radio-Maryja-Chef entschuldigt sich für Rassismus. Artikel auf derstandard.at vom 24. August 2009. Abgerufen am 10. Jänner 2014.
  15. a b Poland complains to Vatican over priest's anti-semitic remarks.
  16. „Streit um EU-Gelder für rechtsradikalen Pater“, Spiegel Online, 25. September 2007

Weblinks[Bearbeiten]