Unter Geheimbefehl

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Filmdaten
Deutscher Titel Unter Geheimbefehl
Originaltitel Panic in the Streets
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1950
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Elia Kazan
Drehbuch Richard Murphy
Musik Alfred Newman
Kamera Joseph MacDonald
Schnitt Harmon Jones
Besetzung

Unter Geheimbefehl ist ein US-amerikanischer Thriller des Regisseurs Elia Kazan aus dem Jahr 1950, nach einer Erzählung von Edna Anhalt und Edward Anhalt.

Handlung[Bearbeiten]

Nach der Schlägerei wegen eines Kartenspiels wird Kochak in New Orleans vom Gangster Blackie und seinen zwei Kumpanen getötet. Einer der Kumpanen ist Kochaks Cousin Poldi, der andere nennt sich Fitch. Der Leichnam wird bei den Docks der Stadt gefunden und zum Leichenbeschauer gebracht. Der Leichenbeschauer wundert sich, dass der Tote keine Papiere bei sich hat. Außerdem findet er bei ihm ein Virus im Blut. Er alarmiert Dr. Reed, der für den US-Gesundheitsdienst arbeitet. Obwohl Reed frei hat, untersucht er die Leiche. Er diagnostiziert Lungenpest. Jeder, der mit der Leiche in Berührung kommt, kann infiziert sein. Die Identität des Toten muss ebenso festgestellt werden, wie es herauszufinden gilt, mit wem er in den letzten fünf Tagen Kontakt hatte. Reed konferiert mit Leuten von der Stadtverwaltung, der Polizei und anderen Behörden. Aber alle haben Zweifel, ob der Aufwand berechtigt ist. Reed kann sie überzeugen, dass nur noch 48 Stunden zur Verfügung stehen, um New Orleans vor der Lungenpest zu retten. Um eine Massenpanik zu verhindern, soll die Presse nicht informiert werden.

Polizeichef Warren und seine Leute beginnen, slawische Einwanderer zu befragen, da Reed der Meinung ist, der Tote sei Armenier, Tscheche oder Ähnliches. Während Reed glaubt, dass Warren die ganze Sache nicht ernst genug nehme, ist Warren der Ansicht, dass sich Reed einfach nur profilieren wolle. Der wütende Reed glaubt, dass der Tote illegal ins Land gekommen sei und verteilt Kopien des Bildes des Toten bei der National Maritime Union. Eine junge Frau führt daraufhin Reed zu ihrem Freund, der Kochak an Land gebracht hat, von einem Schiff der „Nile Queen“.

Fitch, der auch von Warren verhört wurde, geht zu Blackie und warnt ihn. Blackie erklärt sich das Polizeiinteresse damit, dass Poldi eine große Schmuggelsendung für Kochak erwartet. Warren ist mittlerweile von Reeds Integrität überzeugt und befragt zusammen mit ihm die Mannschaft der Nile Queen. Nachdem ein kranker Koch gefunden wird, darf Reed die Mannschaft impfen. Sie finden heraus, dass Kochak in Oran (Algerien) aufs Schiff gekommen ist und auf Shish-Kebab versessen war. Warren und Reed untersuchen die griechischen Restaurants, ein Besitzer sagt, Kochak nie gesehen zu haben. Kurze Zeit später werden Reed und Warren zu der Wohnung des Restaurantbetreibers gerufen. Rita, seine Frau, ist an der Lungenpest gestorben ist. Ein Reporter will die Geschichte veröffentlichen. Zu Reeds Überraschung wirft Warren den Reporter kurzerhand ins Gefängnis. Als Reed erschöpft nach Hause kommt, teilt ihm seine Frau mit, sie sei schwanger. Ein paar Stunden später bekommen Reed und Warren den Ärger des Bürgermeisters zu spüren, der mit der Verhaftung des Reporters nicht einverstanden ist. Der Reporter kündigt an, dass seine Geschichte in vier Stunden in der Morgenzeitung erscheinen wird.

In der Zwischenzeit versucht Blackie von Poldi Informationen über das Schmuggelgut zu bekommen. Poldi ist schwer erkrankt und liegt schon im Delirium. Blackie holt seinen Arzt um Poldi zu helfen. Reed und Warren bekommen einen Tipp von einer Schwester und erreichen das Haus, gerade als Blackie und Fitch den kranken Poldi die Treppe heruntertragen. Die beiden lassen Poldi fallen und fliehen. An den Docks versucht Reed den Flüchtigen zu erklären warum sie gejagt werden. Doch die Männer fliehen weiter. Blackie versucht auf ein Schiff zu gelangen, fällt aber erschöpft ins Hafenbecken. Am Ende zeigt Warren Reed ein paar Flaschen Parfüm aus dem Schmuggelgut. Im Radio wird das Ende der Krise verkündet.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • In Österreich wurde der Film unter dem Titel Das Schiff der Verdammten aufgeführt.
  • Jack Palance lieferte hier sein Spielfilmdebüt ab - im Vorspann als Walter Jack Palance.
  • Kazan gönnte sich einen Cameo-Auftritt: Assistent des Leichenbeschauers.
  • Ein inoffizielles Remake erschien 1972 im amerikanischen Fernsehen mit dem Titel Killer By Night (In Deutschland unter dem Titel Der unsichtbare Mörder ausgestrahlt). Unter der Regie von Bernard McEveety ging es hier allerdings um eine drohende Diphtherie-Epidemie.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Das Lexikon des Internationalen Films schreibt: Fieberhaft suchen Polizeibeamte und ein Arzt nach den Mördern eines Mannes, der die Lungenpest hatte. Wenn die Täter und mögliche Kontaktpersonen nicht innerhalb von zwei Tagen gefaßt werden, ist eine Seuchenkatastrophe unausweichlich. Ein dokumentarisch eingefärbter Thriller, mit sicherem Gespür für Milieu und Atmosphäre im Hafenviertel von New Orleans in Szene gesetzt. Trotz einiger Unwahrscheinlichkeiten und Zugeständnisse ans Genre bemerkenswert: nüchtern, spannend, hervorragend gespielt. („Inoffizielles“ Remake: „Der unsichtbare Mörder“)[1]
  • Der Kölner Stadtanzeiger dazu: „Ein Jahr vor seinem erfolgreichen Film „Endstation Sehnsucht“ inszenierte Elia Kazan diesen hervorragend besetzten Thriller um die Bedrohung einer Stadt durch ein Virus. In nüchternen Schwarzweiß-Bildern im Hafenviertel von New Orleans abgedreht, überzeugen besonders Richard Widmark: Dr. Reed und Paul Douglas: Hauptmann Warren.“[2]
  • Auch die Zeitschrift Filmstudio war des Lobes voll. Der Autor spricht von einem Film, „der sich in unserer Reihe reisserischer Spitzenfilme: Dokumentar-Reisser präsentiert. ‚Unter Geheimbefehl‘ ist ein sorgsam ausgefeilter Kriminalfilm mit einer neuen Idee, die ihn von den üblichen Mordfilmen wohltuend abweichen lässt. Elia Kazan hat die einzigartige Gabe, dramatische Situationen mit kleinen Details zu unterstreichen, eine Methode, die er auch in diesem Film mit Brillanz anwendet. Seine Kamera bewegt sich in der ungesunden Atmosphäre der Unterwelt von New Orleans und zeigt das Milieu so kalt, und so wahrheitsgetreu, dass man in atemlose Spannung gerät. Ein grossartiger Film mit einer gekonnten Regie.“[3]
  • Der Evangelische Film-Beobachter zog folgendes Fazit: „Bemerkenswert an dem Werk eines der bekanntesten amerikanischen Regisseure ist die rasante Wiedergabe des Geschehens. Die in dem Stoff liegenden menschlichen Zwischentöne kommen jedoch zu kurz.“[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unter Geheimbefehl im Lexikon des Internationalen Films
  2. prisma-online.de
  3. Filmheft, Heft 13, März-April 1955
  4. Ev. Presseverband München, Kritik Nr. 118/1951