Unterbözberg

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Unterbözberg
Wappen von Unterbözberg
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
Gemeinde: Bözbergi2w1
Postleitzahl: 5224
Koordinaten: 654077 / 25945247.4836088.156115507Koordinaten: 47° 29′ 1″ N, 8° 9′ 22″ O; CH1903: 654077 / 259452
Höhe: 507 m ü. M.
Fläche: 6.11 km²
Einwohnerdichte: Expression-Fehler: Unerwarteter Operator <p Einw. pro km²
Ausländeranteil: 8,5 % (31. Dezember 2013)[1]
Website: www.unterboezberg.ch
Karte
Unterbözberg (Schweiz)
Unterbözberg
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2013

Unterbözberg (schweizerdeutsch: ˈʊn.dər.bœts.bɛrg) war bis Ende 2012 eine selbständige Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg des Schweizer Kantons Aargau. Sie fusionierte am 1. Januar 2013 zur neuen Gemeinde Bözberg.

Geographie[Bearbeiten]

Die ehemalige Gemeinde, rund vier Kilometer westlich des Bezirkshauptorts am Bözbergpass gelegen, besass kein eigentliches Zentrum, sondern umfasste verschiedene Weiler auf einer leicht geneigten Hochebene. Unmittelbar an der Bözberg-Passstrasse liegen Neustalden (569 m ü. M.) und Vierlinden (514 m ü. M.). Maximal einen halben Kilometer nördlich davon liegen Altstalden (583 m ü. M.), Birch (557 m ü. M.), Ursprung (507 m ü. M.) und Hafen (485 m ü. M.) (jeweils von West nach Ost gesehen). Rund eineinhalb Kilometer nördlich der Passstrasse und jenseits des Reinerbachs liegen Egenwil (565 m ü. M.) und Kirchbözberg (479 m ü. M.). Die Infrastruktureinrichtungen wie Post, Gemeindeverwaltung und Schule sind im Weiler Ursprung konzentriert, das sich ungefähr in der Mitte des ehemaligen Gemeindegebietes befindet. Neu-Stalden liegt direkt auf der Passhöhe.[2]

Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets betrug 611 Hektaren, davon sind 232 Hektaren mit Wald bedeckt und 59 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt lag auf dem Homberg nordwestlich von Egenwil auf 608 Metern, der tiefste auf 420 Metern an der Passstrasse bei Hafen. Nachbargemeinden waren Oberbözberg im Norden, Riniken im Osten, Brugg im Südosten, Villnachern im Süden, Gallenkirch und Linn im Südosten sowie Effingen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Museum Kirchbözberg

Bereits zur Zeit der Römer wurde der Bözberg als Passübergang zwischen Augusta Raurica und Vindonissa benutzt. Die Römerstrasse verlief damals etwas weiter nördlich als heute, von Effingen über Oberbözberg nach Stilli, wo sie auf die Strasse nach Vindonissa (Windisch) traf. Im 5. oder 6. Jahrhundert liessen sich die Alamannen nieder und gründeten mehrere Streusiedlungen. Im Jahr 1189 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Bozeberch, als Papst Clemens III. Eigentum des Klosters Muri bestätigte. Der Ortsname stammt vom lateinischen (ad montem) Vocetum, wobei Vocetum auf das keltische Wort Voceton zurückgeht, das mit Wald oder Gehölz übersetzt werden kann.[3]

Im Mittelalter begannen die Habsburger, ihren Herrschaftsbereich auch auf den Bözberg auszudehnen. Im 13. Jahrhundert fassten sie ihre Besitzungen in dieser Gegend im Gericht Bözberg zusammen. Dazu gehörten neben Unter- und Oberbözberg auch Lauffohr, Linn, Mönthal, Rein, Remigen, Riniken, Rüfenach, Stilli und Villigen. In diesen Dörfern übten die Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit aus, in Mönthal, Remigen und Villigen auch die niedere Gerichtsbarkeit. Das Gericht wechselte ab 1348 durch Verpfändung mehrmals den Besitzer und kam 1377 schliesslich zur Herrschaft Schenkenberg.

Die Stadt Bern besetzte 1460 die Herrschaft militärisch und fügte sie als neues Amt Schenkenberg den übrigen Untertanengebieten im Berner Aargau zu. 1528 führten die Berner die Reformation ein. 1566 erfolgte die Aufteilung des Gerichtsbezirks in einen oberen Bezirk mit Bözberg und Linn sowie in einen unteren Bezirk mit den übrigen Dörfern. 1779 entstand eine neue Bözberg-Passstrasse über Vierlinden und Neustalden, welche die alte Strecke über Oberbözberg ersetzte. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Der Bözberg gehört seither zum Kanton Aargau.

Nach der Mediation von 1803 war Bözberg die grösste Gemeinde des Bezirks Brugg. Doch sie hatte kein eigentliches Zentrum und die einzelnen Siedlungen lagen zum Teil kilometerweit voneinander entfernt. Im 19. Jahrhundert gab es mehrere Versuche, die Gemeinde aufzuteilen, wobei die Initiative stets von Oberbözberg ausging, das sich vernachlässigt fühlte. Vier Gesuche in den Jahren 1826, 1836, 1858 und 1870 scheiterten am Widerstand der Kantonsbehörden, 1858 war sogar eine Aufteilung in drei Gemeinden vorgesehen. Am 24. September 1872 war der fünfte Anlauf erfolgreich, als das Kantonsparlament die Teilung in zwei Gemeinden beschloss.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb Unterbözberg eine reine Bauerngemeinde. Zwischen 1880 und 1900 nahm die Bevölkerungszahl um fast 20 Prozent ab, stieg jedoch in den folgenden Jahrzehnten leicht an. Mit dem Ausbau der nahen Bözbergstrasse wandelte sich Unterbözberg allmählich zu einer leicht erreichbaren Wohngemeinde. Eine rege Bautätigkeit führte ab 1980 zu einer Zunahme um über einen Viertel.

Am 2. Dezember 2011 stimmte die Gemeindeversammlung dem Fusionsvertrag mit den Nachbargemeinden Linn, Gallenkirch und Oberbözberg zu. Die Stimmberechtigten bestätigten diesen Beschluss am 11. März 2012 in einer Abstimmung mit 232 zu 181 Stimmen. Die vier Gemeinden schlossen sich zum 1. Januar 2013 zur neuen Gemeinde Bözberg zusammen.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Reformierte Kirche in Kirchbözberg wurde 1227 als Pfarrkirche St. Martin erstmals urkundlich erwähnt. Sie entstand vermutlich im 11. Jahrhundert an der Kreuzung der alten Römerstrasse mit dem Weg von Laufenburg nach Brugg und diente auch als Versammlungsort für die Bewohner der zahlreichen verstreuten Siedlungen. Die Grundstruktur ist im romanischen Stil und wurde 1483 durch Verlängerungen des Kirchenschiffs und Anbauten im gotischen Stil erweitert. 1825 trug man den ursprünglichen Kirchturm an der Ostseite ab und ersetzte ihn neun Jahre später durch einen Turm an der Westseite. Das Pfarrhaus entstand 1664/65 im spätgotischen Stil.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: «In Grün weisser rechter Schrägbalken, begleitet von je zwei gelben Lindenblättern.» Das Wappen in seiner heutigen Form existiert seit 1962. Die Lindenblätter stehen für den Ortsteil Vierlinden, während der Schrägbalken die Bözberg-Passstrasse symbolisiert. Das alte Wappen, das seit der Gemeindeteilung von 1872 existierte, zeigte vier mächtige Lindenbäume auf vier Hügeln, was sich jedoch heraldisch nicht befriedigend darstellen liess.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung (bis 1870 inkl. Oberbözberg):[7]

Jahr 1764 1803 1850 1870 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 344 827 1060 904 410 416 492 542 588 587 657 754 733

Am 31. Dezember 2013 lebten Ungültiger Metadaten-Schlüssel 4119 Menschen in Unterbözberg, der Ausländeranteil betrug 8,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 55,7 % reformiert und 28,4 % römisch-katholisch; 2,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,5 % Albanisch, 1,3 % Italienisch.[9]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die ehemalige Gemeinde verläuft die Hauptstrasse 3 (BaselZürich) über den Bözbergpass. Seit der Eröffnung der Autobahn A3 im Jahr 1996 hat der Durchgangsverkehr über die Passhöhe um fast drei Viertel abgenommen, was eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität zur Folge hatte. Unterbözberg wird durch zwei Postautolinien an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden. Sie führen vom Bahnhof Brugg aus über die Passstrasse nach Frick sowie mit einem Umweg über Oberbözberg nach Linn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069 und 1070, Swisstopo
  3.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 433–434.
  4. Linn, Gallenkirch, Ober- und Unterbözberg fusionieren zur Gemeinde Bözberg. Aargauer Zeitung, 11. März 2012, abgerufen am 11. März 2012.
  5.  Michael Stettler, Emil Maurer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg, Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 297.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.