Villnachern

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Villnachern
Wappen von Villnachern
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4122i1f3f4
Postleitzahl: 5213
Koordinaten: 654466 / 25809747.471398.16111362Koordinaten: 47° 28′ 17″ N, 8° 9′ 40″ O; CH1903: 654466 / 258097
Höhe: 362 m ü. M.
Fläche: 5.75 km²
Einwohner: 1531 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 266 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.villnachern.ch
Villnachern von der Habsburg aus gesehen

Villnachern von der Habsburg aus gesehen

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Villnachern (das V wie ein F gesprochen; schweizerdeutsch: ˈfɪlˌnɑχərə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt rund drei Kilometer westsüdwestlich des Bezirkshauptorts.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt in einer Mulde zwischen dem westlichen Ufer der Aare und den Hängen von Ausläufern des zum Tafeljura gehörenden Bözbergs. Ganz im Südwesten liegen die durch ein tief eingeschnittenes Tobel getrennten Hügel Buech und Grüt. Daran schliessen sich im Nordwesten das Tobel des Talbachs und schliesslich das Hauptplateau des Bözbergs an. Die Hauptsiedlung liegt am Ausgang des Talbachtobels beidseits des Baches. Über das Gemeindegebiet liegen mehrere Einzelhöfe verstreut. Die Aare besteht in diesem Bereich aus zwei parallel verlaufenden Flussarmen. Diese sind durch die rund vier Kilometer lange und durchschnittlich 150 Meter breite Schacheninsel voneinander getrennt, die durch angeschwemmtes Geschiebe entstanden ist.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 575 Hektaren, davon sind 285 Hektaren mit Wald bedeckt und 72 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 572 Metern im Gebiet Widacher im Nordwesten, der tiefste auf 338 Metern an der Aare.

Nachbargemeinden sind Bözberg im Norden, Brugg im Osten, Schinznach-Bad und Schinznach im Süden.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde aus der Jungsteinzeit weisen auf eine frühe Besiedlung dieser Gegend hin. Ausserdem wurden Reste römischer Bauten sowie alamannische Gräber entdeckt. 1141 wurde Filnacker erstmals urkundlich erwähnt, als das Kloster Sankt Blasien seinen Besitz an die Habsburger verkaufte. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) Filin ahharun und bedeutet «bei den Äckern des Filo». Im Habsburger Urbar von 1306 erscheint der Name Wilnach.[3] Später wurde das Dorf der Herrschaft Schenkenberg angefügt. Die Burg Villnachern gehörte ab Mitte des 13. Jahrhunderts den Herren von Ostrach (die Familie steht in keinem erkennbaren Zusammenhang mit dem Ort Ostrach im Allgäu; denkbar wäre vielmehr ein Bezug zum Ort Uster[5]). Diese Familie starb vor 1450 aus und die Burg verfiel noch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu einer Ruine.

Bern besetzte 1460 die Herrschaft Schenkenberg militärisch und fügte sie als neue Landvogtei den übrigen Untertanengebieten im Berner Aargau an. Villnachern bildete innerhalb der Landvogtei einen eigenen Gerichtsbezirk. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Das Dorf wurde 1732 dem neu gebildeten Amt Kasteln zugeteilt. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Villnachern gehört seither zum Kanton Aargau.

Während der frühen Neuzeit wurden in Steinbrüchen Muschelkalkstein und Gips abgebaut. Am 2. August 1875 erfolgte mit der Eröffnung der Bözbergstrecke der Anschluss ans Eisenbahnnetz, die Station lag allerdings etwas abseits am Hang des Bözbergs. Die Rebberge von Villnachern waren einst über 40 Hektaren gross, fielen jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitgehend der Reblaus zum Opfer. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich Villnachern von einer Bauern- zu einer Wohngemeinde. Die Einwohnerzahl stieg allein zwischen 1970 und 1990 um über 70 Prozent. Seither hat sie sich bei knapp über 1400 eingependelt.

Am 5. April 2009 stimmten die Stimmberechtigten von Villnachern einer geplanten Fusion mit den Nachbargemeinden Schinznach-Dorf, Schinznach-Bad und Oberflachs zur neuen Gemeinde Schenkenberg zu. Die Fusion kam dennoch nicht zustande, weil Veltheim sie ablehnte.[6] Das daraufhin iniziirte Fusionsprojekt ohne Veltheim scheiterte bei einer Urnenabstimmung am 25. Oktober 2009, als die Stimmbürger von Villnachern das Projekt ablehnten.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zehntenhaus

Im Dorfzentrum stehen zahlreiche Gebäude, die um 1600 im spätgotischen Stil errichtet worden sind. Villnachern besitzt keine eigene Kirche, sondern gehört von jeher zur Pfarrei Umiken.[8] Das Zehntenhaus ist im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau gewendete gelbe Pflugschar, im Schildhaupt begleitet von zwei fünfstrahligen gelben Sternen.» Das Wappen erschien in dieser Form erstmals 1872 auf dem Gemeindesiegel. Der Pflug weist auf die landwirtschaftliche Tradition des Dorfes hin, während die Bedeutung der beiden Sterne nicht mehr bekannt ist.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 282 504 421 533 644 716 789 1056 1353 1221 1497

Am 31. Dezember 2013 lebten 1531 Menschen in Villnachern, der Ausländeranteil betrug 13,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 56,0 % reformiert, 24,9 % römisch-katholisch und 2,0 % moslemisch; 2,0 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 92,0 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,1 % Italienisch und Französisch, 0,8 % Serbokroatisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Villnachern gehört zum Friedensrichterkreis Brugg.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Villnachern gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 160 Arbeitsplätze, davon 31 % in der Landwirtschaft, 34 % in der Industrie und 35 % im Dienstleistungssektor.[13] Somit ist Villnachern in erster Linie eine Wohngemeinde. Wichtigster Arbeitgeber ist das Wasserkraftwerk Wildegg-Brugg der NOK. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der Region Brugg-Baden. Auf einer Fläche von rund acht Hektaren wird Weinbau betrieben, vor allem die Sorten Blauburgunder und Müller-Thurgau werden angebaut.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse, die von Brugg dem westlichen Aareufer entlang nach Aarau verläuft. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Postautolinie vom Bahnhof Brugg über Schinznach-Dorf nach Thalheim. Die Bahnstation Villnachern an der Bözbergstrecke wurde im Dezember 2008 geschlossen und der Betrieb eingestellt.

Bildung[Bearbeiten]

In Villnachern gibt es ein Schulhaus, in dem der Kindergarten und die Primarschule untergebracht sind. Die Realschule und die Sekundarschule können in Veltheim (1./2. Klasse) und Schinznach-Dorf (3./4. Klasse) besucht werden, die Bezirksschule ebenfalls in Schinznach-Dorf. Die nächstgelegenen Kantonsschule (Gymnasium) befinden sich in Baden und Wettingen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Peter Belart, Walter Kunz (Hrsg.): Unser Dorf Villnachern 1141–1991. Festschrift zum Jubiläum des 850jährigen Bestehens. Effingerhof, Brugg 1991.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villnachern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 450–452.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069 und 1070, Swisstopo
  5. Fabrice Burlet Die Wappen von Uster, Stadtarchiv Uster (2014) (uster.ch)
  6. Fünferfusion gescheitert. Aargauer Zeitung, 5. April 2009, abgerufen am 28. Januar 2010.
  7. Villnachern entscheidet sich klar gegen Schinznach. Aargauer Zeitung, 25. Oktober 2009, abgerufen am 10. August 2010.
  8.  Michael Stettler, Emil Maurer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg, Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  9.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 307.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.