Unterwäsche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unterwäsche oder Unterkleidung (früher auch Lingerie, [lɛ̃ʒ(ə)riː]) bezeichnet Kleidungsstücke, die unter den anderen Kleidungsstücken (Unter-Wäsche) direkt auf der Haut getragen werden und wegen des Hautkontakts regelmäßig gewaschen werden müssen (Unter-Wäsche). Der Ausdruck Lingerie wird v.a. in der Schweiz auch für die Wäscherei (frz. blanchisserie oder buanderie - Waschküche) gebraucht.

Arten[Bearbeiten]

Die häufigsten Arten von Unterwäsche werden in der folgenden Tabelle erklärt.

Bezeichnung Weitere Namen Beschreibung Varianten
Für beide Geschlechter
Oberkörper
T-Shirt

T-Shirt

Sport-Leibchen Ein Kleidungsstück, das den Oberkörper komplett bedeckt und in der Regel weder Knöpfe noch Taschen hat. Normalerweise mit kurzen Armen, es gibt jedoch auch Modelle mit langen oder gar keinen Armen.
Unterhemd

Unterhemd

Tank top, Unterleibchen Ähnlich wie ein T-Shirt, jedoch ohne Arme und mit weitem Ausschnitt.
  • Muscle Shirt
Ganzer Körper
Lange Unterwäsche

Lange Unterwäsche

Liebestöter Ein häufig zweiteiliges Unterwäscheset, das während der kalten Jahreszeit getragen wird. Die Hose reicht bis zu den Knöcheln.
  • Spezielle Thermounterwäsche aus Kunstfasern kann zudem dafür sorgen, dass Schweiß möglichst schnell von der Haut weggeführt wird. Dadurch beginnt der Träger nicht zu frieren.
Bodysuit

Rollkragenbody

Body Der Body dient gleichzeitig als Hose und Hemd. Bodys verfügen zum Einstieg häufig über einen Druckknopf- oder Häkchenverschluss im Schritt oder über einen Knopf- oder Reißverschluss im Brust- oder Rückenbereich, um das Anziehen durch die Halsöffnung zu ermöglichen (Frauen und Männer). Er hat in der Regel nur kurze oder gar keine Beine.

Als Unterwäsche wird er heute praktisch kaum noch von Männern getragen.

  • Variationen reichen von Oberteilen als Rollkragenpulli und Blusen zu dünnen Stegen im Vorderteil.
  • Bodys oder Abwandlungen davon sind beliebte Anzüge für Kleinkinder.
Unterkörper
Strumpfhose

Damenstrumpfhose

Die Strumpfhose ist ein enganliegendes Kleidungsstück für die Beine. Frauen tragen oft ganzjährig dünne, halb- oder ganzdurchsichtige Modelle. Gestrickte Modelle in allen Farben werden vorwiegend von Kindern aber auch von Männern während der kalten Jahreszeit getragen.
  • Variationen reichen vom leichten Höschen mit kurzem Beinansatz über lange Miederhosen und Leggings bis hin zu Catsuits.
Leggins

Leggins

Capri-Hose, Radlerhose, Hot Pants Leggins sind enganliegende Hosen aus elastischem Material mit in der Regel kurzen Beinen, die als Freizeit- oder Sportbekleidung getragen werden. Oft sind sie aus synthetischem Material, das den Schweiß sofort aufnehmen und nach außen abgeben kann. Modelle für Radfahrer sind im Schritt gut gepolstert, um die Geschlechtsteile zu schützen.
Panty

Panties (knickers)

Diese haben typischerweise ein elastisches Hüftband und verhältnismäßig viel Stoff im Genitalbereich, der geeignet ist, Damenbinden unterzubringen.
Bikinislip

Bikiniunterteil

Bikiniunterhosen Eine Art Unterhose, deren Hüftbund deutlich unter der Hüfte der Trägerin liegt. Sehr verbreitet als Bestandteil von Badekleidung für Frauen.
Tanga

Tanga

Eine Hose, die nur aus zwei relativ kleinen Dreiecken besteht, die die Schamgegend abdecken und um die Leiste mit einer dünnen Schnur zusammengebunden sind. Der Vorteil sehr knapper Unterwäsche ist es, dass sie unter dünner Oberbekleidung keine Abdrücke oder Schatten hinterlässt.
Socken

Socken

Strümpfe (je nach Gegend) Socken sind Kleidungsstücke für den Fuß. Es gibt sie in verschiedenen Längen, von solchen, die knapp bis zum Knöchel reichen bis zu solchen, die bis übers Knie gehen. Damenstrümpfe sind oft nur sehr dünn und hautfarben.
Von Frauen getragen
Oberkörper
Büstenhalter

Büstenhalter

BH, Büha Besteht aus zwei "Körbchen" für die Brüste, die durch ein Band verbunden sind. Ein weiteres meist elastisches Band wird auf dem Rücken zusammengeknüpft oder durch Ösen befestigt. Zwei Träger führen über die Schultern.
Unterkörper
French Knickers

Büstenhalter

Weit geschnittene Unterhose, meist aus Seide oder Satin.
Ganzer Körper
Miederwaren

Miederwaren

Formwäsche, Shapeware Miederwaren sind Kleidung, insbesondere Unterwäsche, die den Körper formen sollen. Derartige Accessoires gibt es vor allem für Frauen in vielen verschiedenen Ausprägungen, seltener auch für Männer.


Negligé

Negligé

Leichtes, verspieltes Haus- oder Nachtkleid.


Reizwäsche

Reizwäsche

Reizwäsche ist Kleidung, insbesondere Unterwäsche, die den Geschlechtspartner sexuell erregen soll. Derartige Accessoires gibt es vor allem für Frauen in vielen verschiedenen Ausprägungen, seltener auch für Männer.
Von Männern getragen
Oberkörper
T-Shirt, Unterhemd, Hemd Männer und Frauen tragen am Oberkörper T-Shirts oder Hemden. In westlichen Kulturen ist es akzeptiert, dass Männer bei schönem Wetter oder zum Baden überhaupt keine Oberbekleidung tragen, was Frauen in der Regel verwehrt ist (siehe Oben ohne).
Unterkörper
Boxershorts

Boxershorts

Diese weit geschnittenen Unterhosen sind wegen ihrer Bequemlichkeit sehr beliebt. Boxershorts werden auch zum Schlafen anstelle von Pyjamas getragen. Boxershorts haben normalerweise einen Eingriff, der oft mit Knöpfen versehen ist. Die Beine reichen dem Träger typischerweise bis in die Hälfte des Oberschenkels.
Retropants

Retropants

Boxer Briefs; Briefs Retropants auch Retroshorts (Kurzform Retros) sind modische Herren-Unterhosen, die im Gegensatz zu Boxershorts nicht weit geschnitten sind, sondern eng auf der Haut anliegen.
Herrenslip

Herrenslip

Die traditionelle Herrenunterhose in Europa, früher normalerweise mit Eingriff und elastischem Bund.
Jockstrap

Jockstrap

Er besteht aus einem elastischen Hüftband, einer beutelartigen Bandage zur Anhebung des Hodensackes und zwei elastischen Haltebändern, die links und rechts unterhalb des Gesäßes hoch zum Hüftband verlaufen. Sportler tragen Suspensorien bevorzugt über der gewöhnlichen Unterwäsche. In den USA ist das Tragen eines Jockstraps im Sportunterricht in vielen High Schools Pflicht.
Als erotische Unterwäsche wird der Jockstrap auch direkt auf der Haut getragen.

Material[Bearbeiten]

Unterwäsche ist in der Regel aus bequemen und hautfreundlichen Materialien wie Baumwoll-Feinripp oder Seide hergestellt. Daneben sind in den vergangenen Jahrzehnten Kunstfasern (Polyamid, Polyester, Nylon), insbesondere im Bereich von Reizwäsche, Unterkleidern/-röcke, Damenunterhosen und Büstenhaltern, verwendet worden. Seit jüngerer Zeit werden vermehrt synthetisch hergestellte Materialien als Microfaser verwendet. Diese Stoffe mit bis zu 8.000 Filamente (Fasern) pro Quadratzentimeter (feiner als Seide) haben einen extrem niedrigen Querschnitt, sind hochelastisch, atmungsaktiv, feuchtigkeitsabweisend und dennoch formstabil. Unterwäsche oder auch Bekleidung allgemein aus Gestricken oder Gewirken wird auch Trikotage genannt.

Mode[Bearbeiten]

Ein unbekümmerter Upskirt während der Vorführung eines Tangos, bei dem der sichtbare Slip nicht die Unterhose ist

Das Tragen von Unterwäsche ohne weitere Bekleidung im öffentlichen Raum gilt in der Regel als ungehörig. Im Zusammenhang mit dem Aufkommen des extrem kurzen Minirocks Ende der sechziger Jahre wurde allerdings das öffentliche Sichtbarwerden der weiblichen Unterwäsche gesellschaftsfähig und damit das Unterhöschen zu einem auch farblich auf den Rock abgestimmten Bestandteil der Mode. Zudem gibt es auch Kleidung, die dazu gedacht ist zum Teil öffentlich gezeigt zu werden wie das Oberteil von Bodys und die Beine von Strumpfhosen (erstes Bild im Abschnitt) oder auch bestimmter Leggings. Ebenso gibt es Oberteile oder Kleider mit sichtbar eingearbeiteten BH-Körbchen.

Popstar Madonna, die ein Gaultier-Bustier auf der Bühne trug, gehörte zu den Showstars, die Unterwäsche als Oberbekleidung zum Trend gemacht haben. Mittlerweile gilt es als sexy, BH oder Stringtanga (siehe Whale Tail) unter der Oberbekleidung "hervorblitzen" zu lassen oder unter transparenter Kleidung sichtbar zu tragen.

Ebenfalls als ungehörig gilt es im Allgemeinen, keine Unterwäsche (besonders keine Unterhose) zu tragen. Anlass für große Diskussionen in der Presse gab etwa Sarah Connor, als sie in einer Sendung von Wetten, dass..? scheinbar keine Unterhose unter ihrem Kleid trug. Der im Jahr darauf folgende Auftritt von Jeanette Biedermann bei Verstehen Sie Spaß? in einem teils transparenten Catsuit, der keine Spekulationen über das Fehlen einer Unterhose zuließ, fachte jedoch keine Diskussionen an.

Einige Kleidungsstücke sind jedoch bewusst dafür ausgelegt, ohne beziehungsweise anstelle von Unterwäsche getragen zu werden. Dazu gehören T-Shirts, Sportbekleidungen wie Shorts, Turnhosen oder Radhosen, Laufhosen, Leotards und Badekleidung. Auch zu Nachtwäsche wie Nachthemden oder Pyjamas wird oft keine Unterhose getragen. Unter einem Kilt wird traditionellerweise nichts getragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Damenunterwäsche 1943
Herrenunterwäsche 1943

Aus altrömischer Zeit sind Abbildungen bikiniähnlicher Kleidungsstücke für Frauen dokumentiert, von denen aber nicht sicher ist, dass sie unter der normalen Oberkleidung getragen wurden. Für das Mittelalter ist eine Art Unterhosen für Männer überliefert, die den heutigen Unterhosen ähnlich sehen, aber auch hier ist nicht sicher, dass sie so im Alltag getragen wurden. Erst aus der frühen Neuzeit sind Teile von Unterwäsche sicher belegt, nämlich Hemden für Frauen wie für Männer.

Im 18. Jahrhundert trugen Frauen nur Hemden, Strümpfe und Unterröcke (bzw. Unterkleider) als Unterwäsche. Korsetts waren zwar Unterkleidung, aber nicht Wäsche, da sie nicht gewaschen werden konnten. Männer pflegten zur gleichen Zeit ihre langen Hemden zwischen den Beinen hindurchzuziehen, so dass sie auch die Stelle der Unterhose vertraten. Ab dem späten 18. Jh. sind spezielle Männerunterhosen belegt. Frauen trugen im Allgemeinen erst ab dem frühen 19. Jh. Unterhosen. Diese waren wegen der umständlichen Reifröcke bis um 1900 im Schritt offen. Erst mit der Reformbewegung setzten sich geschlossene Unterhosen für Frauen durch.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickeln sich jene Formen der Unterwäsche, die wir heute kennen. Im Verlauf des Jahrhunderts entwickeln sich Teile der Unterwäsche zu Oberbekleidung fort (allen voran das T-Shirt, das ursprünglich ein Männerunterhemd war) oder werden zumindest teilweise vorzeigbar.

Unterwäsche wurde bis ins 19. Jahrhundert fast ausschließlich aus weißem Leinen gefertigt und Weißware genannt: Leinen war relativ billig und im Gegensatz zu Wolle gut waschbar. Baumwolle wurde erst im frühen 19. Jh. allgemein erschwinglich. Weiß wurde aus mehreren Gründen gewählt:

  • Leinen muss (u.a. von Personal) aufwendig gebleicht werden, bis es weiß ist. Daher ist weißer Stoff ein Statussymbol.
  • Weißer Stoff bleibt nicht lange weiß. Genug Wäsche zu besitzen, um sie wechseln zu können, bevor sie verschmutzt, ist ein Statussymbol.
  • Nur ungefärbter Stoff konnte mit allen chemischen (z. B. Chlorlauge) und mechanischen (Rubbeln) Mitteln behandelt werden, die nötig waren, um Flecken vollständig zu entfernen. Gefärbter Stoff würde solcher Behandlung nicht standhalten.

Diese Vorliebe für Weiß hat sich bis heute gehalten. Bis ins 20. Jahrhundert wurden (Unter-)Wäschegeschäfte deshalb Weißwarengeschäfte genannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Torkild Hinrichsen (Hg.): Leibhaftig – Doppelripp und Spitzentraum : zur Kulturgeschichte der Unterwäsche. Husum 2011, ISBN 978-3-89876-571-8
  • Almut Junker, Eva Stille: Die zweite Haut – zur Geschichte der Unterwäsche 1700-1960. Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt, 28. April bis 28. August 1988. Historisches Museum, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-89282-010-4
  • Die Geschichte der Unterwäsche. Red. der dt. Ausg. Klaus H. Carl. Parkstone, New York 2010, ISBN 978-1-84484-802-7
    • Bd. 1: Shaun Cole: Die Geschichte der Herrenunterwäsche.
    • Bd. 2: Muriel Barbier, Shazia Boucher: Die Geschichte der Damenunterwäsche.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterwäsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien