VNG – Verbundnetz Gas

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VNG – Verbundnetz Gas AG
Logo der VNG - Verbundnetz Gas AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 29. Juni 1990
Sitz Leipzig

Leitung

  • Karsten Heuchert, Vorstandsvorsitzender
  • Klaus-Dieter Barbknecht, Vorstand Handel
  • Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik
  • Bodo Rodestock, Vorstand Kaufmännisches/Personal
Mitarbeiter 395 (VNG AG), 1.440 (VNG Gruppe) (zum 31.  Dez. 2013)
Umsatz 8,7 Mrd. € (VNG AG), 10,9 Mrd. € (VNG Konzern) (zum 31.  Dez. 2013)
Produkte Erdgasversorgung und Dienstleistungen rund um das Produkt ErdgasVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website http://www.vng.de
Sitz der VNG AG in Leipzig Schönefeld

VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (VNG) ist ein führender deutscher Erdgasproduzent, -importeur und -großhändler mit Sitz in Leipzig und Muttergesellschaft der VNG-Gruppe. VNG und ihre Tochtergesellschaften beliefern europaweit Stadtwerke, Regionalversorger und Industrieunternehmen mit Erdgas.

Die VNG-Gruppe ist in der gesamten Wertschöpfungskette der deutschen und europäischen Erdgaswirtschaft aktiv und konzentriert sich auf vier Kerngeschäftsbereiche Exploration&Produktion, Gashandel&Dienstleistungen, Gastransport und Gasspeicherung.

2013 betrugen die Erdgaslieferungen rund 310 Mrd. kWh (362 Mrd. kWh VNG-Gruppe) bei einem Leitungsnetz von 7.200 km.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die VNG – Verbundnetz Gas wurde am 29. Juni 1990, zwei Tage vor In-Kraft-Treten der deutsch-deutschen Wirtschafts- und Währungsunion, als privatrechtliche Aktiengesellschaft gegründet.

Aber schon 1958 entstanden in der „VVB Verbundwirtschaft“ die ersten VNG-Vorläufer „VEB Verbundnetz Ost“, „West“ und „Mitte“. Im Juli des gleichen Jahres bildet der VEB Verbundnetz West die Technische Leitung Ferngas. 1963 vereinigen sich die drei Verbundnetz-Betriebe zu einem VEB Verbundnetz Berlin. Im Januar 1969 entsteht daraus der VEB Verbundnetz Gas. Dieser rein technische Betrieb stellt die Versorgung der Bevölkerung in den ersten Jahren ausschließlich durch Stadtgas sicher. Dieses wird überwiegend aus heimischer Braunkohle erzeugt. Mit Beginn der russischen Erdgaslieferungen ab Mai 1973 übernimmt der VEB Verbundnetz Gas auch dessen Verteilung und Speicherung. Das russische Importerdgas ist dreimal effizienter und umweltschonender als das bis dahin ausschließlich verwendete Stadtgas. Allerdings setzt die DDR diesen wertvollen Rohstoff überwiegend für die Industrie ein, denn die Lieferungen sind mit Devisen und Sachleistungen zu bezahlen. Bis 1989 erhöhte die DDR die importierte Menge bis auf jährlich sieben Milliarden Kubikmeter. Bis Ende 1989 wurden 2 % der ostdeutschen Haushalte mit Erdgas versorgt.

VNG ist das erste von der Treuhandanstalt erfolgreich privatisierte Großunternehmen Ostdeutschlands. Erste Aktionäre waren mit einem Anteil von 35 % die Essener Ruhrgas AG (heute E.ON Ruhrgas) und mit 10 % die BEB Brigitta Erdgas und Erdöl GmbH, Hannover. Die restlichen Aktien verblieben zunächst bei der Treuhandanstalt. Im Sommer 1991 wurden die restlichen Aktien verkauft und damit die Privatisierung abgeschlossen. Zu Ruhrgas und BEB kommen die Wintershall (15 %), 14 ostdeutsche Städte bzw. kommunale Betriebe (zusammen 15 %) sowie mit jeweils 5 % die British Gas, die französische ELF, die russische Gazprom, die norwegische Statoil und der ostdeutsche Gasproduzent Erdöl Erdgas Gommern.

Im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung stand das Unternehmen vor der Aufgabe, die ostdeutschen Haushalte von Stadt- auf Erdgas umzustellen, die Erdgasbezüge zu diversifizieren, die Leitungen auszubauen und an das europäische Erdgastransportsystem anzuschließen. Auch der Verkauf von Erdgas an Industriekunden und Stadtwerke wurde neu strukturiert.

Im ersten Geschäftsjahr der VNG AG 1990/91 baut der Gasimporteur 250 km Leitungen und stellt 600 km Stadtgasleitungen auf Erdgas um. Im Juni 1995 wurde in Leipzig die Umstellung Ostdeutschlands von Stadt- auf Erdgas abgeschlossen. Bis 1995 investierte VNG circa 767 Mio. Euro in die Umstellung von rund 6.100 km Hochdruckleitungen von Stadt- auf Erdgas sowie in den Bau von rund 700 km Leitungen und die Erhöhung der Speicherkapazität ihrer Untergrundspeicher. Im September 1992 wurde das VNG-Netz mit dem westdeutschen und damit westeuropäischen Erdgas-Verbundsystem verbunden. Ein Jahr darauf schließt VNG einen langfristigen Erdgas-Liefervertrag für norwegisches Erdgas ab. Damit ist zugleich die einseitige Abhängigkeit vom russischen Erdgas aufgehoben.

Ab Mitte der 1990er Jahre setzte sich die VNG verstärkt für den Einsatz von Erdgas als Kraftstoff ein. Im September 1996 finanziert sie in Leipzig die erste öffentliche Erdgastankstelle Sachsens. 2001 präsentiert sie sich zum ersten Mal gemeinsam mit Automobilherstellern und Unternehmen der Gaswirtschaft mit einem Gemeinschaftsstand auf der internationalen Automobilmesse AMI in Leipzig. Das Unternehmen besitzt einen Fuhrpark mit 150 erdgasbetriebenen Fahrzeugen. Die VNG ist auch Initiator der Länderinitiativkreise Erdgas als Kraftstoff (IEK) und stellt den Vorsitzenden des IEK auf Bundesebene.

Mitte der 1990er Jahre beginnt die VNG sich international auszurichten und neue Partner auch im Ausland zu suchen. Einen Schwerpunkt bilden dabei zunächst die östlichen Nachbarländer Deutschlands. Die VNG ist neben ihren Beteiligungen in Polen, Tschechien und der Slowakei auch an Unternehmen in Österreich, Italien und Norwegen beteiligt. 2006 gründete die VNG ein Tochterunternehmen in Norwegen. Die VNG Norge mit Sitz in Stavanger ist für die Upstream-Aktivitäten verantwortlich, d.h. sie beteiligt sich an der Exploration und Förderung von Erdgas aus der Nordsee. Zu Beginn des Jahres 2013 fand ein Konsortium, an dem VNG Norge mit 20% beteiligt ist, vor der Küste Norwegens ein Ölfeld mit einer Größe von 30 bis 100 Mio. Barrel Öläquivalent.[2]

Im Bioenergie-Bereich ist die VNG ebenfalls aktiv und hat 2007 die Bioerdgas-Tochter balance VNG Bioenergie GmbH gegründet. Diese soll vor allem Projekte zur Einspeisung von Bioerdgas in die Erdgasleitungsnetze vorantreiben.

Aktionäre[Bearbeiten]

Aktionäre der VNG (Stand: 31. Dezember 2013) Aktienanteil in %
EWE Aktiengesellschaft, Oldenburg 47,90
VNG Verbundnetz Gas Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH, Erfurt (VUB) 25,79
Wintershall Holding Aktiengesellschaft, Celle 15,79
Gazprom Germania GmbH, Berlin 10,52

Aktienanteile gerundet

Im Januar 2009 gab EWE bekannt, dass EnBW Ihren Anteil an der VNG an EnBW kaufen werde; dies war bei dem Einstieg von EnBW bei der EWE vereinbart worden und die nötige kartellrechtliche Freigabe durch das Bundeskartellamt erfolgte unter Auflagen im August 2009. Der geplante Verkauf des EWE-Anteils an EnBW scheiterte im Dezember 2011, nachdem die anderen Anteilseigner ihre notwendige Zustimmung verweigert hatten. Im März 2010 erwarb der russische Energiekonzern Gazprom die Anteile des französischen Energiekonzerns GDF Suez, wodurch er fortan insgesamt 10,52 % von VNG hält. [3]

Geschäftszahlen[Bearbeiten]

2013 2012 2011 2010 2009 2008
Umsatzerlöse (Mio. €) 8.761 7.811 6.392 5.293 4.763 5.529
Jahresüberschuss (Mio. €) 174 132 -260 59 170 141
Gasabsatz (in Mrd. kWh) 310 274 235 220 183 171
Mitarbeiteranzahl zum Jahresende 395 393 692 754 697 638
höchster Tagesabsatz (in Mio. kWh) n.n. n.n. 1021 1021 870 802
niedrigster Tagesabsatz (in Mio. kWh) n.n. n.n. 372 338 283 246

(Quelle: Geschäftsberichte der VNG - Verbundnetz Gas AG, 2008-2013)

Ferngasleitungsnetz[Bearbeiten]

Innerhalb der VNG-Gruppe stellt die Ontras Gastransport GmbH das zweitgrößte deutsche Ferngasleitungsnetz bereit, das im Verbund mit europäischen Ferngasnetzen und zahlreichen Verteilnetzen sowie Gasspeichern eine sichere Gasversorgung garantiert. Das Leitungsnetz durchzieht die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg/Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Im Rahmen des 3. EU-Energiebinnenmarktpakets wurde Ontras vollständig entflochten und ist seither auch für die Betriebsführung und Instandhaltung der Netze und Anlagen zuständig.

Speicher[Bearbeiten]

In Umsetzung des 3. EU-Energiebinnenmarktpakets wurde mit Wirkung zum 2. Januar 2012 das Speichergeschäft der VNG auf die VNG Gasspeicher GmbH übertragen. Derzeit verfügt die Speichergesellschaft an ihren vier Untergrundgasspeichern in Bad Lauchstädt, Bernburg, Buchholz und Kirchheilingen über ein Arbeitsgasvolumen von rund 2,7 Mrd. m³. VNG Gasspeicher gilt als drittgrößter Speicherbetreiber Deutschlands.

In Deutschland gibt es insgesamt 47 Erdgasspeicher mit einem Speichervolumen von rund 20,3 Milliarden Normkubikmeter (BDEW). Damit können rund 32 % des jährlichen Erdgasverbrauches in Deutschland allein aus den Speichern gedeckt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht 2013
  2. Handelsblatt vom 6. Februar 2013
  3. Gazprom kurz vor Aufstockung bei VNG

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Energiekonzerne stoßen an Grenzen. In: Die Welt, Ausgabe 145, 25. Juni 2007, S. 22
  • Deutschlands Große 500: Die WELT-Rangliste der deutschen Wirtschaft. In: Die Welt, Ausgabe 145, 25. Juni 2007, S. 20
  • Ost-Konzerne wachsen besonders schnell. In: Die Welt, Ausgabe 256, 2. November 2007, S. 12
  • EU will Versorgern die Adern abklemmen. www.handelsblatt.com, 10. Januar 2007
  • Geschäftsbericht der VNG 2008
  • Investitionen in Gasspeicher steigen deutlich an. www.bdew.de, 15. Mai 2009