Volapük

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Volapük
Projektautor Johann Martin Schleyer
Jahr der Veröffentlichung 1880
Linguistische
Klassifikation
Besonderheiten Erste verbreitete und praktisch verwendete Plansprache.
Sprachcodes
ISO 639-1:

vo

ISO 639-2:

vol

ISO 639-3:

vol

Gedenkinschrift in Litzelstetten

Volapük ist eine gemischte Aposteriori-Plansprache, die 1879 beziehungsweise 1880 von dem Pfarrer Johann Martin Schleyer geschaffen und vorgestellt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer[Bearbeiten]

Nach Solresol 1817 beziehungsweise 1856 war Volapük die zweite Plansprache überhaupt, die nennenswerte Verbreitung gefunden hat. Wie Solresol bildet sie in ihren Aspekten einen Forschungsgegenstand der Interlinguistik.

Entstehung[Bearbeiten]

Schleyers Idee zum Volapük wird einmal durch einen Traum, ein anderes Mal durch eine fehlerhafte englischsprachige Anschrift erklärt, durch die ein Brief nicht angekommen war. Zunächst versuchte Schleyer, aus sechs europäischen Sprachen – der deutschen, der englischen, der französischen, der italienischen, der spanischen sowie der russischen – eine gemischte Sprache zu konstruieren. Dieser wollte er den Namen „Völkerdolmetsch“ geben. Weil aber eine gemeinsame Verständigung unter den verschiedenen Völkern eine gemeinsame Schreibung voraussetzt, so versuchte es Schleyer zunächst mit der Aufstellung eines „Weltalphabets“ (18. Januar 1878).[1]

Erfolge[Bearbeiten]

Gedenktafel am Wohnhaus Schleyers in Konstanz

Die ersten Versuche, Volapük der Öffentlichkeit zu präsentieren, finden sich in der von Schleyer herausgegebenen „Sionsharfe“, Monatsblätter für katholische Poesie. Zuerst (März 1879) gab Schleyer darin Proben seines Weltalphabets. Im Mai desselben Jahres erschien als Beilage der „Entwurf einer Weltsprache und Weltgrammatik für die Gebildeten aller Völker der Erde“. Dieser Entwurf brachte die Grundsätze und die ersten Wörter. Der erste Probesatz lautete:

Ko God beginobsöd dinis valik! [1]

Anfangs war die Sprache recht erfolgreich. Es bildeten sich Volapük-Gesellschaften in Europa, die sich nach Nord- und Südamerika und sogar einigen Teilen von Asien ausbreiteten. Bereits nach wenigen Jahren hatte Volapük angeblich über 100.000 Anhänger – ob diese jedoch die Sprache wirklich beherrschten, ist ungewiss. Es gab laut Kniele,[1] S. 69, aber Ende 1888 immerhin 885 diplomierte Volapük-Lehrer.

Der Stenograf Karl Lenze aus Eisleben wurde Schleyers erster Schüler und erhielt das erste Diplom als Weltsprachelehrer.

Menad(e) bal – Pük(i) bal!
Anzeige für das Erlernen von Volapük von 1889

Im Jahr 1880 erschien die erste Grammatik mit Wörterbuch. Die neue Sprache erhielt jetzt den Namen „Volapük“, gebildet aus den englischen Wörtern world und speak. Volapük heißt also Sprache der Welt oder Weltsprache. In der Februarnummer der „Sionsharfe“, welche anfänglich als Organ für Volapük diente, erschienen als erster Vers die Devise „Einer Menschheit – eine Sprache“:

Menade bal
Püki bal!

Ein Jahr nach der Erfindung des Volapük erschien die Grammatik unter dem Titel Volapük, die Weltsprache, Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Verfasser: J. M. Schleyer, Redakteur der „Sionsharfe“. Diese Grammatik erschien in Sigmaringen und enthielt auch ein Wörterbuch mit 2.780 Wörtern. Einflussreiche Zeitungen veröffentlichten empfehlende Artikel. Das Luxemburger Wort verglich die Bedeutung der sogenannten „Weltsprache“ für die ganze Menschheit mit der Bedeutung der Weltpost und schließt mit der folgenden Ermahnung:

Möge die gesamte civilisirte Menschenwelt es als eine ihrer wichtigsten, vernünftigsten und großartigsten Aufgaben, ja als eine ihrer schönsten Ehrensachen betrachten, Schleyers Weltsprache ungesäumt sich anzueignen, sie allgemein zu verbreiten und einzuführen! [1]

Volapükabled („Weltspracheblatt“)

Schleyer entschloss sich bald zur Herausgabe eines eigenen Weltspracheblattes. Ab 1. Januar 1881 erschien das „Weltspracheblatt Volapükabled“. Die erste Nummer enthielt Grammatikalisches, einen Brief, eine Anzahl von Firmen, Gewerben, Anstalten, welche empfohlen wurden; dann vergleichende Sätze in 20 verschiedenen Sprachen mit Text in Volapük daneben.

Otto Büchler aus Öhringen hielt in einer humanistischen Lehrerversammlung in Heilbronn einen Vortrag, der als der erste Vortrag über Volapük gilt, und schloss mit dem Ausdruck der Freude darüber, dass es ein Deutscher sei, der den Anstoß zu einer Weltsprache gegeben habe.

„Die Kunst schnell Volapük zu lernen“

1882 fing Kamerer J. Hyberg im schwedischen Ankarsrum an, Volapük zu lernen und gründete einen Verein unter dem Namen: Första svenska verldsspråkkluben „Volapükaflens svedik“ mit 9 Mitgliedern, welcher aber keine weiteren Fortschritte machte, obwohl er sich viel Mühe gab, Volapük in Schweden einzuführen.

Der erste Weltspracheverein wurde im selben Jahr von Rupert Kniele im Dorf Alberweiler bei Biberach gegründet. Das Jahr 1884 kann als das Jahr der Versammlungen betrachtet werden. Schleyer war um diese Zeit sehr krank und suchte ein Volapükwort für „Neid“, das es damals noch nicht gab. Er sagte zu Rupert Kniele, der ihn besuchte:

Ach davon mag ich gar nichts wissen, wollte Gott, wir brauchten gar kein solches Wort; ich bilde dasselbe nicht, machen Sie es. [1]

Kniele schuf daraufhin das Wort „glöt“.

Vom 25. bis 28. August 1884 fand die erste Generalversammlung im Kursaal der Bodenseestadt Friedrichshafen statt. Das Wort „Volapük“ wurde von dieser Versammlung als sächlich erklärt, während man bisher „die Volapük“ sagte. Im März 1885 wandte sich Schleyer gegen die sogenannten „Verbesserer“, die er als Quelle für alle Differenzen ansah.

Anfang 1887 schrieb der „Düsseldorfer Anzeiger“:

Wenn Schleyer selbst jetzt der Volapükbewegung Einhalt gebieten wollte, so würde es erfolglos sein. Denn Hunderttausende haben den Gedanken in sich aufgenommen und treten für ihn ein, wie für ihre eigene Sache. [1]

Wissenschaftliche Autoritäten wie der Linguist Friedrich Max Müller und der Geograf Alfred Kirchhoff sprachen sich nun für Volapük aus. Das französische Blatt „Le Temps“ schrieb am 16. Januar 1887:

Si jamais une langue universelle a quelque chance de s'imposer au monde commercial, c'est assurément celle-là“ (volapük).
(deutsch: Wenn jemals eine universelle Sprache eine Chance hatte, sich in der Wirtschaftswelt durchzusetzen, dann ist es diese.) [1]

Die „Kölnische Volkszeitung“ schrieb am 11. Februar 1887 gar:

Wir erfahren, daß an leitenden Stellen in Deutschland der weltsprachlichen Bewegung mit Ernst und Teilnahme gefolgt wird. [1]

Im Mai 1887 hielt die „Association française“ internationale Prüfungen ab, an welchen sich über 300 Personen aus allen Erdteilen beteiligten. Das erste Diplom als „plofed“ (Professor der Weltsprache) erhielt der Direktor der Handelsschule in Bukarest. Vom 6. bis 9. August fand der 2. Kongress aller Weltsprachefreunde in München statt.

Anfang 1888 sah sich Schleyer veranlasst, seine Rechte als Erfinder zu bekräftigen. Schleyer führte den Namen „cifal“, als welcher er auch von der 2. Generalversammlung in München anerkannt wurde. Sein Wohnsitz galt als Zentralpunkt für alle Volapükisten der Erde. Die einheitliche Leitung geschah durch Schleyers monatlich erscheinendes Organ, das „Volapükabled zenodik“ („Zentralblatt der Weltsprache“). Der Wohnsitz des Erfinders in Konstanz galt als „Zentralbureau der Schleyer'schen Weltsprache“.

Dem „cifal“ standen die Senatoren (senätans) zur Seite. Diese Senatoren wählte sich Schleyer nach seinem Ermessen aus. Insgesamt wollte er 100 Senatoren auswählen.

Im selben Jahr 1888 wurde Volapük auch in China und Japan eingeführt. Am Ende des ersten Jahrzehnts (1888) gab es 885 Weltsprachelehrer, 190 Oberlehrer (löpitidel), 50 Professoren (plofed). Weltweit wurde die Zahl der Volapük-Anhänger auf 1 bis 2 Millionen geschätzt. Kurse wurden an 272 Orten erteilt und es gab 253 Vereine, die sich für Volapük engagierten (laut Kniele,[1] S. 69).

Der britische Philologe Alexander Ellis erwähnt in seinen Schriften ein Chicagoer Mädchen namens Corinne Cohn, das mit Volapük aufwuchs. Es war die Tochter des Volapük-Aktivisten Henry Cohn und im Jahr 1888 sechs Jahre alt. Es gibt aber keine weiteren Berichte von ihm.

Niedergang[Bearbeiten]

Mit der Zeit erwies sich Volapük als zu schwer erlernbar, um sich dauerhaft durchsetzen zu können. Der Wortschatz wurde zwar verschiedenen europäischen Sprachen entnommen, allerdings wurden die einzelnen Wörter zum Teil so stark verändert, dass sie kaum noch zu erkennen waren.

Eine weitere Bürde für die Entstehung eines lebendigen Volapüks war, dass Schleyer versuchte, die Kontrolle über seine Sprache zu behalten und die Volapük-Akademie autokratisch zu beherrschen. So behielt er sich beispielsweise als Datuval (= „Großer Erfinder“) die Einführung neuer Vokabeln sowie ein absolutes Vetorecht vor.

Nachdem die 1889 auf dem 3. Volapük-Kongress in Paris gegründete Volapük-Akademie einige Reformen gefordert hatte, die Schleyer ablehnte, begann der rasche Niedergang des Volapüks. Reformversuche wie das Idiom Neutral fanden keinen Zulauf.

Bereits ab Mitte der 1880er Jahre verließen immer mehr Volapük-Anhänger die Weltsprachbewegung. 1888 trat der Nürnberger Volapük-Verein zum Esperanto über. Volapük verlor schnell an Bedeutung.

Arie de Jong

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg begann der Niederländer Arie de Jong mit einer kompletten Durchsicht von Wortschatz und Grammatik. 1929 traf er sich mit Mitgliedern der noch immer bestehenden Volapük-Akademie und dem Volapük-Präsidenten, dem sogenannten Cifal. Nachdem diese revidierte Fassung akzeptiert wurde, veröffentlichte er zu Beginn der 1930er Jahre eine neue Leitgrammatik sowie ein modellhaftes Wörterbuch Volapük–Deutsch und Deutsch–Volapük.

Bedeutung[Bearbeiten]

Zurzeit gibt es nur noch wenige Menschen, die Volapük beherrschen. Die Bedeutung des Volapük liegt darin, dass zum ersten Mal eine neue Sprache nicht ein bloßes Projekt blieb, sondern von einer Sprachgemeinschaft angewandt wurde.

Volapük hat die ISO-639-Kürzel vo und vol.

Chronologie[Bearbeiten]

  • 1879 Johann Martin Schleyers Konzept einer Welthilfssprache
  • 1880 Veröffentlichung des ersten Volapük-Lehrbuchs in Sigmaringen
  • 1884 Erster Weltkongress in Friedrichshafen
  • 1887 Zweiter Weltkongress in München – Gründung der Volapük-Akademie
  • 1888 Nürnberger Volapük-Gruppe tritt geschlossen zum Esperanto über
  • 1889 Dritter Weltkongress in Paris
  • 1889 Auguste Kerckhoffs wird Präsident der Volapük-Akademie; es kommt zum Streit mit Schleyer.
  • 1902 Die ehemalige Volapük-Akademie veröffentlicht unter Rosenberger ein völlig anderes Sprachprojekt: Idiom Neutral
  • 1931 Arie de Jong veröffentlicht das revidierte Volapük nach Billigung durch Akademie und Cifal.

Cifals[Bearbeiten]

„Cifal“ (Chef) war der Titel, den sich Schleyer als Oberhaupt der Volapük-Bewegung geben ließ. Der Titel „Cifal“ wurde in ununterbrochener Reihenfolge von Schleyer bis in die Gegenwart fortgeführt. Seine Nachfolger bis heute waren oder sind:

  1. Johann Martin Schleyer 1879–1912
  2. Albert Sleumer 1912–1948
  3. Arie de Jong (kommissarisch) 1947–1948,[2] 1951–1957[3]
  4. Jakob Sprenger 1948–1950
  5. Johann Schmidt 1950–1977
  6. Johann Krüger 1977–1983
  7. Brian Reynold Bishop 1984 bis heute

Auf Grund der geringen Sprecherzahl hatte Brian Bishop erst Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. 2012 wurde der Deutsche Hermann Philipps aus Bonn als der folgende Cifal bestimmt.[4]

Rezeption[Bearbeiten]

Der Schwede Paul Nylén beschrieb seinen Eindruck vom Volapük, nachdem er sich einem anderen Plansprachenprojekt angeschlossen hatte, rückblickend wie folgt:

„Es war im Jahr 1891, glaube ich. Ich war Gymnasiast in Norrköping. Volapük befand sich in seiner Blütezeit; auch ich lernte es, korrespondierte darin mit einigen Fremden, und versuchte mich bis zur Begeisterung für die Grobheiten zu erwärmen, die der Abt Schleyer vorgestellt hatte – eine Begeisterung, deren natürliches Ziel die Idee einer internationalen Hilfssprache selbst war, doch deren konkretes Objekt nicht geeignet war, um diese Begeisterung langfristig zu nähren“.[5]

Volapük-Alphabet[Bearbeiten]

Das Volapük-Alphabet besteht aus 27 Buchstaben:

Buchstabe IPA
a [a]
ä [ɛ] oder [æ]
b [b]
c [tʃ] oder [dʒ]
d [d]
e [e]
f [f]
Buchstabe IPA
g [g]
h [h]
i [i]
j [ʃ] oder [ʒ]
k [k]
l [l]
m [m]
Buchstabe IPA
n [n]
o [o]
ö [ø]
p [p]
r [r]
s [s] oder [z]
t [t]
Buchstabe IPA
u [u]
ü [y]
v [v]
x [ks] oder [gz]
y [j]
z [ts] oder [dz]
Schleyers Entwurf für die Umlaute

Die meisten Buchstaben werden wie im Deutschen ausgesprochen. Abweichungen gibt es nur bei:

  • c = stimmloses tsch [tʃ] (oder stimmhaftes dsch [dʒ]): cil [tʃil] = Kind (aus dem Englischen „child“ [tʃaɪld])
  • j = stimmloses sch [ʃ] (oder stimmhaftes sch [ʒ]): jad [ʃad] =Schatten (aus dem Englischen „shadow“ [ˈʃædəʊ])
  • v = w [v]: vin [vin] = Wein (aus dem Englischen „wine“ [waɪn]; [v] < [w])
  • y = j [j]: yag [jag] = Jagd

Beispiele[Bearbeiten]

Volapük ist eine agglutinierende Sprache, das heißt Wörter bekommen durch das Anhängen von Vorsilben und Nachsilben unterschiedliche Bedeutungen:

pük = Sprache
pükön = sprechen (-ön ist die Infinitiv-Endung)
pükel = Redner
nepük = Schweigen (ne- ist die verneinende Vorsilbe)
Beispielsätze
Odelo ovisitobs flenis obas. (Morgen besuchen wir unsere Freunde.)
Lif ela Schleyer äbinon vemo nitedik. (Schleyers Leben war sehr interessant.)
Givob ole bukis tel. (Ich gebe dir zwei Bücher.)

Vaterunser in Volapük[Bearbeiten]

O Fat obas, kel binol in süls,
paisaludomöz nem ola!
Kömomöd monargän ola!
Jenomöz vil olik,
äs in sül, i su tal.
Bodi obsik vädeliki givolös obes adelo.
E pardolös obes debis obsik,
äs id obs aipardobs debeles obas.
E no obis nindukolös in tentadi,
sod aidalivolös obis de bad.

Volapük-Hymne[Bearbeiten]

Volapükahüm

Der Text der Volapükhymne stammt von Franz Zorell, die Melodie von Schleyer.

Volapükahüm fa Zorell F.
Sumolsöd stäni blodäla!
Dikodi valik hetobs;
Tönöls jüli baladäla
Volapüke kosyubobs,
Vokobsöz ko datuval
„Menade bal, püki bal!“

Übersetzung

Friede, Brudersinn zu pflegen
Eintrachtsinn sei uns Panier!
Jauchzet diesem Werk entgegen!
„Eine Sprache“, ruft mit mir,
„gelte auf dem Erdenrund!“
Das erstrebe unser Bund!

Anfang des Johannes-Evangeliums[Bearbeiten]

  1. Primo vöd ädabinon, e vöd äbinon in God, e vöd äbinon God.
  2. Si! vöd äbinon primao in God;
  3. val edavedon dub on, e nen on nos edavedon uta, kel edavedon.
  4. In on lif äbinon, e lif äbinon lit menas.
  5. Lit stralon ini dag, e dag no elasumon oni.

Grammatik[Bearbeiten]

Im Zwölften Band von Pierers Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1883 wird unter dem Stichwort „Volapük“ eine kurze Einführung in die Grammatik dieser Plansprache gegeben:

Volapük
v. dem Pfarrer Joh. Martin Schleyer in Konstanz erfunden. Nachdem die v. Leibniz unter anderem gemachten Versuche, eine Weltsprache (s. d.) zu begründen, erfolglos geblieben waren, versuchte Schleyer dasselbe Ziel durch die Benutzung des Englischen zu erreichen. Das heute gesprochene Englisch erklärte er möglichst vereinfachen zu wollen; demgemäß macht er aus world (die Welt) vol u. aus speech (die Sprache) pük, zusammengesetzt volapük, Weltsprache. Aehnlich vereinfachte er die Grammatik, in der Flexionslehre: nur eine Deklination, nur eine Konjugation sollte in der Weltsprache vorhanden sein. Der Genitiv soll durch das Suffix a (daher vol-a-pük), der Dativ durch das Suffix e, der Akkusativ durch –i gebildet werden; im Plural wird hierzu noch das Suffix –s gefügt. Demgemäß heißt Vater, engl. father, im V. fat, Gen. fata, Gen. Plur. der Väter fatas, den Vätern fates. Das Adjektivum väterlich, engl. fatherly, wird durch Anhängung der Silbe –ik gebildet: fatik. Die persönlichen Fürwörter lauten im Singular ob (ich), ol (du), om (er), also im Pural: obs, ols, oms. Die Konjugation des Verbums besteht in Anfügung dieser Pronomina, vorgesetztes ä bildet das Präteritum, o das Futurum, vorgesetztes p das Passiv, zum Beispiel pälöfol, du wurdest geliebt. [6]

Kasus[Bearbeiten]

Deklination Singular Plural
Nominativ vol (die Welt) vols (die Welten)
Genitiv vola (der Welt) volas (der Welten)
Dativ vole (der Welt) voles (den Welten)
Akkusativ voli (die Welt) volis (die Welten)

Wortbildung[Bearbeiten]

Bei zusammengesetzten Wörtern (Komposita) steht das Grundwort am Ende:

pokamon = Taschengeld
monapok = Geldtasche

Adjektive[Bearbeiten]

Eigenschaftswörter (Adjektive) enden immer auf ik:

Substantiv IPA Bedeutung Adjektiv IPA Bedeutung Herkunft
gret [gret] Größe gretik [greˈtik] groß Englisch „great“ [gɹeɪt]
smal [smal] Kleinheit smalik [smaˈlik] klein Englisch „small“ [smɔːl]
pöf [pøf] Armut pöfik [pøˈfik] arm Französisch „pauvre“ [povʀ], „ö“ < „[o]“ und „f“ < „v“
gud [gud] Güte gudik [guˈdik] gut Englisch „good“
bad [bad] das Böse badik [baˈdik] böse Englisch „bad“ [bæd]

Substantive[Bearbeiten]

Substantiv IPA Bedeutung Herkunft
cem [tʃem] Zimmer Englisch „chamber“ [ˈtʃeɪmbə]
yad [jad] Hof Englisch „yard“ [jɑːd]
völ [vøl] Wand Englisch „wall“ [wɔːl], [v] < [w]
böd [bød] Vogel Englisch „bird“ [bɜːd]
log [log] Auge Lateinisch „oculus“ („log“ = „l“ + „og“ („og“ o[g] < „oc“ o[k]) < oc-ulus)
lil [lil] Ohr Englisch „ear“ [ɪə], „an ear is“ [ən ɪəɹ ɪz] – „lil“ = „l“ + „il“ („il“ < „ir“)

Von den Substantiven Auge und Ohr sind die Verben logön [loˈgøn] (= sehen) und lilön [liˈløn] (= hören) abgeleitet.

Grundzahlen[Bearbeiten]

Die Grundzahlen beginnen und enden auf einem Konsonanten mit einen Vokal. Endkonsonant ist stets ein „l„. Man beachte die Reihenfolge der Vokale (a, e, i, o, u, ä, ö, ü); nur bei „7“ ist wieder ein “e“ eingeschoben. Im schleyerschen Volapük wurden die Zehner mit dem Plural-s gebildet: 10 bals, 20 tels, 30 kils usw. 11 balsebal, 12 balsetel, 13 balsekil usw. Erst in der großen Volapükreform durch Arie de Jong wurde mit Einführung des Wortes „deg“ ein eigenes Wort für zehn und zur Bildung der Zehnerreihe eingeführt.

Volapük Ziffer Deutsch Beispiel
bal 1 eins degbal = 11
tel 2 zwei teldegtel = 22
kil 3 drei tumteldegkil = 123
fol 4 vier teldegfol = 24
lul 5 fünf telmil kiltumfoldeglul = 2.345
mäl 6 sechs tummäl = 106
vel 7 sieben veldeg = 70
jöl 8 acht jölmil = 8.000
zül 9 neun zülbalion = 9.000.000
deg 10 zehn teldeg = 20
Weitere Zahlen
tum = 100
mil = 1.000
degmil = 10.000
balion = 1.000.000 Million
telion = 1.000.000.000 Milliarde

folbalion jöltumveldegmälmil kiltumteldegzül = 4.876.329

„Fünf große Bäume“ heißt in Volapük „bims gretik lul“.

Verbformen[Bearbeiten]

Die Passivformen der Verben werden durch Voransetzen des Konsonanten „p“ und eines Vokals gebildet. Hier aufgezeigt anhand des Verbslöf“ (= lieben, abgeleitet vom englischen Wort „love“):

Passivformen
Grundform Tempus Form Übersetzung
pa Präsens palöfob ich werde geliebt
Imperfekt löfob ich wurde geliebt
pe Perfekt pelöfob ich bin geliebt worden
pi Plusquamperfekt pilöfob ich war geliebt worden
po Futur I polöfob ich werde geliebt werden
pu Futur II pulöfob ich werde geliebt worden sein

Kritik[Bearbeiten]

Die bedeutungstragenden Unterschiede sind oft sehr gering, so dass viele Wörter nur schwer auseinanderzuhalten sind.[7]

R und L
Die Laute ö ([ø]) und ü ([y]) sind für einen großen Teil der Menschen schwer auszusprechen, wenngleich der Projektautor Johann Martin Schleyer das „gerollte“ Zungenspitzen-R ([r]) aus seiner Plansprache eliminierte, um den Chinesen den Zugang zu Volapük zu erleichtern.

Was von Volapük blieb, wurde in den 1920er Jahren von dem Niederländer Arie de Jong reformiert, welcher den Buchstaben R wieder einführte. Er begründete diesen Schritt damit, dass die Japaner mit dem L Schwierigkeiten hätten.

Wortschatz
Internationalismen fehlen oder sind so entstellt, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind. Obwohl ein großer Teil des Wortschatzes dem Englischen entnommen ist, sind doch gerade für Muttersprachler des Englischen viele Wörter (zum Beispiel „pük“) auf Grund der darin enthaltenen Umlaute nur schwer auszusprechen.

Auch wird der Muttersprachler des Englischen nicht ohne Hinweis darauf kommen, dass zum Beispiel das Wort „flen“ für Freund vom englischen Wort „friend“ abgeleitet ist.

Übertragene Begriffsverwendung[Bearbeiten]

Im Dänischen wird das Wort volapyk heute synonym für (absichtlich) Unverständliches (Fach-Chinesisch, elitäres Kauderwelsch) benutzt – oder auch im Sinne von ‚Quatsch‘: Det er det rene volapyk (wörtl.: ‚Das ist das reinste Volapük‘) bedeutet so viel wie ‚Ich verstehe nur Bahnhof‘.[8] Ähnlich hat es Erich Kästner in seinem sarkastischen Gedicht Sogenannte Klassefrauen verwendet.

Im Esperanto wird volapukaĵo („in Volapük Abgefasstes”) auch in der Bedeutung „Unverständliches” verwendet.[9]

In Kurt Tucholskys Satire Der Löw' ist los (1929)[10] wird Russisch als das Volapük der Tiere bezeichnet. Es wird nicht näher darauf eingegangen, was darunter genau zu verstehen ist.

Mit dem Namen Wolapjuk (russisch кодировка „волапюк“, kodirowka „wolapjuk“ = ‚Kodierung „Volapük“‘; englisch „Volapuk“ encoding) bezeichnet man heute im slawischen Sprachraum auch die (inoffizielle) Transliteration kyrillischer Buchstaben über Computersysteme mit westlichem Lateinalphabet, etwa bei Chat oder Instant messaging, etwa in folgender Form: СОВЕТСКИЙ СОЮЗ (kyrillisch) = COBETCKIJ COJY3 (lateinisch) In dieser Bedeutung spielt Volapük auch in William Gibsons „Quellcode“ eine Rolle.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Rupert Kniele: Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük, Überlingen 1889.
  2. http://www.volapük.com/kadam/Dalebud_Cifala_de_1947-01-15,_Num-_1.html
  3. http://www.volapük.com/kadam/Dalebud_Cifala_de_1950-12-21,_Num-_4.html
  4. Dalebüd Cifala de 2012, Dekul 1, Nüm: 1
  5. Ulrich Matthias: Esperanto – Eine Chance für Europa
  6. Joseph Kürschner (Hrsg.): „Pierers Konversations-Lexikon“. Stuttgart: Deutsche Verlagsgesellschaft, 1893; Seite 899
  7. Wegen der Ähnlichkeit der Wörter muss man „auf eine gut artikulierte Aussprache viel Mühe verwenden” und sie sind „durch ihre geringe lautliche Differenziertheit schwer einprägsam” laut Heinz F. Wendt (Herausgeber): Das Fischer Lexikon Sprachen, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1977, S. 357.
  8. Langenscheidt: Taschenwörterbuch Dänisch (2007), ISBN 9783468111037; Seite 521.
  9. Erich-Dieter Krause: Großes Wörterbuch Esperanto-Deutsch. Hamburg, Buske, 1999, S. 873.
  10. Kurt Tucholsky: Der Löw' ist los! – Volltext bei Wikisource

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Volapük – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikipedia auf Volapük
 Wikisource: Volapük – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Deutsche Texte über Volapük – Quellen und Volltexte