Trema
Das Trema (griechisch τρῆμα, „Loch; Punkt [des Würfels]“; Plural: Tremata), auch Trennpunkt genannt, ist ein diakritisches Zeichen in Form eines horizontalen Doppelpunktes über einem Vokal. Der horizontale Doppelpunkt über einem Vokal hat in den Orthographien der Sprachen unterschiedliche Funktion. Zwei der wichtigsten sind die folgenden:
- Über einem von zwei benachbarten Vokalbuchstaben bezeichnet er die Diärese; so z. B. im Französischen und Spanischen.
- Über den Vokalbuchstaben ä, ö und ü bezeichnet er den Umlaut; so z. B. im Deutschen und Ungarischen.
In der ersten Verwendung liegt das Trema im engeren Sinne vor. Die deutsche Orthographie z. B. beschränkt den Ausdruck Trema auf diesen Fall; m.a.W.: der horizontale Doppelpunkt in der zweiten Verwendung heißt hier normalerweise nicht Trema. Der Begriff des Tremas im weiteren Sinne schließt dann diesen Fall auch noch ein.
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[Bearbeiten] Verwendung in verschiedenen Sprachen und Schriften
[Bearbeiten] Als Kennzeichnung einer Diärese
Häufig wird das Trema zur Kennzeichnung einer Diärese, das heißt der getrennten Aussprache von aufeinander folgenden Vokalen, genutzt.
- Im Französischen und im Niederländischen wird das Trema generell verwendet, um die getrennte Aussprache von Vokalen zu kennzeichnen. Beispielsweise zeigt das Trema im französischen Wort Noël („Weihnachten“) an, dass das e nicht mit dem o zusammengezogen, sondern als [nɔˈɛl] ausgesprochen wird. Weitere Beispiele aus dem Französischen sind die Wörter égoïste und Saül, aus dem Niederländischen paranoïde, geëerd und reünie. Aber auch im Englischen wird das Trema verwendet, z. B. bei naïve.
- Im Katalanischen, Spanischen und in der brasilianischen Orthographie des Portugiesischen steht das Trema auch über dem Buchstaben u, wenn er auf g oder (im Katalanischen und Portugiesischen) q folgt und von e oder i gefolgt ist. Denn nach diesen Orthographien bedeuten die Folgen gu und qu vor den Buchstaben e und i die Phoneme /g/ und /k/, während sie vor den Buchstaben a und o /gw/ und /kw/ bedeuten. Das Trema über dem u bezeichnet also, dass dieses als /w/ gesprochen werden soll.
- Spanisch: paraguas „Regenschirm“ – paragüero „Schirmständer“, beide mit /gw/; gegenüber lago „See“ – laguito „kleiner See“, beide mit bloßem /g/.
- Katalanisch: llengua „Sprache“, llengües „Sprachen“, qüestió „Fragestellung, Diskussionsthema“.
- Nach der Rechtschreibreform von 1990 gilt dies auch im Französischen.
- In der griechischen Schrift findet das Trema regelmäßige Verwendung, um die getrennte Aussprache von Vokalen in ansonsten als ein Laut gesprochenen Digraphen zu kennzeichnen, zum Beispiel αϊ oder οϊ. Ohne Trema werden die Vokalkombinationen αι oder οι als einfaches /e/ oder /i/ ausgesprochen, die Diärese eines Diphthongs ist hier also nur historisch zu sehen. Näheres dazu siehe unter Trema in der neugriechischen Orthographie.
[Bearbeiten] Als Kennzeichnung einer abweichenden Vokalqualität
In anderen Orthographien ist der horizontale Doppelpunkt über einem Vokalbuchstaben nicht ein kontextuell bedingter Aussprachehinweis, sondern bildet mit dem betreffenden Vokalbuchstaben eine graphische Einheit, also ein eigenes Graphem für einen anderen Vokal.
In der deutschen Orthographie sowie in der Orthographie mehrerer skandinavischer und finno-ugrischer Sprachen steht ein so modifizierter Vokalbuchstabe für einen vorderen, im Deutschen also einen umgelauteten Vokal. Um Missverständnisse zu vermeiden, wird daher im Deutschen das Trema i.e.S. – wenn überhaupt – nur in Eigennamen auf einem i (Zaïre) oder e (Citroën, Piëch, Noëlle, Hoëcker, Alëuten) verwendet.
Schon die deutschen Rechtschreibregeln vor 1996 rieten von der Verwendung des Tremas ab. Die Regeln seit der Rechtschreibreform von 1996 befassen sich gar nicht mehr mit dem Trema (siehe Das Trema in der deutschen Rechtschreibung im 19. Jahrhundert). Bei Schreibungen wie im griechischen Fremdwort Asteroid konnte sich das Trema auch in der Vergangenheit nicht durchsetzen; denn die Schreibung 'oi' reicht zur Bezeichnung der Diärese schon aus, weil der Diphthong /ɔʏ/ in der Regel mit eu oder äu verschriftet wird.
- In der Albanischen Sprache und im Luxemburgischen steht das ë für einen eigenständigen Vokal, das (Schwa), und wird wie ein offenes ö (Beispiel është), am Wortende oft auch gar nicht ausgesprochen (Beispiel unë). In der ladinischen Sprache steht das ë für einen stets betonten Schwa-Laut.
- Im kyrillischen Alphabet und manchen Sprachen, die es verwenden, hat das Trema über dem e ebenfalls die Funktion, einen anderen Laut als /e/ bzw. /je/ anzuzeigen. So wird beispielsweise im Russischen der Buchstabe Ë/ë als /jɔ/ ausgesprochen.
[Bearbeiten] Das Trema in der Datenverarbeitung
[Bearbeiten] Unicode
Die meisten Standards für Zeichensätze, darunter Unicode, unterscheiden nicht zwischen Umlaut und Trema. Wenn in der Datenverarbeitung eine Unterscheidung von Umlaut und Trema notwendig ist, empfiehlt ISO/IEC JTC 1/SC 2/WG 2 Folgendes:
- Darstellung des Tremas durch: Combining Grapheme Joiner (CGJ, 034F) + Combining Diaeresis (0308)
- Darstellung des Umlauts durch: Combining Diaeresis (0308)
[Bearbeiten] Eingabe
[Bearbeiten] Deutsche Tastaturbelegung
Unter Mac OS erhält man das Trema durch die Eingabe von Alt+u, anschließend a, e, i, o, u, y, A, E, I, O, U oder Y.
Unter Linux und BSD können Zeichen mit dem Trema durch die Tastenfolge Alt Gr, Ü, Buchstabe eingegeben werden, für Großbuchstaben mit zusätzlicher Umschalttaste ( ⇧ ). Das 'ï' wird also durch Alt Gr, Ü, I erzeugt. In älteren Versionen erfolgt das durch Kompositionstaste, ", Buchstabe.
[Bearbeiten] Schweizer Tastaturbelegung
Schweizer Tastaturen (siehe Tastaturbelegung#Schweiz) besitzen eine eigene Umlaut/Trema-Tottaste ¨. Gefolgt von a/A, o/O oder u/U erzeugt sie die entsprechenden Umlaute, gefolgt von i/I oder y/Y versetzt sie dem entsprechenden Vokal ein Trema.
[Bearbeiten] Neo-Tastaturbelegung
Die Neo-Tastaturbelegung ermöglicht die direkte Eingabe von Zeichen mit Trema durch eine Tottaste. Man erzeugt diese Zeichen mit Mod 4 + Tottaste 2, Buchstabe.
[Bearbeiten] TeX und LaTeX
TeX und LaTeX können das Trema über beliebige Zeichen setzen. Dazu gibt es zwei Befehle
- im Textmodus für den Textsatz erzeugt
\"aein ä - im mathematischen Modus erzeugt
\ddot adie Formel
. Diese Notation bezeichnet in der Regel die zweite Ableitung der Variablen a nach der Zeit.
[Bearbeiten] HTML
Um in HTML ë oder ï darzustellen, kann man folgende benannte Zeichen (Entities) benutzen: ë bzw. ï.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Punkt (Akzent)
- Phonetik (Aussprachelehre)
- Ÿ, N̈
[Bearbeiten] Weblinks
- Allgemein: Eingabe von Sonderzeichen über Tastaturkürzel unter Linux/Ubuntu (im Wiki von Ubuntuusers.de
-
Wiktionary: Trema – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
. Diese Notation bezeichnet in der Regel die zweite