Trema

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Trema in der Zahnmedizin siehe Diastema, für die gleichnamige Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) siehe Trema (Gattung).
¨
Diakritische Zeichen
Akut ( ´ )
Breve ( ˘ )
Breve darunter (   ̮ )
Cedille ( ¸ )
übergesetzte Cédille
Doppelakut ( ˝ )
Doppelgravis
Gravis ( ` )
Haken
Hatschek ( ˇ )
Horn
untergesetztes Komma (   ̦ )
Kroužek ( ˚ )
Makron ( ¯ )
Unterstrich
Mittelpunkt ( · )
Ogonek ( ˛ )
Punkt darunter ( ◌̣ )
Schrägstrich ( / )
Tilde ( ~ )
Trema ( ¨ )
Zirkumflex ( ˆ )
¨

Das Trema (altgr. τρῆμα ‚Loch‘, ‚Punkt [des Würfels]‘; Plural: Tremata), auch Trennpunkte genannt, ist ein diakritisches Zeichen in Form eines horizontalen Doppelpunktes über einem Vokal. Die entstehenden Zeichen haben in den Orthographien verschiedener Sprachen unterschiedliche Funktionen, im Allgemeinen zweierlei Art:

  1. Über einem von zwei benachbarten Vokalbuchstaben bewirkt das Trema eine veränderte Aussprache im Lautzusammenhang, zum Beispiel die Diärese (im Niederländischen) oder die Artikulation eines ansonsten stummen Vokals (z. B. im Französischen und Spanischen).
  2. Über den Vokalbuchstaben a, e, o und u erzeugt es einen neuen Buchstaben mit grundsätzlich anderer Aussprache; so z. B. im Deutschen (Umlaut) oder im Ungarischen.

In der ersten Verwendung liegt das Trema im engeren Sinne vor, der horizontale Doppelpunkt in der zweiten Verwendung wird normalerweise nicht als Trema, sondern als Umlautzeichen bezeichnet. Der Begriff des Tremas im weiteren Sinne schließt diesen Fall mit ein.

Verwendung in verschiedenen Sprachen und Schriften[Bearbeiten]

Als Kennzeichnung einer Diärese[Bearbeiten]

Beispiel eines Tremas auf e und i. Der verwendete Schriftsatz ist Garamond

Häufig wird das Trema zur Kennzeichnung einer Diärese, das heißt der getrennten Aussprache von aufeinander folgenden Vokalen, genutzt.

  • Im Niederländischen wird das Trema generell verwendet, um die vom vorhergehenden Vokal getrennte Aussprache eines Vokals zu kennzeichnen. Beispielsweise zeigt das Trema im Wort paranoïde an, dass das o und das i keinen Diphthong bilden, sondern sich auf zwei Silben verteilen. In geëerd ist das erste e kurz, das ë bildet mit dem dritten e gemeinsam einen langen Vokal. Auch im Englischen wird das Trema manchmal in dieser Funktion verwendet, z. B. bei naïve. Im Französischen ist es ähnlich, dort führt das Trema auf dem Wort égoïste zur veränderten (hier: zweisilbigen) Aussprache der beiden Vokale, während die Buchstaben oi generell die abweichende Aussprache [wa] haben. Weitere Beispiele aus dem Französischen sind die Wörter Noël und Saül, im Niederländischen reünie. Im Französischen kann das Trema jedoch auf dem e oder i auch zur betonten Aussprache eines vorangehenden u führen, wie zum Beispiel im Wort aiguë, wo hier im Gegensatz zur Diärese einen Vokal darstellt, während ein u ohne Trema die Aussprache des g verändert und selbst stumm ist.
  • Im Katalanischen, Spanischen und in der brasilianischen Orthographie des Portugiesischen steht das Trema auch über dem Buchstaben u, wenn er auf g oder (im Katalanischen und Portugiesischen) q folgt und vor e oder i steht. Denn nach diesen Orthographien bedeuten die Folgen gu und qu vor den Buchstaben e und i die Phoneme /g/ und /k/, während sie vor den Buchstaben a und o /gw/ und /kw/ bedeuten. Das Trema über dem u bezeichnet also, dass dieses als /w/ gesprochen werden soll.
    • Spanisch: paraguas „Regenschirm“ – paragüero „Schirmständer“, beide mit /gw/; gegenüber lago „See“ – laguito „kleiner See“, beide mit bloßem /g/.
    • Katalanisch: llengua „Sprache“, llengües „Sprachen“, qüestió „Fragestellung, Diskussionsthema“.
    • Seit der Rechtschreibreform von 1990 gilt dies auch im Französischen.
  • In der griechischen Schrift findet das Trema regelmäßige Verwendung, um die getrennte Aussprache von Vokalen in ansonsten als ein Laut gesprochenen Digraphen zu kennzeichnen, zum Beispiel αϊ oder οϊ. Ohne Trema werden die Vokalkombinationen αι oder οι als einfaches /e/ oder /i/ ausgesprochen, die Diärese eines Diphthongs ist hier also nur historisch zu sehen. Näheres dazu siehe unter Trema in der neugriechischen Orthographie.

Als Kennzeichnung einer abweichenden Vokalqualität[Bearbeiten]

In anderen Orthographien ist der horizontale Doppelpunkt über einem Vokalbuchstaben nicht ein kontextuell bedingter Aussprachehinweis, sondern bildet mit dem betreffenden Vokalbuchstaben eine graphische Einheit, also ein eigenes Graphem für einen anderen Vokal. In der deutschen Orthographie sowie in der Orthographie mehrerer skandinavischer und finno-ugrischer Sprachen steht ein so modifizierter Vokalbuchstabe für einen vorderen, im Deutschen also einen umgelauteten Vokal.

Im engeren Sinne existiert im Deutschen ein Trema nicht explizit; statt frz. „Zaïre“ wird „Zaire“ geschrieben. Es findet sich noch in manchen Eigennamen auf einem e (Citroën, Piëch, Noëlle, Hoëcker) oder auf einem ı (Brassaï).

Die deutschen Rechtschreibregeln vor 1996 rieten von der Verwendung des Tremas ab. Die Regeln seit der Rechtschreibreform von 1996 befassen sich gar nicht mehr mit dem Trema (siehe Das Trema in der deutschen Rechtschreibung im 19. Jahrhundert). Bei Schreibungen wie im griechischen Fremdwort Asteroid konnte sich das Trema auch in der Vergangenheit nicht durchsetzen.

  • In der albanischen Sprache und im Luxemburgischen steht das ë für einen eigenständigen Vokal, das Schwa, und wird wie ein offenes ö (Beispiel është), am Wortende oft auch gar nicht ausgesprochen (Beispiel unë). In der ladinischen Sprache steht das ë für einen stets betonten Schwa-Laut.
  • Im kyrillischen Alphabet und manchen Sprachen, die es verwenden, hat das Trema über dem e ebenfalls die Funktion, einen anderen Laut als /e/ bzw. /je/ anzuzeigen. So wird beispielsweise im Russischen der Buchstabe Ë/ë als // ausgesprochen.

Das Trema in der Datenverarbeitung[Bearbeiten]

Unicode[Bearbeiten]

Die meisten Standards für Zeichensätze, darunter Unicode, unterscheiden nicht zwischen Umlaut und Trema. Wenn in der Datenverarbeitung eine Unterscheidung von Umlaut und Trema notwendig ist, empfiehlt ISO/IEC JTC 1/SC 2/WG 2 [1] Folgendes:

  • Darstellung des Tremas durch: Combining Grapheme Joiner (CGJ, 034F) + Combining Diaeresis (0308)
  • Darstellung des Umlauts durch: Combining Diaeresis (0308)

Eingabe[Bearbeiten]

Deutsche Tastaturbelegung[Bearbeiten]

Unter Mac OS erhält man das Trema durch die Eingabe von Alt+u, anschließend a, e, i, o, u, y, A, E, I, O, U oder Y.

Unter Linux und BSD können Zeichen mit dem Trema durch die Tastenfolge Alt Gr+Ü, Buchstabe eingegeben werden, für Großbuchstaben mit zusätzlicher Umschalttaste ( ⇧ ). Das 'ï' wird also durch Alt Gr+Ü, I erzeugt. In älteren Versionen erfolgt das durch Kompositionstaste, ", Buchstabe.

Schweizer Tastaturbelegung[Bearbeiten]

Schweizer Tastaturen (siehe Tastaturbelegung#Schweiz) besitzen eine eigene Umlaut/Trema-Tottaste ¨. Gefolgt von a/A, o/O oder u/U erzeugt sie die entsprechenden Umlaute, gefolgt von i/I oder y/Y versetzt sie dem entsprechenden Vokal ein Trema.

Neo-Tastaturbelegung[Bearbeiten]

Die Neo-Tastaturbelegung ermöglicht die direkte Eingabe von Zeichen mit Trema durch eine Tottaste. Man erzeugt diese Zeichen mit Mod 4 + Tottaste 2, Buchstabe.

TeX und LaTeX[Bearbeiten]

TeX und LaTeX können das Trema über beliebige Zeichen setzen. Dazu gibt es zwei Befehle

  • im Textmodus für den Textsatz erzeugt \"a ein ä
  • im mathematischen Modus erzeugt \ddot a die Formel \ddot{a}. Diese Notation bezeichnet in der Regel die zweite Ableitung der Variablen a nach der Zeit.

HTML[Bearbeiten]

Um in HTML ë oder ï darzustellen, kann man folgende benannte Zeichen (Entities) benutzen: ë bzw. ï.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ISO/IEC JTC 1/SC 2/WG 2 N 2754 (vom 24. Juni 2004; Seite 5 unter M45.13); siehe auch DNB, Zeichenkonkordanz MAB2-Zeichensatz - ISO/IEC 10646 / Unicode (vom 1. Februar 2005; Fußnote 9)