Jerzy Buzek

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Jerzy Buzek 2011

Jerzy Karol Buzek [ˈjɛʒɨ 'karɔl ˈbuzɛk]?/i (* 3. Juli 1940 in Smilowitz, Landkreis Teschen) ist ein polnischer Politiker (PO). Er war von 1997 bis 2001 Ministerpräsident Polens und von 2009 bis 2012 Präsident des Europäischen Parlaments.

Leben[Bearbeiten]

1957 bis 1963 studierte Jerzy Buzek an der Schlesischen Technischen Universität (Politechnika Śląska) in Gliwice, wo er das Studium 1963 als Ingenieur für Chemie abschloss.

Von 1980 bis 1981 sowie ab 1989 war Buzek in der Gewerkschaft Solidarność tätig, 1981 als Vorsitzender des ersten Solidarność-Kongresses. Während des Kriegszustandes unter General Wojciech Jaruzelski wirkte er im Untergrund in führenden Positionen der Solidarność mit.

Seit 1997 ist Buzek Professor für Technische Wissenschaften an der Technischen Universität Oppeln und besitzt die Ehrendoktorwürde der Universitäten von Seoul und Dortmund. Er ist zudem Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Vertreter Polens in der Internationalen Energieagentur.

Von 1997 bis 2001 war Buzek polnischer Ministerpräsident. Dabei führte er zunächst eine Koalition der gemäßigt konservativen Akcja Wyborcza Solidarność (AWS) und der liberalen Unia Wolności (UW). Nach dem Ausscheiden der Unia Wolności aus der Regierung im Jahr 2000 leitete er eine AWS-Minderheitsregierung. Von Januar bis Oktober 2001 war er auch Vorsitzender der AWS.

Die Politik Buzeks zielte auf eine rasche Hinführung Polens zur Europäischen Union ab. Dabei hatte die Regierung Buzek erhebliche Schwierigkeiten, die dafür notwendigen Maßnahmen innenpolitisch durchzusetzen. Der Popularitätsverlust führte zu Konflikten innerhalb der Regierungspartei AWS, die daraufhin 2001 eine herbe Wahlniederlage erlitt. Jerzy Buzek wurde nach der Wahl von Leszek Miller (SLD) abgelöst.

Innerhalb seiner Amtszeit wurde die Neustrukturierung der polnischen Regionen in 16 neue Woiwodschaften durchgeführt und der Beitritt Polens zur NATO erreicht.

Jerzy Buzek ist heute Mitglied der konservativ-liberalen Platforma Obywatelska (PO, Bürgerplattform) und wurde bei der Europawahl 2004 als Abgeordneter in das Europäische Parlament gewählt. Als Abgeordneter der Bürgerplattform war Buzek Mitglied der Fraktion EVP-ED und gehörte dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie an. Bei der Europawahl in Polen 2009 und 2014 wurde er ins Europäische Parlament wiedergewählt.

Buzek ist evangelisch-lutherischer Konfession. Er war nach Felicjan Sławoj Składkowski (1936–1939) der zweite protestantische Regierungschef Polens.[1] Buzek ist außerdem Kuratoriumsmitglied des evangelikalen Vereins ProChrist, der Massenevangelisationen veranstaltet.[2] Er ist verheiratet mit Chemieprofessorin Ludgarda Buzek und Vater der Schauspielerin Agata Buzek.

Auch Vorfahren Buzeks waren in der Politik. So war der Großonkel Buzeks, Prof. Józef Buzek, in den Jahren 1907 bis 1918 nationaldemokratisches[3] Mitglied des österreichischen Reichsrates[4] und dann polnischer Senator (1922-27).

Präsident des Europäischen Parlaments[Bearbeiten]

Jerzy Karol Buzek wurde am 14. Juli 2009 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt[5] und ist damit Nachfolger des deutschen Christdemokraten Hans-Gert Pöttering. Aufgrund eines Kompromisses mit der Sozialdemokratischen Partei Europas soll Buzek die erste Hälfte der Wahlperiode des Europäischen Parlaments von fünf Jahren als Präsident amtieren. Die Amtszeit aller Führungsaufgaben im Europäischen Parlament (Präsident, Vize-Präsidenten, Quästoren) beträgt 2,5 Jahre. Buzek kündigte an, Menschenrechte zu einer Priorität seiner Amtszeit zu machen, genauso wie sein Vorgänger Hans-Gert Pöttering.[6] Zu Beginn der Kampagne seiner Kandidatur für das Amt des Präsidenten des Europäischen Parlaments löste Jerzy Buzek eine Kontroverse aus, als er auf einer Pressekonferenz Englisch, Französisch und Polnisch als die „wichtigsten Sprachen der EU“ bezeichnete. Später korrigierte er sich, indem er sagte, diese Sprachen „gehörten zu den bekanntesten“.[7]

Das polnische Politikmagazin Wprost ernannte ihn 2010 zum Mann des Jahres 2009 (Człowiek Roku 2009) für seine Arbeit als Präsident des Europäischen Parlaments.[8]

Am 14. Oktober 2011 eröffnete Buzek nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit das Parlamentarium. Es handelt sich dabei um das größte Besucherzentrum eines Parlaments in Europa.

Am 17. Januar 2012 wurde der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz zu Buzeks Nachfolger als Parlamentspräsident gewählt.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jerzy Buzek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Buzek został przewodniczącym Parlamentu Europejskiego. Gazeta Wyborcza, 14. Juli 2009, abgerufen am 15. Juli 2009 (poln.)
  2. Kuratorium ProChrist
  3. Teresa Stochel-Nabielska: Das polnische Parteienspektrum in Galizien vor 1914 (Dissertation; PDF; 2,5 MB), 2008, abgerufen am 8. Juli 2011.
  4. Jerzy Buzek: "Wir sind ein einziger parlamentarischer Körper" Der Präsident des Europäischen Parlaments im EU-Hauptausschuss auf OTS vom 8. Juli 2011 abgerufen am 8. Juli 2011
  5. Nikolas Busse: EU-Parlamentspräsident - Pole Buzek mit großer Mehrheit gewählt. FAZ, 14. Juli 2009
  6. Carolyn Henson: EU Parliament Elects Ex-Polish PM Buzek As President, Wall Street Journal. 14. Juli 2009. 
  7. Martin Banks: Buzek overcomes gaffe and accepts EU parliament president nomination, theParliament.com. 7. Juli 2009. Abgerufen am 14. Juli 2009. 
  8. Jerzy Buzek - Człowiek Roku 2009. Wprost, 19. Januar 2010
  9. FAZ: Martin Schulz neuer Präsident des Europaparlamentes
  10. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)