John O. Brennan

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John O. Brennan (2012)

John Owen Brennan (* 22. September 1955) ist ein hochrangiger US-amerikanischer Regierungsbeamter und seit März 2013 Direktor der Central Intelligence Agency (CIA). Zuvor war er unter anderem Leiter des National Counterterrorism Centers (NCTC) (2004 - 2005) sowie Antiterror-Berater von US-Präsident Barack Obama (Special Advisor to the President for Counterterrorism Affairs) (2009 - 2013).

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn irischer Einwanderer aus Roscommon wuchs in North Bergen (New Jersey) auf.[1] Er studierte an der Fordham University, wo er 1977 seinen B.A. in Politikwissenschaften machte.[2] Ein Auslandsjahr verbrachte er an der Amerikanischen Universität in Kairo.[2][3] Von der University of Texas in Austin erhielt er 1980 einen Master of Arts.[3] Er spricht fließend Arabisch.[1]

Brennan arbeitete in der Folge bereits lange für die CIA, unter anderem als Analyst für den Nahen Osten und Süd-Asien sowie in Saudi-Arabien. 1999 wurde er Stabschef des damaligen CIA-Direktors George Tenet.[2][3] 2001 wurde Brennan stellvertretender CIA-Direktor.[2] Von 2004 bis 2005 amtierte er als Leiter des National Counterterrorism Center.[2][3][1] 2005 verließ Brennan den Staatsdienst und wechselte vorübergehend in die Privatwirtschaft. Am 20. Januar 2009 trat er die Nachfolge von Kenneth L. Wainstein als Homeland Security Advisor an. Seine offizielle Amtsbezeichnung lautete „Stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater für Innere Sicherheit und Anti-Terrorismus und Assistent des Präsidenten“.[4][2][5]

Aufgrund der von Glenn Greenwald mitgeführten Offensive gegen die Kandidatur John O. Brennans für die Führungspositionen Director of Central Intelligence und Director of National Intelligence verzichtete dieser schließlich.[6] Brennan wurde vorgeworfen, Sympathisant der Verhörmethoden (siehe Abu-Ghuraib-Folterskandal) der Regierung von George W. Bush zu sein. Als Anfang 2013 Barack Obama ihm die gleiche Position anbot, verzichtete er nicht erneut.[7]


Im Juni 2011 präsentierte er eine neue Anti-Terror-Strategie.[8] In einer Rede am Woodrow Wilson International Center for Scholars am 30. April 2012 verteidigte er die gezielte Tötung ausgewählter Al-Qaida-Terroristen.[9] Es handele sich nicht um Vergeltungsschläge, sondern um Beteiligte an geplanten Anschlägen. Im Anschluss an seine Rede führte er aus:

„We only decide to take that action if there is no other option available, if there is not the option of capture, if the local government will not take action, if we cannot do something that will prevent that attack from taking place, and the only available option is taking that individual off of the battlefield, and we’re going to do it in a way that gives us the confidence that we are not going to, in fact, inflict collateral damage.“

Seine Behauptung, bei Angriffen durch „Killer-Drohnen“ seien noch keine Zivilisten getötet worden[10], wird vom Bureau of Investigative Journalism bestritten.[11]

Am 16. September 2011 hielt er an der Harvard Law School eine Rede zur Balance zwischen Nationaler Sicherheit und der Einhaltung von Werten und Gesetzen. Oberste Priorität bleibt demnach der Schutz der amerikanischen Bevölkerung. Des Weiteren müssen alle Aktionen, auch die verdeckten, den Werten und Gesetzen der USA entsprechen.[12] Als strittigen Punkt benannte er die geografische Definition eines Konfliktes. Der britische Jurist Daniel Bethlehem fasst die Positionen so zusammen: „The U.S. sees the conflict against Al Qaeda as without geographic limit, even if it is subject to other constraints. The self-defense gateway has already been passed. Key allies see it differently, as a conflict geographically limited to “hot’” battlefields.“[13]

Direktor der Central Intelligence Agency[Bearbeiten]

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Am 7. Januar 2013 nominierte Präsident Obama Brennan für den Posten des CIA-Direktors.[14] Am 8. März 2013 nahm US-Vizepräsident Joe Biden ihm im Roosevelt Room des Weißen Hauses den Amtseid ab.

Im März 2014 beschuldigte Dianne Feinstein die CIA, Dokumente von einem Rechner entfernt zu haben, welcher dem Geheimdienstausschuss des US-Senats bei der Untersuchung von Folter-Vorwürfen dienen sollte.[15] Brennan wies den Vorwurf des Computer-Einbruchs zurück.[16]

Im April 2014 enthüllten russische Medien, unter Berufung auf ranghohe Beamte im Kiewer Sicherheitsapparat, dass Brennan am 12. und 13. April in Kiew gewesen sei und sich auch mit Premierminister Arsenij Jazenjuk und seinem Vize Vitali Jarema getroffen und besprochen habe.[17] Der damalige Präsidentschaftskandidat Oleh Zarjow behauptete, im Hauptquartier des ukrainischen Geheimdienstes SBU in Kiew hätten verschiedene US-Geheimdienste ein ganzes Stockwerk bezogen – für ukrainische Offiziere sei dort der Zutritt verboten.[18] Die Geheimdienst-Konsultationen wurden von Jay Carney, einem Pressesprecher des Weißen Hauses bestätigt.[19] Russische Medien sahen einen Zusammenhang mit dem Besuch Brennans und einer kurz darauf vom ukrainischen Innenministerium angekündigten Sonderoperation der Sicherheitskräfte mit Militärhubschraubern und Panzern gegen rebellierende Ostukrainer an, mit Schwerpunkt bei der Stadt Slowjansk.[20][21] Die CIA bestritt diese Zusammenhänge. Am 4. Mai berichteten deutsche Medien, dass die amerikanischen Dienste CIA und FBI die ukrainische Übergangsregierung bei ihrem Vorgehen gegen Aufständische im Osten der Ukraine berät.[22]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John O. Brennan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Niall O'Dowd: John Brennan, son of Irish immigrants, now Obama's top gun. Irish Central. 6. Juni 2010. Abgerufen am 31. Oktober 2010.
  2. a b c d e f Amanda Erickson: Profile: John O. Brennan. In: Who Runs Gov. The Washington Post. 25. August 2010. Abgerufen am 19. Mai 2011.
  3. a b c d Herb Jackson: North Bergen man is homeland security assistant for President Obama. In: The Bergen Record, 5. Dezember 2009. Abgerufen am 31. Oktober 2010. 
  4. James Gordon Meek: White House counterterror adviser John Brennan: Out of the shadows and into the spotlight, New York Daily News. 9. Januar 2010. 
  5. Annual Report To Congress On White House Office Staff (PDF; 172 kB) Executive Office of the President. 1. Juli 2009. Abgerufen am 19. Mai 2011.
  6. Brennan Pulls Out Of Running For CIA Chief, Chides Liberal Blogs. Archiviert vom Original am 11. August 2013. Abgerufen am 11. August 2013.
  7. US-Regierung: Obama nominiert Republikaner als Pentagon-Chef, Spiegel Online, 7. Januar 2013 (abgerufen am 7. Januar 2013).
  8. MacKenzie C. Babb: Presidential Adviser Announces New Counterterrorism Strategy - US-Außenministerium, 29. Juni 2011; National Strategy for Counterterrorism, Juni 2011
  9. The Ethics and Efficacy of the President’s Counterterrorism Strategy - Video und Mitschrift
  10. Protokoll: Gohmert (Texas) im US-Repräsentantenhaus 06. February 2013 zitiert "The Wrong Man for the CIA" von Gregory Johnsen in der New York Times, November
  11. US claims of ‘no civilian deaths’ are untrue
  12. Remarks of John O. Brennan, "Strengthening our Security by Adhering to our Values and Laws" - Rede an der Harvard Law School, 16. September 2011
  13. Mopping up the Last War or Stumbling into the Next?, 7. Oktober 2011.
  14. US-Regierung: Obama nominiert Republikaner als Pentagon-Chef. In: Spiegel Online. 7. Januar 2013
  15. Statement on Intel Committee’s CIA Detention, Interrogation Report - Pressemitteilung vom 11. März 2014
  16. Ryan Teague Beckwith: 4 reasons the latest CIA revelation is serious. In: Whittier Daily News. 11. März 2014
  17. André Eichhofer: Ukraine: Wie die CIA Kiew mit Geheim-Informationen hilft. In: Die Welt. 16. April 2014
  18. Florian Stumfall: Ukraine: Die CIA zieht die Fäden. In: Contra-Magazin. 14. April 2014
  19. David Jackson: White House: Brennan was in Kiev this weekend. In: USA Today. 14. April 2014
  20. Webseite der Agentur RIA Novosti vom 14. April 2014
  21. Detlef D. Pries: Mit einem Bein im Bürgerkrieg – Ultimatum verstrich zunächst folgenlos. In: Neues Deutschland. ag-friedensforschung.de, 15. April 2014, abgerufen am 28. April 2014.
  22. Tödlicher Brand in Odessa – Jazenjuk macht Polizei verantwortlich. In: n-tv. 4. Mai 2014, abgerufen am 5. Mai 2014.