Wil ZH

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ZH ist das Kürzel für den Kanton Zürich in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Wilf zu vermeiden.
Wil
Wappen von Wil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Bülachw
BFS-Nr.: 0071i1f3f4
Postleitzahl: 8196
Koordinaten: 680395 / 27337347.6061098.507774406Koordinaten: 47° 36′ 22″ N, 8° 30′ 28″ O; CH1903: 680395 / 273373
Höhe: 406 m ü. M.
Fläche: 8.94 km²
Einwohner: 1298 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 143 Einw. pro km²
Website: www.wil-zh.ch
Karte
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Über dieses Bild
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Wil ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

In Rot eine aufrechte silberne Pflugschar

Geographie[Bearbeiten]

Wil liegt im Rafzerfeld. Die nördliche Gemeindegrenze bildet einen Teil der Schweizer Landesgrenze gegen Deutschland. Der Landwirtschaft dienen 54 % der Gemeindefläche, 31 % ist bewaldet, dem Verkehr dient 4 % und 10,5 % ist Siedlungsgebiet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wichtige Erwerbszweige in Wil sind Landwirtschaft, Rebbau, sowie der Kiesabbau.

Die Stadt Zürich liess 1674 durch Johann Rudolf Werdmüller, das Rebgelände vermessen. Die grösste Rebfläche findet sich mit 17,5 Hektar noch heute «Im Berg», welche sich seit 1674 kaum verändert hat. Daneben hat sich auch die Rebfläche «in der Halde» und «in der Bürglen» halten können. Die 1674 noch erfassten Rebflächen «in der Steige», «in der Buchelooer Halde» und «auf des Klein Joge Buck» (heute Fasnachtsbuk) hingegen sind heute verschwunden.

Von der Mitte des 17. Jahrhunderts an war in Wil das Strohflechten weit verbreitet. Mit der Eröffnung der Hutfabrik von Heinrich Ritz in Hüntwangen, nahm das Heimgewerbe rasch ab. 1927 kaufte die Hutfabrik zum letzten Mal heimgeflochte Hüte auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Aus der Zeit der Römer ist eine Strasse nachgewiesen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Wil ist für das Jahr 1216 nachgewiesen. Der Name leitet sich vermutlich aus dem lateinischen villa für Guts- und Herrenhof ab, ist aber nicht bewiesen. Der am 16. Juli 1216 verfasste Schiedsspruch vom Bischof Konrad ist das älteste Dokument, auf dem der Ortsname auftaucht. Er ist in lateinischer Sprache gehalten und behandelt einen Streit zwischen den Johannitern von Bubikon und den Benediktinern von St. Johann im Thurtal. Darin wird ein Leutpriester Albert von Wil (Albertus, plebanus de Wile). Gleichzeitig dokumentiert dieser Schiedsspruch das Wil schon 1216 eine selbständige Pfarrei war.

Die Pfarrkirche war vermutlich eine Stiftung des Freiherrn von Tengen, der zu damaligen Zeit der grösste Grundbesitzer im Rafzerfeld war. Denn das Tengsche Haus neben der Stadt Eglisau auch den Kirchensatz zu Wil, Bülach und Kloten.

Zwischen 1259 und 1407 ist urkundlich ein Ministerialgeschlecht «von Wil» des Freiherrn von Tengen nachgewiesen. Diese wird mit grösster Wahrscheinlichkeit die Burg auf dem Holbuckrain bewohnt haben. Der Hügel liegt nordwestlich des Dorfes Wil, und wird auch als Burg bezeichnet ob wohl die Feste «Schnitzberg» oder «Schnetzburg» abgegangen ist. Es nur der noch sichtbarer Wallgraben gefunden werden konnte, geht man davon aus, dass es sich um eine Holzburg gehandelt hat.

Im Mittelalter übten die Habsburg-Laufenburger und später deren Nachfolger, die Klettgau Grafen von Sulz aus Tiengen (Hochrhein), sowohl Herrschaft als auch die hohe Gerichtsbarkeit aus.

Im Jahr 1651 erkaufte Zürich die Hohe Gerichtsbarkeit. Wil übernahm die Reformation 1523, in der Folge bestimmten die Zürcher den Pfarrer und den Landvogt.

1798 und in den napoleonischen Kriegen besetzten Franzosen, Österreicher und Russen Wil.

Am 22. Februar 1944 wurde ein Haus ausserhalb des Dorfes bombardiert, wobei alle 8 Personen, die gerade am Mittagstisch sassen, getötet wurden.[2]

Dorfbrände[Bearbeiten]

Das Dorf Wil wurde im 17. Jahrhundert gleich mehrmals von Grossbränden heimgesucht.

Der bekannteste ist der Brand an Fasnacht 1619, denn dieser wurde von Karl Biedermann in einem Mundartgedicht literarisch verarbeitet. Das genaue Datum ist nicht mehr zu eruieren, denn der einzige datierte Brief trägt das Datum 19. Februar 1619, wurde aber einige Tage danach geschrieben, da er sich darin auf ein Vorkommnisse vor ein paar Tagen bezog. Es handelt sich dabei um den Rapport des Landvogt Grebels an die Regierung in Zürich. Darin beschreibt er, dass insgesamt 40 Firsten mit 60 Haushaltungen komplett niedergebrannt seien. Der andere erhaltene Brief des Pfarrers Fries ist nicht datiert, und beinhaltet ebenfalls kein Datum. Dieser beinhaltet wie der Brief des Vogts auch die Brandursache. Dass um zwei Uhr nachmittags einer vor seinem Haus eine Muskete abgefeuert habe, worauf das Dach Feuer gefangen habe. So schreibt der Pfarrer von 45 Firsten und 62 Haushaltungen, und insgesamt seien 275 Personen direkt betroffen und verloren ihr Zuhause. Die Kirche und das Pfarrhaus seien aber verschont geblieben. Die Differenz bei den Häusern und Haushaltungen in den beiden Briefen kann durchaus darin liegen, dass der Vogt nur die Totalschäden aufnahm. Der Brand forderte aber keine Toten. Die anschliessende Sammlung zu Gunsten der Brandopfer durch die Zürcher Kirche brachte 2400 Gulden ein.[3]

Am 1623 wurden durch einen Brand sechs Haushaltungen obdachlos, worauf eine Brandbrief ausgestellt wurde. In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai Mai 1642 brannte es erneut. Diesmal waren 24 Wohnhäuser (Nur Häuser keine Scheunen) betroffen. 1654 brannten einige Häuser und der Kirchturm. 1694 brannten erneut 6 Häuser. Bei all diesen Bränden im 17. Jahrhundert gab es keine Todesopfer. Die einzigen Opfer durch einen Brand in Wil gab es 1650, als eine Mutter mit ihrem Kind verbrannte.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die 1860 abgetragene alte Kirche von Wil auf einer Zeichnung Ludwig Schulthess’ aus dem Jahre 1840.

Die Kirche von Wil ist eine Neubau von 1975, der vom Architekten Bitterli aus Zürich entworfen wurde. Dies nach dem man am 29. Januar 1970 beschlossen hatte die Kirche von 1869 nicht zu renovieren sondern zu ersetzen. Die neue Kirche wurde am Standort der Kirche von 1869 erbaut. Diesmal verschob man die Kirche nicht was 1869 noch geschah, als die Kirche durch Heinrich Bräm auf dem, Rebhügel neben der alten erstellte wurde. Und diese alte Kirche neben dem Pfarrhaus erst danach 1860 abgebrochen hatte. Die Pfarrei Wil aber gilt als die viertälteste Pfarrei im Zürcher Unterland, da sie schon seit mindestens 1216 nachgewiesen ist. Nachweislich älter sind nur die Pfarreien Bülach (811), Lufingen (1178) und Kloten (1188).

Das Pfarrhaus an der Oberdorfstrasse wurde 1561 erbaut.

Im Dorfkern finden sich noch etliche Riegel-bauten aus dem 18. Jahrhundert.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindepräsident ist Werner Müller (Stand 2009).

Die Zahl der Gemeinderäte betrug von 1803 bis 1863 drei Personen (Präsident und zwei Mitglieder). Ab 1863 fünf Personen (Präsident und vier Mitglieder). Der Gemeindemann wird seit 1870 durch die Gemeinde selbst gewählt. Davor wurde von der Gemeinde dem Bezirksrat ein Zweiervorschlag vorgelegt, welcher daraus der ihm genehme wählte.

Die erste Gemeindeordnung wurde 1844 eingeführt. Diese wurde jeweils 1862, 1867, 1877, 1887, 1901, 1928, 1955 und 1964 neu überarbeitet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Karl Biedermann (1824-1894) der Mundartdichter wurde zwar in Winterthur geboren und wuchs in Pfungen auf, lebte aber ab Oktober 1850 in Wil und erwarb 1876 das Bürgerrecht von Wil. Er war auch Kaufmann, und dabei war sein Hauptstandbein der Strohhuthandel mit seiner Firma «Charle Biedermann, Manufacture de paille».

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wil, die Geschichte eines Bauerndorfes auf dem Rafzerfeld Herausgegeben von der politischen Gemeinde Wil/ZH 1993 (keine ISBN)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wil ZH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Wil, die Geschichte eines Bauerndorfes auf dem Rafzerfeld Seite 342
  3. Wil, die Geschichte eines Bauerndorfes auf dem Rafzerfeld Seiten 187-188
  4. Wil, die Geschichte eines Bauerndorfes auf dem Rafzerfeld Seiten 188-190