Wolf Haas

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Wolf Haas (O-Töne 2009)

Wolf Haas (* 14. Dezember 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer, Land Salzburg, Österreich) ist ein österreichischer Schriftsteller, der in Wien lebt. Bekannt wurde er als Autor von Kriminalromanen, von denen drei den Deutschen Krimipreis gewannen.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Haas wuchs in Maria Alm auf. Beide Elternteile arbeiteten im Kellnerberuf. 1970 kam er als Internatsschüler in das katholische Privatgymnasium Borromäum in der Stadt Salzburg.

Nach bestandener Matura studierte er ab 1979 an der Universität Salzburg zunächst Psychologie, ab 1980 dann Germanistik und Linguistik. Dieses Fach schloss er mit einer Dissertation zum Thema Die sprachtheoretischen Grundlagen der Konkreten Poesie ab. Von 1988 bis 1990 arbeitete er als Universitätslektor in Swansea in Südwales.[1]

Zurück in Österreich, begann er in Wien als Juniortexter bei Werbeagenturen zu arbeiten. Er schuf die Radiospots Lichtfahrer sind sichtbarer sowie Ö1 gehört gehört, den er auch selbst gesprochen hat. Es folgte die „Ö3-Wecker“-Kasperliade Peda & Peda, die entstand, als Haas und sein Pendant Herbert Haider nach der letzten Staffel einer Mazda-Werbung ihre Idee der skurrilen Zwiegespräche dem Hörfunkprogramm Ö3 anboten. Danach kündigte er bei der Werbeagentur Demner & Merlicek und wurde freier Schriftsteller.

Von 1996 bis 2003 schrieb Haas sieben Kriminalromane, sechs davon mit dem Detektiv Simon Brenner als Hauptfigur. Vier Teile des Brenner-Zyklus, Komm, süßer Tod, dann Silentium!, Der Knochenmann und Das ewige Leben (ab 2015 im Kino), wurden verfilmt. Der Krimi Ausgebremst (in dem Brenner nicht vorkommt) ist am Rande des Formel-Eins-Zirkusses angesiedelt.

Haas’ Kriminalromane zeichnen sich durch satirische Gesellschaftskritik, Spannung und lakonischen Witz aus. Dreimal erhielt er den Deutschen Krimipreis.

Mit seinem Lektor Wolfram Hämmerling verbindet Wolf Haas eine besondere Beziehung. Hämmerling betreute 1995 die Krimireihe beim Rowohlt-Verlag und entschied sich, das unverlangt eingesandte Manuskript „Auferstehung der Toten“ zu verlegen.[2] 2002 folgte Wolf Haas Wolfram Hämmerling von Rowohlt zum Verlag Hoffmann und Campe.

Von Wolf Haas und Annemarie Mitterhofer stammt die Idee für die erfolgreiche ORF-Fernsehserie „Vier Frauen und ein Todesfall“, die 2004–2008 entstand und seit 2011 weitergeführt wird.

Im September 2006 veröffentlichte Wolf Haas den Roman Das Wetter vor 15 Jahren, eine Liebesgeschichte in der Form eines Interviews zwischen einer Literaturkritikerin und dem (fiktiven) Autor Wolf Haas über sein (fiktives) neues Werk. Im Roman kündigt die fiktive Figur Wolf Haas an, künftig keine Kriminalromane mehr zu schreiben.[3] Für Das Wetter vor 15 Jahren erhielt Haas 2006 den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.

Mit dem im August 2009 erschienenen Werk Der Brenner und der liebe Gott kehrte er entgegen der Ankündigung des fiktiven Wolf Haas und auf NZZ Podium wieder ins Krimigenre zurück.[4]

2012 publizierte Haas den Roman Verteidigung der Missionarsstellung, eine literarische Anwendung der in sich selbst zurückführenden Grundstruktur des Paisleymusters. Dafür wurde er mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. 2014 legte er den Krimi Brennerova vor (in slawischen Sprachen die weibliche Form des Familiennamens Brenner).

Brenner-Krimis[Bearbeiten]

Inhalt[Bearbeiten]

Die acht Romane, die von 1996 bis 2014 erschienen, spielen an sechs verschiedenen Orten und sind eigenständig hinsichtlich Plot und Figurenensemble.

Die Figur Brenner[Bearbeiten]

Wolf Haas bei der Präsentation eines Brenner-Romans auf der Frankfurter Buchmesse 2009

Der Privatdetektiv Simon Brenner ist im ersten Band der Reihe 44 Jahre alt. Er stammt aus dem Grazer Bezirk Puntigam, ist Junggeselle, breitschultrig, klein, dicklich und hat einen Kantschädel mit roter Nase und wasserblauen Augen. Seit er sich das Rauchen abgewöhnt hat, bekommt er regelmäßig Migräneanfälle. Vor zwölf Jahren hat ihn seine Verlobte Josefine, kurz Fini, verlassen. Doch Brenner schließt ohnehin schnell Frauenbekanntschaften.

Bei der Kripo ist Brenner aufgrund seines eigenwilligen Vorgehens nie über den Rang eines Inspektors hinausgekommen. Er hat Schwierigkeiten mit seinem neuen Vorgesetzten Nemec und kündigt daher. Seitdem ist er beim Detektivbüro Meierling. Sein letzter Fall als Kriminalbeamter in Zell am See, wo zwei tiefgefrorene Leichen gefunden werden, ist zugleich sein erster als Detektiv. Danach ermittelt er in der Steiermark, wo in der Klöcher Grillhendlstation Menschenknochen unter den Hühnerknochen aufgetaucht sind. Dann beendet er den Detektivberuf und geht zur Rettung, um sich nicht mehr mit Mord und Totschlag beschäftigen zu müssen. Doch auch dort wird er in Mordfälle verwickelt. Später ermittelt er wieder als Privatdetektiv im Internat einer Salzburger Klosterschule und im Wiener Augarten. Schließlich kehrt Brenner nach Graz zurück, wo er mit seinen Jugendsünden konfrontiert wird und in Lebensgefahr gerät. Daraufhin beendet er abermals das Detektivdasein und wird Privatchauffeur, um in seinem bisher letzten Fall in eine Entführungsgeschichte verwickelt zu werden.

Wolf Haas wollte Brenner die typischen Männereigenschaften verleihen und ihn in leichter Ironisierung sympathisch erscheinen lassen. Es ist auch kein Zufall, dass Brenner ungefähr zehn Jahre älter als Haas selbst ist. Haas dazu: „Weil mir das fremd ist, und deshalb interessiert es mich.“[5]

Ende 2010 wurde bekannt, dass ein verdeckter Ermittler des baden-württembergischen Landeskriminalamtes unter dem Decknamen Simon Brenner die linke Szene in Heidelberg ausspähte.[6]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Obwohl Haas seine Brenner-Romane einmal als unverfilmbar bezeichnete, wirkte er dann doch an der Realisierung der Verfilmungen von Komm, süßer Tod und Silentium! mit: Gemeinsam mit dem Brenner-Darsteller Josef Hader und Regisseur Wolfgang Murnberger schrieb er die Drehbücher und taucht außerdem am Rande der beiden ersten Filme in winzigen Nebenrollen auf. Diese Zusammenarbeit setzte sich auch bei Der Knochenmann und Das ewige Leben fort. Alle Filme befinden sich unter den 15 an den Kinokassen erfolgreichsten österreichischen Kinoproduktionen.

Hörspiele[Bearbeiten]

Hörspielfassungen der Brenner-Krimi entstanden 1999 bzw. 2000 von Auferstehung der Toten und Der Knochenmann. Sie wurden von den Hörern des ORF zum Hörspiel des Jahres gewählt. Ebenfalls vom ORF wurde Komm, süßer Tod im Jahr 2002 als Hörspiel in zwei Folgen produziert. Im Jahre 2005 folgte (wieder vom ORF produziert) Silentium!. 2006 wurde Das ewige Leben von den Hörern des ORF zum Hörspiel des Jahres gewählt.

Theaterfassungen[Bearbeiten]

Am Schauspielhaus Graz waren bisher drei Theateradaptionen zu sehen:

  • 13. Oktober 2007: Premiere von Das Wetter vor 15 Jahren (Regie: Sandra Schüddekopf)
  • 22. Oktober 2009: Premiere von Das ewige Leben in einer Dramatisierung von Pia Hierzegger (Regie: Christine Eder)
  • 12. Dezember 2014: Premiere von Verteidigung der Missionarsstellung (Regie: Susanne Lietzow)

Eine Theateradaption von Komm, süßer Tod entstand 2009 am Schauspiel Frankfurt in Form einer Live-Film-Performance (Regie: Klaus Gehre, Schauspiel: Torben Kessler, Musik/Sound: Michael Lohmann). In der gleichen Besetzung und im gleichen Format entstand 2010 - ebenfalls am Schauspiel Frankfurt - eine Adaption von Silentium!.

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten]

  • Sprachtheoretische Grundlagen der Konkreten Poesie. Akademischer Verlag Heinz, Stuttgart 1990, ISBN 3-88099-237-1.
  • Die Liebe in den Zeiten des Cola-Rauschs. Verlag Tauschzentrale, Wien 1993, ISBN 3-901352-01-5.

Kinderbücher[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David-Christopher Assmann: Autonomie oder Verderben? Literaturbetrieb (in) der österreichischen Literatur nach 2000. In: Michael Boehringer, Susanne Hochreiter (Hrsg.): Zeitenwende. Österreichische Literatur seit dem Millennium. 2000–2010. Praesens, Wien 2011, ISBN 978-3-7069-0621-0, S. 82–101 (u. a. zu Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren.).
  • David-Christopher Assmann: Sich selbst ausstellen. Literaturvermittlung und Autoreninterview bei Wolf Haas. In: Katerina Kroucheva und Barbara Schaff (Hrsg.): Kafkas Gabel. Überlegungen zum Ausstellen von Literatur. Transcript, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2258-4, S. 297−322.
  • Angelika Baier: Grenz/Beziehungen in Wolf Haas' Roman Das Wetter vor 15 Jahren. In: Michael Boehringer, Susanne Hochreiter (Hrsg.): Zeitenwende. Österreichische Literatur seit dem Millennium. 2000–2010. Praesens, Wien 2011, ISBN 978-3-7069-0621-0, S. 173–193.
  • Andreas Böhn: Metafiktionalität, Erinnerung und Medialität in Romanen von Michael Kleeberg, Thomas Lehr und Wolf Haas. In: Bareis, J. Alexander, Grub, Frank Thomas (Hrsg.): Metafiktion. Analysen zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (= Kaleidogramme 57), Kadmos, Berlin 2010, S. 11−33.
  • Heinz J. Drügh: „Weil im Nachhinein immer einfach.“ Die Marke Haas auf dem Höhenkamm der Moderne. In: Thomas Wegmann, Norbert Christian Wolf (Hrsg.): „High“ und „low“. Zur Interferenz von Hoch- und Populärkultur in der Gegenwartsliteratur (= Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur. Bd. 130). de Gruyter Berlin u. a. 2011, ISBN 978-3-11-025560-7, S. 155–169.
  • Franz Haas: Aufklärung in Österreich. Die erhellenden Kriminalromane von Wolf Haas. In: Sandro M. Moraldo (Hrsg.): Mord als kreativer Prozess. Zum Kriminalroman der Gegenwart in Deutschland, Österreich und der Schweiz (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte. Folge 3, Bd. 22). Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5060-6, S. 127–134.
  • Michael Jaumann: „Aber das ist ja genau das Thema der Geschichte!“ Dialog und Metafiktion in Wolf Haas' Das Wetter vor 15 Jahren. In: J. Alexander Bareis, Frank Thomas Grub (Hrsg.): Metafiktion. Analysen zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (= Kaleidogramme 57). Kulturverlag Kadmos, Berlin 2010, ISBN 978-3-86599-102-7, S. 203–225.
  • Gunther Martens: „Aber wenn du von einem Berg springst, ist es wieder umgekehrt.“ Zur Erzählerprofilierung in den Meta-Krimis von Wolf Haas. In: Modern Austrian Literature. Journal of the Modern Austrian Literature and Culture Association. Bd. 39, Nr. 1, 2006, ISSN 0026-7503, S. 65–80.
  • Eike Muny: Erzählen ohne Ewigkeit. Strategien der Aussparung bei Wolf Haas. In: Jan Broch, Markus Rassiller (Hrsg.): Schrift-Zeiten. Poetologische Konstellationen von der Frühen Neuzeit bis zur Postmoderne (= Kleine Schriften der Universitäts- und Stadtbibliothek. Bd. 19). Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Köln 2006, ISBN 3-931596-35-4, S. 223–237.
  • Sigrid Nindl: Wolf Haas und sein kriminalliterarisches Sprachexperiment (= Philologische Studien und Quellen. H. 219). Erich Schmidt, Berlin 2010, ISBN 978-3-503-09888-0 (Zugleich: Salzburg, Universität Dissertation, 2008).
  • Hubert Winkels (Hrsg.): Wolf Haas trifft Wilhelm Raabe. Der Wilhelm Raabe-Literaturpreis – das Ereignis und die Folgen. Wallstein-Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0195-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolf Haas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. »Dem Leser quasi mit dem Oasch ins G’sicht fahr’n, ganz ohne Umschweife«  bei krimi-couch.de, abgerufen am 6. September 2014.
  2. Der Mann hinter ... Wolf Haas
  3. Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren. Roman, Hoffmann und Campe, Hamburg 2006, S. 6
  4. Wolf Haas auf der Website der Künstleragentur Tom Produkt
  5. Sigrid Nindl: Wolf Haas und sein kriminalliterarisches Sprachexperiment, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-503-09888-0, S. 193
  6. Der Simon von der Polizei. Frankfurter Rundschau, 21. Dezember 2010.