Çay (Afyonkarahisar)

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Çay
Wappen fehlt
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Çay (Afyonkarahisar) (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Afyonkarahisar
Koordinaten: 38° 36′ N, 31° 2′ OKoordinaten: 38° 35′ 33″ N, 31° 1′ 39″ O
Höhe: 1038 m
Einwohner: 14.450[1] (2018)
Telefonvorwahl: (+90)
Postleitzahl: 03 700
Kfz-Kennzeichen: 03
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 17 Mahalle
Bürgermeister: Hüseyin Atlı (AKP)
Postanschrift: Cumhuriyet Caddesi 77
03700 Çay
Website:
Landkreis Çay
Einwohner: 31.412[1] (2018)
Fläche: 803 km²
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner je km²
Kaymakam: Erol Tanrikulu
Website (Kaymakam):
Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Çay ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Afyonkarahisar. Die Stadt liegt etwa 45 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt Afyonkarahisar und beherbergt etwa 46 Prozent der Landkreisbevölkerung.

Çay Kervansaray von 1278

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis liegt im Südosten der Provinz. Er grenzt im Westen an Şuhut, im Nordwesten an Çobanlar, im Norden an Bolvadin, im Osten an Sultandağı und im Süden an die Provinz Isparta. Die Stadt liegt an der Fernstraße D 300 von Izmir nach Konya. In die Provinzhauptstadt Afyonkarahisar sind es 48 km.

Im Südwesten des Landkreises liegt der See Karamık Gölü mit dem Moor Karamık Bataklığı, im Nordosten liegt ein Teil des Eber Gölü.
Der Landkreis liegt in 900 bis 1100 m Höhe. Östlich von Çay befindet sich das Gebirge Sultan Dağları (deutsch: Sultansberge). Der höchste Punkt, der Topraktepe ist 2.519 m hoch und liegt an der Grenze zur Provinz Isparta. Das kleinere Karakuş-Gebirge wird dagegen nur bis knapp 2.000 m hoch.

Es herrscht kontinentales Klima. Die Sommer sind heiß und trocken mit kühlen Nächten, die Winter kalt. Die meisten Niederschläge fallen im Frühjahr und Herbst; im Winter kann es schneien.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landkreis besteht neben der Kreisstadt noch aus zwei Gemeinden bzw. Kleinstädten (Belediye): Karamıkkaracaören (unterteilt in 4 Mahalle („Stadtteile“)) und Pazarağaç (5 Mahalle). Den Kreis vervollständigen noch 20 Dörfer (Köy) mit durchschnittlich 583 Einwohnern. Vier davon zählen über tausend Einwohner: İnli, Koçbeyli, Akkonak und Yeşilyurt. Nachfolgende Tabelle zeigt die jährliche Bevölkerungsentwicklung nach der Fortschreibung durch das 2007 eingeführte adressierbare Einwohnerregister (ADNKS). Die Zahlen stellen den Einwohnerstand am Jahresende für ALLE Orte des Landkreises Çay dar.[2] Ehemalige und Bestehende Gemeinden (Belediye, Belde) sind orange unterlegt.

Köy / Belediye 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007
Akkonak 1.255 1.287 1.363 1.398 1.496 1.671 2.039 1.593 1.643 1.674 1.862 1.691
Armutlu 190 173 172 170 182 187 177 197 182 188 194 199
Aydoğmuş 275 273 273 289 307 320 363 369 375 378 384 392
Bulanık 289 278 285 289 295 294 308 322 337 350 348 354
Çay Bel. 14.450 14.445 14.484 14.604 14.536 14.624 14.440 14.700 14.638 14.592 14.353 14.702
Çayırpınar 453 457 463 474 488 489 493 498 502 517 532 543
Çayıryazı 398 411 414 421 432 432 431 459 476 488 497 484
Cumhuriyet 232 152 156 153 159 201 196 197 197 189 187 194
Deresinek 903 940 967 992 1.022 1.053 1.101 1.138 1.195 1.260 1.253 1.355
Devederesi 378 381 396 410 414 427 426 434 455 467 466 492
Eber 653 668 675 700 784 850 954 976 987 1.023 983 1.037
Göcen 141 137 140 137 157 148 157 169 179 176 172 177
İnli 1.603 1.628 1.653 1.676 1.731 1.851 2.062 1.823 1.848 1.922 1.984 2.014
Kadıköy 263 239 267 261 273 273 284 291 285 278 286 310
Karamık 873 866 887 920 942 968 966 995 1.072 1.095 1.076 1.258
Karamıkkaracaören Bel. 2.657 2.665 2.781 2.854 2.929 3.022 3.060 3.161 3.254 3.384 3.534 3.702
Kılıçyaka 257 262 263 268 270 274 277 288 290 300 307 310
Koçbeyli 1.402 1.399 1.390 1.393 1.414 1.433 1.441 1.470 1.478 1.479 1.523 1.555
Maltepe 381 346 372 361 345 355 346 353 352 353 362 388
Orhaniye 123 129 134 139 140 148 158 168 166 171 183 194
Pazarağaç Bel. 2.645 2.588 2.623 2.629 2.700 2.737 2.720 2.761 2.774 2.813 2.845 2.867
Pınarkaya 351 344 341 349 388 411 401 394 431 429 456 474
Yeşilyurt 1.240 1.296 1.224 1.206 1.193 1.186 1.148 1.197 1.215 1.186 1.156 1.184
Summe 31.412 31.364 31.723 32.093 32.597 33.354 33.948 33.953 34.331 34.712 34.943 35.876

Bis 1990 stieg die Einwohnerzahl im Landkreis an. Danach macht sich die Landflucht mit dem verstärkten Zuzug in die Großstädte wie Istanbul, Izmir und Ankara bemerkbar.[3]

Einwohner gesamt Stadt Çay restl. Kreis
1965 27.291 9.761 17.530
1970 27.838 10.012 17.826
1975 32.993 12.200 20.793
1980 33.945 11.166 22.779
1985 38.081 13.203 24.878
1990 43.582 14.147 29.435
2000 45.635 18.137 27.498
2007 35.876 14.702 21.174
2010 34.331 14.638 19.693
2015 32.093 14.604 17.489
2018 31.412 14.450 16.962

Die Zahlen der Jahre 1965 bis 2000 sind Volkszählungsergebnisse, die Angaben danach ergaben sich durch Bevölkerungsfortschreibung (ADNKS, s. o.).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Landkreis finden sich Siedlungsspuren, die auf die frühe Bronzezeit hinweisen, wie in Karamık, Cumhuriyet oder Karacaören. In hellenistischer Zeit taucht der Name Ipsos auf, als Antigonos I. Monophthalmos, ein Feldherr Alexander des Großen um 333 v. Chr. bei der Eroberung Phrygiens hier vorbeizog. Nach der siegreichen Schlacht bei Issos ernannte Alexander Antigonos zum Statthalter dieses Gebietes. 301 v. Chr. kam es zu der Schlacht bei Ipsos, in der der mittlerweile zum König gewordene Antigonos den Tod fand. Nach der Schlacht fiel Ipsos an das Königreich des Lysimachos. 281 v. Chr. kam es zur Schlacht von Kurupedion, bei der Lysimachos gegen Seleukos I. Kampf und Leben verlor. Seitdem gehörte das Gebiet zum Reich der Seleukiden. Nach der für die Seleukiden unter Antiochos dem Großen erlittenen Niederlage gegen die Römer in der Schlacht bei Magnesia wurde die Gegend römisch und Phrygia Parure genannt. Während der römischen Zeit hieß die Stadt Iulia Ipsos und wurde ein wichtiger Handelsplatz und Stützpunkt auf dem Weg nach Syrien.

Mitte bis Ende des 11. Jahrhunderts drangen die Seldschuken unter Bekçioğl Emir Afşin bis nach Iulia Ipsos vor. Es ist unklar, ob Emir Ahmed Şah oder Emir Sandu dann das Gebiet eroberten. Nachdem die Stadt während des Zweiten Kreuzzuges (wahrscheinlich um 1147) zerstört wurde, siedelten die Seldschuken Oghusen an, die 1155 dem Ort den Namen Çay Değirmeni (deutsch: Teemühle) gaben.

Çay; Taş Medrese; Muqarna-Gewölbe mit dem Siegel der Seldschuken.

Nach dem Tode des Seldschukensultans Kai Chosrau III. 1282 stand die Stadt unter dem Schutz des Eşrefoğulları-Herrschers Sulayman ibn Eshref Bey und war Teil des Uc-Beyliks (ein Grenz-Fürstentum) von Beyşehir. 1290 fällt die Stadt an das Uc-Beylik der Germiyaniden. Der letzte Herrscher der Germiyaniden, Bey Germiyan Yakup II., vermachte bei seinem Tod 1429 sein Fürstentum den Osmanen.

Im Griechisch-türkischen Krieg wurde Çay am 21. August 1921 von griechischen Truppen besetzt. Nach der Schlacht von Dumlupınar mussten die griechischen Soldaten am 24. September 1921 abziehen und Çay wurde kurzzeitig zum Hauptquartier der türkischen Armee. 1935 wurde die Stadt Çay an das türkische Elektrizitätsnetz angeschlossen. 1958 wurde Çay vom Landkreis (türkisch: ilçe) Bolvadin abgetrennt und ein eigener Landkreis.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister von Çay ist seit 2019 Hüseyin Atlı von der AKP, sein Vorgänger Alli Yakut war ebenfalls von der AKP. Von den weiteren elf Mitgliedern des Stadtrats gehören sieben der AKP an, drei der CHP und einer der MHP an. Alle Mitglieder sind Männer. Die besten Ergebnisse erzielte die MHP auf dem Land, vor allem in Karamıkkaracaören[4] und Pazarağaç,[5] wo sie vor der AKP stärkste Partei wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Çay ist vor allem landwirtschaftlich geprägt. Es werden überwiegend Getreide, Zuckerrüben und Mohn angebaut. In den bewässerten Gebieten – vor allem nördlich von Çay – ist der Gemüseanbau dominierend. Im Bergland herrscht Weidelandwirtschaft vor. So werden täglich circa sechs Tonnen Milch produziert.[6]

48 Prozent der Gesamtfläche (39.338 Hektar) sind landwirtschaftliche Nutzfläche, 18 Prozent des Landkreises (14.509 Hektar) sind bewaldet.

Der Tourismus spielt keine Rolle. Im Süden der Stadt wird großflächig Marmor abgebaut.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Landkreis gibt es einige natürliche Sehenswürdigkeiten, während von kulturellem Interesse nur die Stadt Çay ist.

Çay; Taş Medrese (heute Moschee) von 1278; Westseite

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eber Gölü (deutsch: Eber-See). Der See mit der seiner Sumpflandschaft ist größtenteils ein Naturschutzgebiet. Berühmt ist er wegen seiner „schwimmenden Inseln“, Koprak genannt.
  • Karamık Gölü, ein teilweise versumpfter See (das versumpfte Gebiet wird Karamık Bataklığı genannt) mit großer Artenvielfalt an Fauna und Flora. Seit 1993 ein Naturschutzgebiet.
  • Çağlayan Park, ein Naherholungsgebiet im Süden von Çay mit einem größeren Wasserfall.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Çay Hanı, eine seldschukische Karawanserei aus dem 13. Jahrhundert.
  • Taş Camii, auch Taş Medrese, die Teil des Karawansereikomplexes des Çay Hanı ist. Sie entstand um 1278/79 als Schulgebäude und wird heute als Moschee (Sultan Alâeddin Camii) benutzt. Erbaut wurde sie im Auftrag des Seldschukensultans Kai Chosrau III. (türkisch: Gıyaseddin Keyhüsrev III.) unter General Ebûl Mücahid Yusuf bin Yakub, dem Stifter der Anlage. Besonders sehenswert ist auch der Innenraum der Moschee.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Nüfusu İl İlçe Mahalle Köy Nüfusu (Nufusune.com), abgerufen am 5. Mai 2019
  2. TÜIK-Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS): population of Villages, municipalities and quarters, abgerufen am 24. Mai 2019
  3. http:www.cay.gov.tr/
  4. Sabah.com Ergebnisse der Kommunalwahl vom 31. März 2019
  5. Sabah.com Ergebnisse der Kommunalwahl vom 31. März 2019
  6. http://www.cay.bel.tr/gecim-kaynaklari/