Żywiec

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Żywiec
Wappen von Żywiec
Żywiec (Polen)
Żywiec
Żywiec
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Powiat: Żywiec
Fläche: 50,57 km²
Geographische Lage: 49° 40′ N, 19° 10′ OKoordinaten: 49° 40′ 0″ N, 19° 10′ 0″ O
Höhe: 345 m n.p.m.
Einwohner: 31.875
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 34-300 bis 34-330
Telefonvorwahl: (+48) 33
Kfz-Kennzeichen: SZY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Bielsko-BiałaMakov
Nächster int. Flughafen: Krakau-Balice
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 31.875
(30. Jun. 2015)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2417011
Verwaltung (Stand: 2016)
Bürgermeister: Antoni Szlagor
Adresse: ul. Powstańców Śląskich 9
34-300 Żywiec
Webpräsenz: www.zywiec.pl



Żywiec [ˈʒɨvʲɛʦ], (deutsch Saybusch, Seipusch; älter Saubusch; tschechisch Živec) ist eine Mittelstadt mit etwa 30.000 Einwohnern in der Woiwodschaft Schlesien in Polen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in den Beskiden an der Mündung der Koszarawa in die Soła, die nördlich zum Jezioro Żywieckie (Saybuscher See) aufgestaut wird. Etwa 18 km nordwestlich liegt Bielsko-Biała. In der Nachbarschaft befindet sich das Dreiländereck mit Tschechien und der Slowakei.

Stadtteile von Żywiec

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist in 8 Stadtteile gegliedert.

  • Kocurów-Koleby
  • Moszczanica
  • Oczków
  • Podlesie
  • Rędzina
  • Sporysz
  • Śródmieście
  • Zabłocie

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus
Vertreibung von Polen, Saybusch-Aktion, 1940

Die Gründung des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahre 1308 als eine römisch-katholische Pfarrei erstmals urkundlich erwähnt, die wurde auch als Zivicz im Peterspfennigregister des Jahres 1326 im Dekanat Auschwitz des Bistums Krakau erwähnt.[2] Es handelt sich um einen Ort, der später Stary Żywiec (Alt Saybusch) genannt wurde. Die Stadt an der heutigen Stelle wurde etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts neu gegründet.

Politisch gehörte sie zum Herzogtum Auschwitz, dies bestand ab 1315 in der Zeit des polnischen Partikularismus. Seit 1327 bestand die Lehnsherrschaft des Königreichs Böhmen. Das Gebiet von Żywiec wurde in den Jahren nach 1450 unter ungeklärten Umständen aus dem Herzogtum Auschwitz herausgelöst. Seit 1465 gehörte es endgültig zu Polen.[3]

Im Habsburgerreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Ersten Teilung Polens kam die Stadt 1772 zum neuen Königreich Galizien und Lodomerien des habsburgischen Kaiserreichs (ab 1804).

Große Teile der einstigen Herrschaft Saybusch wurden durch Landkäufe des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, eines Sohnes des sächsisch-polnischen Königs August III., 1810 Teil der Herrschaft Teschen.

Da Albert kinderlos starb, kamen die Güter durch Adoption und Erbschaft an einen Zweig der Habsburger, welcher Saybusch später zu seinem Hauptsitz machte. 1933 starb hier Karl Stephan von Österreich. Schloss Saybusch ist heute im Besitz seiner Enkelin Maria Christina Habsburg, der Tochter des polnischen Generalmajors Karl Albrecht von Habsburg-Altenburg, der in der NS-Zeit in Haft war.

In der Zweiten Polnischen Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet Galiziens 1919 in die Zweite Polnische Republik eingegliedert, zu der Żywiec als Kreisstadt des Powiat Żywiecki zur Woiwodschaft Krakau gehörte.

Zeit der deutschen Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Polenfeldzug 1939 gehörte der Ort – rückbenannt in Saybusch – vom 26. Oktober 1939 an zum Deutschen Reich. Er bildete als Mittelpunkt des gleichnamigen Kreises (Landkreis Saybusch) einen Teil des neuen Regierungsbezirkes Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien, ab 18. Januar 1941 in der Provinz Oberschlesien.

Im März oder April 1940 wurden gezielt Mitglieder der polnischen Intelligenz verhaftet und getötet.[4] Im Rahmen der Aktion Saybusch wurden zwischen September und Dezember 1940 aus den besetzten Gebieten des Saybuscher Landes 17.993 Polen vertrieben, um Volksdeutsche ansiedeln zu können. Die meisten Polen wurden in das Generalgouvernement umgesiedelt. Junge Männer wurden teilweise als Zwangsarbeiter in das Deutsche Reich verschleppt.[5]

Ab dem 30. November 1940 wurde die Stadt von einem deutschen Amtskommissar verwaltet. Mit der Verleihung des Rechtes der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 an die Stadt Saybusch stand ab 1. April 1942 bis Kriegsende an der Spitze der Ortsverwaltung ein deutscher Bürgermeister.

Im März 1945 gab es schwere Gefechte um die Stadt, bei denen die Altstadt stark zerstört wurde. Die zurückweichenden deutschen Truppen sprengten eine Eisenbahn- und zwei Straßenbrücken und verwüsteten den Bahnhof.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Żywiec kam 1945 wieder zu Polen und gehörte bis 1974 administrativ zur damaligen Woiwodschaft Krakau, danach bis 1998 zur Woiwodschaft Bielsko-Biała.

Jüdisches Leben in der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte vor allem im Ortsteil Zabłocie eine jüdische Gemeinde mit rund 1800 Mitgliedern. Im Bereich der Kreuzung zwischen den Straßen ul. Wesoła und ul. Dworcowej[6] wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Tempel genannte Synagoge errichtet. In dem Bereich wurden ebenfalls eine Mikwe, eine jüdische Schule und weitere Gebäude gebaut, die in der Zeit der deutschen Besatzung vollständig abgerissen wurden. Nach dem Krieg wurde an der Stelle ein Berufsschulzentrum für das Zimmer- und Bauhandwerk (Zespół Szkół Budowlano-Drzewnych im. Armii Krajowej) errichtet. Im Juli 2003 wurde am Standort der Synagoge ein Gedenkstein eingeweiht, der auf polnisch und hebräisch an die Zerstörung des Gemeindezentrums erinnert: "An diesem Ort stand die Tempel-Synagoge, die während des Zweiten Weltkriegs durch die deutschen Besatzer zerstört wurde. Im Gedenken an die Juden in Żywiec – Die Einwohner von Żywiec – im Juli 2003."[7] Der jüdische Friedhof mit rund fünfhundert Grabsteinen ist erhalten und stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert.[8]

Ab 1941 wurde die jüdische Gemeinde von Żywiec ausgelöscht: Zunächst wurde ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung in das Ghetto von Sucha Beskidzka deportiert. Von dort wurden die Menschen ab 1942 in das KZ Auschwitz gebracht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konkathedrale
Altes Brauereigebäude

In der näheren Umgebung von Saybusch in den Kleinen Beskiden fährt eine Standseilbahn vom Ort Międzybrodzie Żywieckie zum Berg Góra Żar (767 m).

Kultur und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TS Mitech Żywiec (Towarzystwo Sportowe Mitech Żywiec) ist ein Frauenfußballverein, der seit 2009/10 er in der 1. polnischen Frauenfußballliga spielt.

Żywiec als Getränkemarke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mineralwasser aus Saybusch mit dem Bild von Kaiser Franz Josef I.

Żywiec ist auch außerhalb Polens vor allem wegen seines in der Stadtbrauerei hergestellten Bieres der Marke Żywiec bekannt. Aus der Stadtbrauerei ging der heutige Brauereikonzern Grupa Żywiec S.A hervor, nachdem 1856 die Erzherzogliche Brauerei Saybusch gegründet worden war,[10] die später als Beskidenbrauerei Seybusch firmierte.[11] Die Grupa Żywiec gehört inzwischen als Tochterunternehmen zum Heineken-Konzern und vertreibt u.a. die Biermarken Warka und Tatra. Unter der Marke Żywiec werden weitere Getränkeprodukte wie Mineralwässer vertrieben, die aus den nahe gelegenen Mineralquellen stammen.

Siehe auch: Galizische Küche

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Żywiec hat Städtepartnerschaften mit:[12]

Unterhaching Deutschland, Bayern
Riom Frankreich
Adur District Council Großbritannien
Szczytno Polen
Čadca Slowakei
Liptovský Mikuláš Slowakei
Gödöllő Ungarn

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Żywiec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Jan Ptaśnik (Redakteur): Monumenta Poloniae Vaticana T.1 Acta Camerae Apostolicae. Vol. 1, 1207-1344. Sumpt. Academiae Litterarum Cracoviensis, Cracoviae 1913, S. 127–131 (online).
  3. Krzysztof Rafał Prokop: Księstwa oświęcimskie i zatorskie wobec Korony Polskiej w latach 1438–1513. Dzieje polityczne. PAU, Kraków 2002, ISBN 83-8885731-2, S. 175—183 (polnisch).
  4. Wolfgang Curilla: Der Judenmord in Polen und die deutsche Ordnungspolizei 1939–1945. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77043-1, S. 143 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Jan Iluk: Die Umsiedlung der Deutschen nach 1939 in das Gebiet von Zywiec in fotografischer Dokumentation. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde. Band 53, 2012, S. 61–94; Mirosław Sikora: Historiker, Quellen, Forschung. Eine Analyse am Beispiel des Projekts „Kolonisation des Kreises Saybusch/OS. durch das Dritte Reich in den Jahren 1939–1945“. In: Hans-Werner Retterath (Hrsg.): Zugänge. Volkskundliche Archiv-Forschung zu den Deutschen im und aus dem östlichen Europa (= Schriftenreihe des Instituts für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa. Band 16). Waxmann, Münster, New York 2015, S. 75–98.
  6. Ehemaliger Standort des jüdischen Zentrums auf OpenStreetMap
  7. Das jüdische Gemeindezentrum um den 'Tempel' (englisch) auf sztetl.org
  8. Jüdischer Friedhof in Zabłocie in Żywiec (Saybusch)
  9. Brauereimuseum in Żywiec. In: polish-online.com. Abgerufen am 3. Februar 2017.
  10. Browary Żywiec S. A., Polen. In: gbrauereien.org. Abgerufen am 3. Februar 2017.
  11. Bierdeckel der Ostgebiete. Seybusch. In: bierdeckel-der-ostgebiete.npage.de. Abgerufen am 3. Februar 2017.
  12. Liste der Städtepartnerschaften (polnisch); abgerufen am 1. März 2017