Unterhaching

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Unterhaching
Unterhaching
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Unterhaching hervorgehoben
Koordinaten: 48° 4′ N, 11° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: München
Höhe: 556 m ü. NHN
Fläche: 10,37 km²
Einwohner: 24.437 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2356 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82008
Vorwahl: 089
Kfz-Kennzeichen: M, AIB, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 84 148
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 7
82008 Unterhaching
Webpräsenz: www.unterhaching.de
Bürgermeister: Wolfgang Panzer (SPD)
Lage der Gemeinde Unterhaching im Landkreis München
Starnberger See Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Ebersberg Landkreis Erding Landkreis Freising Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Miesbach Landkreis Rosenheim Landkreis Starnberg Landkreis Weilheim-Schongau Landkreis Dachau München Forstenrieder Park Grünwalder Forst Brunnthal Höhenkirchen-Siegertsbrunn Perlacher Forst Aschheim Aying Baierbrunn Brunnthal Feldkirchen (Landkreis München) Garching bei München Gräfelfing Grasbrunn Grünwald Haar (bei München) Höhenkirchen-Siegertsbrunn Hohenbrunn Ismaning Kirchheim bei München Neubiberg Neuried (bei München) Oberschleißheim Ottobrunn Planegg Pullach im Isartal Putzbrunn Sauerlach Schäftlarn Straßlach-Dingharting Taufkirchen (bei München) Unterföhring Unterhaching Unterschleißheim OberhachingKarte
Über dieses Bild
Rathaus
See im Ortspark
Wasserturm

Unterhaching ist die zweitgrößte Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München und liegt südlich der bayerischen Landeshauptstadt München.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung des Hachinger Tals kann anhand von Gräberfunden zurück bis mindestens 1100 v. Chr. nachgewiesen werden. Zwischen dem fünften und achten Jahrhundert bildete sich der bayerische Stamm aus, hier belegt durch ein altbajuwarisches Reihengräberfeld. In einem Grabfeld aus der Zeit um 500 mit Skeletten von vier Männern, fünf Frauen und einem Mädchen, das 2004 entdeckt wurde, fanden sich seltene Schmuckstücke, die auf eine reiche Familie hindeuten.[2]

Der Name Haching ist auf den Personennamen Hacho und das Adelsgeschlecht der Hahilinga zurückzuführen. Erstmals erwähnt wird der Name Haching im Jahre 806 in einer Urkunde, mit der der Abt Petto seinen Besitz ebendort dem Kloster Schäftlarn vermachte. Haching ist damit einige hundert Jahre älter als München.

Der Name Unterhaching (lat. inferiori hachingin) tauchte erstmals im Jahre 1180 in einem Besitzverzeichnis des Bischofs von Freising auf.

Um 1310 wurde die bis heute unter dem Namen St. Korbinian existierende Dorfkirche erbaut. Sie ist damit das älteste Gebäude Unterhachings und steht im Ortsteil „Alter Ort“.

Bis zur Säkularisation 1803 waren die umliegenden Klöster die Grundherren. Daraus erklärt sich auch das Gemeindewappen, das bis heute den Abtsstab des Klosters Schäftlarn und das Seerosenblatt aus dem Wappen des Klosters Tegernsee zeigt. Bis dato war Unterhaching auch dem Bezirk Wolfratshausens zugeordnet, nicht, wie heute, München.

Unterhaching war bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein reines Bauerndorf. So sagt eine Quelle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: "Unterhaching [...], das früher einen vorzüglichen Belustigungsort der Münchner bildete, welche bei jeder Festlichkeit dahin reisten, vorzüglich zur Zeit der Krippe, die aus beweglichen Figuren bestand und deren Mechanik vom Bach getrieben wurde."[3] Erst mit der Anbindung an das Bahn- (1898) und Postnetz begann die Wandlung zur Wohngemeinde.

Am 1. April 1955 spaltete sich der Ortsteil Ottobrunn ab und wurde zu einer selbstständigen Gemeinde.[4]

1966 begann der Bau zweier neuer Großsiedlungen, der Grünau und des Fasanenparks, die den Charakter Unterhachings endgültig hin zu einer modernen Wohnsiedlung veränderten.

Die Einwohnerzahl stieg von 616 Einwohnern im Jahr 1900 auf 24.437 im Jahr 2015.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009/2010 hatte Unterhaching 24.346 Einwohner (inkl. Zweitwohnsitze), davon waren 21.432 deutsche Staatsbürger. Der Anteil ausländischer Bewohner beziehungsweise Staatenloser betrug rund zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung. Unterhaching ist eine Gemeinde, die durch Zuwanderung weiter an Einwohnern gewinnt. Geburten und Todesfälle hielten sich 2009/2010 in etwa die Waage.[5]

Liste der Ehrenbürger von Unterhaching

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2008 Wolfgang Panzer (Verwaltungsfachwirt) von der SPD.

Liste der Bürgermeister von Unterhaching

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Unterhaching besteht aus 31 Mitgliedern (mit dem 1. Bürgermeister) und setzt sich wie folgt zusammen (Gemeinderatswahl 2014)[6]:

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Unterhaching gibt es nur wenige Baudenkmäler. Neben der Kirche St. Korbinian aus dem Mittelalter sind dies zwei Bauernhöfe aus dem 18. Jahrhundert sowie der Bahnhof, die zugehörige Gaststätte und zwei Villen aus der Zeit um 1900. Dazu kommen ein spätmittelalterlicher Bildstock und das Kriegerdenkmal von 1925. Einen bedeutenden Verlust stellt der Abbruch des barocken Bauernhofes Straßmayr im Jahr 2010 dar.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Schmelz und zehn weitere Personen gründeten 1910 in Taufkirchen einen Turnverein, der sich den Idealen von Friedrich Jahn verpflichtet sah. Der Turnverein bekam den Namen "Turnverein Hachinger Tal".[7]Seite 367. Die Mitglieder des Vereins kamen aus Taufkirchen, Unterhaching und weiteren Orten im Hachinger Tal.

Nach der Unterbrechung im Ersten Weltkrieg gab es neuen Aufschwung mit der Fahnenweihe vom 24. Juli 1921. Im Jahr 1922 wurde der Sitz des Vereines nach Unterhaching verlegt. Die Turnstunden wurden im damaligen Schulhaus abgehalten. Ab 1924 wurde auch Fußball gespielt, aber im Jahr 1925 schon die Spielvereinigung Unterhaching (SpVgg Unterhaching) ausgegründet. Im Jahr 1924 wurde von der Gemeinde ein ehemaliger Schafstall angekauft und an den Turnverein verpachtet. Daraus entwickelte sich mit viel Eigenarbeit die sogenannte Turnhalle (heute: Kindergarten St. Korbinian). Sie sah als damals einzige Halle in Unterhaching nicht nur sportliche Höhepunkte, sondern auch viele Veranstaltungen und Feste anderer Vereine.

Im Zweiten Weltkrieg kam ab 1939 das Vereinsleben zum Stillstand.[7]Seite 368. In die Halle wurden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene einquartiert; bis 1947 bleib das Gebäude beschlagnahmt. Im Jahr 1946 wurde der Verein als "Turn- und Sportverein Unterhaching" (TSV Unterhaching) wiedergegründet. Besonders erfolgreich waren die Herren der Volleyball-Abteilung des TSV Unterhaching, die mehrere Jahre in der Volleyball-Bundesliga spielten, zweimal Vizemeister wurden und viermal den Deutschen Volleyball-Pokal gewonnen haben.

Bekannt wurde Unterhaching deutschlandweit auch durch die Fußballmannschaft der SpVgg Unterhaching, die in der Saison 1999/2000 sowie 2000/2001 in der Ersten Bundesliga spielte und 2001 den DFB-Hallenpokal gewann. In der Saison 2016/17 spielt der Verein in der Fußball-Regionalliga Bayern. Die SpVgg Unterhaching hat auch eine sehr erfolgreiche Bobsport-Abteilung, für die der vielfache Welt- und Europameister und Olympiasieger Christoph Langen startete.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterhaching konnte zum Ende 2009 2136 gewerbliche niedergelassene Firmen im Gemeindegebiet ausweisen. Sieben land- und forstwirtschaftliche Betriebe bearbeiteten zusammen rund 350 ha an Flächen.[5]

Unterhaching ist Standort des Senf- und Feinkostherstellers Develey Senf & Feinkost, außerdem Sitz der deutschen Verwaltung des Kaugummiherstellers Wrigley (Mars Deutschland) und der Zentrale des Sportartikelanbieters SportScheck.

Die kommunalen Steuersätze der Gemeinde Unterhaching liegen weit unter Landes- und Landkreisdurchschnitt. Der Hebesatz der Gewerbesteuer liegt derzeit bei 295 Punkten; der Hebesatz der Grundsteuer bei 280 Punkten.

Unterhaching ist außerordentlich gut an das deutsche Fernstraßennetz angebunden. Die Anschlussstellen der A 8 und der A 995 befinden sich unmittelbar an den Gemeindegrenzen.

Geothermie-Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Unterhaching verfügt als eine der wenigen deutschen Gemeinden über eine geothermische Strom- und Wärmeerzeugungsanlage. Diese kann aus ca. 38 MWth geothermischer Energie bis zu 4,1 MWel (durchschnittlich 3,36 MWel) elektrische Energie erzeugen. Die verbleibende Wärmeenergie wird über ein Fernwärmenetz vertrieben, dessen Ziel-Anschlussleistung bei 70 MWth thermischer Energie für Gewerbebetriebe, öffentliche Gebäude und Haushalte liegt. Die erfolgreiche Umsetzung des Geothermieprojekts Unterhaching konnte für die Gemeinde Unterhaching über die eigens gegründete Projektgesellschaft „Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG“ mit Unterstützung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Rödl & Partner erreicht werden.

Nach den jeweils etwa sechs Monate dauernden Bohrarbeiten konnte die erste Bohrung im Herbst 2004 und die zweite Bohrung im Winter 2007 erfolgreich abgeschlossen werden. Den ökologischen und ökonomischen Erfolg des Projekts garantierte das Auffinden von 122 °C bzw. 133 °C heißem Tiefenwasser bei einer Schüttung von 150 l/s in Tiefen von bis zu 3580 Metern.

Seit 4. Oktober 2007 ist die Anlage in Betrieb und liefert Wärmeenergie aus Geothermie. Im Dezember 2007 berichtete die Geothermie Unterhaching GmbH & Co. KG von 2500 angeschlossenen Haushalten mit einer Anschlussleistung von 28 MWth bei einer Leitungslänge von mehr als 20 Kilometern.[8] Im Winter 2008/2009 wurde auch mit der Produktion von elektrischem Strom begonnen, offiziell eröffnet wurde das geothermische Stromkraftwerk im Sommer 2009. Es ist beabsichtigt, ca. 60 Prozent aller Energieverbraucher in Unterhaching vom Anschluss an die geothermische Energienutzung zu überzeugen, dazu wird das Verteilnetz weiter ausgebaut. Dieses System mit seinem Gesamtkostenaufwand von 80 Millionen Euro soll sich nach 15 Jahren amortisiert haben.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Unterhaching gibt es zehn Kindergärten in privater und kirchlicher Trägerschaft.

Im Ort gibt es folgende allgemeinbildende Schulen:

Die nächste Realschule befindet sich im benachbarten Taufkirchen. Die Gemeinde Unterhaching ist über einen Zweckverband an der Finanzierung beteiligt.

Für die Erwachsenen- und Weiterbildung existiert eine Volkshochschule in Unterhaching.

Die Musikschule Unterhaching war die erste öffentliche Einrichtung ihrer Art in Deutschland, der eine Zertifizierung nach QSM gelang.[9]

Um die vielfältige Vorgeschichte in der heutigen Gemeinde Unterhaching zeigen zu können, stellt das Heimatmuseum ergrabene Exponate und Tafeln den Besuchern zur Verfügung.

Die Gemeinde betreibt ein Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) im Ortskern. Dort finden vielfältige Veranstaltungen statt, mehrere Institutionen belegen Räume. Es sind von kleinen Gruppenräumen bis zu einem großen Theatersaal verschiedene Raumtypen vorhanden. Im zweiten Stock (Zugang Volkshochschule) gibt es den Bücherschrank Unterhaching.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterhaching befindet sich an der Bahnstrecke München Ost–Deisenhofen, die im 20-Minutentakt durch die Münchner S-Bahnlinie S3 von Mammendorf nach Holzkirchen bedient wird. In der Hauptverkehrszeit besteht ein Zehn-Minutentakt. In Unterhaching existieren die zweigleisigen Haltepunkte Unterhaching und Fasanenpark. Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Unterhaching wird von der Deutschen Bahn nicht mehr genutzt. Mit der S-Bahn kann das Stadtzentrum der Landeshauptstadt München in 15 Minuten erreicht werden.

Liste der Wege und Straßen in Unterhaching

Ehrenamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiwillige Feuerwehr Unterhaching[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Mai 1870 wurde in Unterhaching die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Ihr stehen 14 Einsatzfahrzeuge und acht Abrollbehälter zur Verfügung (Stand 31. Dezember 2008). Neben dem abwehrenden Brandschutz und der technischen Hilfeleistung betreibt die Feuerwehr Unterhaching seit dem 1. Juli 2008 einen First-Responder-Dienst mit zwei Fahrzeugen. 1971 wurde in der Feuerwehr ein Spielmannszug gegründet.

BRK-Bereitschaft Unterhaching[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1971 wurde der Unterhachinger Sanitätszug gegründet. Dieser wurde später zu einer Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Kreisverband München. Die Unterhachinger Bereitschaftsmitglieder engagieren sich ehrenamtlich bei Sanitätsdiensten in der Gemeinde (z. B. bei Spielen der SpVgg Unterhaching), auf größeren Veranstaltungen in München und im Rettungsdienst. Dem BRK-Unterhaching steht ein Mehrzweckfahrzeug (MZF) und ein Sanitätscontainer zur Verfügung. Außerdem befindet sich in Unterhaching eine Rettungswache mit einem Rettungswagen-Fahrzeug (RTW).

BRK-Wasserwacht Unterhaching[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1966 gibt es im Freibad Unterhaching eine BRK-Wasserwacht-Station. Neben Schwimm- und Rettungsschwimm-Ausbildungen engagieren sich ca. 170 Mitglieder im Bereich der Wasserrettung und der medizinischen Versorgung von Badegästen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unterhaching – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.merkur-online.de/nachrichten/bayern/sensationeller-fund-prinzessin-unterhaching-mm-372829.html
  3. August Schilling: Brunnthal, seine Lage, Quellen und Geschichte. München 1864, S. 49.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 528
  5. a b Jahresbericht Gemeinde Unterhaching 2009/10
  6. Gemeinde Unterhaching - Gemeinderat (2014-2020)
  7. a b c Rudolf Felzmann: Unterhaching – Ein Heimatbuch. 2. Auflage. Gemeinde Unterhaching, Unterhaching 1988.
  8. Süddeutsche Zeitung, Nr 299, vom 29./30. Dezember 2007 – Seite R3
  9. Susanne Lehnfeld: Europas erste qualitätsgeprüfte Musikschule. In: Üben & Musizieren 20.2003,2 (ISSN 0174-6065)