1276
Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender | Tagesartikel
◄ |
12. Jahrhundert |
13. Jahrhundert
| 14. Jahrhundert | ►
◄ |
1240er |
1250er |
1260er |
1270er
| 1280er | 1290er | 1300er | ►
◄◄ |
◄ |
1272 |
1273 |
1274 |
1275 |
1276
| 1277
| 1278
| 1279
| 1280
| ►
| ►►
1276 | |
|---|---|
Königreich Mallorca aus. | |
| 1276 in anderen Kalendern | |
| Armenischer Kalender | 724/725 (Jahreswechsel Juli) |
| Äthiopischer Kalender | 1268/69 |
| Buddhistische Zeitrechnung | 1819/20 (südlicher Buddhismus); 1818/19 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) |
| Chinesischer Kalender | 66. (67.) Zyklus
Jahr der Feuer-Ratte 丙子 (am Beginn des Jahres Holz-Schwein 乙亥) |
| Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) | 638/639 (Jahreswechsel April) |
| Iranischer Kalender | 654/655 |
| Islamischer Kalender | 674/675 (Jahreswechsel 14./15. Juni) |
| Jüdischer Kalender | 5036/37 (9./10. September) |
| Koptischer Kalender | 992/993 |
| Malayalam-Kalender | 451/452 |
| Seleukidische Ära | Babylon: 1586/87 (Jahreswechsel April)
Syrien: 1587/88 (Jahreswechsel Oktober) |
| Spanische Ära | 1314 |
| Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) | 1332/33 (Jahreswechsel April) |
Das Jahr 1276 ist das bislang einzige Vierpäpstejahr der Geschichte. Nach dem Tod von Gregor X. folgen ihm Innozenz V., Hadrian V. und schließlich Johannes XXI. auf den Thron Petri.
Im Heiligen Römischen Reich beginnen die Feldzüge Rudolfs I. gegen Ottokar II. Přemysl, der durch die im Vorjahr gegen ihn verhängte Reichsacht geschwächt ist. Im Laufe des Jahres verliert er die Herrschaft über die Steiermark, Kärnten und Österreich.
Ereignisse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Politik und Weltgeschehen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heiliges Römisches Reich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Im Süden Böhmens bricht ein Adelsaufstand der Witigonen unter Boresch II. von Riesenburg und Zawisch von Falkenstein gegen König Ottokar II. Přemysl aus, der durch die im Vorjahr gegen ihn verhängte Reichsacht geschwächt ist.
- 19. September: Die Feldzüge Rudolfs I. gegen Ottokar II. Přemysl beginnen: Steiermärkische und Kärntner Adelige leisten im Stift Rein bei Graz den Reiner Schwur, mit dem sie Rudolf von Habsburg Treue schwören. Ottokar II. von Böhmen verliert damit die Herrschaft über die Steiermark und Kärnten.
- Auf die Belagerung Wiens zwischen dem 18. Oktober und 25. November durch Rudolf von Habsburg folgt die Kapitulation der Stadt. Ottokar verliert auch die Herrschaft über Österreich.
Weitere Ereignisse in Mitteleuropa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Unter dem machtlosen König Ladislaus IV. wütet ein Bürgerkrieg in Ungarn zwischen den Adelsfamilien der Csák und der Kőszegi: Péter Csák zerstört mit seinen Truppen die Stadt Veszprém.
Westeuropa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mai: Im Schloss Vincennes stirbt der zwölfjährige Thronfolger Ludwig von Frankreich unter ungeklärten Umständen. Neuer Thronfolger wird sein jüngerer Bruder Philipp der Schöne. Ludwigs Tod hat zwei Jahre später den Sturz des mächtigen Kämmerers Pierre de la Brosse zur Folge.
- 27. Juli: Mit dem Tod Jaumes I. wird sein ältester Sohn Peter III. aus dem Haus Barcelona König von Aragonien und Graf von Barcelona. Sein jüngerer Bruder Jaume II. erbt die Balearen sowie die katalanischen Grafschaften Rosselló, Cerdanya und die Stadt Montpellier und ruft gegen Peters Willen das unabhängige Königreich Mallorca aus.
- November: König Edward I. von England erklärt seinen Vasallen Llywelyn ap Gruffydd, den Fürsten von Wales und Gwynedd, zum Rebellen. Er bereitet einen Feldzug gegen Llywelyn im nächsten Jahr vor.
Nord- und Osteuropa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nach dem Tod von Wassili Jaroslawitsch wird Dmitri Alexandrowitsch Perejaslawski, ein Sohn Alexander Jaroslawitsch Newskis, Großfürst von Wladimir, findet aber in seinem Bruder Andrei (II.) einen erbitterten Feind und wird von diesem mit Hilfe der Tataren vertrieben. Später erlangt er den Thron jedoch wieder und behauptet sich unter beständigen Anfeindungen.
- Auf den norwegischen Thingversammlungen wird das Bylov (Stadtrecht) verabschiedet.
Stadtrechte und urkundliche Ersterwähnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 9. März: Durch ein Privileg von König Rudolf von Habsburg erhält Augsburg die Befugnis des Stadtrechts und wird damit Freie Reichsstadt.
- Erstmalige urkundliche Erwähnung von Anwil, Boltigen, Goldburghausen, Kaldenkirchen, Limpach, Lüterswil, Schwaan und Wolferborn
- Ratingen und Warstein erhalten die Stadtrechte.
- Kaiserslautern und Germersheim werden Freie Reichsstadt.
- Der Deutsche Orden gründet die Ordensburg Marienburg.
Wissenschaft und Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Papierherstellung kommt nach Italien: In Fabriano geht eine der frühesten Papiermühlen im Abendland in Betrieb.
- In den von Alfons X. von Kastilien initiierten Libros del saber de astronomía (/1277) (Alfonsinische Tafeln) beschäftigen sich einige Bücher ('Kapitel') mit der Konstruktion von Uhren wie der mit Astrolabzifferblatt (s. Astrolabium), die durch kreisförmig auf einer Welle angeordnete Quecksilberkammern reguliert worden sein soll.
- Das Gaocheng-Observatorium wird errichtet.
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hochgotische Westfassade des Straßburger Münsters mit reicher Plastik der Portale und großer Fensterrose (13,5 m). Der Anteil von Dombaumeister Erwin von Steinbach daran ist umstritten.
Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Buddhismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Tanjō-ji, ein buddhistischer Tempel der Nichiren-shū in Japan wird gegründet.
Christentum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vierpäpstejahr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Am 10. Januar stirbt Papst Gregor X. in Arezzo auf dem Heimweg von einem Treffen mit König Rudolf. Mit Pierre de Tarentaise wird am 21. Januar unter dem Namen Innozenz V. zum ersten Mal ein Dominikaner Papst. Er wird nur einen Tag nach Beginn des Konklaves gewählt, das erstmals nach den strengen Regeln seines Vorgängers Gregor X. zusammenkommt. Dabei dürfen die Kardinäle das Gebäude nicht verlassen, bevor ein neuer Papst gewählt worden ist. Obwohl der neue Papst zur Neutralität tendiert, kommt er sehr rasch unter den Einfluss von Karl I. von Anjou, der als römischer Senator in Rom residiert. Nach einem knappen halben Jahr stirbt er allerdings am 22. Juni.
Das Konklave im Juli erweist sich als recht mühselig, da kein Nachfolger für Innozenz gefunden werden kann. Karl von Anjou erinnert schließlich in seiner Funktion als Senator von Rom an die Konklaveregelung des Zweiten Konzils von Lyon und übernimmt die Leitung des Konklaves. Er isoliert die Kardinäle von der Außenwelt und reduziert deren Verpflegung. Erst als die glühende Hitze des Sommers unter den Kardinälen ihre Opfer fordert – viele brechen erschöpft zusammen –, fällt die Wahl am 11. Juli auf Kardinal Ottobono Fieschi, der als Legat für England wenige Jahre zuvor maßgeblich zur Beendigung des dortigen Bürgerkriegs und zur Reform der englischen Kirche beigetragen hat. Er besteigt den Papstthron unter dem Namen Hadrian V. Weil er als Kardinaldiakon keine Priesterweihe erhalten hat, hebt Hadrian die Konklaveordnung Gregors X. auf, seine einzige schriftlich fixierte Amtshandlung, die heute noch nachweisbar ist. Bereits krank zieht er sich nach Viterbo zurück, wo er am 18. August stirbt.

Schließlich besteigt nach heftigen Diskussionen bei der folgenden Papstwahl, die nicht als Konklave abgehalten wird, am 8. September der Portugiese Peter Rebuli-Giuliani als Johannes XXI. den Stuhl Petri. Er wird als neutraler Kandidat gewählt, nachdem weder die französische noch die italienische Fraktion genügend Stimmen hat, um ihren Kandidaten durchzubringen. Der Einfluss des Kardinals Giovanni Gaetano Orsini gibt den Ausschlag zugunsten seiner Wahl. Johannes, der nach korrekter Zählung eigentlich den Namen Johannes XX. tragen müsste, residiert ausschließlich in Viterbo. Der ausgebildete Mediziner regt eine Studienreform an den Universitäten an und vergibt Stipendien für besonders begabte Studenten. Während seiner Amtszeit wirken – wie schon unter Urban IV. und Clemens IV. – an der päpstlichen Kurie bedeutende Philosophen, Naturwissenschaftler und Mediziner. Um seine eigenen Studien wieder aufzunehmen, lässt er an der Rückseite des Papstpalastes in Viterbo eine Privatbibliothek anbauen.
Weitere Ereignisse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Raimundus Lullus gründet die Missionsschule von Miramar auf Mallorca, an der christlichen Predigern Arabisch gelehrt wird, um die arabische Welt zu missionieren.
- Siger von Brabant, erster und führender Vertreter des sogenannten lateinischen Averroismus, wird wegen Häresie angeklagt und verliert sein Lehramt an der Artistenfakultät der Universität Paris.
- Hervaeus Natalis tritt in Morlaix, Bretagne, dem Dominikanerorden bei.
- Margareta von Ungarn wird seliggesprochen.
- In Verbindung mit dem Bau des Domes von Turku wird die Kathedralschule in Turku errichtet.
Katastrophen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Wien brechen innerhalb kurzer Zeit gleich dreimal – am 28. März, 16. April und 30. April – Feuersbrünste aus, die insgesamt rund zwei Drittel der Stadt zerstören.
Geboren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geburtsdatum gesichert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 29. September: Christoph II., König von Dänemark († 1332)
- 18. Oktober: Gilbert Talbot, 1. Baron Talbot, englischer Adliger († 1346)
- 19. Oktober: Hisaaki, japanischer Shōgun († 1328)
Genaues Geburtsdatum unbekannt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mai: Ludwig, Graf von Évreux und Longueville († 1319)
- Anna Bolesławówna, polnische Prinzessin und Klarisse († vor 1300)
- Thomas Dagworth, englischer Ritter
- Elisabeth von Hessen, Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel sowie Herrin der Herrschaft Eppstein († 1306)
- Fenena von Kujawien, Königin von Ungarn († 1295)
- Robert de Umfraville, englischer Adeliger († 1325)
- Rudolf II., Graf von Herrenberg († 1316)
- Nadschm ad-Dīn at-Tūfī, hanbalitischer Gelehrter († 1316)
- Wachtang III., König von Georgien († 1308)
- Yesun Timur Khan, Kaiser von China († 1328)
Geboren um 1276
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- 1267/1276: Giotto di Bondone, Florentiner Maler († 1337)
- Maud de Clare, anglo-irische Adelige († 1327)
- William Latimer, 2. Baron Latimer, englischer Adliger, Militär und Verwalter († 1327)
Gestorben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Todesdatum gesichert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 4. Januar: Johannes von Tralau, Bischof von Lübeck

- 10. Januar: Tedaldo Visconti, unter dem Namen Gregor X. Papst (* 1210)
- 13. Januar: Diether V., Herrscher der Grafschaft Katzenelnbogen und Begründer der Älteren Linie derer von Katzenelnbogen
- 24. Januar: Walram II., Graf von Nassau und der Begründer der walramischen Linie des Hauses Nassau (* um 1220)
- 26. März: Margarete, Gräfin von Henneberg-Coburg (* 1234)
- 22. Juni: Pierre de Tarentaise, Dominikaner, unter dem Namen Innozenz V. Papst (* 1225)

- 27. Juli: Jakob I., König von Aragón, König von Valencia, König von Mallorca, Graf von Barcelona (d. h. Herr der katalanischen Grafschaften), Graf von Urgell und Herr von Montpellier (* 1208)
- 28. Juli: Arnold II., Abt von St. Blasien

- 18. August: Ottobono Fieschi dei Conti di Lavagna, Graf von Lavagna, unter dem Namen Hadrian V. Papst (* um 1205 oder 1215)
- 20. August: Berengar, Abt von Ebrach
Genaues Todesdatum unbekannt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- vor dem 5. Januar: William Bardolf, englischer Adliger (* vor 1206)
- Mai: Ludwig, französischer Thronfolger (* 1264)
- Juni: Heinrich von Antiochia, Prinz (* um 1210)
- Agnes von Pyrmont, Burgfrau in Cochem und Stifterin des Klosters Himmerod (* um 1208)
- Ahmad al-Badawī, schāfiitischer Gelehrter, Prediger und Sufi (* um 1199)
- Guilelmus de Boderisham, englischer Dominikaner
- Jakob von Ibelin, Graf von Jaffa und Herr von Ramla (* um 1249)
- Lupold von Nordenberg, Hofbeamter im Heiligen Römischen Reich und Propst zu Feuchtwangen
- Smbat Sparapet, armenischer Chronist (* 1208)
- Joan de Stuteville, englische Adelige
- Wassili Jaroslawitsch, Großfürst von Wladimir (* 1241)
Gestorben um 1276
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard von Borgo San Donnino, italienischer Vertreter der Spiritualen innerhalb des Franziskanerordens
- Guido Guinizelli, italienischer Dichter und Politiker (* 1230)



