A. Bertram Chandler

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Arthur Bertram Chandler (* 28. März 1912 in Aldershot; † 6. Juni 1984 in Sydney) war ein australischer Science-Fiction-Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chandler wurde im englischen Aldershot geboren. Sein Vater Arthur Robert Chandler fiel als Soldat im Ersten Weltkrieg. Seine Mutter Ida Florence, geborene Calver, war eine Hausangestellte. Nach dem Besuch der Sir John Leman School in Beccles, Suffolk, erwarb er am Sir John Cass Technical Institute, einer Londoner Seefahrtschule, ein Befähigungszeugnis (Patent) für Große Fahrt (Certificate of Competency as Master of a Foreign-Going Steamship). 1928, mit 16 Jahren, ging er dann zur Handelsmarine, heuerte bei Sun Shipping an und fuhr in den folgenden Jahren hauptsächlich auf Trampfrachtern im Indischen Ozean. 1937 wechselte er zur Shaw Savill Line, fuhr Liniendienst zwischen Großbritannien und Australien und Neuseeland und brachte es dort zum Ersten Offizier. Während des Zweiten Weltkriegs nahm er an den Konvoifahrten nach England teil. 1956 ging er nach Australien, wo er sich naturalisieren ließ, arbeitete für die Union Steam Ship Company of New Zealand, wurde schließlich Kapitän und ging 1974 in den Ruhestand.

Chandlers schriftstellerische Karriere begann mit einem Besuch bei John W. Campbell in New York, der ihn einlud, für sein Science-Fiction-Magazin Astounding zu schreiben. Im Mai 1944 erschien dann dort Chandlers erste Kurzgeschichte „This Means War!“. In den folgenden knapp zwei Jahrzehnten veröffentlichte er Dutzende von Kurzgeschichten bei Astounding und anderen Magazinen. Als seine beste Story aus dieser Zeit gilt Giant Killer (Astounding, Oktober 1945), in der mutierte Riesenratten einen interstellaren Getreidetransporter zu übernehmen versuchen.[1] 1996 wurde Giant Killer für den Retro Hugo Award nominiert.

Chandlers bekanntestes Werk jedoch ist zweifellos der ab 1961 erscheinende Rim-World-Zyklus, mit drei Dutzend Büchern und zahlreichen Kurzgeschichten eine der umfangreichsten Serien eines einzelnen Autors in der Science-Fiction-Literatur. Die Rim Worlds sind eine Gruppe von am Rand der Galaxis (galactic rim) liegenden Welten an der Grenze zur sternenlosen intergalaktischen Leere. In diesem mehrere Jahrhunderte in der Zukunft angesiedelten Zyklus betreiben mit Überlichtantrieb ausgestattete Raumschiffe einen regen Handel zwischen den Grenzwelten, die in Hinblick auf Gesetzlosigkeit und Exotik einen fruchtbaren Nährboden für dramatische Space Opera bieten. Hauptfigur ist John Grimes, der in der interstellaren Handelsmarine schließlich zum Kapitän und Kommodore der Randwelten aufsteigt und dabei zahlreiche Abenteuer erlebt, ganz ähnlich wie die Figur des Seehelden Horatio Hornblower in den Romanen von C. S. Forester. Chandler selbst bekannte sich dazu, dass Hornblower ein Vorbild von Grimes ist.

Der Rim-World-Zyklus ist keine Romanserie im engeren Sinn, insofern es keine definierte Reihenfolge gibt und auch John Grimes nicht immer der Protagonist ist. So war bei den ersten Romanen des Zyklus nicht Grimes, sondern Derek Calver die Hauptfigur. Es gibt bei den Rim-World-Romanen auch Untergruppen wie etwaa die drei Romane um die Kaiserin der Galaxis (Empress of Outer Space, Space Mercenaries und Nebula Alert). Manche Romane von Chandler weisen auch nur Berührungspunkte mit dem Rim-World-Universum auf, sodass der Rim-World-Zyklus eigentlich eine Gruppe von Werken mit einer fiktiven Welt als Klammer gesehen werden kann. Immerhin skizzierte Chandler 1974 die folgende ungefähre Chronologie der bis dahin vorhandenen Rim-World-Romane um John Grimes[2]:

  • The Road to the Rim (1967)
  • To Prime the Pump (1971)
  • The Hard Way Up (1972)
  • Spartan Planet/False Fatherhood (1968)
  • The Inheritors (1972)
  • The Broken Cycle (1975)
  • The Big Black Mark (1975)
  • Catch the Star Winds (1969)
  • Into the Alternate Universe (1964)
  • Contraband from Otherspace (1967)
  • The Rim Gods (1969)
  • Alternate Orbits (1971)
  • Nebula Alert (1967)
  • The Gateway to Never (1972)
  • The Dark Dimensions (1971)
  • The Way Back (erschien 1976)

Chandler schrieb nach 1960 auch eine Reihe von Romanen außerhalb der Rim Worlds, darunter Kelly Country (1983), auf Deusch erschienen als Die australische Revolution, einen Alternate-History-Roman, in dem er Ned Kelly einen erfolgreichen Aufstand gegen die Briten führen ließ. Sein US-Herausgeber Donald A. Wollheim hielt diesen Roman für Chandlers bestes Buch überhaupt[3].

Chandlers Werk umfasst über 40 Romane und 200 Kurzgeschichten. Er erhielt 1969, 1971, 1974 und 1976 den Ditmar Award in der Kategorie Australische Science-Fiction. 1976 gewann er mit seiner Kurzgeschichte Wet Paint den japanischen Seiun Award.

Chandler war in erster Ehe mit Joan Margaret Barnard verheiratet. 1961 heiratete er in zweiter Ehe Susan Constance Schlenker. Er hatte drei Kinder. Seine Tochter Jenny ist mit dem britischen Horror-Autor John Ramsey Campbell verheiratet.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweis: Die Zuordnung von Romanen zum Rim-World-Zyklus ist nicht unbedingt eindeutig. Bei älteren deutschen Übersetzungen kann davon ausgegangen werden, dass der Text gekürzt wurde. Das trifft insbesondere für Ausgaben im Rahmen von Heftreihen zu.

Rim-World-Zyklus
  • The Rim of Space (1961)
    • Deutsch: Am Rande der Milchstraße. Moewig (Terra #214), 1962. Weitere Ausgabe als: Vagabunden der Galaxis. Pabel, 1976, ISBN 3-404-00487-6.
  • Rendezvous on a Lost World (1961)
    • Deutsch: Die Welt der Roboter. Moewig (Terra #263), 1962.
  • The Ship from Outside (1963)
  • The Deep Reaches of Space (1964)
    • Deutsch: Der Mann, der zu den Sternen flog. Moewig (Terra #465), 1966.
  • Into the Alternate Universe (1964)
    • Deutsch: Im Spalt zwischen den Universen. Pabel (Utopia Zukunftsroman #518), 1966.
  • Empress of Outer Space (1965)
    • Deutsch: Die Kaiserin der Galaxis. Moewig (Terra #498), 1967.
  • Contraband from Otherspace (1967)
    • Deutsch: Das Wrack aus der Unendlichkeit. Moewig (Terra Nova #18), 1968.
  • Nebula Alert (1967)
    • Deutsch: Das Universum der Rebellen. Moewig (Terra Nova #79), 1969.
  • The Road to the Rim (1967)
    • Deutsch: Straße in die Unendlichkeit. Moewig (Terra Nova #74), 1969. Weitere Ausgabe als: Grimes reist in die Unendlichkeit. Goldmann, 1983, ISBN 3-442-23756-4.
  • False Fatherland (1968, auch als Spartan Planet)
  • The Rim Gods (1968)
  • Catch the Star Winds (1969)
    • Deutsch: Der Sternensegler. Moewig (Terra Nova #153), 1970.
  • The Dark Dimensions (1971)
    • Deutsch: Raumschiff aus dem Nichts. Moewig (Terra Astra #55), 1972.
  • To Prime the Pump (1971)
    • Deutsch: Grimes auf El Dorado. Goldmann Science Fiction Abenteuer #23757, 1983, ISBN 3-442-23757-2.
  • The Gateway to Never (1972)
    • Deutsch: Das Tor zum Nichts. Pabel-Moewig (Terra Astra #101), 1973.
  • The Inheritors (1972)
  • The Big Black Mark (1975)
  • The Broken Cycle (1975)
    • Deutsch: Universum der Roboter. Pabel (Terra Taschenbuch #295), 1977. Weitere Ausgabe als: Grimes im Paradies des Todes. Goldmann, 1983, ISBN 3-442-23759-9.
  • The Way Back (1976)
    • Deutsch: Flug ins Gestern. Pabel (Terra Taschenbuch #300), 1978.
  • The Far Traveller (1977)
  • Star Courier (1977)
  • To Keep the Ship (1978)
  • The Far Traveler (1979)
  • Matilda's Stepchildren (1979)
  • Star Loot (1980)
  • The Anarch Lords (1981)
  • The Commodore at Sea / Spartan Planet (1981)
  • The Wild Ones (1984)
  • The Last Amazon (1984)
  • Tramp Captain (1990)
  • Lieutenant of the Survey Service (2000)
  • Survey Captain (2002)
  • Rim Runner (2004)
  • Reserve Commodore (2004)
  • Rim Commander (omnibus) (2005)
  • To the Galactic Rim (2011, Omnibus)
Einzelromane
  • Bring Back Yesterday (1961)
    • Deutsch: Im Zeitkreis gefangen. Moewig (Terra #331), 1964.
  • The Three Suns of Amara (1961)
  • The Hamelin Plague (1963)
  • The Coils of Time (1964)
    • Deutsch: Sprung in die Zeit. Pabel (Utopia Zukunftsroman #538), 1967.
  • Glory Planet (1964)
  • The Alternate Martians (1965)
  • Space Mercenaries (1965)
  • The Sea Beasts (1971)
  • What You Know (1971)
  • The Bitter Pill (1974)
  • When the dream dies (1981)
  • Frontier of the Dark (1984)
  • Kelly Country (1984)
    • Deutsch: Die australische Revolution. Goldmann Science Fiction #23497, 1986, ISBN 3-442-23497-2.
  • Tales from the Planet Earth (1986, zusammen mit zahlreichen anderen Autoren)
  • Raiders of the Solar Frontier (2011)
Sammlungen
  • Beyond the Galactic Rim (1963)
  • Commodore at Sea (1971, auch als Alternate Orbits)
    • Deutsch: Weltraumspuk. Moewig (Terra Astra #35), 1972.
  • The Hard Way Up (1972)
    • Deutsch: Grimes macht Karriere. Goldmann Science Fiction Abenteuer #23758, 1983, ISBN 3-442-23758-0.
  • mit Lee Hoffman: Up to the Sky in Ships / In and Out of Quandry (1982)
  • From Sea to Shining Star (1990)
Übersetzte Kurzgeschichten
  • Chance Encounter (1959)
    • Deutsch: Zufällige Begegnung. In: Isaac Asimov, Martin H. Greenberg, Charles G. Waugh (Hrsg.): Sternenschiffe 2. Ullstein Science Fiction & Fantasy #31145, 1987, ISBN 3-548-31145-8.
  • The Man Who Could Not Stop (1959)
    • Deutsch: Flucht in die Ewigkeit. In: Walter Ernsting (Hrsg.): Expedition nach Chronos. Heyne SF&F #3056, 1965.
  • Grimes and the Odd Gods (1983)
    • Deutsch: Grimes und die sonderbaren Götter. In: Ronald M. Hahn (Hrsg.): Nacht in den Ruinen. Heyne SF&F #4099, 1984, ISBN 3-453-31059-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsch: Shrick, der Riesentöter. Übersetzt von Martin Eisele. In: Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs (Hrsg.): Die Vierziger Jahre II. Edition SF im Hohenheim Verlag, 1983, ISBN 3-8147-0033-3, S. 69–131.
  2. Robert Reginald: Science fiction and fantasy literature. A checklist, 1700–1974 with contemporary science fiction authors II. Gale, Detroit 1979, ISBN 0-8103-1051-1, S. 850 f.
  3. Vgl. Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1986, Wilhelm Heyne Verlag München, ISBN 3-453-31233-3, S. 76.