Adolf Köster

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Adolf Köster

Carl Heinrich Adolf Köster (* 8. März 1883 in Verden an der Aller; † 18. Februar 1930 in Belgrad) war ein deutscher Publizist, Politiker (SPD) und Diplomat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Köster war der Sohn von Franz Peter Hermann Köster und von Auguste Köster, geb. Ahrend. In Kappeln verbrachte er Ferienzeiten. Er besuchte Schulen in Hamburg und Wandsbek. Sein Abitur erhielt er 1902 auf dem Matthias-Claudius-Gymnasium.[1] Als Student schloss er sich der SPD an. Er studierte Philosophie und Theologie in Heidelberg, Halle, Marburg und Zürich. 1905 legte er das erste theologische Examen in Marburg ab. Er promovierte am 22. Juli 1907 an der Universität Erlangen. Er lehrte bis 1912 an der TH München Literaturgeschichte, ab 1913 war er für die Schwäbische Tagwacht tätig, zunächst als freier Journalist, im Ersten Weltkrieg als Berichterstatter an der Westfront. 1913 kauften er und seine Frau in Hamburg-Blankenese ein Haus in der „Rutsch 1“.[2] Bis Kriegsende berichtete er so in Hunderten von Artikeln nicht nur für die sozialdemokratische, sondern auch zunehmend für die bürgerliche Presse von nahezu allen Kriegsschauplätzen. Dazu kamen später noch Propagandavorträge im Auftrag des Kriegspresseamtes.

Nach der Novemberrevolution 1918 übernahm er eine Funktion in der Preußischen Staatskanzlei bei Curt Baake, seit Jahresbeginn 1919 in der Reichskanzlei, ab Mai 1919 als Staats-, später auch als Preußischer Staatskommissar (PrStKom) der Provinz Schleswig-Holstein im schleswigschen Abstimmungsgebiet. Im März 1921 wurde er in den Reichstag gewählt und vertrat bis zum Mai 1924 den schleswig-holsteinischen Wahlkreis 14.[3]

Köster war vom 10. April bis 8. Juni 1920 Außenminister des Deutschen Reichs im ersten Kabinett des Reichskanzlers Hermann Müller, der eine Regierungskoalition aus SPD, Zentrum und DDP führte. Im zweiten Kabinett Wirth (Zentrum, SPD, DDP) vom 26. Oktober 1921 bis zum 14. November 1922 bekleidete er das Amt des Reichsinnenministers. Von Januar 1923 bis Januar 1928 war er als Gesandter in Riga, Lettland tätig[4] und ab März 1928 in Belgrad. Er wurde in Hamburg-Blankenese begraben.[5]

1910 heiratete er Käthe Mahr. Der deutsche Diplomat Kajus Köster war sein Sohn.

Nach ihm ist der Adolf-Köster-Damm in Hamburg-Allermöhe benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Ethik Pascals. Eine historische Studie. J.C.B. Mohr, Tübingen 1907.
    • Die Ethik Pascals. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde dar Hohen philosophischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Laupp, Tübingen 1908. Internet Archive
  • Die zehn Schornsteine. Erzählungen. Albert Langen, München 1909.
  • Spinoza, Goethe, Kant. Berlin 1910.
  • Die Bange Nacht. Roman. Albert Langen, München 1913.
  • Der junge Kant im Kampf um die Geschichte. Simion, Berlin 1914. Internet Archive
  • Adolph Koester, Gustav Noske: Kriegsfahrten durch Belgien und Nordfrankreich 1914. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1914.
  • Der Tod in Flandern. Kriegsnovellen. Albert Langen, München 1914. (=Langens Kriegsbücher) Staatsbibliothek Berlin
  • Hinter der Somme-Front. In: Bergische Arbeiterstimme, Solingen von 26. Juli 1916. Stadtarcghiv Solingen Digitalisat
  • Mit den Bulgaren. Kriegsberichte aus Serbien und Mazedonien. Albert Langen, München 1916. Staatsbibliothek Berlin
  • Wandernde Erde. Kriegsberichte aus dem Westen. Verlag Albert Langen, München 1917. Staatsbibliothek Berlin
  • Die Sturmschar Falkenhayns. Kriegsberichte aus Siebenbürgen und Rumänien. Albert Langen, München 1917.
  • Brennendes Blut. Kriegsnovellen. Albert Langen, München 1916.
  • Wandernde Erde. Kriegsberichte aus dem Westen. Albert Langen, München 1917. Staatsbibliothek Berlin
  • Die Stille Schlacht. Kriegsberichte aus dem großen Hauptquartier. Albert Langen, München 1917. Staatsbibliothek Berlin
  • Die deutsche Frühjahrsoffensive 1918. Curtius, Berlin 1918. (=Militärische Aufsätze. Band 6)
  • Der Kampf um Schleswig. Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin 1920. Internet Archive Ausgabe 1921
  • Konnten wir im Herbst 1918 weiterkämpfen? Verlag für Politik und Wissenschaft, Berlin 1921.
  • Wilhelm als Diplomat. Ein außenpolitischer Rückblick. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1921.
  • Fort mit der Dolchstoßlegende! Warum wir 1918 nicht weiterkämpfen konnten. Verlag für Politik und Wissenschaft, Berlin 1922.
  • Unser Recht. Verlag für Politik und Wissenschaft, Berlin 1922.
  • Groß-Hamburg. Ein Kapitel deutscher Neugliederung. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald 1922.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann von Kuhl: Die Kriegslage im Herbst 1918.Warum konnten wir weiterkämpfen? Eine Entgegnung auf die Schrift von Adolf Köster: Konnten wir im Herbst 1918 weiterkämpfen? Dob-Verlag, Berlin 1922./
  • Adolf Köster. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band I: Verstorbene Persönlichkeiten. J.H.W. Dietz Nachf., Hannover 1960, S.  164-165.
  • Kurt Doß: Reichsminister Adolf Köster 1883-1930. Ein Leben für die Weimarer Republik. Droste, Düsseldorf 1978. ISBN 3-7700-0512-0
  • Rolf Wörsdörfer: Hermann Wendel und Adolf Köster. Zwei deutsche Sozialdemokratern in Südosteuropa 1909-19430. In: Bert Becker, Horst Lademacher (Hrsg.): Geist und Gestalt im Historischen Wandel. Facetten deutscher und europäischer Geschichte 1789–1989. Festschrift für Siegfried Bahne. Waxmann, Münster 2000, ISBN 978-3-89325-849-9, S.  231–256. Google nur teilweise lesbar
  • John Hiden: Adolf Köster und Paul Schiemann in Riga. Deutsche Ostpolitik nach dem Ersten Weltkrieg. In: Norbert Angermann et al.: Ostseeprovinzen, Baltische Staaten und das Nationale. LIT Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-9086-4, S.   447–458.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Doß, S.  17.
  2. Digitalisat, S.  34 ff.
  3. So die Friedrich-Ebert-Stiftung. Archiv der sozialen Demokratie. Franz Osterroth schreibt: Bei den Wahlen am 6. Juni 1920 wurde cer in den Reichtstag gewählt. (S.  165.)
  4. Franz Osterroth.
  5. Zur Beisetzung des Gesandten Dr. Köster. Auf dem Friedhof in Blankenese. In: Hamburger Fremdenblatt vom 21. Februar 1930.