America First

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America First (deutsch „Amerika zuerst“) ist ein politischer Slogan und ein Paradigma, unter dem eine isolationistische bzw. anti-interventionistische amerikanische, vor allem Außen- und Wirtschaftspolitik mit stark protektionistischen Einflüssen betrieben bzw. vertreten wird.

Begriffsherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg benutzte bereits 1915 der amtierende amerikanische Präsident Woodrow Wilson den Slogan: Er forderte unter anderem eine Registrierung eingebürgerter Personen und wollte diejenigen absondern, welche andere Länder gegenüber Amerika bevorzugten.[1]

Laut Eric Rauchway[2] war „America First“ in den 1930er-Jahren ein Motto von US-amerikanischen Sympathisanten des Nationalsozialismus: Zu Beginn der 1930er-Jahre, als die Nationalsozialisten ihre Herrschaft über Deutschland festigten, begann der US-Medienbaron William Randolph Hearst mit dem Slogan gegen den damaligen amerikanischen Präsidenten Franklin Roosevelt zu agitieren. Hearst betrachtete ihn als Gefahr dafür, „den internationalen Bankiers und den anderen großen Einflüssen, die mit Deinem Wohlstand gespielt haben, zu erlauben, mit Deiner Politik zu spielen.“ Hearst beurteilte Roosevelts grundlegende Wirtschafts- und Sozialreformen gegen die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre („New Deal“) als „im Mark unamerikanisch“ und „kommunistischer als die Kommunisten“ – im Gegensatz zum Nationalsozialismus, von dem er glaubte, er habe für „freiheitsliebende Menschen“ überall auf der Welt einen großen Sieg in der Abwehr des Kommunismus gewonnen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa und der rasanten Eroberung dieses Kontinents durch Hitler-Deutschland begann Roosevelt, seine Verwaltung stärker auf Hilfe für diejenigen auszurichten, die gegen Nationalsozialisten kämpften. Damit zog er den Zorn verschiedener anti-interventionistischer Gruppen auf sich, angefangen von engagierten religiösen oder prinzipiellen Pazifisten bis hin zu amerikanischen Kommunisten, welche den Hitler-Stalin-Pakt unterstützten und damit die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten sich aus dem europäischen Krieg heraushalten sollten.[2]

Das „America First Committee“ (AFC) war bis zum Dezember 1941 die größte Organisation der Isolationisten in den Vereinigten Staaten, sein Sprecher war bald nach der Gründung 1940 der bekannte Flieger und laut Rauchway enthusiastische Faschist Charles Lindbergh.

Nach Rauchway goutierte auch der Autobauer und prominente Antisemit Henry Ford das Motto „America First“: „Mit vielen anderen kämpften sie gegen Gruppierungen, welche laut Lindbergh die USA in den Krieg trieben: die Engländer, die Juden und die Roosevelt-Regierung.“[2]

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der konservative amerikanische TV-Kommentator, Journalist und Politiker Pat Buchanan hat wiederholt „America First“ als Slogan verwendet.[3] Im Anschluss daran wird der Slogan heute in den USA den „Paläokonservativen“ zugeordnet, aber auch mit dem Wunsch verknüpft, zu einer nicht-interventionistischen Außenpolitik zurückzukehren.

David Duke, Grand Wizard des Ku-Klux-Klans, erläuterte 1991 auf der Homepage zu seiner gescheiterten – und von Pat Buchanan unterstützten – Senatskandidatur in Louisiana eine „America First Foreign Policy!“ („America First-Außenpolitik“).[4]

1992 wurde der Begriff von dem libertären Vordenker Murray Rothbard verwendet mit der Forderung, die Entwicklungshilfe einzustellen und das Geld stattdessen der amerikanischen Wirtschaft zukommen zu lassen. [5] Murrays Forderungskatalog ähnelt dabei bereits den Thesen von Trumps Wahlkampf 2016.

Der im November 2016 gewählte 45. Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump fasste ab dem Hauptwahlkampf Mitte 2016 seine gesamte Politik unter dieses Motto.[6] In seiner Antrittsrede anlässlich seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017 sprach er davon, dass von nun an eine neue Vision die USA regieren werde: Es werde nur noch „America First“ heißen.[7] Bereits am Tag nach seiner Amtseinführung waren am 21. Januar auf der Homepage des Weißen Hauses beispielsweise Grundzüge seiner „Amerika-zuerst-Außenpolitik“[8] sowie eines „Amerika-zuerst-Energieplans“ nachzulesen.[9][10] Trump distanzierte sich gegenüber der New York Times von der früheren Nutzung des Slogans in den USA, er sei „als nagelneue, sehr moderne Bezeichnung verwendet [worden]“ („It was used as a brand-new, very modern term“), er wolle sich „um dieses Land [die USA] zuerst kümmern, bevor wir uns um alle anderen in der Welt sorgen“ („take care of this country first before we worry about everybody else in the world“).[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2004 erschienene Roman Verschwörung gegen Amerika von Philip Roth basiert auf einem von Roth entwickelten alternativen Geschichtsverlauf: Fiktional setzt sich darin America First durch und mit Charles Lindbergh als Präsident wächst der Antisemitismus in den USA.[11]

Der niederländische Komiker, Schriftsteller, Fernsehmoderator und Musikproduzent Arjen Lubach zeigte Ende Januar 2017 in seiner satirischen Fernsehsendung Zondag met Lubach (Sonntag mit Lubach) den Beitrag America First – The Netherlands second, in dem er die Niederlande als bestes Land Europas darstellte und damit als zweitbestes Land der Welt nach den USA nominierte. Jan Böhmermann übertrug die niederländische Version in seiner satirischen Late-Night-Show Neo Magazin Royale vom 2. Februar 2017 in Zusammenarbeit mit rund zwölf anderen europäischen Late-Night-Shows auf Deutschland und regte Kollegen europaweit an, für die Homepage everysecondcounts.eu („Who wants to be the second?“ – „Wer will Zweiter sein?“) jeweils eine eigene nationale Version zu fertigen;[12] wenige Tage später war die Aktion weltweit nachgeahmt, z. B. aus Australien, dem Iran („Iran vor Irak, warum auch immer.“), Marokko oder Namibia.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bill Kauffman: America First! Its History, Culture, and Politics. Prometheus Books, New York 1995, ISBN 0-87975-956-9
  • Claus Leggewie: America first? Der Fall einer konservativen Revolution. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-13496-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. coloradohistoricnewspapers.org: Brandon Bell, October 15, 1915 (22. Januar 2017)
  2. a b c Professor für Geschichtswissenschaften an der Universität von Kalifornien in Davis; Autor von: The Money Makers: How Roosevelt and Keynes Ended the Depression, Defeated Fascism, and Secured a Prosperous Peace. In: washingtonpost.com, 14. Juni 2016: Donald Trump’s new favorite slogan was invented for Nazi sympathizers (23. Januar 2017)
  3. Patrick J Buchanan: The Resurrection of 'America First! In: TheAmericanCause.org, 13. Oktober 2004 (englisch).
  4. a b Jessica Chia: The anti-Semitic past of America First: Trump criticised for reviving name of WW2 antiwar movement. In: The Daily Mail, 21. Januar 2017 (englisch).
  5. "Right-Wing Populism" by Murray N. Rothbard, The Rothbard-Rockwell Report, Page 9, January 1992 - UNZ.org
  6. Eric Rauchway: Donald Trump’s new favorite slogan was invented for Nazi sympathizers. In: The Washington Post, 14. Juni 2016 (englisch).
  7. 5 Zitate aus Trumps Antrittsrede. In: Badische Zeitung, 21. Januar 2017; Hubert Wetzel: Amerikas Nutzen über alles. In: Süddeutsche Zeitung, 21. Januar 2017; Veit Medick, Marc Pitzke, Gordon Repinski, Holger Stark: Die Unanständigkeitserklärung. In: Spiegel Online, 20. Januar 2017.
  8. whitehouse.gov: America First Foreign Policy (21. Januar 2017)
  9. whitehouse.gov: An America First Energy Plan (21. Januar 2017)
  10. Siehe auch Thomas Kaufner (dpa), Ronny Gert Bürckholdt: Stürzt Trump die Weltwirtschaft in Turbulenzen? In: Badische Zeitung, 24. Januar 2017.
  11. titel-forum.de: Rezension
  12. badische-zeitung.de, 3. Februar 2017, Daniel Laufer: Jan Böhmermann vereint Europas Satiriker gegen Trump (5. Februar 2017)
  13. everysecondcounts.eu: Who wants to be the second (9. Februar 2017)