Andreas Pinkwart

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Andreas Pinkwart (2013)

Andreas Pinkwart (* 18. August 1960 in Neunkirchen-Seelscheid) ist ein deutscher Politiker (FDP) und Wirtschaftswissenschaftler. Er war von 2003 bis 2011 stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und von 2002 bis 2011 Landesvorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen. Pinkwart war von 2005 bis 2010 stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. Er ist seit 2011 Rektor der HHL Leipzig Graduate School of Management und Lehrstuhlinhaber für Innovationsmanagement und Entrepreneurship.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1979 am Antoniuskolleg in Neunkirchen-Seelscheid absolvierte Pinkwart bei der Dresdner Bank AG Köln eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Anschließend begann er 1981 ein Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre in Münster und Bonn, welches er 1987 als Diplom-Volkswirt beendete. Er war dann zunächst am Institut für Mittelstandsforschung an der Universität Bonn und von 1988 bis 1990 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der FDP-Bundestagsfraktion tätig. 1991 wurde Pinkwart mit seiner Dissertation Chaos und Unternehmenskrise an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn bei Horst Albach zum Dr. rer. pol. promoviert. Von 1991 bis 1994 leitete Pinkwart das Büro des Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion Hermann Otto Solms.

Von 1994 bis 1997 war Pinkwart Professor für Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. 1998 nahm er den Ruf als Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, an der damaligen Universität Gesamthochschule Siegen, der späteren Universität Siegen, an. 2003 erfolgte die Feststellung der Habilitationsgleichwertigkeit der Forschungsleistungen durch die Gutachterkommission des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Universität Siegen.

Anfang 2011 nahm Pinkwart seine wissenschaftliche Arbeit als Senior Research Fellow am American Institute for Contemporary German Studies (AICGS) der Johns Hopkins University Washington D.C. (USA) wieder auf. Zum 1. April 2011 übernahm Pinkwart die Nachfolge des Rektors an der Handelshochschule Leipzig (HHL), heute HHL Leipzig Graduate School of Management. [1] Gleichzeitig folgte er dem Ruf auf den Stiftungsfonds Deutsche Bank Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship derselben universitären Hochschule. [2] Die aktuellen Forschungsschwerpunkte von Andreas Pinkwart sind Innovationsmanagement, Entrepreneurship, komplexe Unternehmensdynamik und Turnaround-Management.

Andreas Pinkwart ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt in Alfter-Witterschlick bei Bonn.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pinkwart ist seit 1980 Mitglied der FDP. Von 1992 bis 2003 war er Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Rhein-Sieg. Daneben war er von 1996 bis 2002 Stellvertretender Landesvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen. Nach dem erzwungenen Rücktritt [3] von Jürgen Möllemann als Landesvorsitzender setzte sich Pinkwart im Dezember 2002 überraschend gegen die Kandidaten Ulrike Flach, Rolf Köster und Joachim Schultz-Tornau durch und wurde zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. [4] Pinkwart war seit 2001 Mitglied des Bundesvorstandes der FDP, dem er auch schon von 1997 bis 1999 angehört hatte. Seit 2003 war er stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP. Er legte in dieser Zeit u.a. als Vorsitzender der Kommission Bürgergeld. Negative Einkommensteuer (KoBüNe) das Konzept für das Liberale Bürgergeld vor. [5] [6] [7] [8]

Im Oktober 2010 gab er bekannt, sich aus der Politik zurückzuziehen und seine Ämter auslaufen zu lassen. [9] Er schied daher im Frühjahr 2011 aus seinen Parteiämtern aus. [10]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas Pinkwart mit Hans-Dietrich Genscher und Ingo Wolf

Pinkwart war von 2002 bis zu seinem Ausscheiden am 28. Juni 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er Mitglied des Finanzausschusses sowie Vorsitzender der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der FDP-Fraktion und außerdem ab 2004 haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Von 2005 bis 2010 war Pinkwart Mitglied des Bundesrates. Bei der Landtagswahl 2010 trat Pinkwart als Spitzenkandidat seiner Partei an, die eine leichte Verbesserung des landesweiten Ergebnisses von 6,1 auf 6,7 Prozent erreichte. [11] Er bewarb sich um ein Direktmandat im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis III und erhielt 9,7 Prozent als Direktkandidat, zog allerdings über die Landesliste in den Landtag ein. Wegen seines beruflichen Wechsels an die Handelshochschule Leipzig legte er sein Abgeordnetenmandat zum 31. März 2011 nieder. [12]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Landtagswahl 2005 führte Pinkwart gemeinsam mit Ingo Wolf die Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Am 24. Juni 2005 wurde er schließlich als Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie als Stellvertretender Ministerpräsident in die von Jürgen Rüttgers geführte Landesregierung von Nordrhein-Westfalen berufen (Kabinett Rüttgers). Er war maßgeblich an der Einführung von Studiengebühren in NRW durch das Gesetz zur Sicherung der Finanzierungssgerechtigkeit im Hochschulwesen (HFGG) und an der Neuordnung der nordrhein-westfälischen Hochschullandschaft durch das sogenannte Hochschulfreiheitsgesetz beteiligt. Pinkwart setzte sich für erleichterte Zuwanderungsbedingungen ausländischer Fachkräfte ein. Er forderte, die Hürde des Jahresmindesteinkommens von 85.000 Euro für die Einstellung ausländischer Studienabsolventen zu senken. Pinkwart gilt als Wegbereiter für den Ausbau des Stipendienwesens in Deutschland. Zunächst mit dem NRW-Stipendium [13] und später mit dem von ihm vorgeschlagenen [14] [15] [16] und von Annette Schavan und ihm im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und FDP 2009 verhandelten Deutschlandstipendium [17] ist es gelungen, den Hochschulen in Deutschland die Möglichkeit zu geben, besonders begabten Studierenden ein hälftig vom Staat und von Privaten finanziertes Stipendium einkommensunabhängig, und damit auch zusätzlich zum BAföG, vergeben zu können.

Mit dem Antritt der Regierung Kraft I schied Pinkwart im Juli 2010 aus der Landesregierung aus.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Oktober 2007 erhielt Pinkwart den Kommandeur mit Stern des norwegischen Verdienstordens zusammen mit anderen deutschen Politikern. Im Mai 2008 erhielt Pinkwart den „Deutsche Elite-Mittelstandspreis 2008“. Im August 2012 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. [18] Mit dem Diesterweg-Ring der Universität Siegen wurde Pinkwart am 7. November 2013 ausgezeichnet. [19]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephan Hesselmann, Peter Hüfner und Andreas Pinkwart: Betriebsaufspaltung und Insolvenzrisiko. Schäffer Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-7910-5032-X
  • Andreas Pinkwart: Chaos und Unternehmenskrise. Th. Gabler, Wiesbaden 1992, ISBN 3-409-13463-8
  • Andreas Pinkwart: Katastrophentheorie und Unternehmenskrise. Zeitschrift für Betriebswirtschaftslehre (ZfB). Heft 9/1993, S. 873–895, ISSN 0044-2372
  • Andreas Pinkwart: Möglichkeiten und Grenzen der Chaossteuerung in Unternehmen. Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB). Heft 4/1998, S. 409–422, ISSN 0044-2372
  • Andreas Pinkwart: Campus Companies zur Förderung innovativer Gründungen aus der Hochschule.Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis (BFuP). Heft 4/2002, S. 339–354, ISSN 0340-5370
  • Andreas Pinkwart und Susanne Kolb: Analyse des Insolvenzgeschehens. Entwicklung, Struktur und Ursachen aus regionaler Perspektive. Shaker, Aachen 2003, ISBN 3-8322-1164-0
  • Nicole Göler von Ravensburg, Andreas Pinkwart und Renate Schmidt: Kriterien für die Gründung mittelständischer Kooperationen in genossenschaftlicher Rechtsform. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-86078-1
  • Horst Albach (Hrsg.) und Andreas Pinkwart (Hrsg.): Gründungs- und Überlebenschancen von Familienunternehmen.Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB). Erg.-heft 5/2002, Th. Gabler, Wiesbaden 2002, ISBN 3-409-12330-X
  • Horst Albach (Hrsg.) und Andreas Pinkwart (Hrsg.): Von der Gründung bis zur Insolvenz. Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB). Erg.-heft 2/2003, Th. Gabler, Wiesbaden 2003, ISBN 3-409-12397-0
  • Paul Kirchhof (Hrsg.), Otto Graf Lambsdorff (Hrsg.) und Andreas Pinkwart (Hrsg.): Perspektiven eines modernen Steuerrechts. Festschrift für Hermann Otto Solms.Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-503-09081-9
  • Andreas Pinkwart, Susanne Kolb und Daniel Heinemann: Unternehmen aus der Krise führen. Die Turnaround-Balanced Scorecard als ganzheitliches Konzept zur Wiederherstellung des Unternehmenserfolgs von kleinen und mittleren Unternehmen. Deutscher Sparkassen Verlag Stuttgart 2005, ISBN 3-09-302982-1
  • Andreas Pinkwart: The New Role of Universities in the Twenty-First Century: Universities as Engines of Innovation and Entrepreneurial Hubs. AICGS Policy Report No. 50, Washington, 2012, ISBN 978-1-933942-36-0
  • Michael Czinkota; Andreas Pinkwart: International Business Research and the New Role of Universities - There is Sunshine Above the Clouds. Thunderbird International Business Review Journal, 54 (2012) 2, 253-261, ISSN 1096-4762
  • Nagwan Abu El-Ella; John Bessant; Andreas Pinkwart; Martin Stoetzel: Accelerating High Involvement: The Role of New Technologies in Enabling Employee Participation in Innovation. International Journal of Innovation Management, 17 (2013) 6, ISSN 1363-9196
  • Andreas Pinkwart; Dorian Proksch: The Internationalization Behavior of German High-Tech-Start-ups. Thunderbird International Business Review, 56 (2014) 1, 43-53, ISSN 1096-4762

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pinkwart zieht sich aus der Politik zurück, Rheinische Post, 21. Oktober 2010
  2. Es hat Spaß gemacht, Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.), 22. Oktober 2010
  3. Möllemanns Versöhnungsangebot nur Taktik, Handelsblatt, 25. September 2002
  4. Stolpriger Neuanfang mit Westerwelles Traummann, Spiegel Online, 1. Dezember 2002
  5. Ergebnisbericht der Kommission Bürgergeld - Negative Einkommenssteuer (KoBüNE), 24. April 2005
  6. FDP will Hartz IV durch Bürgergeld ersetzen, Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.), 7. Oktober 2009
  7. Die Liberalen wollen mit einem neuen Konzept den Sozialdschungel lichten und Eigenleistung belohnen, FOCUS Magazin Nr. 4, 24. Januar 2005
  8. Jüngere dürfen sich nicht in der Hängematte einrichten, Berliner Zeitung, 15. April 2005
  9. Pinkwart zieht sich aus der Politik zurück, Rheinische Post, 21. Oktober 2010
  10. Kommentar von Heribert Prantl, Süddeutschen Zeitung, 21. Oktober 2010
  11. siehe Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2010
  12. Andreas Pinkwart beim Landtag Nordrhein-Westfalen
  13. Neues Stipendium soll Begabte in NRW stärker fördern BAföG Aktuell, 12. Mai 2009
  14. NRW-Bildungsminister Pinkwart fordert nationales Stipendiensystem, Berliner Zeitung, 14. August 2009
  15. Ein Stipendium für jeden zehnten Studenten, Süddeutsche.de, 17. Mai 2010
  16. Pinkwart fordert Stipendiensystem, Kölner Stadt-Anzeiger, 18. September 2009
  17. Studenten im Glück: Schwarz-Gelb will Stipendien regnen lassen, Spiegel ONLINE, 19. Oktober 2014
  18. NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart erhält den "Deutscher Elite-Mittelstandspreis - UMU-Mittelstandspreis 2008", 17. März 2008
  19. Diesterwegring für Pinkwart, 7. November 2013